Das Geheimnis von Lastenrädern in Dortmund

Waldbrände in Nordfrankreich, zu heiße Sommer und zu wenig Regen in Mitteleuropa, 15 °C im November in Deutschland… spätestens JETZT sollte allen Politiker*innen klar sein, daß es einen radikalen Wandel braucht – auch in Sachen Mobilität.

Schaut man aber auf die Straßen in Dortmund, ergibt sich das selbe Bild wie immer. Autos, Autos Autos auf den Straßen. Man sei auf das Auto angewiesen. Aber ja, jede*r kommt aus irgendeinem Dorf ADW nach Dortmund zur Arbeit gefahren, oft mit Dortmunder Kennzeichen. Wer Rad fährt, ist immer noch ein*e Exot*in, Spinner*in oder wird als Sportler*in abgetan (je nach Wochentag und Kleidung, die man gerade zufällig trägt). Die Stadt Dortmund könnte und MÜSSTE durch Änderung ihrer Verkehrsinfrastruktur das Leben der Radfahrenden verbessern, überhaupt einmal für gute und sichere Wege sorgen.

Und Anreize für eine Mobilität jenseits des Autos sorgen. Denn niemand muss JEDEN TAG eine Waschmaschine kaufen oder die fußkranke Verwandte zur Ärztin bringen, was den Gebrauch eines Autos rechtfertigen würde. Oft reicht schon ein Lastenrad für das, was man einkaufne oder erledigen will.

Die Anstrengungen der Stadt Dortmund geschehen immer nur so halb und dazu noch zeitverzögert. Andere Städte sind in Sachen Verkehrswende schon viel weiter, haben sich vor Jahren oer Jahrzehnten schon auf den Weg gemacht, den Autoverkehr, der ein Haupttreiber in Sachen Klimawandel ist, einzudämmen. Ganz so, als ob man dieser neuen Entwicklung in anderen Städten (Autoverkehr raus aus der Friedrichstraße in Berlin und Parkbänke hin, Vorrang für Radfahrende und Fußgänger entlang der Seine in Paris, Streichung von Parkplätzen) nicht so recht trauen würde. Und eine Gleichgültigkeit bis hin zur Verachtung, weil man auf diese ganzen verrückten Ökofuzzis mit ihren Fahrrädern ohnehin keinen Bock hat. Hach, was mache ich denn bei Schnee, Kälte, Regen?? Da kann man doch nicht Rad fahren! Jo, wenn wir unsere Mobilität nicht ändern, dann könnte es mit den häufiger auftretenden Stürmen klappen. doch wollen wir das? Woher kommt diese fast schon krankhafte Abhängigkeit, dieses Nicht-Begreifen-Wollen daß das Auto für den MIV keine Zukunft haben kann??

Bis zum 30. Juni 2022 gab es wieder so eien halbe Fache für den Radverkehr: ein Projekt der Stadt Dortmund: Es gab von nextbike – TINK Lastenräder zum Ausleihen, mit und ohne E-Motor. Endlich! freute ich mich, lieh immer wieder schön fleißig aus, um zu zeigen: Hallo Verwaltung, hier ist Bedarf! Wir BRAUCHEN LASTENRÄDER ZUM AUSLEIHEN IN DORTMUND! Ich freute mich immer, wenn ich andere Leute auch mit den blauen TINK-Rädern, deren Ladefläche an eine Badewanne erinnerte, herumfahren sah. Mit E-Bike muss man sich auch nicht so plagen, v.a. wenn man die häßliche Brinkhoffstraße hoch Richtung Innenstadt fahren muss.

Bei der Eröffnung am 1. März2022 am Sonnenplatz hatten die Teilnehmer*innen viel Spaß dabei, die Lastenräder von TINK auszuprobieren.

Doch die Ausleihstationen in Dortmund West, dem Kreuzviertel und am Rande des Saarlandstraßenviertels waren nur ein Projekt, sprich: am 30. Jumi 2022 war Schluß. Zu meiner Verwunderung und Ärger waren die Stationen, die auch noch praktische Sitzbänke aus Holzplanken dabei hatten, schon ein paar Tage vor dem 30. Juni abgebaut worden. Ganz so, als ob man etwas, was der Stadt nicht ganz geheuer ist oder was ihr leicht peinlich in der Autostadt Dortmund erschien, schnell wieder beendeen wolle: Nicht sollte mehr an die Existenz dieser klobigen, großen Räder erinnern, die eine mögliche Bedrohung für die heiligen Auto-Parkplätze darstellten Zum Schluß vermehren die sich noch… und ehrlich, wer will schon eine stadt voller Fahrräder? Eine Horrorvorstellung!

Die Begründung, daß die 24-Stunden-Ausleihe von TINK-nextbike (nextbike ist auch der Betreiber der Ausleihstationen für die normalen Stadträder) nur ein Projekt ist und deshalb nur wenige Monate Bestand hat, war: Man müsse zuerst „evaluieren.“ Seltsam, daß Dinge „evaluiert“ also erst auf ihre Sinnhaftigkeit und Nutzen geprüft werden müssen, die in anderen, vergleichbar großen Städten längst funktionieren! Hat die Stadt Dortmund auch schon evaluiert, warum jede*r Depp immer mit dem eigenen Auto in die Innenstadt fahren und Lebensraum für andere Menschen zu Fuß und mit dem Rad wegnehmen muss? Und durch alternative Mobilitätsangebote einen Anreiz schafft, damit wirklich und endlich nicht die Zufahrtsstraßen v.a. am Samstag voll mit stinkenden Autos sind!

So hatte ich ab Juli wieder den üblichen Streß mit der Lastenrad-Ausleihe. Das Nordstadt-Lastenrad, kurz NOLA, kann nur so lange ausgeliehen werden, wie der Laden/Firma die es im Auftrag der Stadtverwaltung verleiht, geöffnet hat. Spätestens 18 Uhr. Das einzige Rad, das nicht an Ladenöffnungszeiten gebunden ist, ist aber auch kaum zu bekommen, weil der Verleiher so gut wie nie erreichbar ist.Ist als Provatperson eben auch zusätzlicher Aufwand, wenn man auch noch die Ausleihe von Rädern managen soll. Ärgerlich ist diese Nicht-Erreichbarkeit trotzdem. diese beschränkten Zeiten bedeuten unnötigen zusätzlcihen Streß, weil: TINK darf es ja nicht mehr geben. Das ärgerte mich.

Die nächsten E-Lastenräder verleiht der ADFC Unna an verschiedenen Standorten, der nächste ab Dortmund liegt in Schwerte. auch toll, immer erst 15 Kilometer hin fahren zu müssen. Das kostet Zeit und Kraft, die ich nicht immer habe, erst recht, weil der süden Dortmunds recht hügelig ist. Im November nun hatte ich mir die Arbeit und Mühe gemacht und war nun mit einem E-Lastenrad des ADFC Unna in Dortmund unterwegs. Praktisch, daß in der Nähe des Waschsalons ein tolles Café mit leckeren Torten ist. Ich mache noch Witze und sage zur Konditorin:“Sehen Sie, ich habe heute das Lastenrad dabei, ich könnte eine ganze Torte transportieren!“ Sie antwortet, daß Ihr Mann irgendwo da eine Ausleihstation gesehen hätte. Ich wurde hellhörig. „WO?“ fragte ich. „In der Klönnestraße.“ Sie nannte mir noch den ungefähren Standort. Später würde ich mal hin schauen, eder genannte Ort ist nicht weit weg vom Café.

Und tatsächlich, Vor den Wohnhäusern der Dortmunder Wohnungsgesellschaft DOGEWO21 in der Klönnestrßae 11 stehen sie. Wenn die Stadtverwaltung zaudert und nichts tut, so tun es Wohnungsgesellschaften. In Bochum gibt es bereits eine Kooperation mit genau diesem Verleiher. Aber sigo? War das nicht der, über dessen schwachen Motor ich mich im Novmeber 2021 so geärgert hatte?

Und plötzlich gibt es doch wieder Lastenräder zum Ausleihen – ohne Streß wegen fester Rückgabezeiten. Wunder, oh Wunder…

Es ist die die selbe Firma, stimmt. Fast hätte ich die App auf dem scharrmphone schon gelöscht. also gut, die Neugierde siegte, ich probierte ein Rad aus – und war positiv überrascht. Der Motor sprang sofort an, wenn man in die Pedale getreten hatte.Das Fahren machte richtig Spaß! 😀

Eine große Erleichterung, daß es nun endlich wieder Lastenräder für die 24-Stunden-Ausleihe gibt! Noch dazu im Innenstadt-Bereich, so dass man nicht mehr die 7 Kilometer bis zur TU fahren muss (dort gab es im November die ersten sigo-Lastenräder). Aber WARUM, WARUM ERFAHRE ICH DAVON NUR DURCH HÖRENSGEN??

Was soll der Nonsens? Wird sich absichtlich mit Werbung zurückgehalten, damit ja niemand die Dinger ausleiht, damit mn irgendwann wieder sagen kann: da schaut her, diese komischen Lastenräder will ohnehin niemand, also ihr seht, die Leute wollen Auto fahren. NEIN! die Leute wollen nicht unbedingt immer Auto fahren, es fehlten ihnen die Anreize, die Ideen, die Angebote für Alternativen!

Als ich bei der Firma Dogewo21 nachfragte, hieß es, daß die Lastenräder schon verspätet angekommen wären, Ende Oktober wären sie endlich da gewesen. Man werde noch eine Pressemitteilung herausgeben. diese Information bekam ich per Mail Anfang November. Jetzt haben wir bald Mitte Dezember und es ist IMMER NOCH NICHTS auf http://www.dogewo21.de zu lesen. Nun, wenigstens habe ich schon einmal auch andere Leute mit einem sigo-Lastenrad und Dogewo-Werbung fahren gesehen. die Kinder, die auf der Sitzbank auf der Ladefläche saßen, schienen ihren Spaß zu haben.

Eigentlich ist es nicht meine Aufgabe, die Versäumnisse einer Firmen-Pressestelle aufzuarbeiten. Aber weil ich selbst gern Lastenrad fahre und auch selbst immer wieder eins brauche, schreibe ich darüber. Lastenräder sind ein wichtiger Teil der Verkehrswende, eine dringende Notwendigkeit im Kampf gegen den Klimawandel.Im übrigen habe – nicht nur ich – keine Angst vor vielen Lastenrädern auf einmal. Angst machen mir rücksichtslose Autofahrende, die mit mehr als 30 km/h oder 50 km/h durch die Schützenstraße oder auf dem Wall (= Innenstadtring) rasen. Vielleicht sollte man die CDU-Stadtratsfraktion doch mal mit Lastenrädern auf einem ihrer Pressetermine überraschen und sie einladen, doch mal mitzufahren – oder sich im Lastenrad transportieren zu lassen. Spoiler: es macht Spaß und es stinkt NICHT! Und in der Stadt ist man schneller als mit dem Auto! Parkkosten gespart, gut angekommen. Wobei letzteres erst dann garantiert ist wenn – die Infrastruktur endlich fahrradfreundlich wird. Überall und flächendeckend in der Stadt.

Die Ausleihe von den sigo-Lastenrädern geschieht über die Bedienung mit der App. Anders als bei nextbike wird geparkt, indem man das Schloss verschließt. Mit der App kann es wieder geöffnet werden.

Bedauerlich allerdings, dass es praktisch keine Zufahrt zur Ausleihstation gibt. Warum? Es kann doch nicht die Lösung sein, solch ein breites Rad auf dem Gehweg, der auch zu schmal ist (weil die heiligen Parkplätze nie, niemals wegfallen dürfen), von und zur Station zu bewegen! Fastg übersieht man die Station, weil man nur Blech sieht, das davor steht.

Zum Ausleihen scannt man entweder den QR-Code am Rad oder klickt auf das Rad mit der angegebenen Nummer in der App, um es auszuleihen. Daraufhin gibt es ein sirrendes Geräusch an der Station, man wird aufgefordert, das Rad aus der Station zu schieben. Dann kann die Fahrt losgehen!

Bei der Rückgabe schiebt man das Rad wieder in die Station. Während der Standzeit wird der Akkumulator aufgeladen.

Der QR-Code und die Nummer des Lastenrades befindet sich auf der Gabel des Vorderrades.

Kleiner Nachteil: Räder, die zh. B. in der Klönnestraße ausgeliehen wurden, müssen auch dort wieder zurück gegeben werden.

Von Vorteil ist auch die abziehbare, aber immer feste Plane. Sie schützt nicht nur vor Regen, sondern auch vor unerwünschten Blicken auf die eigene Ladung. Dank grüner Halterung kann man sie gut ab- und auf die Ladefläche überziehen.

Die Preise sind auch moderat, da kann man nichts sagen – denn die Motoren funktionieren nun.2,50 € kostet die Nutzung in der ersten halben Stunde, danach 1,00 € für jede weitere angefangene halbe Stunde.Für 24 Stunden zahlt man den Tagespreis von 19.50 €. Einzig allein der Sattel von Nr. 1050 hatte mich letztens genervt, weil er locker war und die Spitze leicht nach oben stand. Sehr unangenehm beim Fahren!

Die Geheimnisse von Dortmunder Lastenrädern, ihr gehimnisvolles Auftauchen wurde nun doch bemerkt und sie entdeckt – dank des spontanen Tortenkaufs und einer kundigen Konditorin, die sonst nicht viel mit Lastenrädern am Hut hat. vielleicht ist das auch das neue Marketing-Konzept der Dortmunder Wohnungsgesellschaft DOGEWO 21: Das Geheimnis Ihrer neuen Wohnung: suchen und finden Sie diese anhand weniger Hinweise! Da wird die Wohnungssuche auf dem ohnehin angespannten Dortmunder Wohnungsmarkt noch spannender. Die eigene Wohnungssuche, really thrilling yourself, wie ein Mystery-Computer-Spiel oder ein Kriimi: wer hätte das gedacht, daß öde suchereien nach eine rneuen Bleibe so actionreich sein können?

Auf www.sigo.green findet man weitere Infos zu den Lastenrädern, die in Kooperation mit der DOGEWO21 in Dortmund verliehen werden. Also: App laden, registrieren, ausleihen und rauf auf die Räder! Dmait endlich weniger Autos in Dortmund unterwegs sind, es weniger Lärm und Dreck und damit ein gesünderes Leben gibt.

Die Last der Lastenrad-Ausleihe

Lastenräder sieht man immer häufiger im täglichen Straßenverkehr. Die Fahrer-/innen bringen damit ihre Kinder zum Kindergarten, so daß nicht noch mehr „Elterntaxis“, also PKWFahrer-/innen mit meist übergroßen Autos, sogenannten SUVs die öffentlichen Straßen benutzen und für noch mehr Straßenverkehr, Lärm und Abgase sorgen. Oder es wird beim Baumarkt, Getränkemarkt oder eben im Supermarkt eingekauft. Lastenräder sind größer als ein normales Zweirad, brauchen aber wesentlich weniger Platz als ein PKW – diese Räder sind wie gemacht für den Stadtverkehr. Denn die meisten Autofahrer-/innen transportieren meist nur eine Einkaufstasche und nicht, wie oft behauptet, gleich einen Kofferraum voller Waren oder täglich die fußkranke Verwandten zum Arzt/Ärztin.

Es macht durchaus Sinn, daß nicht jede*r ein Auto besitzt, denn es gibt Mietmodelle für Autos, z. B. carsharing. So könnte man auch über den Besitz von Lastenrädern denken. Abgesehen davon, daß mir das nötige Kleingeld für so ein tolles Rad fehlt, wüßte ich auch nicht, wo ich es sicher abstellen kann. Deshalb müssen vernünftige Leihsysteme her. In den letzten Jahren hat sich in Dortmund schon etwas getan. Aber das Angebot an Leih-Lastenrädern in Dortmund reicht bei weitem noch nicht aus, v.a. in den Sommermonaten. Im folgenden gibt es einen Überblick über die Verleihsituation von Lastenrädern im Stadtgebiet Dortmund.

Als ich 2015 nach Dortmund kam, sah ich zufällig einen Vertreter der Initiative VeloCityRuhr auf dem Campus mit einem roten Bullitt fahren. Die Infos waren bald besorgt, das Lastenrad immer wieder ausgeliehen. Einen Fahrbericht darüber kann man hier nachlesen.

Ein einziges Lastenrad für eine Stadt mit 500.000 bis 600.000 Einwohner-/innen? Es war klar, daß das nicht ausreicht. Und bei allem Enthusiasmus stößt man bei einem Lastenrad ohne Motor auch bald an die eigenen Grenzen… ab 10 Streckenkilometern mit mehr oder minder vollgeladener Wanne wird die Fahrt bei eher hügeligem Gelände zur Schinderei. Ich probierte den ULF aus, das Unnaer Lastenrad. Große Ladefläche, ruhiger Gang, gemütliches Rad. Auch diese Ausleihe ist kostenlos, es wird um Spenden gebeten. Soweit zu den Vorteilen. Der Nachteil dieses Rades: weiter Anfahrtsweg (rund 12 km) und als eine Art Hollandrad nicht wirklich für hügeliges Gelände, wie es zwischen der Verleihstation, der Radstation am Lünener Hauptbahnhof und Dortmund, meinem Wohnort, zu finden ist, geeignet. Man merkt bei diesem „bakfiets“, daß es für die Ebene gemacht ist – da rollt es auch mal schneller als 15 km/h. Aber ja nichts überstürzen, 20 km/h, da ist dann beim ULF aber wirklich Schluß mit der „Schnellfahrerei.“

Auch das Essener Lastenrad ELa (auch ein Bullitt wie der rote Rudolf) probierte ich in meinem Enthusiasmus aus. doch das war dann wirklich zu viel, 40 km Anfahrt zu haben. (Inzwischen gibt es auch E-Lastenräder in Essen zu leihen). Zurück brachte ich das Rad mit dem Zug, was auch keine Freude macht. Schon ein normales Rad ohne große Ladefläche auf einen Bahnsteig zu bringen ist in Deutschland eine Katastrophe, bei der „Pommesbude mit Gleisanschluß“ wie ein ehemaliger Oberbürgermeister den Dortmunder Hauptbahnhof zu Recht mal spöttisch nannte. Dort wird seit Jahren gebaut und gemacht. Und hey, ein Riese+Müller Packster 60 passt sogar in den neu errichteten Aufzug zu Gleis 23! (Warum das wichtig ist, dazu später mehr).

Im Frühjahr des Jahres 2020, als der Schock über die Coronakrise Geschäfte, das öffentliche Leben und auch den Geist eines jeden denkenden Menschen nahezu lahm legte, gab es eine unter den wenig guten Nachrichten: die Bezirksvertretung Innenstadt Nord hatte drei Leih-Lastenräder angeschafft, die nun ab sofort ausgeliehen werden können. Meine Freude war groß, endlich nicht mehr so lange Anfahrtswege zu haben. Das NOrdstadt-LAstenrad , kurz die NOLA würde ich nun öfter fahren.

Nicht so schwer wie ein Bullitt und sehr wendig: das NOLA, Modell: KARGON One. Eigenes Foto

Die ideale Fahrrad-Ausleihe sieht gewöhnlich so aus: 24 Stunden verfügbar, mit einer App zu buchen und durch einen Klick auf das smartphone oder die Abgabe an einer festen Station zurückzugeben. Das ist bei den 3 NOLAS, von denen zwei Räder auch Kindersitze haben, nicht so. Die Stadt Dortmund, bzw. die Bezirksvertretung mit ihrem Quartiersmanagement ist immer auf Institutionen angewiesen, die für sie die Ausleihe organsieren. Es gibt seit dem Beginn drei Verleih-Stellen: den Langen August (ein privates Kulturzentrum), die Firma GrünBau (Garten- und Landschaftsbauunternehmen) und den Fahrradladen 2WheelGarage. Beim LangenAugust übernimmt ein Ehrenamtlicher die Ausleihe und da es nicht seine Hauptaufgabe wie die Ausübung eines Berufes ist, kann er nicht immer vor Ort sein.

Ohne Motor, aber so wendig, daß man auch durch die nervigste aller Umlaufsperren in Dortmund kommt: mit der NOLA im Fredenbaumpark, kurz vor den Bootshäusern am Dortmund-Ems-Kanal.

Bei den anderen beiden KARGON-Lastenrädern NOLA ist die Zeit der Ausleihe an die Ladenöffnugnszeiten gekoppelt. Das ist verständlich, denn sowohl die 2WheelGarage wie auch GrünBau sind nur Dienstleister für den eigentlichen Ausleiher, das Quartiersmanagement Nordstadt. Ein Betrieb oder ein Laden können nicht wie eine App 24 Stunden agieren. Für Menschen, die das Lastenrad ausleihen möchten, um eben mal nicht das Auto für z. B. den Wocheneinkauf zu benutzen, sind diese beschränkten Zeiten aber von Nachteil. Bei GrünBau muss die NOLA um spätestens 15.30 Uhr zurück gegeben worden sein, bei der 2WheelGarage ist die dealine 18 Uhr, am donnerstag 15 Uhr, in den Wintermonaten ist der Laden samstags geschlossen. Aus Sicht der Ladenbesitzer*innen völlig verständlich – aber eben nicht so, wie es eigentlich bei Leihrädern, ganz gleich ob Lastenrad oder Tourenrad sein sollte. In Mannheim gibt es derzeit solch ein Verleihsystem mit 24-Stunden-Ausleihe. Da werde ich richtig neidisch! https://www.vrn.de/verbund/presse/pressemeldungen/pm/016410/index.html

Da ich leider kein Geld für eine neue Waschmaschine habe, die alte hat wohl die letzten beiden Umzüge nicht überlebt, ist die Lastenradausleihe für mich sehr wichtig. Durch die eingeschränkten Ausleihzeiten bin ich oft in Eile, muss zusehen, daß ich rechtzeitig beim Waschsalon bin, die Wäsche möglichst mit dem Lastenrad nach Hause bringe, um dann das Leihfahrzeug zum 2-3 km entfernten Verleiher zu bringen. Oft genug, auch ausgelöst durch andere ungute Umstände (Mattigkeit durch die Periode, Erschöpfung durch die Verdienstarbeit), musste ich nach Abgabe der NOLA die zwei dicken großen Taschen mit der nassen Wäsche mit dem normalen Rad nach Hause schieben. Auch bei nur 2-3 Kilometern eine Schinderei.

Man muss auch aufmerksam sein, damit nichts passiert: es gibt genug Idioten, die „Hilfe“ anbieten, dich aber nur ausrauben wollen. Hatte ich schon erlebt, ich wußte mich zu verteidigen. Dies gilt nicht nur für das Problemviertel Nordstadt Dortmund. Das Lastenrad NOLA ist Ausdruck der anderen Nordstadt, die eben nicht durch dicke Autos, Patriarchat, Armut allein und Kriminalität geprägt ist. Diese Personengruppe, zu der auch ich gehöre, ist allerdings in der Minderheit. Noch dazu sind alleinstehende Frauen, selbständig mit (Lastenrad)rad unterwegs, vielen Bewohnern hier mindestens suspekt. Diese Verachtung spüre ich jeden Tag von den männlichen Nachbarn. Ich bin die einzige Frau im Mietshaus. Wer jetzt die Klischeekiste gegen Migranten auspacken will: ich kenne es von früher auch nicht anders, nur waren die widerlichen Patriarchen männlich, katholisch und weiß. Von wem die Verachtung voller Sexismus und Misogynie kommt, ist mir egal – eins steht aber fest: Es muss endlich Schluß mit dieser Bosheit gegenüber Frauen, ganz gleich welcher Hautfarbe und Herkunft!

Ja, ich bin noch so old fashioned und bringe die nasse Wäsche nach Hause. Trocknerbetrieb im Waschsalon kostet zusätzlich Geld und Zeit, außerdem vertragen nicht alle Kleidungsstücke die geblasene heiße Luft. Nur wenn´s wirklich mal frostig draußen ist, ist es mit der Wäschetrocknung an der Leine schwierig. „Dank“ Klimawandel wird es aber immer seltener richtig Winter und damit selten richtig kalt.

Viel zu eng: Fußwege durch Dortmunds Straßen dank parkendem Blech.

Ich habe Verständnis für alle Verleiher der NOLAs, daß sie unmöglich 24 Stunden für eine Ausleihe zur Verfügung stehen können. Dennoch bleibt die Situation für die Ausleihe von Lastenrädern unbefriedigend.

Schauen wir doch mal… in den Südwesten!

Mehr aus Langweile oder weil ich was anderes suchte, stöberte ich auf der Seite http://www.cargobike.jetzt herum. Vielleicht gibt es ja doch noch eine andere Möglichkeit, an ein Lastenrad zu kommen…. Beim ULF war ich im Osten von Dortmund gewesen, schauen wir doch mal in… den Südwesten! tatsächlich gibt es in der Nachbarstadt Witten an der Ruhr ein E-Lastenrad zu leihen! Juhuu! 😀 Die „Pottkutsche„, ein Bullitt, Modell Bluebird mit geräumiger Ladefläche, Regenhaube und – nicht selbstverständlich – Gepäckträger hinten. Derzeit (Stand: Januar 2022) ist der Standort des Dienstleisters für die Initiative, die hinter der Pottkutsche steht, das Radcafé im Augustaviertel. Schwupps, habe ich mit der Pottkutschen-Ausleihe gleich mal meine Kenntnisse der Stadt Witten erweitert! Der Sattel (die Ausstattung ab Werk) ist für Damenhintern etwas unbequem, aber für meine Strecken bis 20 Kilometer noch ok.

Ich bin ja froh und dankbar, daß ich überhaupt an ein E-Lastenrad komme – das „nur“ einen Anfahrtsweg von 15 Kilometern hat. Zur Pottkutsche wird es noch einen ausführlicheren Artikel geben. Auch beim Wittener Lastenrad muss man die Ausleihzeitenbeachten (im Winter: bis 17 Uhr Abholung und Rückgabe). Spenden sind immer gern gesehen, es fehlt außerdem noch ein Restbetrag, damit ein zweites Lastenrad angeschafft werden kann, denn: auch in Witten ist emissionsfreie Transport-Mobilität sehr gefragt! Man muss mindestens einen Monat im Voraus buchen, um die Pottkutsche fahren zu können.

Mit dem normalen Rad eine Plage, mti dem Lastenrad locker zu machen: der Getränkekauf.

Meine absolute Favoritin, die ich sehr liebe (ok, ich gebe zu, Dinge kann man nicht lieben, also nicht wirklich) und sehr gern fahre, hat ihren Standort 35 Kilometer entfernt. Momentan leider nicht buchbar (Dezember 2021 /Januar 2022 wegen Reparaturarbeiten und Wechsel des Dienstleisters). Manche halten mich für verrückt, daß ich so weit fahre. Aber wenn man als Geringverdienerin schon die Möglichkeit hat, mal ein top Rad der höheren Preisklasse zu fahren, dann nimmt man auch längere Wege dafür in Kauf. Außerdem sind 35 bis 40 Kilometer Strecke mit einem E-Lastenrad locker zu bewältigen.

Ach GErda, schade, daß wir uns derzeit nicht treffen können. Kein Lastenrad fährt sich besser als ein Packster 60 von Riese und Müller. Mit keinem fühle ich mich so sicher wie mit diesem Rad. Übrigens, weder GErda noch ich sind Fußballfans, bestenfalls Sympathisantinnen der jeweiligen Vereine, bzw. Aktiengesellschaften. 😉 Ein einziges Mal hat mich der Motor in all den Jahren der Ausleihe verlassen, so daß ich nur mit Muskelkraft das schwere Rad fahren und mit dem Zug zurück zum Verleiher bringen hatte müssen. Und huhu, das Packster 60 passt in den neuen Aufzug am Dortmunder Hauptbahnhof!

Im Herbst 2021 las ich, daß nun endlich ein kommerzieller Anbieter von Elektro-Lastenrädern in Dortmund sei. Ich war neugierig und las mir alle Artikel und die Seite von der Firma Sigo sharing durch. Nur 7 Kilometer Anfahrtsweg, die Preise auch ok das sah nach einem guten und erreichbaren Angebot für Leih-Lastenräder, noch dazu mit Elektrounterstützung, aus. die Ausleihe erfolgt automatisch per App, also unabhängig von irgendwelchen Ladenöffnungszeiten. Im November lieh ich ein Rad, um bei einem Bekannten, der rund 15 Kilometer entfernt wohnt, die Wäsche zu waschen und auch zum Trocknen aufhängen zu können. Die Freude über das Sigo-Lastenrad währte aber nur kurz: nach nur 5 gefahrenen Kilometern verabschiedete sich der Motor. Danke auch! Ich hatte noch rund 30 Kilemeter insgesamt vor mir! dieser Abend war eine einzige Schinderei gewesen. Mich machte das wirklich wütend, weil ich von einem kommerziellen Anbieter schon erwarten kann, daß alles funktioniert. Ein heulend pfeifender Motor, der nicht funktioniert… man könnte glatt abergläubisch werden, wenn man das Sigo-Lastenrad fährt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Leider nicht so praktisch, wie es aussieht: ein Lastenrad von der Firma sigo-sharing. Eigenes Foto.

Im Gespräch mit einem Bekannten, der in Köln bei einem anderen Verleiher von (Lasten)rädern arbeitet, sprach ich die Sigo-Räder an. Er sagte mir, daß Motoren einer chinesischen Billigmarke verbaut seien. Ich stöhnte auf. Was nützt ein Elektro-Lastenrad, wenn ich mit nicht auf den Motor verlassen kann???

Auf einer Erkundungstour auf den Teilstücken des Radschnellwegs 1 in Bochum im November erzählte mir ein Teilnehmer, daß auch er als Mieter von sigo-Rädern die selben Erfahrungen gemacht habe. Der Motor fiele eben öfter aus. Wie bitte? soll das der „Normalzustand“ sein?

Den Namen Sigo kannte ich schon. In Bochum können Mieter*innen eines Wohnblocks diese Räder ausleihen.

https://www.bogestra.de/news-liste/news/article/neue-e-lastenraeder-fuer-bochum-bogestra-vivawest-und-sigo-starten-durch.html

Am 2. Januar 2022 wollte ich dem grauen Lastenrad mit dem grünen Firmenzeichen noch mal eine Chance geben. Es sollte eine Spaßtour werden, 30 Kilometer am südlichen Rand von Dortmund entlang und wieder zurück zur Vreleihstation vor den Studierendenwohnhäusern. Doch die Tragödie schrieb sich fort. Das selbe Elend. Glücklicherweise war ich noch nicht weit gefahren, keine fünf Kilometer von der Verleihstation entfernt. .

Die Verleihstation von sigo sharing in der Ostenbergstraße 99 in Dortmund.

Verärgert war ich dennoch. Ausflug unmöglich, Tag versaut! Ist ja ganz wundervoll, wenn man beim Kund*innentelefon immer jemanden erreicht, Verständnis für den eigenen Ärger und „Credits“ bekommt, auch Kostenerlaß. Auch das hatte mir der Bochumer Radfahrer erzählt: dass man oft Bonuspunkte bekäme. Sicher war ich froh, nichts für die verpatzte Ausliehe zahlen zu müssen. Ich habe momentan absurd viele Bonuspunkte, sogenannte „credits.“ Aber ist das der Sinn der Sache? Weder die Firma Sigo noch ich haben was davon: Sigo macht auf absehbare Zeit Verluste bis zum Konkurs, ich kann die „Credits“ nicht einlösen, weil der Motor nicht funktioniert. Heute übrigens bei beiden Rädern. Wäre eben zu schön gewesen, ohne Aufgabenerfüllung (Wäsche sauber bekommen), also ohne Streß mit dem E-Lastenrad unterwegs zu sein. Knurr.

Und ja, es gibt sogar noch ein E-Lastenrad in Dortmund. Aber das ist kein offiziell ausleihbares Rad, sondern im Privatbesitz eines Bekannten. Wenn er es für seine Familie braucht, ist es verständlicherweise nicht verfügbar. Ich freue mich immer, wenn ich das URBAN ARROW fahren kann. Meine Nummer 2 nach dem Packster 60 von Riese und Müller.

Mit dem Cabrio am Phönixsee in Dortmund.

Et maintenant? Wie geht´s jetzt weiter?

Ich weiß nicht, ob ich noch mal Zeit und Nerven investiere, um die knapp 7 Kilometer Anfahrt für das sigo-Lastenrad auf mich zu nehmen – wenn ohnehin zu erwarten ist, daß es wieder nicht funktionieren wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was schief gelaufen sein soll, was ich falsch gemacht haben sollte…. ich bin schon viele Lastenräder, mit und ohne Motor gefahren. Dennoch schrieb ich in meiner Beschwerde, daß ich mich gern mit dem Techniker/der Technikerin treffen würde, damit sie oder er mir das Rad noch mal genauer erklärt. Langsam vermute ich auch Vandalismus oder Wettereinflüsse als Ursache dieser zu häufigen Motorschäden. Finden Marder Elektromotoren-Leitungen genauso spannend wie die von Verbrennermotoren? Dann hat eines dieser Viecher vielleicht am sigo-Lastenrad was durchgebissen (und nicht überlebt).

Der ADFC Unna , mir bisher durch den ULF bekannt,war mit seinen Ortsverbänden in der letzten Zeit auch nicht untätig: auf der letzten Ciritcal Mass Dortmund sah ich zu meiner Freude ein E-Lastenrad aus der südlichen Nachbarstadt Schwerte, die Schwester (oder Bruder) des Riese + Müller Packster 60: das Modell load. Klar wurde mit dem Fahrer und Mieter des Rades gleich gefachsimpelt und gespaßt 😀 . Im Januar werde ich damit zu einem 15 Kilometer entfernten Ärztintermin fahren. Ich freue mich schon darauf. Wie nach Witten sind es auch „nur“ 15 Kilometer Anfahrt bis nach Schwerte – allerdings mit stärkeren Steigungen. Doch ich lasse nichts unversucht, trotz geringem Budget gute Lastenräder fahren und dabei von einem eigenen träumen zu können. Radfahren ist Leidenschaft. Meine Spende fällt eben nicht so üppig aus, wird aber gegeben, weil ich dankbar für die Leihräder bin. Wenn Technik das Leben der Menschen erleichtert, ohne die Umwelt zu sehr zu gefährden, soll sie das tun.

Schade eben, daß sich die Stadt Dortmund immer noch schwer tut, ein richtiges Verleihsystem für Elektroräder, insbesondere E-Lastenräder auf die Beine zu stellen. Das könnte in Kooperation mit nextbike erfolgen. Wenn überhaupt, findet die Ausleihe nur immer mit bestimmten kleinen, kaum bekannten Aktionen wie „Lappenlos“ statt. Ein Lastenrad zur Miete bekommt auch nur, wer bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllt. Mit einer richtigen Ausleihe von (Lasten)rädern hat das nichts zu tun. Stattdessen machen die Stadtwerke, DEW 21 weiterhin schön Werbung für „mehr blauen Himmel“, den ein Autofahrer im E-Auto sitzend, auf seinen Ausflügen sehen soll. Seltsam, den blauen Himmel sieht man eigentlich vor allem beim Radfahren und Spazierengehen. „E fahren“ heißt eben nicht nur Auto, sondern auch Radfahren. Das sollte allen, der Stadt wie den Stadtwerken eigentlich klar sein, wenn sie immer von der „emissionsfreien Innenstadt“ sprechen.