An sich wegen eines Berichts fürs Studium, der dann nichts wurde, fuhr ich von meinem Studienort Jena nach Nürnberg. Wie schön, dass seit einiger Zeit ein Zug, der „Franken-Thüringen-Express“ direkt hin und zurück fährt. Gleichzeitig besuchte ich ein paar Freunde, bei einem ehem. ADFC-Kollegen in NM übernachtete ich.
Das Hinkommen war eine einzige Katastrophe: Circus Krone am Volksfestplatz, Fußballspiel beim 1. FC Nürnberg (=der Clubb) „Consumenta“ auf dem Messegelände. Der Weg von der S-Bahn-Station „Frankenstadion“ hat 45 Min. gedauert. Sonst wäre ich geschätzt mit dem Rad locker in 20 Minuten am Dokuentationszentrum Reichsparteitagsgelände gewesen. Das nervte schon. Nachvollziehen kann ich das nicht, wie man sich zwischen solch extremen Menschenmassen, an schlecht riechenden Imbißbuden (Fettgeruch) mit überteuerten Preisen, zwischen Glasbierflaschen und dem Anteil an tölpelhaften, übertrieben lauten, ordinären Fans freiwillig Richtung Stadion bewegt. Um dann Spaß daran zu haben, sich den Arsch abzufrieren (man steht ja die meiste Zeit im Stadion) und 22 Hanserlen beim Hinterherrennen nach einem Ball zuzusehen. Na hängt viel Geld dran am Spiel namens Fußball. Na sollen sie ihren Spaß haben. Schade, dass es soviele Deppen gibt, die nur auf Streit und Rumpöbeln aus sind. Das ist schade für die richtigen Fans, die wegen des Fußballs hingehen. Und manch überzogene Sicherheitsmaßnahme gilt leider für alle.
Kurz vor dem Eingang…

Endlich dort! Wurde Zeit. Schließlich wollte ich später den Rundgang zur Steintribüne mitmachen.

Hier im Süden Nürnbergs sollten ursprünglich Arbeiterwohnungen entstehen – doch dann kamen die Nationalsozialisten an die Macht. In einer Hausarbeit habe ich ausführlich beschrieben, warum gerade NÜrnberg zur „Stadt der Reichsparteitage“ gewählt wurde. Das „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“ wurde erst 2001 eröffnet. Der Bau, der auf diesen oberen Fotos zu sehen ist, ist ein Teil der geplanten größeren Kongreßhalle, die aber wegen des Krieges nicht fertig wurde. Denn 1939 hat man ja in Polen einfallen und nach und nach die ganze Welt mit Gewalt überziehen müssen. Die geplante Kongreßhalle: Ein Wahnsinnsbau, wie man auf den nächsten Seiten sieht. Das römische Collosseum würde 5x reinpassen.

Man kann die Ausstellung im Dokumentationszentrum allein ansehen. Oder einen Rundgang durch´s Gelände mitmachen, der wird vom Verein „Geschichte für Alle“ durchgeführt. Leider hatte ich bei diesem Rundgang meine Kamera nicht dabei.
Abends habe ich noch ein paar Fotos gemacht
Die Steintribüne, auch Zeppelintribüne genannt.
Zufahrt von der Rückseite. 
Die Steintribüne verfällt zusehends. Es gibt Streit darüber, ob sie saniert werden soll oder – auch aus Symbolgründen – verfallen soll, so wie die Nazi-Herrschaft ein Ende hatte 1945. Die Baukosten sind inzwischen ermittelt. Die Zahl ist so hoch, dass ich sie mir nicht merken habe können.

Man weiß heute nicht mehr, für was der „goldene Saal“ unterhalb der Führerkanzel genutzt wurde. Möglich ist, dass es eine Art VIP-Raum war, sehr kühl zu jeder Jahreszeit und somit wäre es ein idealer Rückzugsort gewesen während der Anfang September stattfindenden „Reichsparteitage.“
Bevor es das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände gab, war eine kleinere Ausstellung hier untergebracht, also im Goldenen Saal und den Nebenräumen. Erstaunlich groß ist der Raum unterhalb der Führerkanzel. Engagierte Geschichtslehrer_innen machten das in ihrer Freizeit und auch nur im Sommer, weil es im Winter dort zu kalt ist. Auffällig ist wie spät das „Doku-Zentrum“, wie es auch auf den Straßenbahnschildern heißt, eröffnet wurde.
Man kann gar nicht mehr so recht glauben, was da damals stattgefunden hatte: Der „Führer“ Adolf Hitler auf der Führerkanzel, während NS-Einheiten (Soldaten, Jugendverbände etc.) unten vorbeimarschierten. Leni Riefenstahl war mit von der Partie und ihrem „Lichtdom.“ Auch ohne Digitaltechnik eine perfekte Inszenierung, um Menschen zu täuschen, zu verführen, zu beeinflussen. Selbst ausländische Journalisten berichten (so kann man es nachlesen), dass sie einerseits angewidert ob der Gewaltigkeit und Grausamkeit, andererseits auch fasziniert waren von der ganzen Inszenierung.
Schade, dass man von Gegenüber nicht mehr auf die Führerkanzel blicken kann: dann hätte man als Besucher_in von heute den Blick der Zuschauer_innen von damals. Heute sind dort Sportplätze verschiedener Vereine, die nicht so einfach zugänglich sind.
Heute kann man auf den Stufen sich hinfläzen und ganz ruhig ein Eis essen. Unten gibt es Fahrradfahrer und Fahrradfahrerinnen, Kinder, die das Skaten oder das Radeln lernen, oder einfach Spaziergänger, die vorübergehen.

Mit von der Partie war auch Leni Riefenstahl. Ganz ohne Digitaltechnik gelangen Filme, die perfekt zur NS-Propaganda passten, mit dem „Licht-Dom“.

Für die Bebauung des Geländes mußten auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene schuften. Das heutige Trafowerk, das den haufenweisen Strom für die vielen Flakscheinwerfer für Riefenstahls Filme lieferte, beherbergt heute ein Fast-Food-REstaurant. Der Historiker Pascal Metzger von Geschichte für Alle e. V. dazu: „der einzige Burger-King, den Albert Speer gebaut hat.“
Und noch mal für die Fußballfreunde ein Blick weiter, von der Kanzel aus, neben dem Zeppelinfeld:

Das „Frankenstadion“ heute war damals das städtische Stadion, das es schon vor der NS-Herrschaft gegeben hatte. Es sollte ein neues, großes „Deutsches Stadion“ gebaut werden. Doch es kam nur bis zur Baugrube, die dann mit Wasser volllief, dem heutigen „Silbersee.“ Nein, da ist kein Schatz drin… dafür leider einiges an Dreck und Gift.


Da kann man herrlich Achter fahren (auf dem Boden achterformen meine ich!) oder Rollschuh fahren 😉

1945 war dann endlich Schluß mit der Grausamkeit des NS-Regimes. Die US-Armee sprengte das goldene, mit Ähren umrankte Hakenkreuz auf der Zeppelintribüne.

Der große Dutzendteich. Im Hintergrund rechts der Anfang der großen Kongreßhalle, rechts (nicht sichtbar) hinten ist der Eingang zum Doku-Zentrum.
Der Teich führte zu diesem Zeitpunkt kein Wasser (1. November), weil die Stadtverwaltung gegen Algenverschmutzung u. a. kämpft.

Der Luitpoldhain benannt nach dem Prinzregenten war schon zur Zeit des dt. Kaiserreiches ein Naherholungsgebiet, damals noch mit der „Luitpoldhalle“ , eine Ausstellungshalle für technische Neuigkeiten („Maschinenausstellung – 190irgendwann).

Im Sommer finden hier die Freiluftkonzerte „KlassikOpenAir“ statt. Picknicken und dabei gute Musik hören…. (und leider das auch oft viel zu laute Geschnatter des Nachbarn…)
Das ganze Gelände ist immer noch ein gutes Naherholungsgebiet.

Die Ehrenhalle. Die gab es schon vor der NS-Diktatur , als Ort des Gedenkens an die Toten der Kriege vor 1939. Die Nazis benutzten den Ort entsprechend ihrer Ideologie.

Furchtbar ist, was davor liegt und jeden Fahrradreifen gefährdet. Und auch manchen Kinderwagenreifen. Eine Unverschämtheit ist das.

Ein Hotel am Ende des Luitpoldhains. Auf der Wiese sitzen beim KlassikOpenAir die Besucher_innen und lauschen der Musik. rechts (nicht imBild) ist die Meistersingerhalle, ein Bau im 1960erJahre Stil mit 2 Konzerthallen (potthäßlich das Gebäude, wenn ich auch schon schöne Konzerte darin erlebt habe).


Blick von gegenüber auf die Ehrenhalle

Black and……………………………………………………………………………white.
Die Große Straße. Ursprüngliich sollten dort Soldaten marschieren, doch wegen des Krieges kam es nicht mal zur Fertigstellung. All diese Dimensionen, Kongreßhalle, Große Straße…. zeugt vom Größenwahn des NS.-Regimes
Blick Richtung Messegelände

Blick Richtung Volksfestplatz. Wenn viele Veranstaltungen sind, ist die Große Straße ein einziger Parkplatz für Blechkisten.
ursprünglich teilte die Große Straße die beiden Dutzendteiche, den großen und den kleinen.

Links:
https://www.museen.nuernberg.de/dokuzentrum/
http://www.nuernbergwiki.de/index.php/Dokumentationszentrum_Reichsparteitagsgel%C3%A4nde
http://www.geschichte-fuer-alle.de/