Jetzt reicht´s.

Gründe, um wütend zu werden und frustriert zu sein, gibt es viele. Ich bekomme beides jedes Mal, wenn ich nach etwas profanem, aber eben Notwendigen suche: Unterwäschezeugs. Offensichtlich hat die Bekleidungsindustrie – bzw. deren Entwickler (werden meist Männer sein) nur Scheiße im Kopf. Anders kann man das Angebot – das bezahlbare Angebot – nicht bewerten. Es ist ein Drama, wenn man Büstenhalter sucht, die größer als 85E sind. Man muß ewig suchen, oft ist die gewünschte Farbe oder das gewünschte Modell ausverkauft. In Online-Shops wird man ggf. auf „große Größen“ , die im schlimmsten Fall noch als für alte und ältere Frauen (weil eben von eben diesen Personen vorgestellt) propagiert werden.

Zur Erklärung: die Zahl, z. B. 90 beschreibt den Umfang des Oberkörpers unterhalb der Brust. Der Buchstabe nach dem Alphabet ist die „Körbchengröße“, also die Größe der ganzen einzelnen Brust selbst.

Heute habe ich mich nach einem Bikini für meine Größe umgeschaut. Es scheint aber ein Verbot zu geben, ab Größe 90 fort folgende einen Bikini tragen zu dürfen. Bei dem Hersteller, bei dem ich zu meiner Erleichterung vor 14 Tagen passende BHs, in denen man sich mal wohlfühlt gefunden hatte, haben diese Bikinis auch nicht. Bei einem Versandhändler für´s Wandern, Radfahren, Zelten etc. („outdoor-Aktivitäten“) kann man wenigstens eine „Sonderbestellung“ aufgeben. Einerseits gut, ja, aber warum „Sonderbestellung?“ Bin ich mit meiner Größe eine Außerirdische, oder gar wie ein Lebewesen mit seltener KRankheit, das eine Sonderbehandlung braucht?? Ich habe vergangene Woche schon mehreren Herstellern Protest-E-Mails geschrieben, warum sie nur Kleinzeug produzieren – die Antworten stehen noch aus. Ich habe ihnen geschrieben, dass es auch Frauen mit BH-Größe 85 aufwärts gäbe, die Sport machen würden und deshalb auch Sport-BHs bräuchten. Was für ein Wunder, dass die nicht alle fett und faul sind.

Man kann dem 19. Jahrhundert viele Vorwürfe machen, ich möchte nicht gelebt haben damals mit dem grausigen Korsett. Aber es war offensichtlich normal, nicht schmalbrüstig zu sein.

Hallo, geht´s noch, Ihr Arschlöcher von der Bekleidungsindustrie??? Jung sein heißt dürr, am besten blond und langhaarig und schmalbrüstig – alt hingegen dick, eher klein und mit großem Busen??
Ja glaubt Ihr Deppen denn ernsthaft, dass wir Frauen – die Menschen überhaupt – sich bei der Geburt aussuchen, was man wird?? Dass man selbst dran schuld ist, wenn man die verdammte BH-Größe 95 D oder E hat??!!?? NEIN!! Man sucht es sich NICHT AUS! Das Geschlecht und die Körpergröße und Formen ist die Schuld des Zufalls, was bei Verschmelzung von Ei und Samenzelle eben grad zusammenkommt. Wer Pech hat, bekommt die schlechten oder vermeintlich schlechten Merkmale eines Elternteils mehr ab als die guten (z. B. schlechte Zähne, Erbkrankheiten, zu kleine Körpergröße im Verhältnis zur Brustgröße usw.).

Oft endet das ganze Elend, das sich dan Leben und Körper nennt, in dem Haß auf den eigenen Körper. Dabei müßte man die Bekleidungsindustrie (zumindest die deutsche) hassen. Sie sind es, die blind und mit Scheuklappen durch die Gegend rennen. Als ob alles dünn, groß und schmalbrüstig wäre. Und was alt oder älter ist, das ist dick und nicht weiter interessant, deshalb kann man dieser Gruppe entweder hoffnungslos veraltete Moden und Muster aufzwingen oder sie dazu zwingen, zuviel Lebenszeit mit der verzweifelten Suche nach gut aussehenden, modischen und vor allem auch PASSENDEN Klamotten zu verschwenden. Vom hohen Anschaffungspreis ganz zu schweigen!

Und vor allem, verdammte Bekleidungsindustrie, WAS ist für Euch alt??? Es gibt genug Frauen zwischen 15 und 40 Lebensjahren, die BH-Größe 95D oder E haben!! Schaltet Euer gottverdammtes Hirn endlich ein und produziert modische Sachen für diese Frauen, die ein Recht auf ein anständiges Leben haben! Ich mußte aufgrund zuvieler Menschen in der Familie und nur einem Einkommen oft genug alte und abgetragene Sachen tragen, als Teenager sah ich furchtbar aus, weil dieser Klamottenschrott sowas von häßlich und altmodisch war; na Hauptsache der Diktatorin = meiner Mutter gefiel es. Ich habe heute noch einen Haß auf die Schulkolleg_innen von damals, die jeden und jede, die keine Markenklamotten tragen konnte, niedermachte. Vergiß die dummen Lehrer, die machen ohnehin nichts. Schade, dass bei der Bombendrohung damals die Schule nicht hochging. Der drecks reaktionäre Laden hätte es verdient. Auf dem Land und in der Kleinstadt auf dem Land ist eben alles, alles zu spät.

Es sind genau diese jungen Frauen, die gegen diese Ungerechtigkeit aufstehen müßten. doch leider zieht sich jeder nur ins private, individuelle zurück.

Eine Zeitlang, so mit Mitte 20, habe ich gar keinen BH getragen. Weil ich wütend war und auch gleichgültig. Ach, es sieht ja so scheiße aus, wenn alles runterhängt. Und wißt Ihr was, Ihr Außenstehenden? ES IST MIR EGAL!!!

Denn Ihr seid es, die außen drauf schauen, die falschen Männer (zufällig bin ich heterosexuell) finden mich attraktiv – ich muß damit rumlaufen und mich damit rumplagen. Ja, aufgrund äußerer Umstände wie z. B. der Nicht-Verfügbarkeit von ordentlicher Kleidung ist dieser Körper oft genug eine Plage. Aufgrund der immer selben dummen Type Mann, die einen anmacht und die man nicht haben will als Frau. Was auch daran liegt, dass der Frauenkörper immer noch als Ware gilt, als willenloses Ding, über den Mann verfügen kann (das auch ohne med. Dr.-Titel). Psychologen sagen gerne, man müsse sich selbst aktzeptieren. Doch das ist nur die eine Seite. Die andre Seite ist, dass diese oben beschriebene Gleichung ENDLICH GEBROCHEN WERDEN MUSS. Dass es in unserer Gesellschaft als normal gilt, Mitte 20 oder Mitte 30 zu sein und BH-Größe 95 D oder E hat.

Ich muß nicht als Modepuppe rumlaufen. Aber ich will das tragen können, auf was ich Lust habe!

Ohne als „alt“ und abgeschrieben zu gelten, wenn ich älter werde!

Übrigens finde ich grundsätzlich die Frauen cool, die auch noch mit Mitte 60 bunte und junge Klamotten tragen und nicht dieses miefige, langweilige, biedere und konservative Beige, Grau und Olive. Loriot karikiert das sehr gut in seinen Filmen (dort sind alle beige oder grau gekleidet).

Und geht mir alle zum Teufel die meinen, alle Frauen müßten Kinder bekommen, nur weil sie von Natur aus die Anlagen dazu haben. Auch das sucht sich NIEMAND aus. Ist ja schön, wenn es potenzielle Väter gibt, die sich Kinder wünschen und damit auch anzeigen, dass sie bereit sind, sie zu erziehen. Doch ich will keine. Schon allein weil ich keinen Bock darauf habe, einen noch umfangreicheren Körper und damit noch mehr Schwierigkeiten bei der Klamottensuche zu bekommen. Nein, wenn man will, kann man sich auch anderweitig für Kinder engagieren. Es gibt genug unglückliche Kinder, für die man sich einsetzen kann. Hört mir doch auf mit dem Dreck, dass man unbedingt verwandt sein muß! Nein, muß man nicht. Hauptsache, man versteht sich. Familie, das ist nach meiner Lebenserfahrung das furchtbarste, was einem passieren kann: ein verlogener, unfairer Haufen, der einen verrät und betrügt, anstatt einen als Mitglied zu unterstützen. Warum feiern z. B. nicht Freundesverbände, unabhängig von einer religiösen Überzeugung miteinander Weihnachten??

Ach ja und wer jetzt daher kommt und mir vorwirft, ich würde nur auf Äußerlichkeiten schauen, dem und der sei gesagt: das Äußere sagt einiges , wenn auch nicht alles aus über den Menschen. Lest mal Pierre Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ oder / und einen KOmmentar dazu, wenn´s Euch zu kompliziert geschrieben ist. Der Mann trifft genau das, was ich denke.

Der Schimmelreiter von Theodor Storm – eine Rezension

Manche Bücher liest man zum falschen Zeitpunkt im Leben – weil es auf dem Lehrplan steht oder die Lehrer_innen es so wollen. Eine Freundin sagte mir, dass es zu ihrer Schulzeit immer nur der „Pimmelreiter“ gewesen sei. Ich mußte schmunzeln (denn einen Pimmel hat(te) die Hauptfigur sicher auch).

Ich muß sagen, dass ich von Anfang an beeindruckt von dieser Novelle war (und nicht nur wegen der Liebesgeschichte darin), obwohl die Sprache für heute ungewohnt ist und geschwollen klingt. Manches wirkt sogar zum Lachen, weil es gar so schwülstig formuliert ist.

Es ist eine ‚klassische Konstellation‘, die der Autor Theodor Storm hier verwendet : Protagonist (Hauke Haien) und Antagonist (Ole Peters). Einen Spieler und Gegenspieler, ein Konflikt – so kann es eine Geschichte geben, so hat man was zu erzählen.

Kurz zum Inhalt:

ein Reisender wird durch einen Sturm gezwungen, in einem Haus Halt zu machen, in dem eine Gesellschaft versammelt ist (alles Männer). Ein alter Schulmeister erzählt ihm die Geschichte des Deichgrafen Hauke Haien.

Es wird das Leben von Hauke Haien, der vom Dorfbewohner an der nordfriesischen Küste zum Deichgrafen aufsteigt, erzählt. Er kämpft mit rationalem Denken gegen den Aberglauben seiner Mitmenschen, die in den drohenden Überflutungen durch das Meer eine Bestrafung für die Menschen sehen und alten Sagen Glauben schenken, dass man etwas Lebendiges in den Deich bauen müsse, damit dieser gegen das Meer halte und die Gemeinschaft der Menschen schützen könne. Außerdem gibt es manche Neider im Dorf, die ihm seine gesellschaftlich gehobene Stellung als Deichgraf, die er doch angeblich nur „seines Weibes wegen“ bekomme hätte, streitig machen. Der alte Deichgraf hat „nur“ eine Tochter hinterlassen, die Hauke Haien geheiratet hatte. Er schafft es, die anderen Lokalpolitiker („Gevollmächtigten“ Ober-Deichgraf“) von seinen Plänen zu überzeugen, so dass ein neuer Deich nach seinen Plänen gebaut wird. Und dieser hält bis über seinen Tod hinaus.

Ähnlich wie Goethe bei „Faust“ auch greift Storm auf alte Sagen zurück, die er gesammelt hatte („Der Gespensterreiter“). Aber Storms Hauptfigur geht nicht über Leichen wie Faust, der verschiedene Mittel gegen Krankheiten an Menschen „ausprobiert“ und diese damit zu Tode bringt.

Am Anfang wirkte für mich die Hauptfigur Hauke Haien leicht hochmütig, arrogant. In der Dorfgemeinschaft stößt er mit seiner Meinung über den Deichbau auf Widerstand. Man müsse den Deich, der die Menschen vor dem Meer schützt, anders bauen – doch das will niemand hören. Regelmäßig geht der junge Hauke hinaus und sieht sich den Deich an. Allerdings ist das kein hochmütiges Getöne; im Laufe der Handlung wird klar, dass sich Hauke Haien seine Sache für den Deichbau gut überlegt hat.

Auf seinem regelmäßigen Weg zum Deich kommt er an der Hütte der alten Triens vorbei, vor deren Haus liegt immer ein Angora-Kater. Das Tier hat ihr einmal ihr Sohn  von seiner Seefahrt mitgebracht. Das ist das letzte, was ihr von ihrem durch das Meer zu Tode gekommenen Sohn geblieben ist. Hauke Haien hat ihm immer was vom selbst durch Steinwurf erlegten Vogel zugeschmissen. Einmal wird das Tier aber aggressiv und will den ganzen Vogel haben. Mir erschien der Kater von Anfang an kein zahmes Haustier, eher ein halbwildes Tier zu sein. Der Kater verletzt Hauke am Arm. Aber warum muß Hauke den Kater gleich ermorden deswegen? Jugendlicher Übermut? Es wird an mehreren Stellen betont, wie jung Hauke Haien noch sei…  Er hatte unbedingt seinen erjagten Vogel haben müssen. Als Katzenfreundin hat mir das schon weh getan. dennoch hätte er ihn nicht töten müssen, das letzte Lebende, was der alten Triens von ihrem Sohn geblieben ist. Abschied nehmen müssen für immer ist grauenhaft, unerträglich, fast so, dass man nicht mehr weiterleben möchte.

Was ich mir aber auch gedacht habe:

Wenn man am und mit dem Meer lebt, das einen gleichzeitig ernährt und mit dem Tode bedroht, so hat man eine andere Einstellung zum Leben. Es ist gar keine Zeit, lang um einen Verstorbenen zu trauern; das Leben muß weiterlaufen, organisiert werden, die Gemeinschaft ist es, um deren Überleben es geht, man ist aufeinander angewiesen. So ist Hauke Haiens Vater ratlos was er der alten Triens sagen soll, als sie ihn den toten Kater zeigt und seinen Sohn anklagt. Wohl ist es in der Vorstellung, wie ein Mann sich in diesem Zeitalter zu verhalten hat auch nicht vorgesehen, dass er Emotionen zeigt; dafür sind die Frauen zuständig.

Auch wenn die Novelle „Der Schimmelreiter“ im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert spielt, ist doch manches gleich wie heute. Beziehung Hauke Haien und Dorfgesellschaft: das dumme, falsche Gerede macht dem Deichgrafen Hauke Haien zu schaffen, seine Unterstützer sind nicht viele – und er wird wütend auf die Leute. Eine nachvollziehbare Haltung.

Im Gesamtkontext, trotz des Mordes an dem Angora-Kater der alten Triens ist Haukes Humanität bemerkenswert; ein Gegenpol zum allgemeinen gesellschaftichen Konsens:

1.) er ist als Deichgraf dagegen, dass was „Lebiges“ in den Deich müsse, also ein Mensch oder Tier geopfert werden müsse, um den Deich haltbar zu machen. Die Arbeiter am Deich halten am Aberglauben fest. In dieser Szene rettet er einen Hund vor dem Eingraben in den Deich. Zuerst könnte man denken: was für ein Narr, wie er sich da hinunterstürzt. Doch selbst der Hund ist es ihm wert, gerettet zu werden.

2.) Sein Kind, daß „erst im 9. Ehejahre geboren“, wird von ihm und seiner Frau Elke geliebt und angenommen, obwohl es „nur“ ein Mädchen ist und geistig behindert ist. Es sei Gottes Wille gewesen, dieses Kind zu bekommen, keine Strafe wie Elke meint und Gottes Wille, den man als Mensch nicht verstehen könne.

3.) Hauke Haien kauft einem Fremden ein abgemagertes Pferd ab, das erstaunlich gute Zähne hat, also noch nicht alt sein kann. Er erbarmt sich dem Tier, trotz aller Bedenken seiner Umgebung: der Verkäufer sieht aus wie ein Herumtreiber, Betrüger, er lacht hämisch, als Hauke mit dem gekauften Schimmel davonreitet. Das ist das phantastische Element in der Novelle: der Apfelschimmel, der scheinbar Unheil im Hause des Deichgrafen Hauke Haien verbreitet. Doch das Tier führt sich nciht auf wie ein Teufel: es genest unter der Haltung des Deichgrafen und liebkost seinen Herrn. Bemerkenswerterweise hat der Schimmel keinen Namen, der vom Deichbau gerettet Hund („Perle“) sowie die Möve „Claus“ der alten Triens (die später im Hof des Deichgrafen wohnt) schon.

Das unheimliche und phantastische Element in der Novelle bleibt aber in der Gestalt des Wiedergängers erhalten; de Untote Hauke Haien muß immer noch auf dem Deich reiten, wohl weil ihm zu Lebzeiten der Triumph seines Rationalismus gegen den Aberglauben versagt blieb.

Verhältnis Männer und Frauen:

Es ist klar: die Geschichte spiel zu Ende des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Frauen haben sich den Männern unterzuordnen. Ehefrau Elke widerspricht ihrem Mann Hauke Haien nie, für meinen Geschmack hätte sie es aber hier und da tun sollen. Wenigstens sagt er ihr fast immer, was ihn umtreibt, warum er wütend ist. Bei manchen Formulierungen denk ich mir aber: wow, boah, etz aber… In der Zeit, als Hauke Haien noch Großknecht beim alten Deichgraf=Vater von Elke ist, fängt er an, sich für Elke zu interessieren. Die anderen Mägde werden gar nicht erwähnt; theoretisch könnten sie auch für ihn möglcihe Heiratskandidatinnen sein. Er sagt einmal:“sie sieht mir auch nicht dösig (dumm) aus.“ – na boah, was du nicht sagst, Mannsbild! 😉 Interessant zu beobachten als Leser_in, dass er einige Zeit braucht, um sie anzusprechen. Und noch eine Zeitlang (genaue Zeitspanne ist im Buch nicht angegeben) um ihr zu gestehen, dass er sich mit ihr verloben wolle und ihr den Ring gibt, den er die ganze Zeit in der Hosentasche getragen hatte. Wohl kommt dabei auch das bürgerliche Ideal der Liebe vor, ähnlich in den Werken von Schiller (Kabale und Liebe). Eine Heirat sollte demnach auch aus Liebe erfolgen, nicht nur aus zweckrationalen Gründen.

Wenigstens wird Elke bescheinigt, dass sie besser rechnen könne als ihr Vater. Schade – aber für diese Zeit üblich – dass sie nach der Heirat nicht ode nur noch wenig rechnete, weil in den Vorstellungen von Frausein das rationelle Handeln keinen Platz hat (traurig, dass selbst heute noch Menshcen so denken!). Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass das schon auch ein Stück herbe Kritik am Deichgrafen war: er , der Hausherr und Mann soll nicht so gut rechnen können wie seine Tochter! also wirklcih ein Skandal.

Und: Hauke verstößt seine Frau Elke nicht, auch wenn sie ihm 8 Jahre lang keine Kinder bringt. Das ist schließlcih gesellschaftliche Pflicht im 17. und 18. Jahrhundert. Außerdem geht es um die politische Nachfolge des Deichgrafen. Wenn ein Dorfbewohner wie Hauke Haien Deichgraf werden konnte, ist die Besetzung dieses Amtes wohl auch keine Frage von Adelsstand und Geburtenfolge. Ich mußte allerdings schmunzeln: Hauke antwortet auf Elkes worte wie schlimm es doch sei, dass sie ihm keine Kinder bringen könne: “ das wird der liebe Gott tun.“ Haha. Wußte man im 17. und 18. Jahrhundert noch  nicht, wie Kinder entstehen? Dass es nicht nur die Verantwortung der Frau geschuldet ist??

trotz aller gesellschaftlichen Konventionen dieser Zeit, trotz der zurückgenommenen Sprache: es ist der liebevolle Umgang beider, Hauke Haien und Elke miteinander, der einen als Leser_in so rührt. Es war so wohltuend, das zu lesen… Sicher wird an festgelegten Geschlechterrollen festgehalten: der rationell denkende Mann (Deichplanung) und die emotionale Frau, die ihren Mann zu unterstützen und ihm nicht zu widersprechen hat. Dieses Bild wird jedoch, soweit es in dieser Zeit möglich ist, durchbrochen: Vater Hauke trägt sein Kind bei sich, schützend eingewickelt , wenn er auf den Deich reitet. Er hat also selbst aktiv Gemeinschaft mit seinem Kind, überläßt es nicht nur seiner Frau und den Mägden. Er läßt die Liebkosungen seines Schimmels zu, er umarmt seine Frau und küßt sie. Andererseits wird die gesellschaftliche Geringschätzung von Frauen deutlich in dem Satz „er ist nur Deichgraf seines Weibes wegen.“ Frauen ist es nicht erlaubt, solch ein Amt zu bekleiden und sie gelten nur als eine Art „Steigbügelhalter“, wenn sie als Tochter eines Deichgrafen ihrem zukünftigen Mann dieses Amt mit in die Ehe bringen. Wegen dieser Bemerkung (und auch aus eigenem Ehrgeiz) meint sich wohl Hauke Haien vor der Dorfgesellschaft  beweisen zu müssen, indem er einen neuen Deich plant und baut.

Im Hermann-Kesten-Kolleg Nürnberg, wo ich das Abitur auf dem 2. Bildungsweg gemacht hatte, hatten wir von Theodor Storm „Pole Poppenspäler“ gelesen. Ich glaube, ich werde noch mehr von diesem Autor lesen.

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Die Kulturgeschichte des Radfahrens im Kontext der Fahrradwerbung

Das ist der Titel meiner Bachelorarbeit.

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Wer mag, kann diese Arbeit lesen.

Sie findet sich unter dem Link

https://www.dropbox.com/s/e5wnmpz0tt8apke/BACHELORARBEIT%20ANGELIKA%20STEGER%20MAERZ%202015.pdf?dl=0

Ride on!

Die Literatur, die ich verwendet habe:

A. St. WP_000131 WP_000129

Ein Originaldruck , Autor ist Karl von Drais selbst, der den Prototyp des Fahrrades entwickelt hat.

Ein sehr empfehlenswertes Buch – nicht nur , wenn man eine Arbeit schreibt:

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Gesehen in Jena. Wegen der Dunkelheit und Straßenlaterne ist das Foto leider nicht so gut geworden. Mit Elektroantrieb wär das mein Einkaufsfahrzeug! Endlich ohne Streß und Umstände auch Getränkekästen transportieren können!

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 Hochradrennen…. unglaublich, mit dem umständlichen Ding fahren zu können 😉 

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Radfahren : Schnappschuß von heute…. das Draissche LAUFRAD links in Miniaturform im Bild…

???????? Radfahren, auch im Winter! Das ist selbstverständlich.

Radverkehr Jena: heute mal ein Lob…

Meist gibt es was zu motzen beim Radverkehr Jena. Eine Kleinigkeit, die mir in den vergangenen  Wochen aufgefallen ist.

Endlich ist dieser bescheuerte Poller weg!

Am Boden ist noch zu sehen, wo der Poller gestanden war.

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Das ist die Stelle, an der der Radweg von Neu-Lobeda aus kommend, an der STraßenbahnhaltestelle „Lobeda“ links an der Pferdekoppel vorbeiführt.

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hier im Hintergrund, den Weg zurückgeblickt: die Stelle ohne Poller.

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Links läuft der Radweg weiter in die Oberaue (STadion des FCC Jena) und in die Innenstadt.

Der Weg geradeaus: in die Innenstadt, rechts: zur Lobedaer Straße und nach Jena-Burgau. Die pollerfreie Stelle ist jetzt hinter dem Rücken des Betrachters.

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Wo es beim Radverkehr Jena noch kräftig hakt! Heute: Mitnahmemöglichkeiten in den Straßenbahnen der Jenaer Nahverkehrsgesellschaft (=JeNah)

Seit einiger Zeit gibt es 2 neue Straßenbahnzüge bei dem Jenaer Nahverkehrsbetrieb. Leider wurde nicht an die Möglcihkeit, Platz für Fahrräder zu schaffen, gedacht. Eine Stadt, die sich umweltfreundlich schimpft und modern sein will, attraktiv für Zuzug, macht so einen Schrott bei ihren Nahverkehrsfahrzeugen.

Wieder zu kurz gedacht, bzw. nur an die Rechte von Rollstuhlfahrern gedacht. Ganz toll. In einem Interview mit dem alten Chef der JeNah wurde die ablehnende, ja geradezu verhaßte Haltung gegenüber Radfahrer_innen deutlich. Weil offensichtlich in viele Hirne nicht reingehen will, dass man auch als Radler und Radlerin verdammt noch mal manchmal auf die Mitnahme in der Straßenbahn und im Bus angewiesen ist! Ja stellt Euch vor Ihr Scheuklappenträger, diese Situationen gibt es! Dicker Regen nach einer Tour, von der man erschöpft zurückkehrt, schlicht und einfach zu große Müdigkeit am Abend, wenn man den ganzen Tag in der Unibibliothek gearbeitet hat., nur um ein paar Beispiele zu nennen. Oder schlicht und einfach eine Panne am Rad.

Der Depp übrigens, der mir geraten hat, das Rad an die Stelle der Lamellen zu stellen, also wo die Straßenbahn ein Gelenk hat, der kann mir dann das Rad während der Fahrt halten und sich dann stellvertretend für mich blaue Flecken und sonstigen unnötigen Unsinn während der Fahrt zuziehen, wenn die STraßenbahn am Abbiegen ist. Ach ja, und die Reparaturkosten gleich übernehmen, die durch das sinnlose Hin- und Hergeworfensein während der Fahrt entstehen. Der Platz an den Lamellen ist der ungeeigneste Platz überhaupt!

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Die Situation in der alten Straßenbahn ist nicht besser. Einziger Vorteil ist, dass es dort noch Klappsitze gibt und man immer sein Rad sitzend im Blick haben kann.

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Es ist grade so, dass man als Fußgänger_in noch vorbei kommt. Noch. Dennoch keine Lösung, diese Bauweise von Straßenbahn.

Die armen Autofahrer_innen – auf der Rudolstädter STraße in Jena-Winzerla

Unglaublich, wie jemand die „Vertreibung von Autofahrern“ beklagen kann. Sicher ist es kein Spaß, noch einmal mehr in der Rudolstädter Straße anhalten zu müssen. Fahrgäste der Jenaer Nahverkehr wollen eben rechtzeitig zu Ihrer Haltestelle kommen. Nur: nach diesen Fahrgästen und auch nach den Bedürfnissen von Radfahrer_innen fragt niemand; so oft, wie Radfahrer_innen ausgebremst werden!  Da muß man sich echt fragen, ob nicht der Kommentator auf beiden Augen blind ist.

Der ARtikel, um den es geht in meiner Kritik:

http://jena.otz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Die-Art-der-Politik-veraergert-Lutz-Prager-ueber-die-versuchte-Vertreibung-des-1585741812

mein LESERINNENBRIEF – 26.Februar 2015:

Zunächst mein großes Mitleid mit allen Autofahrern. *hust*. Also Entschuldigung Herr Prager, das kann wohl nicht Ihr Ernst sein, was Sie hier schreiben.Warum wird immer nur an die Autofahrer_innen gedacht? Sie tun gerade so, als ob Autofahrer_innen permanent bei der Verkehrsplanung benachteiligt würden – doch das Gegenteil ist der Fall!

So wie Sie sich über die Fußgängerampel aufregen, könnte sich der ADFC JEDEN TAG ÜBER UNSINNIGE VERKEHRSPLANUNG AUFREGEN! eines von zahllosen Beispielen: die Neugasse. Ohne es zu wollen, auch im langsamen Fahrtempo ist es aufgrund zugelassener Parkplätze fast ein unfreiwilliger Zwang, als Radfahrer_in mit AutofahrerInnen zusammenzustoßen. Diese Parkplätze werden hauptsächlich nicht, wie argumentiert, von Kunden des Einzelhandels genutzt; es wäre auch eine grooße Zumutung, das tonnenschwere Wollknäuel ein paar Hundert Meter zum Parkplatz außerhalb zu tragen. Die Neugasse ist sinnlos eng durch diese Parkplätze, die fast nur von Anwohnern genutzt werden!

Zwar ist im Gegensatz zu meiner alten Heimat das Rad kostenlos in allen Zügen Thüringens mitzunehmen, aber der Städtebau und die Verkehrsplanung richtet sich traditionell am Autoverkehr aus: mit katastrophalen Folgen: stinkende, verstopfte Innenstädte, mehr Verkehrsunfälle, die von Autofahrer_innen verursacht wurden. Ich weiß nicht, aber Sie müssen echt auf beiden Augen blind sein, im 20. und 21. Jahrhundert das Auto als das Verkehrsmittel überhaupt hinzustellen. Schon mal was von der Kampagne „Schritt für Schritt zu umweltfreundlicher Mobilität“ gehört? Die Stadt Jena tut aufgrund immer größerer Umweltschäden (Ozonloch, die kranken Bäume in der Erfurter STraße, auch durch Luftverschmutzung) gut daran, Mobilität außerhalb des Autoverkehrs zu fördern. Und falls Sie es immer noch nicht kapiert haben, wie leider viele Menschen in meiner alten Heimat auch: das Rad ist auch ein Alltags-Verkehrsmittel, nicht nur was für Kinder oder ein Sonntagnachmittag-Ausflugs-Fahrzeug!

Ein Tip: unterhalten Sie sich mal öfter mit dem ADFC. Das öffnet einem die Augen und erweitert den Horizont! Es gibt sicher Gelegenheiten, bei denen es besser ist, das Auto zu nehmen. ABer bestimmt nicht, wenn man in die Innenstadt will!

Und überhaupt:

Sie fragen in Ihrem Kommentar gar nicht nach den Bedürfnissen von Fahrgästen der JeNah. Die geplante Ampel mag ärgerlich für die Autofahrerschaft sein , aber: hallo, es gibt auch noch andere Verkehrsteilnehmer_innen, die dort unterwegs sind!

Wo es beim Radverkehr Jena noch kräftig hakt! Heute Teil 2: Radfahrstreifen Karl-Liebknecht-Straße, Nähe Kreuzung Schlippenstraße

Die Karl-Liebknecht-Straße führt als Hauptstraße vom Wenigenjenaer Ufer weiter nach Jena-Ost hinein. Ungefähr auf dieser Höhe beginn auf der rechten Seite , also stadtauswärts, ein Radfahrstreifen. Einmal wird dieser um die Haltestelle „Geschwister-Scholl-Straße“ herumgeführt und kurzzeitig in einen gemeinsamen Rad- und Fußweg umgeleitet. Alles noch ok. Leider gibt es auch öfter auf dem Radstreifen parkende Lieferwägen, auch Autos. Für zweitere habe ich kein Verständnis, ganz gleich, wie lange sie „parken.“

Doch kann kommt wieder der totale reale Irrsinn:

Der Radfahrstreifen hört plötzlich auf. Noch dazu an der Stelle, an der die Straßenbahn nur noch eingleisig verkehrt. Ganz toll. Dass es dort nicht öfter mal kracht…. ein Wunder wäre es nicht.

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Das Ende des Radstreifens. Hier stößt man unfreiwillig auf den Auto- un den Straßenbahnverkehr. „Schön,“, dass es auch so plötzlich kommt, das Ende des Radstreifens.

Wo es beim Radverkehr Jena noch kräftig hakt! Heute: Steinweg

Der Steinweg verbindet zusammen mit der Camsdorfer Brücke (diese führt über die Saale) die Innenstadt Jenas mit Jena- Ost.  Die Strecke ist nicht weit, man fährt sie, um sich am schönen Wenigenjenaer Ufer an der Saale, das kurz vor Jena Ost, also nach der Camsdorfer Brücke liegt, auszuruhen. Dort kann man schön sitzen auf Bänken oder im Gras, dem Schnattervieh auf der Saale und „an der Saale hellen Strande“ (ohne Burgen an dieser Stelle) zusehen, grillen, chillen, essen, plaudern, lachen.  Doch um mit dem Rad zum Wenigenjenaer Ufer hinzukommen, das ist nicht zum Lachen.

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Der Steinweg ist gepflastert, 2 Straßenbahnschienen-Linien führen durch den Steinweg. Man hat zwischen der äußeren Schiene und dem Bordstein als Radler und Radlerin nur wenig Platz. In der Mitte der Fahrbahn , also zwischen dein beiden Schienenlinien-Paaren zu fahren ist auch ungünstig, weil man dann mitten in der Fahrbahn fährt und sich durch den entgegenkommenden Autoverkehr in Gefahr bringt.

Außerdem steigt die Oberfläche des Steinwegs zur Mitte hin leicht an. Das mag wegen starker Regengüsse so geplant worden sein, damit das Wasser in die Gullys am Bordstein laufen kann. ABER FÜR RADLER BEDEUTET DIE LEICHT ABSCHÜSSIGE EBENE ZUM STRASSENRAND HIN EINEN SCHLINGERKURS FAHREN ZU MÜSSEN. Vor allem bei Regen ist es furchtbar, dort entlang zu fahren! Man fährt unfreiwillig in einer leichten, aber doch stark fahrbaren Mulde, diese Mulde ist zwischen der äußeren Straßenbahnschiene und dem Bordstein. Dazu kommt noch die ständig drohende Vertiefung der Schiene. In Nürnberg bin ich mit meinem Vorderrad schon mal in eine Straßenbahnschiene geraten. Es war abends gegen 18.30 Uhr, Winterhalbjahr, also schon dunkel. Glücklicherweise kam grad keine Straßenbahn.

Was natürlich im Steinweg vorhanden ist: Parkplätze für Autos! Aber selbstverständlich! Sonst würde ja was fehlen . Hahaha.

Das hier im folgenden Bild  ist der Übergang in die Innenstadt. rechts (nicht im Bild) ist die Straßenbahn-Haltestelle „Universität.“ Links läuft die Straße „Löbdergraben“ in Richtung Zentralhaltestelle „Löbdergraben“, bzw. „Stadtzentrum, Holzmarkt.“ Die Ampelschaltung ist katastrophal: streng genommen begeht man als Radfahrer_in immer eine Ordnungswidrigkeit, weil es keine Fahrradampeln und keine Fahrradübergänge gibt. Man muß über den Fußgängerweg fahren (nachdem dort solange NICHTS passiert ist, sehe ich nicht ein, abzusteigen. Ich fahre im Schritttempo drüber und achte auf die die laufenden Zwei- und Vierbeiner_innen :-D).

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…mit der vom Stadtzentrum herannahenden Straßenbahn beginnt es im Steinweg erneut eng zu werden… viel zu eng für ALLE Verkehrsteilnehmer_innen. Da kommt Freude auf… und das dumme Geschimpfe über die „Kampfradler“ geht wieder los.

Man kann nur hoffen, dass der Stadt Jena in dem selbsternannten „Jahr des Lichts“ ein LICHT BEIM RADVERKEHR AUFGEHT!! Schluß mit diesem Straßenbelag und dieser Mulde! Platz für Radler und Radlerinnen in einer Stadt, die mit ihrer Umweltkampagne „Schritt für Schritt“ die Menschen zu umweltfreundlicher Mobilität aufrufen will!