Am niederen Rhein – wo mag das sein?

Die Zeit drängt. Tag um Tag sitzt man am Schreibtisch, die Arbeit SOLL ENDLICH! fertig werden. Doch es geht nicht weiter… man mag schon gar nicht mehr sitzen. Man weiß schon nicht mehr, wie die Luft draußen vor der Tür ist…so ging es mir vergangene Woche. Die für das Frühjahr ungewohnt hohen Temperaturen, an denen sich viele Mitmenschen so enthusiastisch erfreuen, freuen auch die Pollen. Und ja, wegen mir sollen sie auch alle fliegen, es soll ja was wachsen, blühen und Früchte bringen wie jedes Jahr. Aber warum, warum macht das Immunsystem bei Pollenflug solch einen Terror, daß man wegen verstopfter Atemwege kaum mehr schlafen kann?? An jedem Tag des Jahres fliegt richtig gefährlicher Dreck durch die Luft, nämlich: Abgase von Kraftfahrzeugen. Doch da regt sich kein Immunsystem auf – zumindest nicht so akut wie bei den Pollen.

Die nervige, aber völlig unnötige Pollenallergie war verantwortlich dafür, daß ich nicht weiterkam mit dem Schreiben. Einmal gab ich entnervt auf und machte mit dem Rad wenigstens eine kleine Fahrt um den Block. Am Samstag abend gab die Gruppe von „Mask and Music“ unserer Universität eine tolle Vorstellung der Musicalfassung von „Addams Family.“ Eine willkommene Abwechslung, denn Schreiben-Müssen (und den Abschluß haben wollen)  von Arbeiten macht auch einsam. Wegen der Pollenallergie, die zu ständiger Mattigkeit führt, konnte ich auch die regulären anderen Termine der Woche, die Gesellschaft versprechen, nicht wahrnehmen. Am Samstag abend auf dem Weg zur Musicalvorstellung mußte ich ungewollt auch noch auf einen Rassisten treffen. Ja, Rassismus hat viele Gesichter, denn Dummheit und Stumpfheit kennen keine Grenzen. Zuerst dichtet man nicht-deutsch aussehenden Menschen was an, weil vielleicht einer, der auch so aussieht oder auch aus einem bestimmten Land kommt, einen Fehler gemacht hat. Dann sind für viele Deutsche alle Menschen aus …. faul/dumm/gewalttätig usw. Es geht aber auch noch perfider: wer aus dem „falschen“ Bundesland kommt, wird ebenfalls rassistisch angefeindet. Schon das 3. Mal in meinem Leben, schon das 2. Mal in NRW. Was bleibt, ist diesen Idioten eine immer offene Büchse der Pandora zu wünschen. Und zum Glück werden auch schlechte Wünsche wahr – auch wenn die Geschädigten das leider nicht immer mitbekommen. Rassismus und Mobbing müssen zu Straftatbeständen werden! Denn diese Taten verletzen die Seele. Körperliche Gewalt verletzt den Körper, das wird vom Gesetzgeber bestraft – doch das ist zuwenig.

Ich glaube jetzt zu wissen, wie sich nicht-deutsch aussehende Menschen fühlen, die Rassismus erfahren müssen. Nicht erst seit den o.g. Erlebnissen verurteile ich Rassismus als menschenfeindlich, als Dummheit – und: Rassismus ist ein Verbrechen, keine Meinungsäußerung.

Den Sonntag nutzte ich für die Vorbereitungen. Die Strecke war festgelegt, die Taschen gepackt, noch einmal Fitnesstraining gemacht – und dann mußte am Sonntag abend die Brille brechen. Genau in der Mitte. Nach fast 7 langen Jahren hat meine Brille nun ihren Dienst quittiert. Schon vor Monaten hatte ich an eine neue gedacht, aber das Vorhaben immer wieder verschoben. Dabei hatte ich um 10 Uhr in Duisburg sein wollen. Von dort aus sollte es nach Xanten gehen. Das konnte ich jetzt vergessen.

Montag morgen nach schlechtem Schlaf erst mal zum Optiker, ein Notfall war zu lösen. Die alten Gläser konnten in ein neues Gestell, um überhaupt eine Brille zu haben. Dann: eine neue aussuchen. Ich betrachtete es nicht mehr so sehr als „Staatsakt“, auch wenn Brillen einen großen Anteil daran haben, wie man aussieht und bei anderen ankommt. Es war jetzt schlicht eine Notwendigkeit, um wieder ordentlich sehen und agieren zu können. Früher hätte ich den Optiker, der mich bediente, vielleicht als „affig“ bezeichnet, weil er manchmal komisch lachte und leicht übertrieben hantierte. Bei genauerem Hinsehen wurde aber klar, daß er über Fachwissen verfügte und mir auch klar sagte, was Sache war – das ist nicht selbstverständlich. Ich gab letztendlich mehr Geld aus, als ich wollte, aber: ich bekam Qualität dafür. Während die alten Gläser in ein neues, wenn auch nicht ganz passendes Gestell gearbeitet wurden, frühstückte ich in einem hippen Großstadt-Szene-Lokal, bei dem man sofort mit „du“ angeredet wird und das bei allem Wohlgeschmack der Speisen überteuert ist. Mein favorisierter Kaffee-Trink-Laden, das „Wohnzimmer“ hatte am Montag erst ab 17 Uhr auf. An meinem Geburtstag wollte ich es mir gut gehen lassen, ein Stück schönes Leben haben, wenn schon soviel Unsinn wie eine kaputte Brille und rassistische Beleidigungen  sein müssen.

Und: tataa! Die alte neue Brille war gegen 13 Uhr fertig. Zugverbindung rausgesucht…. und ab zum Hauptbahnhof! Ab Duisburg würde ich es nicht mehr schaffen… aber ab Rheinberg. Es blieb noch Zeit für die Entgegennahme eines Gratulationsanrufes, was mich sehr freute und wieder aufbaute.

20170403_142503

Endlich GEHT ES LOS!!!

Am Vormittag war der Himmel noch düster gewesen, wolkenverhangen. Und es war kühl, so wie es im Frühjahr – eigentlich – ist. Am frühen Nachmittag, als ich am Hauptbahnhof Dortmund losfuhr, wurde es – wie plötzlich – wärmer. Und in Rheinberg total sonnig. Die Jacke, die morgens noch so notwendig gewesen war, konnte jetzt praktisch „spazierengefahren“ werden. Ebenso die Regenjacke. Aber wehe, man hat mal keine von beiden dabei….

In Rheinberg gab es erst kurze Verwirrung, dann kam ich mit einer Hundespaziergängerin in einen netten Plausch, der sich nicht nur um die Wegrichtung drehte. Der große schöne Berner Sennenhund benahm sich auch anständig; überhaupt reagieren die meisten großen Hunde viel cooler auf mich als Fahrradfahrerin als es die -hust*- kleinen „Hunde“ tun. Die Erziehung macht´s aus, und die macht nunmal der Mensch, nicht das Tier.

Ähnlich wie im Ruhrgebiet kommt man erst mal an Industrieanlagen vorbei….

20170403_160401

 

…die sich dann kurioserweise mit ländlich anmutenden Sträßchen abwechseln. Also kurios für die und den, wer nicht im Ruhrgebiet aufgewachsen ist.

20170403_160837

20170403_160844

 

 

 

Nach ca. 2 Streckenkilometern taucht er dann auf, der Rhein, also der „Alte Rhein“ (zumindest entnahm ich das der Karte so).

20170403_161042

 

Die Weite der Rheinwiesen, die auch dem Überflutungsschutz dienen. Die Anzahl der vierbeinigen Rindviecher nahm auch immer mehr zu, je weiter ich mich ins Land bewegte. Im Hintergrund sieht man immer wieder Schiffe vorbeiziehen…

20170403_172924

 

Bei fast andächtiger Stille auf den Weiden herrschte in den Bäumen Hochbetrieb. Der Immobilienmarkt der Krähen ist heiß umkämpft.

20170403_161920

 

Das Frühstück war doch schon eine Weile her… jetzt war es Zeit für die Brotzeit. Die erste Bank seit langem… nicht der schönste Platz (wenige km weiter wäre eine schönere Bank gewesen), weil immer wieder ein Güllewagen vorbeifuhr. Die Fracht wurde aber außerhalb meines Blickfeldes ausgebracht, weshalb das nicht so tragisch war.

20170403_172936

 

Während der Brotzeit mußte ich grinsend an den Spaß-Artikel vom Postillon denken, während der Güllewagen immer wieder zum Hof, an dem mein Weg vorbeiführte, lag und dann erneut zu den Feldern aufbrach.

http://www.der-postillon.com/2015/09/ekelhaft-landwirt-verteilt.html

 

Es dauert eine ganze Weile, bis man direkt am Rhein entlang fährt. Jetzt ist zumindest Wesel am Rhein im Blick.

20170403_175128

Selten, daß mir auch soviele Liegeradfahrer-/innen entgegenkommen… einer fuhr ein flux C500, ein Modell, das ich vor langen Jahren ausgeliehen hatte. Ich konnte kaum meine Begeisterung kund tun – da war er schon weg 😉 Die Dinger sind sowas von flott! Es war so wunderbar zu fahren, daß ich es nicht mehr hergeben wollte… das nötige Kleingeld, um so ein tolles Reise-Gefährt zu kaufen, fehlt mir leider immer noch.

 

20170403_180436

Spätestens jetzt kommt ein Urlaubsgefühl auf.

 

Es ist kein Geheimnis, daß die Landschaft die Menschen, die in ihr wohnen, prägt. Auch wenn heute nur noch wenige Menschen von der Landwirtschaft leben, so wirkt eine bestimmte Einstellung sich selbst und Fremden gegenüber fort: karge Böden, die wenig Ertrag bringen sorgen nicht gerade für gute Laune oder große Offenheit und Freundlichkeit gegenüber anderen Zeitgenossen. Ich weiß nicht, wie es um die Bodenbeschaffenheit am Niederrhein steht. Aber wenn man sich nicht ständig (mit und ohne Motorenunterstützung) eine Steigung hinauf plagen muß, scheint das für eher gute Stimmung zu sorgen. Ich wurde so oft von wildfremden Menschen gegrüßt, hier und da ergab sich auch ein netter kurzer Plausch. Undenkbar in anderen Gegenden dieses Landes. Der Niederrhein… tut grundsätzlich wohl, so mein Eindruck.

20170403_183410

20170403_185727

So langsam wird es auch Abend… an der Bislicher Insel vor Xanten.

 

20170403_190210

 

Glück gehabt! Auf der richtigen Rheinseite gelandet. Denn die Fähre fährt nur bis 19 Uhr.

20170403_191058

…denn mit dem Radl schwimmen wäre dann doch etwas – anstrengend…

 

20170403_19022520170403_185754

 

20170403_191112

Zwar folgte ich der Römer-Lippe-Route nicht immer, streifte aber immer wieder Teile von ihr. Das wird die nächste größere Tour 🙂

Und jetzt… fast schon in der einzigen Stadt dieses Landes, deren Name mit „X“ beginnt….

20170403_191149

 

Wow, ich kann es immer noch nicht glauben, als ich diesen Magnolienbaum am Ortsanfang von Xanten sah. Anfang April und die Magnolie steht in voller Blüte! In anderen Gegenden ist gar nicht daran zu denken, überhaupt eine Magnolie zu pflanzen, weil das Klima viel zu rauh ist. Und wenn sie blüht, dann frühestens im Mai.

20170403_192518

 

 Xanten am Abend.

20170403_19315520170403_193205

 

Komisch, daß hier nur an Auto-Parkplätze gedacht wird. Und wo bindet man seine Kutschpferde an? Siegfried ist doch zu Pferd unterwegs…..

20170404_105839

 

Aber… die Residenz von Ritter Siegfried (aus der Nibelungen-Sage) hatte ich mir schon anders vorgestellt!

20170403_193306

 

Abendessen zum Geburtstag in der Kneipe „Börse.“ Eine etwas ruppig-freundliche Bedienung, aber das paßte zum Laden 😉

20170403_212820_LLS

Sauerbraten mit Kartoffeln und Apfelkompott.

Leider sind die Jugendherbergen alle meist wegen doofer Schulklassen komplett ausgebucht. Eine private Zimmervermietung hatte sich zu meiner Überraschung doch noch gemeldet gehabt. Ich hatte eine eher bodenständige, einheimische Zimmerwirtin erwartet. Zu meiner Überraschung war sie alles andere als das… eher, sagen wir mal, alternativ eingestellt. Die Zimmer waren klein, einfach eingerichtet, genau richtig für bescheidene Ansprüche. Die Matratze hätte etwas härter sein können, damit man besser schlafen kann. Bad und Toilette auf dem Flur. Aber was soll man sagen… besser als draußen auf der Parkbank schlafen.

Zugegeben, am Abend hätte ich gern etwas Gesellschaft gehabt.

 

Am nächsten Tag.

Gefrühstückt habe ich an einem großen Tisch im Ladengeschäft, das der Zimmerwirtin gehört. Schon kurios… ich kam mir vor wie das menschliche Dekorationsobjekt für all die schönen Tassen und guten Tees, die hier herumstehen 😀

Der Tag war genauso sonnig und hell wie gestern: ein Traumwetter zum Radeln. Noch hatte ich Zeit, so daß ich erst mal in Ruhe auf einer Parkbank saß und weiter an einem Tuch häkelte. So nach und nach kamen die Leute aus den Häusern heraus, stellten ihre Waren vor die Tür und  machten ihre Läden auf.

Durch das Klever Tor aus der Stadt hinaus. Ich war gar nicht so traurig, jetzt nicht die fette große Römer-Besichtigungs-Tour zu machen; das war nicht Sinn und Zweck meiner Reise.

20170404_101637

 

So, jetzt aber doch ein Stück Geschichte.

 

Die Kriemhild-Mühle an der nördlichen Stadtmauer wirkt irgendwie deplaziert, so hineingequetscht mit ihren riesigen Flügeln. Die Art des Häuserbaus, bzw. die Verwendung von Ziegelstein als Baumaterial läßt schon an die Niederlande denken, die Windmühle hier auch. Aber irgendwie… scheint sie nicht ins Stadt-Bild an diesem Eck zu passen. Innen in der Kriemhild-Mühle ist ein Bioladen und Bäckerei.

 

Und hier ein Stück römische Geschichte. Die eine Mauer des Archäologischen Parks, den man für stolze 9€ besichtigen kann. Es war umstritten gewesen, ob man ihn baut, denn alles ist nur Rekonstruktion von dem, was die Römer damals gebaut hatten. Ich komme nicht umhin, auch an Asterix und Obelix, so ganz un-historische Figuren, zu denken… (Obelix: „Rööömer!“)

20170404_110117

 

Jetzt ist man draußen aus der Stadt…und es geht erst mal entspannt am Xantener Südsee und Nordsee vorbei. Die neu gebaute Jugendherberge streifte ich auch.

 

20170404_113340

 

Noch sind die Tische leer Anfang April….

20170404_113658_Richtone(HDR)

Die Wegweisung war etwas verwirrend, weil nicht ausgeschildert… aber laut Karte sollte es an einer Kirche vorbei wieder auf den rechten Weg gehen. Nächste Station: Kalkar! Der Wohnort von Studienkollegen.

 

Pah, Ihr könnt mich alle mal… Schafe bei der Mittagspause kurz vor Kalkar. Richtig ländlich hier… oder wurde mir nicht gesagt, Kalkar sei eine Stadt? 😛

20170404_122925

 

 

 

20170404_12341920170404_123456

 

 

Genau, das was die Schafe machen, mach ich jetzt auch. Unter der Linde gegenüber dem Rathaus.

Angekommen mittags in Kalkar. So weit, wie ich veranschlagt hatte, war die Strecke gar nicht.

 

Nach der Mittagspause war mein Ziel Kleve, von dort aus nahm ich den Zug Richtung Dortmund. Auf dem Radweg zwischen Kalkar und Kleve ist den Planern offensichtlich nicht mehr viel eingefallen, es geht leider nur an einer häßlichen vielbefahrenen Bundesstraße entlang. Für Excursionen, ob es vielleicht nicht doch ruhigere Nebenwege gäbe, hatte ich leider keine Zeit mehr, denn: „…aber der Wagen, der rollt.“ Eine mögliche Residenz am Niederrhein für mich habe ich dann doch noch entdeckt:

20170404_140126

..aber wo ist das 2. Türmchen hin? Hmmm……

 

Gerne wäre ich noch länger geblieben… abends war leider Arbeit am Stadion angesagt. Der kurze April ist voll mit Heimspielen des BVB. Doch diese Reise wird nicht die letzte sein, die ich an den Niederrhein unternehmen werde. Dort kann man zumindest vom Meer träumen…

Kleidungswahl beim Radfahren und: Das schwere Schicksal von Radfahrer(innen)-Hosen

Wer Fahrrad fährt, macht sich zwangsläufig Gedanken über die Kleidung, die man zum Radfahren trägt. Ganz klar: man ist dem Wetter immer ausgesetzt. In einer Blechkiste sitzend und fahrend ist die Kleidung ziemlich egal. Mit Schmunzeln, manchmal auch mit hochgezogenen Augenbrauen lese dazu Beiträge über Fahrradmode und Accesoires z. B. auf dem Blog von bikingtom. Ach ja und nicht zu vergessen die tollen Hipster-Fahrradläden wie der eine in Dortmund. Wenn man dort eingekauft hat, sieht man aus wie der eigene Großvater (was machen da eigentlich die weiblichen Hipster? Die gibt es doch auch?). Verständigung zwischen den Generationen: gelungen. Haha.

Nee Leute. Mit Anfang, Mitte 20 und selbst ab 30 muß man nicht aussehen wie der eigene Großvater (oder die eigene Großmutter). Verständigung zwischen den Generationen sieht anders aus. Abgesehen von den horrenten Preisen für diese miefigen old-fashioned Klamotten braucht man diese nicht zum Radfahren. Nur bei dem einen Critical-Mass-Fahrer, der selbst so um die 50 ist, sehen old-fashioned Fahrradklamotten cool aus. Weil sie zu seinem Typ passen.

Das Angebot an Kleidung für´s Radfahren ist riesig und wenn man nicht gerade eine Gerte ist, auch schwer zu überblicken: wo gibt es was wirklich passendes? Mein Ex-Freund schwörte auf Gore-Tex, also prüfte ich auch mal die sogenannte „Funktionskleidung.“ Lange hatte ich keine Freude daran: es gab nichts wirklich passendes und ich schwitzte mehr mit dieser Kleidung als ohne. Außerdem war es mir zu umständlich, immer diese reine Kunststoffhülle anzuziehen. Eigentlich ist Funktionskleidung doch nur was für Rad-Touren! Alltagstauglich ist Gore-Tex & Co. nicht, finde ich. Und sie wird genauso schmutzig wie „normale“ Alltagskleidung auch. Damen-Größen ab 42 sind für viele Funktionskleidungshersteller auch immer noch unbekannt. Kein Wunder: in der Sportbekleidungs-Werbung sieht man nur schlanke oder dürre Exemplare von Frauen.

In Sachen Funktionsunterwäsche fand ich erstaunlicherweise was bei meiner geschätzten Versandhändlerin, die nicht explizit Sportkleidung anbietet. Alle Damen und Herren, die als sogenannte „Plus Size“-Größe gelten, finden hier (meistens) was, ohne daß man aussehen muß wie ein alter Mann oder eine alte Frau. Allerdings hat auch diese Versandhändlerin eine seltsame Vorstellung, was Frauen als Sportbekleidung zu tragen haben. In den Katalogen werden Frauen nur bei Fitness-Sportarten gezeigt. Zur Erklärung: nicht alle Frauen machen ausschließlich Aerobic und ähnliches Zeugs als Sportbetätigung, bei dem man sich vorkommt wie beim Militär: vorne steht eine(r) und schreit Befehle, die die anderen schnell und im vorgegebenen Rhythmus auszuführen haben. Und zwar zackig. Und nicht alle Frauen tragen deshalb diese engen Caprihosen, die nichts halbes oder ganzes sind oder weite, wallende Shirts, wie sie eben von dieser Versandhändlerin angeboten werden. Das letztere ist dann was für die schwererbewegliche übergewichtige  Gymnastik-Fraktion ab 50, das Krampfadern-Geschwader. Also doch wieder in die Herren-Abteilung von C&A…. Ich bevorzuge beim Floorball-Spiel kurze, locker sitzende Hosen, ebenso beim Radfahren im Sommer für meine Touren. Die sind stabiler und haben Hosentaschen (ja! auch Frau braucht Hosentaschen, welch Wunder!) und sehen auch nicht so schlecht aus, wie immer getan wird.

Und – Überraschung! Ich trage beim Radfahren lange normale Jeanshosen. Das mag erst mal widersinnig klingen, weil eine Jeans nunmal schwerer ist als eine sogenannte „Funktionshose“ oder „Cargo-Hose.“ Tatsächlich hatte die „Cargo-Hose“mit Innenfutter vergangenen Donnerstag auf meiner Fahrt (Nordbahn- und Kohlebahntrasse) nicht zu schlecht abgeschnitten. Allerdings: Die Jeanshose ist wesentlich stabiler und scheuert nicht so schnell am Gesäß auf. Sie sitzt besser als viele Funktionshosen. Auch bei einem Sturz gibt es nicht so schnell Löcher (bzw. können die besser geflickt werden als bei Funktionskleidung). Es sitzt sich angenehmer auf dem Fahrradsattel als mit einer dünnen Funktionshose. Polster im Gesäß finde ich unangenehm. Außerdem mieft die Jeanshose nicht so sehr wie der Kunststoff. Vorteilhaft ist die Kunstfaser aber bei der Unterwäsche, weil man nicht so schnell auskühlt.

Manchmal trage ich auch Rock und Strumpfhose oder Leggins zum Radfahren. Da muß dann „nur“ die Strumpfhose dran glauben. Flicken lohnt oft nicht.

Aber die Jeanshosen und langen Hosen einer Radfahrerin haben ein schweres Schicksal. Vergangenen Donnerstag meinte eine Zug-Fahrgästin mit Rad zu mir, ich solle den flachen Stofftaschenhenkel, der am Boden lag, aufheben, sie wolle nicht das Rad darüber schieben. Ich antwortete ihr: „Keine Sorge. Das Schicksal haben alle Hosenbeine bei mir.“ Ihre Fahrradreifen waren weder naß noch besonders dreckig. Der Radfahrer, der mir gegenüber saß, grinste.  Meine Mutter hatte getobt, wenn ich mit verdreckten Hosen nach Hause kam. Meine 12 Jahre ältere Freundin in der alten Heimat hatte mich immer vorwurfsvoll angesehen. Wie kann man nur so seine Hosen behandeln!  Einmal hatte es mir die Hosenbeine sogar in die Kette gezogen; nicht schön, ich wäre fast gestürzt, die Autofahrer hinter mir hupten, weil ich nicht weiterfuhr (nicht weiterfahren konnte), aber die Erlanger Straße in Fürth war zum Glück breit genug, um rechts ran zu fahren. Die gelben Klettbänder habe ich aufgegeben, weil ich sie ständig verlor (das geht ins Geld auf Dauer). Diese Hosen trage ich nun schon lange nicht mehr, sie und andere Hosen sind nun zu kleinen praktischen Handtaschen geworden.An dieser Stelle mein herzlicher Dank an Craft-Queen Sandra Landefeld 🙂 Spät nachts höre ich immer noch ein leises Wehklagen aus meinem Kleiderschrank, wenn sich die Geister der alten mit den neuen Hosen über ihr Schicksal als Radfahrerinnen-Hosen unterhalten.

Aber so ist das nunmal.

20170322_203114_LLS_resized

 

 

 

 

Der Ort für Träume muß doch nicht weichen

Am Ende der Brückstraße, wenn man die gläsernen Tempel der Klassik inklusive Holzkasten-mit-Saiten-Ausstellung hinter sich gelassen hat, erreicht man das Kino Schauburg. Schon lange wollte ich diese Traditions-Kino besuchen, da erreichte mich die Nachricht vor Weihnachten, daß das Kino am alteingesessenen Standort schließen müsse, wie ein Schock. Der Vermieter wollte den Mietvertrag nicht verlängern. Die Begründung hierfür mutet seltsam wie auch nicht nachvollziehbar an. Inzwischen ist diese Begründung schon wieder belanglos geworden.

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-dortmund/video-abschied-vom-kino-schauburg-in-dortmund-100.html

20161226_221912

Die Kinokasse und Popcornversorgungsstelle (…und leckeres Flensburger Bier haben sie auch….)

Es war grausam, den Abbruchcontainer vor dem Kino zu sehen. Als ob man in eine offene Wunde blicken würde.

Am Montag den 26. Dezember 2016 war der letzte Vorstellungstag im Kino Schauburg. Natürlich fuhr ich mit dem Rad hin… Ich fühlte mich sofort wohl zwischen den roten Wänden und goldenen Ornamenten. Und ich dachte an die Kinos in Nürnberg und Fürth zurück, die ich besucht hatte. Sie können heute zum Teil nur durch Bürgerinitiativen überleben, weil dem Großmogul des  Multiplexkinos“CineCitta“ die kleinen Traditionskinos „Meisengeige“ oder das „Casablanca“ egal sind.

20161226_22192720161226_221844

Alle Fotoaufnahmen wurden mit freundlicher Genehmigung der Schauburg angefertigt.

Das Foyer war voll mit Besucher-/innen, der WDR war mit Kamera vertreten. Es lief der Film „Radio Heimat“ von Adolf Winkelmann und Peter Thorwarth, nach Geschichten von Frank Goosen.

Es machte großen Spaß, den Film zu sehen: vier Jungs sind die Hauptfiguren der Geschichte, wie sie im Ruhrgebiet aufwachsen – in den 1980er Jahren. Selbst wenn man nicht direkt in diesem Jahrzehnt Teenager war, wird das Lebensgefühl gut eingefangen. Dazu tragen vor allem die Requisiten bei: das grüne Telefon, die ehrfürchtig berührten Cassetten, die Schallplatte, die man vorsichtig aus der Hülle nimmt und auf den Plattenteller legt. Ich konnte den Mief, den grünlich-weiße Fliesen in der Küche oder im Bad zusammen mit zu zahlreichen Zimmerpflanzen verbreiten, im Kinosaal riechen. Man kann vor lauter Zeug gar nicht richtig lüften.  Die zum Teil unsäglichen Klamotten sind glücklicherweise kaum richtig sichtbar. Kein Mensch braucht schließlich Schulterpolster oder  große Flächen  von schreiend pinkem und neonfahrbenem Zeug am Leib.

Anfangs war es verwirrend, daß einer der Hauptfiguren auch gleichzeitig Erzähler ist – doch es stört nicht weiter und die Geschichte wirkt dennoch glaubhaft.

Und wer träumt nicht auch gern von dieser Zeit… als man sich noch nicht so sehr um die Organisation des eigenen Lebens kümmern mußte, als man Sachen getan hat, ohne darüber nachzudenken und dies deshalb nicht zwangsweise bereuen mußte, diese nicht unbedingt „falsch“ oder gar eine Straftat waren. Wenn man nur immer ehrliche Freunde haben kann! Peinlichkeiten, die man leider durchzustehen hat, kennt auch jeder, nervige Eltern oder gar autoritäre Lehrer. Ein ähnliches Arschloch von Lehrer hatten wir nicht nur einmal, damals in der beschissenen Hauptschule und Realschule in der elenden Kleinstadt. Unfaßbar, daß heute im Jahr 2016 und 2017 erneut Menschen autoritäre Herrschaft voll befürworten. Die haben nichts gelernt. Lästige Verwandtenbesuche, bei denen man als Teenager bald kapiert, daß nicht alles stimmt, was so gesagt wird… Warum der Onkel sagt, Fremdgehen lohne sich nicht… weil er sich selbst dann die Stulle schmieren müsse… haha! Das Patriarchat herrscht bundesweit und nervt bis heute.  Die Schwierigkeiten, die die Jungs haben, können in diesem Film nur angedeutet werden; mögliche Realität sind sie allemal.

http://www.radioheimat-film.de/

Ich bin den Filmemachern sehr dankbar, daß sie bestimmte Musik aus den 1980er Jahren nicht genommen haben, dafür hört man auch gute Musik von den Fehlfarben. Musik ist und bleibt wichtig, wenn man Teenager ist. Und kein Film kann ohne Musik existieren.

20161226_221807

Zwischen Weihnachten und Neujahr nun kam plötzlich die erlösende Nachricht: das Kino Schauburg kann an Ort und Stelle bleiben, wo es schon seit über 100 Jahren steht! 🙂

http://nordstadtblogger.de/die-schauburg-ist-ueberraschend-gerettet-bereits-am-freitag-geht-der-betrieb-im-aeltesten-kino-von-dortmund-weiter/

Und da gehört es auch hin. Am Ende der Brückstraße, Filmkultur neben der Musikkultur weiter vorne im Glasbau.

Das aktuelle Programm gibt es unter:

http://www.schauburg-kino.com

Silvesterparty auf andere Weise

Wie feiert man „Silvester?“ Obwohl dieser Tag, der nach dem greogrianischen Kalender der letzte Tag eines Jahres ist, kein religiöses Fest ist, trägt er den Namen eines Geistlichen und Religionsvertreters, nämlich dem Papst Silvester (Hintergründe und gepflegtes Halbwissen dazu liefert die allseits beliebte Seite wikipedia oder Ihr laßt Euch von einem Theologen dazu vollquatschen). Daher rührt die Frage „Was machst du an Silvester?“ fast seltsam an, eigentlich müßte man sagen: „Was machst du mit Silvester?“ 😉

Ich habe keinen Silvester „an Silvester getroffen, stattdessen machte ich mich auf nach Duisburg. Der ADFC Duisburg machte seine Silvestertour – wie viele Jahre vorher schon. Ich erfuhr erst im Jahr 2016 davon, als der ADFC Essen oder die CM Essen den Veranstaltungshinweis der „Westfalenpost“ dazu auf fb genannt hatten. Ich hätte auch in den Jazzclub gehen können, aber rund 20 € für einen Abend… naja….auch wenn die Musik gut ist.

Ab 20 Uhr traf man sich in der Geschäftsstelle, es gab heiße Getränke und Plätzchen, es gab nette Gespräche und einen freundlichen Willkommensgruß. Um 21 Uhr c.t. startete die Tour. Ja, tatsächlich, wir fuhren am 31.12.2016 freiwillig Fahrrad! 😀  Vorbei u.a. am Duisburger Theater, wo der Graf von Luxemburg seine Sause feierte (voll der Angeber! Und dabei ist der Spitzbube pleite!), vorbei an Wohnhäusern, über Brücken, entlang des Rheins und vorbei an Stahlwerken. Leider alles in Dunkelheit… dennoch schön, Duisburg mal jenseits des Schimanski-Klischees kennenzulernen.

Vergeßt Schimanski! Jetzt macht Angelika mit dem ADFC Duisburg unsicher!

In der Vorweihnachtszeit, auch Adventszeit genannt, wird es in Wohngegenden in Westeuropa immer heller und bunter, was nicht unbedingt zur besseren Verkehrssicherheit beiträgt und was die Passantin auch fälschlicherweise als Einladung zum Betreten des Vorgartens auffassen könnte. Wenn´s da so schön leuchtet, geh ich doch mal rein! 😀 Die Phantasie der Ausschmücker ist dabei schier grenzenlos.

Wir durchquerten Moers (ausgesprochen „Mörs“, im Gegensatz zu Soest, das „Soost“ ausgesprochen wird) und erlebten eine besondere Art des Weihnachtsschmucks: Das Weihnachtshaus von Leon Scheepers. Beeindruckend, was seine Eltern und er hier aufgebaut haben, auch wenn nicht jedes Teil dem Geschmack der Besucherin/des Besuchers entspricht.

 

20161231_222927_lls

 

Sogar am Wasser kann es mit dieser Beleuchtung der Betrachterin gar warm ums Herz werden…

20161231_222919_lls

 

Manchmal waren wir Radler-/innen auch auf ehemaligen Bahntrassen unterwegs, nicht nur bei beleuchteten….

20161231_222839_lls

 

Wie schön, daß es auch noch einen „klassischen“ Weihnachtsartikel in diesem Garten gibt 😉

20161231_222849_lls

http://www.moerserweihnachtshaus.de

 

Wir fuhren zur Halde Rockelsberg in Duisburg-Rheinhausen, ein durch Schlacke (Schlacke: Rückstände der Stahlproduktion)  entstanderer Berg. Für ehemals im Mittelgebirge wohnende Menschen eher ein größerer Hügel….. lustig dazu die Diskussion während der Radtour, was ein „Berg“ sei. …..

Der Düsseldorfer Liegeradfahrer war sportlich und fuhr den Weg hinauf… Liegerad schieben ist auch recht umständlich, außerdem fährt sich ein Lieger gut (Rückstoß am Sitz größer als beim kleinen Sattel, mit dem bekommt man Kraft beim Treten in die Pedale, so meine Erfahrung). Allerdings hatte uns der Tourenleiter auch gewarnt, daß es Querrillen auf dem Weg gab. Da der Weg nicht beleuchtet ist, ist Schieben bei einem „Hochrad“ (Bezeichnung eines Liegeradfahrers 😉 empfehlenswert.

Auf der HALDE ROCKELSBERG hat man einen wunderbaren Rundum-Blick auf Duisburg. Fachkundig informierten mich die Duisburger ADFC´ler, was das grün beleuchtete Ding sei (Schornstein des Gaskraftwerkes), warum bei der Kokerei manchmal eine hohe Flamme zu sehen ist, dies aber keine Gefahr darstellt und wo welche Stadtteile sind („..aber nein. Das ist doch…da….“ 😀

Von da oben betrachtet ist es richtig schön, das Feuerwerk zu sehen. Auch gab es hier nicht soviele Leute, die Silvesterkracher zündeten – weniger Krach und bessere Luft waren die Folge. Zwischen den farbigen Lichtblitzen in der Luft sah man es zwischen den Häusern auch immer wieder blau blinken….

20170101_000457_lls

Und an den Leser der örtlichen Tageszeitung, der sich beschwert hat, der ADFC würde auch noch auf die Halde Rockelsberg fahren und Platz besetzen: wir waren so generös und haben den anderen Leuten noch genug Platz für ihre Feiern und Kracher übrig gelassen.

 

Die Rückfahrt war kürzer und in der Geschäftsstelle gab es neben den Getränken sogar warmes Essen… herzlichen Dank dafür! Danach machte sich aber die Müdigkeit bemerkbar… es war schon 3 Uhr, als ich mich langsam für die Abfahrt bereit machte. Danke an die Bahnmenschen, die mich noch zu dieser späten (frühen) Stunde nach Hause brachten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016

Am 3. Freitag im Monat findet immer die Critical Mass Dortmund statt. Bei der Vielzahl der CMs im Ruhrgebiet und ganz NRW fällt die Auswahl, wo man hinfährt und teilnimmt, manchmal schwer…. 😉

Heute hatten wir Gäste aus Wuppertal (der sogar die ganze ! Strecke hin- und möglicherweise auch zurückfuhr), Gelsenkirchen (man kann auf diversen Zeitungsseiten im Netz lesen, daß man sogar aus der verbotenen Stadt nach Do. käme, weil der eigene Weihnachtsmarkt so mies sei), Essen – habe ich jemanden vergessen?

START wie immer um/gegen 19 Uhr am Friedensplatz beim Rathaus, Nähe U-Bahn-Station Stadtgarten.

Fahrt um die Friedenssäule zu Beginn:

20161216_191722_lls

Es ist Dezember.… das heißt… ja genau…

20161216_211451_lls

Dezente Weihnachts-Beleuchtung in rot, passend zum Rahmen……    🙂

 

Es geht natürlich noch schmucker:

20161216_211547_lls

Nicht im Bild: dunkelblaue Christbaumkugeln, die am Rahmen unterhalb der Ladefläche hängen (Foto ist leider nix geworden…). Mir wurde vom Fahrer auf Nachfrage versichert, daß es zuhause keinen Krach gibt, würde eine Kugel während der Fahrt kaputtgehen.

Passend zur Advents- und Vorweihnachtszeit hatte dieser Fahrer auch Weihnachtspop im Gepäck. Bei der CM darf die Musik und Ausstattung auch gern mal kitisch sein ;-)))

 

Eines der am stärksten geschmückten Fahrräder…. etwas eigenwillig in der Gestaltung…..

20161216_211505_lls

 

Die Essener-/Gelsenkirchener Vertretung mit schmucken Rädern   und praktischen Accesoires (nicht auf Weihnachten bezogen):

 

Möglicherweise frieren die Hände mit diesen „Topfhandschuhen“ auch nicht so sehr 😉

20161216_211556_lls

 

Bei der Critical Mass Dortmund am 16. Dezember 2016 waren aber nicht nur Lastenräder dabei.

 

…wie sich damit wohl fährt? Ballonreifen können schon angenehm sein, wenn man über Pflastersteine fährt. Aber je breiter das Rad, desto mehr muß man wohl rein treten, um das schwere Ding fortzubewegen.

Die Zieleinfahrt auf dem Friedensplatz gegen 21 Uhr. Bei der – ab 19 Uhr legitimen – Fahrt durch die Fußgängerzone Westenhellweg verteilte einer der Radfahrer freundlich Flyer an die staunenden Passanten und Passantinnen. Manche feuerten uns an, nur ein einziger fluchte hörbar.

 

Es hat wieder viel Spaß gemacht, bei der CM Dortmund mitzufahren.Schön, daß Ihr aus Wuppertal, Gelsenkirchen u.a.  bei uns wart. Danke auch an die 3 Jungs, mit denen ich nachher noch Kakao bzw. Glühwein am Weihnachtsmarkt Dortmund trinken konnte, ich habe mich gefreut.

Falls die Bochumer nächste Woche ihre Weihnachtsrunde (23.12.) machen, bin ich gern dabei. Ich werde alkoholfreien Punsch mitbringen. Wer unbedingt Rum drin haben will, bringe sich diesen mit.

 

RIDE ON !!! Für eine Stadt mit weniger Streß und mehr Radverkehr statt Autos!

20161216_212653_lls

 

 

Offener Brief an die Polizei Dortmund und die Stadt Dortmund: Zugeparkte Radwege

Sehr geehrter Herr Polizeipräsident Lange , 

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Sierau,

Sehr geehrte Damen und Herren . 

Heute auf dem Weg zum Stadion (Fußballspiel am 3.12.2016 BVB – Borussia Mönchengladbach)  musste ich erneut feststellen ,  daß ein Polizeifahrzeug den Radweg in der Wittekindstrasse auf Höhe des Südwestfriedhofs blockierte (ca. 14 Uhr).

Kennzeichen : NRW -4-1063 .

Unter der Brücke in der selben Fahrrichtung blockiert zusätzlich ein Polizei -Motorrad den ohnehin zu schmalen Radweg.

Ein anderes Mal wurde ich von einem Polizisten aus dem Auto heraus angewiesen, in der Borsigstraße auf der Höhe Bornstraße den Radweg zu benutzen. Auf diesem Abschnitt ist er benutzungspflichtig (Beschilderung), aber höchstens 100 m lang. Danach muß man auf die Fahrbahn wechseln – kein ungefährliches Unterfangen bei der stark befahrenen Borsigstraße. Heute nun findet durch den zugeparkten Radweg eine genau widersinnige Anweisung durch einen Vertreter ein und des selben Berufsstandes statt. Wer das verstehen mag, der oder die soll mir das erklären.

Ich bitte Sie  auch als Mitglied des ADFC bei aller gebotenen Bedeutung Ihrer Arbeit in Zukunft nicht die Radwege zu blockieren. Die Polizei ist für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer -/innen verantwortlich . Deshalb kann es nicht sein, dass man auf die Fahrbahn ausweichen soll weil der Radweg besetzt ist! Daher mutet der Kommentar des Polizisten den ich im Auto ansprach auch sinnlos und unverschämt an,  ich solle doch, nachdem ich aus Not vom Radweg auf die Straße gewechselt war,  gleich die Fahrbahn wieder verlassen.

Man stelle sich vor, jemand würde einfach so einen Gegenstand, der etwa so breit ist wie ein Auto, einfach so auf die Straße stellen, damit eine Fahrspur blockiert ist. Sofort gibt es – zu Recht – Beschwerden, in allen lokalen und regionalen Medien wird gewarnt und berichtet, man solle an dieser Stelle, die eine „Gefahrenstelle“ sei, vorsichtig fahren, vielleicht hätten sich  schon Unfälle ereignet. Jede und jeder zeigt Verständnis dafür. Deshalb empfinde nicht nur ich als Radfahrerin die Reaktion des Polizisten heute als Affront. Wir Radfahrerinnen und Radfahrer könnten jeden Tag zu jeder Stunde ständig Beschwerden über Hindernisse, schlechte, weil unebene und gefährliche Oberflächen auf Wegen, zu enges Auffahren von Autofahrer-/innen u.a. einreichen!

Es ist nicht das erste Mal dass ich feststellen muß dass Radfahrer nicht ernst genommen werden , obwohl sie schon immer Teil des Alltagsverkehrs sind. Wohl muß erst ein Radfahrer, der oder die am besten noch mit einem Polizisten bekannt oder verwandt ist, wegen des sinnlosen und gefährlichen Ausweichens auf die Fahrbahn sterben,  bevor allen Autofahrern klar und bewusst wird dass Radwege keine Park -und Halteplätze sind! Jede-/r die oder der heute Auto fährt  kann morgen ein/-e Radfahrer -/in sein. Daher ist es unverständlich ,  daß Radfahrer -/innen nicht ernst genommen und ihnen schon bei der Straßenplanung und dann im Alltag  kein Platz noch Existenz im Straßenverkehr zugerechnet und zugestanden wird .

 

Noch ein Hinweis an das Ordnungsamt der Stadt Dortmund, das für den „ruhenden  Verkehr“ , also die parkenden Autos zuständig sind:

es ist zunächst verständlich, wenn es die gesetzliche  Regel gibt, daß man bis zu 4 Minuten parken dürfte, ohne daß es eine Gesetzeswidrigkeit darstellt. Jedoch hat kaum jemand Zeit und Lust, bei jedem Fahrzeug, das den Radweg zuparkt (weil den Autofahrer-/innen gar nicht bewußt ist, daß sie hier nicht parken dürfen!), diese 4 Minuten abzuwarten. Fakt ist, daß nichts, gar nichts das Zuparken von Radwegen durch Privatfahrzeuge rechtfertigt.

Die Behörden sind aufgerufen, gegen motorisierte Falschparker von Radwegen genauso streng vorzugehen als wie sie an anderen Plätzchen Knöllchen verteilen. Ganz gleich, ob es sich um Imbiß-Einkäufer am Borsigplatz handelt oder um gedankenloses Anhalten, weil man „mal schnell Zigaretten braucht.“ Die Häufigkeit, wenn Lieferant-/innen oder Rettungsfahrzeuge Radwege zuparken, ist im Vergleich zu Privatfahrzeugen sehr gering und zumindest bei den Rettungsfahrzeugen gerechtfertigt.Bei Rettungsdienst-Fahrten geht es um die Gesundheit von Menschen. Ein Polizeifahrzeug, wenn es nicht gerade akut im Einsatz ist (heute war nichts dergleichen zu erkennen, also aktive Täterverfolgung etc.) sollte dagegen den Platz wechseln, um den Radweg, der oft die Fahrbahn des Radlers/der Radlerin ist, nicht zu blockieren. Speziell auf der Wittekindstraße Richtung Stadion fährt man als Radlerin aus Sicherheitsgründen lieber auf dem Radweg, weil der motorisierte Verkehr dort sehr stark ist und durch die Zubringer zur B1 oftmals schnell und oft genug rücksichtslos unterwegs ist. Man stellt sich ja auch nicht einfach mal auf die Fahrbahn, wenn es sich nicht gerade um einen erfolgten Verkehsunfall handelt und das eigene Fahrzeug nicht fahrtüchtig ist.

Mit verärgerten Grüßen

 

Angelika Steger

ausblick_zugeparkter-radweg

 

 

Critical Mass in Duisburg am 28.10.2016

Am letzten Freitag im Monat findet nicht nur in Nürnberg, Bochum und sonstwo eine Critical Mass statt: auch in Duisburg hatten sich diesen Freitag 11 Radlerinnen und Radler eingefunden, um zu zeigen, dass sie auch zum Straßenverkehr gehören. Rennräder, Trekkingräder und ein Faltrad waren dabei. Zum 2. Mal bin ich mit dem Zug nach Duisburg gefahren, um deren CM = Critial Mass zu besuchen; „CM-Tourismus“ nennt man das.Bochum wäre näher gewesen, aber weil es schon beim 1. Mal eine freundliche sympathische Runde gewesen war, bin ich wieder nach Duisburg gefahren.

Dieser Bericht schildert meinen persönlichen Eindruck von der CM Duisburg. Es geht in keinster Weise darum, verschiedene CMs zu bewerten und gegenüber zu stellen oder abzuwerten. Jede CM ist wichtig, um zu zeigen: WIR RADFAHRER SIND AUCH TEIL DES STRAßENVERKEHRS. Leider hat der Monat aber zuwenig Freitage, als daß man an jeder CM in NRW teilnehmen könnte….

Das Gute am Duisburger Hauptbahnhof ist, dass der Zugang zu den Gleisen geradlinig verläuft; in Essen hingegen muß man einmal um die Ecke laufen und, wenn man am „falschen“ Ende den Bahnhof betritt, auch noch eine Treppe hoch, was als Radfahrerin nervt. In Duisburg erscheint jedoch der Gang vom Gleis bis auf den Bahnhofsvorplatz eine Ewigkeit zu dauern. Vielleicht kommt das davon, daß der Durchgang zu den Gleisen so breit und dicht mit Geschäften gesäumt ist.

Der Empfang war dieses Mal nicht nur freundlich, sondern auch lecker: ein Essener Radler bot mir Brownies an. Die probiere ich doch gerne…. die waren besser als meine, die ich vor ca. 1,5 Jahren gebacken hatte. Lockerer und nicht so süß und schwer. Dankeschön. Wenn ich es zeitlich schaffe zu backen, wird es von mir am 11.11.2016 bei der CM Essen Martinsbrezeln geben.

20161028_192009_lls

Ah und da war der Button der Critical Mass Essen zum 6jährigen Jubiläum an der Lenkertasche des Brownies-Bäckers… ich konnte mit einem Fahrrad-Schlüsselanhänger, der nun an einem Lederband hängt, punkten. Und, falls wir uns in Essen treffen: ich hab noch welche und bring Dir einen mit.

Daß es Herbst ist, merkte man an diesem Abend wieder deutlich: es gab Nieselregen. Der guten Stimmung tat das Wetter aber keinen Abbruch. Schade nur, daß wir keine Musik dabei hatten; erst recht beim Kreisel-Fahren macht Radfahren mit Musik großen Spaß. Im Laufe der Tour verließen uns immer wieder Fahrer, einer kehrte am Ende wieder zur Gruppe zurück, er hatte nur Arbeitskollegen „hallo“ sagen wollen.

Duisburg ist ein Radverkehrs-Entwicklungsland, so scheint es. Die 3 Duisburger Radfahrer, die dabei waren führten uns durch die Fußgängerzone von DU-Meiderich, die auch nach 19 Uhr nciht für den Radverkehr freigegeben ist. Autos dürfen aber dort fahren.  Autos in der Fußgängerzone?

Was soll das für ein Quatsch sein? Sind Fußgänger sicher unterwegs, wenn sie auf Autos treffen, die viel Platz im fließenden wie im ruhenden Verkehr benötigen, also während der Fahrt genauso wie auf Parkflächen?

Mit dieser strengen Regelung, die den Radverkehr komplett ausschließt, werden Radfahrer-/innen einseitig als „Rowdies“ und „rücksichtslos“ gebrandmarkt; es wird suggeriert, dass jede und jeder Radler-/in alle Fußgänger auf dieser Einkaufsstraße verletzen will. Es gibt zweifelsohne diese Sorte von Radlern. Aber es ist schlichtweg falsch und eine Unverschämtheit, Fahrradfahrer-/innen generell als Rowdies zu verurteilen! Soll eine Radlerin mit Lenkerkorb, die zum Einkauf mit dem Rad in die Stadt fährt und durch eine Fußgängerzone mit dem Rad Schrittgeschwindigkeit fährt, auch ein Rowdie sein? Was sagen die Geschäftsleute in dieser Straße eigentlich dazu? Fakt ist, daß der Radverkehr auch den Umsatz vom Einzelhandelt fördert, weil Radler-/innen besser und schneller kleinere Geschäfte erreichen können und dort Lebensmittel einkaufen oder Dienstleistungen z. B. Friseur in Anspruch nehmen. Ein Rad ist schnell geparkt und braucht wesentlich weniger Platz als ein Auto.

Die Fußgängerzone DU-Meiderich ist breit genug, als daß Radfahrer-/innen und Fußgänger-/innen alle genug Platz haben. Man kann den Radverkehr zu bestimmten Zeiten erlauben und Schrittgeschwindigkeit vorschreiben; ein Großteil der Radler-/innen wird sich daran halten. In Dortmund gelten für den Radverkehr die Ausschlußzeiten von 9 oder 8 Uhr bis 19 oder 18 Uhr. Nervt zwar manchmal, aber grundsätzlich kann ich als Radlerin mit diesen Ausschlußzeiten leben.

Schade, daß es in Duisburg der Radverkehr so schwer hat. Ist das Bewußtsein für das Rad als Alltagsverkehrsmittel noch weniger bei den Verantwortlichen der Stadtverwaltung angekommen als z. B. in Dortmund? Das Bewußtsein für das Fahrrad als Alltags-Fahrzeug fehlt dort wohl ganz; und Interessenverbände haben es noch schwerer.

Deshalb: UNTERSTÜTZT DIE CRITICAL MASS in DUISBURG. Auch wenn es mühsam ist und man sich oft ärgert, daß nichts voran geht: man darf niemals nachlassen, für den Radverkehr zu kämpfen.Dazu gehört auch die Teilnahme an der CM.

Wer ein Semesterticket hat, braucht nicht zusätzlich für die Fahrt nach Duisburg zu zahlen. Also auf zur nächsten CM am 25. November! Vielleicht werden es dann doch mehr als 15 Radfahrer-/innen… ich komme gerne wieder, um freundliche Radler und Gleichgesinnte zu treffen.

20161028_212545_lls

 

Und wer noch nie etwas von oder über die „kritische Masse“ gehört hat, dem sei dieser Link empfohlen:

Was ist eine „Critical Mass“ überhaupt?

https://de.wikipedia.org/wiki/Critical_Mass_(Aktionsform)

 

Eindrücke von der CM in Wuppertal:

https://cmwpt.wordpress.com/