Was man mit Aktenkoffern so alles machen kann!

Gerne hätte ich diese Oper für terzwerk, unserer Klassiksendung und Klassikmagazin auf der Welle von eldoradio begleitet, Künstler-/innen interviewt. Leider war genau am Wochenende der Premiere am 9. Januar 2016 was anderes, die Generalprobe für unser Konzert vom Unichor meine ich. Da wäre ich abends zu fertig gewesen, zuviel andere Musik schwirrte mir im Kopf herum, als um noch so aufmerksam im Theater sitzen zu können. Jetzt habe ich es endlich geschafft – und die positiven Kritiken in der Presse hatten Recht behalten.

RINALDO Dramma per musica von Georg Friedrich Händel

Libretto von Giacomo Rossi nach einem Szenario von Aaron Hill

Wow, was für eine Wucht! „Rinaldo“, das ist eine einzige Ansammlung von Händels Hits. Und obwohl es eine Eigenart dieser Musik ist, dass sich Phrasen wiederholen, wird es keine Minute in den 3 Stunden der gesamten Aufführungsdauer langweilig.

Rinaldo, das ist der Held der Geschichte, ein Ritter und Kreuzfahrer, der als Mitglied des christlichen Heers kurz vor Jerusalem steht. Zusammen mit Goffredo (Gottfried von Boullion) dem Heerführer wollen sie nach anderen erfolgreichen Feldzügen die Stadt Jerusalem erobern. Goffredo und der undurchsichtige Eustazio geben sich siegessicher, Rinaldo hat aber keine Lust mehr auf das Kämpfen; er will endlich Schluß machen damit und seine geliebte Almirena, die Tochter Goffredos, mit der er liiert ist, heiraten. Das können die beiden Heerführer so nicht hinnehmen: erst die Arbeit, dann das Vergnügen singt einer von beiden Rinaldo vor. Ohne Rinaldo können sie die Schlacht, die letzte Schlacht für den endgültigen Sieg nicht gewinnen. Pflichtbewußtsein für den Beruf versus Privatleben-Gestaltung… für was wird sich Rinaldo entscheiden (müssen)?

Eustazio muß noch mal klar machen, wer hier die bessere und SIEGREICHE Mannschaft ist. Warum allerdings bei seinem Prunk- und Angebergesang auf dem Beistelltisch eine Plüschkatze seziert werden muß, ist einfach nur unnötig und auch widerlich,auch wenn es nur ein Stofftier ist. Die Szene hat keinerlei Nutzen oder Bedeutung für die Handlung. Im Publikum war ein Raunen und leises Reden zu hören; die Szene sorgt wohl bei einigen Zuschauer-/innen für Unverständnis.

Nächste Szene auf der drehbaren Bühne. Die gesamte Oper spielt in einem Flughafen- oder Bahnhofsgebäude, ein „Nicht-Ort“, wie Regisseur Jens-Daniel Herzog bei der öffentlichen Probe sagte: an diesem Ort will und kann niemand bleiben, es ist immer nur ein Durchgangsort für eben Leute, die unterwegs sind. Die einzigen geschlossenen Räume sind langweilige holzvertäfelte Zimmer, in denen häßliche dunkelbraune Kunstledersofas stehen, dazu Kunstpflanzen und kleine Beistelltischchen. In solch einem Raum sieht man den Sarazenenführer Argante zuerst. Mit lauten Trompeten singt er seine Worte: er habe selbst die Wut von Schlangen in sich, da brauche er sich nicht vor anderen Tieren fürchten. Es steht nicht gut um seine Stadt, Jerusalem. Seine Mitarbeiter  pfeift er ordentlich zusammen, weil sie in ihren Unterlagen nichts neues vorzuweisen haben, womit er das Kriegsglück für sich entscheiden könnte. Schade, dass die drei Tänzer Sonnenbrillen tragen müssen; ohne diese hätten sie ihre Furcht vor ihrem ausrastenden Chef, der auch keinen Plan hat, noch deutlicher spielen können.

Was man alles so mit einem schöden langweiligen Aktenkoffer machen kann. Das Tanzensemble, das als Delegation vom christlichen Heer unter Goffredo unterwegs ist, trägt immer Aktenkoffer mit sich. Die werden in alle Richtungen geschwungen, zu Türmen aufgebaut, zu Wänden stilisiert, so dass es einmal aussieht, als stünde Rinaldo auf einer Burg… echt witzig! Und vielleicht eine satirische Anspielung auf das Gehampel bei tatsächlichen Friedensverhandlungen.

Und dann donnert es. Endlich kommt die, die Argante so heiß ersehnt hat: die Zauberin Armida. Sie soll herausgefunden haben, wie man das christliche Heer am besten schwächen kann… Eleonore Maguerre singt die Armida mit Verve, ausdrucksstark in Stimme und Gestus. Man meint wirklich, eine Zauberin, die allmächtig scheint, vor sich zu haben. Vom Balkon oben, auf dem man zuerst noch langweilige Anzugträger gesehen hat, taucht sie plötzlich auf, reißt sich den Anzug vom Leib und trägt ihr rotes, kurzes Kleid. Rot, das ist ihre Farbe und wird sie bleiben. (Die Schneider-/innen müssen da echt Geduld haben, weil sie die Knöpfe des aufgerissenen Hemdes nach jeder Vorstellung wieder und wieder annähen müssen 😉 Doch Argante ist nicht nur Kriegsherr, er ist auch lüstern, er will nicht nur die Kriegsstrategie von Armida wissen, er will die Frau haben. Mit großem Grinsen und Belustigung habe ich zugesehen, wie sie ihn zuerst anlockt und dann entweder mit dem Knie oder den Pumps von sich stößt, manchmal auch ganz fies in die weiche Mitte. Tja, eine Armida bekommt man nicht so leicht… die muß man sich verdienen! Frau kann auch wehrhaft sein!

Nun hat Argante erst mal von den hochnäsigen Christen (Goffredo zu Argante: „bedenke, wie großzügig ich bin“) einen Waffenstillstand abgerungen.

Rinaldo schafft es, seine geliebte Almirena doch noch kurz zu sehen, bevor er seine Pflicht als Ritter erfüllen muß. Eine freundliche Liebesszene auf einem der Kunstledersofas in der Wartehalle. Doch das Glück währt nur kurz: Donner und Blitz kommen auf, Rauch kommt aus der vermeintlichen Toilettentür: Armida entführt Almirena – so kann man das christliche Heer schwächen! Rinaldo ist entsetzt und bleibt am Boden zerstört zurück; ja er liegt wirklcih auf dem Boden, schwach und kraftlos. Das können Goffredo und Eustazio, die mit Melonenhüten wie Dedektive aus einem englischen Krimi der 1960er Jahre daherkommen, so nicht dulden. Wieder werden in aufwendiger Zeremonie die klinisch reinen blauen Handschuhe angezogen, die Tänzer bilden eine Art Sitz, auf den der erschlaffte Körper des Rinaldo gesetzt wird. Eustazio drückt einer Schlange Gift aus dem Maul, um es Rinaldo als Stärkung in den Mund zu geben. Im Gegensatz zur Sezierungs-Szene der Plüschkatze nicht ganz so grausam, aber immer noch unheimlich, was dieser Eustazio da macht…

Schlangengift als Muntermacher? Eher denkt man, es würde einen töten.

Nicht so bei Rinaldo. Langsam wird er wieder munter. Während die Winde wehen, alle anderen sich an den Sitzmöbeln oder an Löchern in der Wand festhalten müssen, um nicht davongetrieben zu werden, steht er aufrecht da, unbehelligt von allem Windbrausen und singt davon, dass ihm die Winde Kraft geben mögen. Das Spiel aller Beteiligten ist so authentisch, als ob wirklcih ein heftiger Sturm durch´s Theater blasen würde… Mit Rinaldos erhobener linker Faust endet der 1. Akt.

Ob eine Oper gut oder schlecht ist merke ich auch daran, ob und wie oft ich auf die Uhr schaue. Trotz Smartphone, auch einer Art moderner „Taschenuhr“, trage ich gern Armbanduhren. Heute sah ich nie auf die Uhr – und hatte kein Bedürfnis danach.

Das christliche Heer braucht aber nun einen magischen Rat, denn es hat seinen wichtigsten Kämpfer verloren. In Wanderschuhen und „outdoor-„Jacken sieht man im 2. Akt Eustazio, Goffredo und Rinaldo durch die Wartehalle laufen. Einer hält die Karte falsch herum, Rinaldo hat es satt, noch länger nach dem christlichen Magier zu suchen. Mensch Jungs, nicht mal die Karte könnt ihr richtig lesen! Magische Wesen tauchen auch auf: es sind allerdings 3 Sirenen in quietschrosa Kleidern in einer Art orientalischem Stil… Wie angenehm, dass es nicht drei blonde dünne Frauen sein müssen. doch es sind Zauberwesen, geschickt von Armida, die ihm versprechen, er würde seine Almirena wieder sehen, würde er mit ihnen gehen… wie von Zauberhand wird er in die rauchige Toilettentür hineingezogen. Seine Kumpels können ihm nicht helfen, so stark ist die Zaubermacht. Verzweifelt stolpern Eustazio und Goffredo durch das Flughafengebäude, stoßen mit anderen Passagieren zusammen, streiten mit ihnen. Witziger Einfall, dass genau der unscheinbare Putzmann im Durchgang des Wartesaals genau dieser christliche Zauberer ist. Das große Wechselbild über dem Kunstledersofa stellt nun eine riesige Satellitenschüssel in einer Mittelmeerlandschaft dar. (Wer späht wen aus?) Der Putzeimer auf dem Wagen mit den Putzutensilien wird zum Kessel für den Zaubertrank, aus dem Goffredo und Eustazio trinken. Doch bevor sie die großen aufrechten Krieger sein können, torkeln sie erst mal herum; war wohl doch etwas stark der Trank für einen sterblichen Menschen, was? 😉

Almirena beschimpft in ihrer Gefangenschaft – einem kahlen, leergeräumten Konferenzraum – ihre Peinigerin , die Zauberin Amira. doch die lacht sie nur dreckig aus,  vom Balkon runter. Schlingpflanzen bedecken das Balkongeländer, ein passendes Metapher für die Macht der Zauberin. In Hand und Fußschellen liegt Almirena auf dem Boden und beklagt in „Lascia chi´o pianga“ ihr Leid. Wie bei manchen anderen Arien gibt es danach spontan Applaus. Interessanterweise verärgert mich das dieses Mal nicht; es liegt wohl daran, dass fast jede Arie ein echter Händel-Hit ist und man deshalb versucht ist, seine Begeisterung schon während der Oper kund zu tun.

Dennoch, so leid wie sie einem tun kann, die Almirena in ihrem weißen Kleid, die unschuldige: die coole Sau ist ganz klar die Zauberin Armida. Sie ist die starke, selbständige Frau, die sich auch ohne Rücksicht das holt, was sie will. Schlau und auch hinterfotzig ist sie. Verlieren, das gibt es für sie nicht. Furien und Sirenen, auch die Elemente wie der Donner gehorchen ihr. Sie hat es geschafft, die wichtigste Person des christlichen Heeres zu entführen, noch dazu dessen Geliebte…. Großer Beruflicher Erfolg im Dienste des sarazenischen Heeres.

Hm, doof nur, dass Argante wieder nur an was anderes als die Kriegsstrategie denkt. Nix da mit stringent den neuen Plan seiner Beraterin Armida durchziehen. Da wird Almirena angeschmachtet und begehrt; sie schafft es, dass er ihr die Hand- und Fußschellen löst. Seine Umarmung und seinen Kuß erwidert sie nicht. Weit kommt Almirena – jetzt von Fesseln befreit –  nicht, die Sicherheitsleute nehmen sie gleich im Aufzug mit, Argante hat nichts von ihr. Als seine Geliebte Armida von seinen Gelüsten erfährt, wird sie stinksauer. Furien umkreisen ihn, sein „Schwert“, ein aufgeklapptes Taschenmesser, ist wirkungslos, seine Hand gehorcht ihm nicht mehr. Die Tänzerinnen, ebenfalls in roten Kleidchen, machen das mit einem Schwung, dass man denken könnte, es geht wirklcih ein kräftiger, schwungvoller Wind über die Bühne. Eine Wonne für Augen und Ohren, das zu erleben!

… oder gibt es doch etwas, das Armida besiegen könnte?

Jetzt ist der Sieg für die Sarazenen doch eigentlich sicher…. Als sie noch singt, dass sie mit den Furien Rinaldo foltern wolle und ihm mit Knien und Händen ein paar Schläge verpaßt, muß Armida plötzlich inne halten: wow ist der Kerl schön… den kann ich gar nicht töten… huch, ich werde doch nicht verliebt sein? Rinaldo ist empört, beleidigt sie und weist sie ab. Doch Verlieren, nein, das gibt es für eine Armida nicht! Wen sie liebt, der hat auch sie zu lieben! Also wird sie Almirena umbringen, diese Puppe, dieses dumme Mädchen, die ihr im Weg steht. Rinaldo kann den Mord an Almirena noch verhindern, die herannahenden christlichen Krieger vertreiben Armida… da nützt auch ihre Nebelmaschine nichts mehr. Warum allerdings zu den beiden Pistolen von Goffredo und Eustazio Geräusche von Maschinengewehren sein mußten…. das wirkte seltsam.

In der letzten Szene, da ist Rinaldo wieder ganz Staatsmann. Im Anzug mit Krawatte stolziert er zuerst auf und neben den Tischen, auf denen der Friedensvertrag unterzeichnet werden soll – und dann auch wird. Als die Sarazenen kommen, gibt es eine Rauferei in Zeitlupe, denn Argante kann nicht glauben, was er da im Vertrag liest. Ein letztes Mal versucht Armida, verkleidet als Diplomatin im Anzug, Rinaldo anzumachen. Sie wird aber erkannt und ihr die Kleider vom Leib gerissen (auch rote Spitzenunterwäsche fliegt durch den Raum). Die Christen zielen mit Pistolen auf ihre Gegner. Armida singt, sie wolle konvertieren und vielleicht der Zauberei abschwören – aber das klingt belustigend, statt ernst. Ist auch völlig egal: Hauptsache die Liebe hat gesiegt und nicht der Krieg, nicht das Militär. Doch auch im weißen Kleidchen will Armida den schönen Rinaldo, der nun neben seiner Geliebten Almirena steht und davon singt, jetzt werde geheiratet, nicht aufgeben. Sie macht sich an ihn ran, Argante meint, Almirena wieder angrabschen zu müssen… so gibt es beim versöhnlich klingenden Schlußchoral noch mal eine kleine, lustige Rauferei statt braves Nebeneinander-Stehen. Ich habe herrlich gelacht.

Besonders beeindruckt hat mich Ileana Mateescu, die den Rinaldo singt und spielt. Wie es wohl ist, einen Mann zu spielen? Ich kannte sie schon von ihrer Rolle als Hänsel in Engelbert Humperndincks „Hänsel und Gretel.“ Was für ein schöner Mann, der Rinaldo. Auch ein Draufgänger, klar, das sind sie alle, die Ritter und Kämpfer. Aber nicht zuviel. Er hat auch eine weichere Seite, eine liebevolle. Ein Mann, mit dem man nicht unbedingt ein ganzes Leben verbringen möchte; aber treffen möchte man ihn schon und eine Zeitlang mit ihm zusammen sein. Schmacht. 🙂 Seufz….

RINALDO Dramma per musica von Georg Friedrich Händel

an der Oper Dortmund.

http://www.theaterdo.de/detail/event/16155/#prettyPhoto

Nächste Vorstellungen:

Sonntag 14. Februar 2016 , 18 Uhr (vielleicht mal was anderes zum Valentinstag außer Blumen oder Pralinen?) ,

18./28. Februar 2016 zum letzten Mal. – ALSO LOS!

 

Hintergrundinfos: http://www.opernhausblog.de/2015/12/10-dinge-die-sie-ueber-rinaldo-wissen-muessen/

 

 

 

Sendung „nachtsession“ wird abgesetzt: offener Brief an Bayern2Radio

Sehr geehrte Redaktion von Bayern2Radio,

Sehr geehrter Herr Intendant Ulrich Wilhelm,

mit großer Überraschung und auch Verwunderung habe ich die Ankündigung, die bei mir nur als Nebenbei-Moderation vom Zündfunk ankam gehört, dass die Sendung „nachtsession“ (Sendezeit: Freitag auf Samstag , Samstag auf Sonntag und Sonntag auf Montag jeweils 24 – 2 Uhr) abgesetzt wird, bzw. schon wurde.

http://www.br.de/radio/bayern2/musik/nachtsession/nachtsession-abschied100.html

Warum das??

Nur aus Kosteneinsparungsgründen??

Das kann wohl nicht sein. Mir fallen genug andere Sendungen ein, die man entweder abschaffen oder zusammenlegen hätte können.

Eine kurze Historie in eigener Sache:

Ich bin mit Bayern2Radio aufgewachsen. Meine Mutter hatte fast immer Bayern2 gehört, auf einem alten Grundig „concertboy“-Radio, das so alt ist wie meine Schwester (etwa Baujahr 1969), wenn mein Vater nicht seine grausige Schlager – und Volksmusik auf Bayern1 hören hatte müssen. Hammer, wie lang das Ding lief… Für mich hatte Radio immer was faszinierendes, was da aus dem mit Kunstholz verkleideten Lautsprecher kam; allen Widerständen und Spott zum Trotz habe ich immer den „Kinderfunk“ (damals Sendezeit um 14 Uhr) gehört. Das war auch (noch) erlaubt gewesen im dörflichen katholischen Haushalt. Allerdings hat meine Mutter Bayern2 ungefiltert und unreflektiert durchlaufen lassen. Als 10- oder 14jährige versteht man noch nicht unbedingt, was im „Zündfunk“ (damals noch um 16.30 Uhr) läuft. Im Vergleich mit heute erscheinen mir die Beiträge von damals auch schwerer, d.h. ernster und schwer zu verdauen, weil auch mit weniger Musik, bzw. mit ernsterer Pop- oder Alternativerockmusik (wie man es nennen will) verpackt. Die verschiedene Wahrnehmung liegt wohl einfach auch daran, dass ich heute schon älter bin. Dennoch, der ZÜNDFUNK IST UND BLEIBT eine der WICHTIGSTEN, wenn nicht DIE wichtigste Sendung im Bayerischen Rundfunk. Der Bayerische Rundfunk und das Fernsehen ist voll von Schrott, das muß ich leider so deutlich sagen. Diesen Schrott wollen die Leute aber hören, klar, sonst würde er nicht bestehen bleiben. Und damit wäre ich jetzt bei dem, was bzw. wo man statt der popmusikalisch hochwertigen „nachtsession“ einsparen hätte können.

1.) Unsäglich, furchtbar und wenig, wenn gar nicht informativ: das Sendung „Gesundheitsgespräch.“

> Gibt es nicht außerhalb dieser Sendung genug Foren und Sendungen (auch im Fernsehen), wo sich – meist alte Frauen als Anruferinnen – gegenseitig mit dem Studiogast (meist ein Mann, also ein Arzt) über ihre tatsächlichen oder nur wenig vorhandenen Leiden volljammern können?? Neben der Verbrauerberaterinnen Annliese Pfeifer einer der furchtbarsten und unnötigsten Sendungen in Bayern2. Herrgott noch mal! Was hilft es denn, dort anzurufen?? So viele Anrufer-/innen hören sich sowieso an, als ob sie besser beim Psychologen auf der Couch wären: sitzend, um im Kopf ihr Leiden auszutragen. Aber ach ja, ich vergaß, Psychologen gelten hierzulande als böse. Man kann lang und breit über seine kranke Leber reden in der Öffentlichkeit, aber nicht sagen, dass man regelmäßig eine Gesprächssitzung beim Psychologen hätte. Dabei werden Ärzte doch auch angebetet, so doof sind die Patientinnen – mit dem Psychologen klappt das möglicherweise nicht so. Denn da fängt es an, auch jede körperliche Krankheit: wie nimmt man sie wahr, wie geht man damit um?? Bestimmt nicht damit, in der Öffentlichkeit das lang und breit auszubreiten! Das wirkt lächerlich, so wie die ganze Sendung lächerlich wirkt. Meine Güte, wie arm muß diese Gesellschaft sein, wenn all diese Anrufer-/innen offensichtlich oder scheinbar keine Möglichkeit zur Aussprache – auf Kosten wertvoller Sendezeit – haben. Ich habe meine Mutter nie verstanden, warum sie sich das anhört. Kümmert Euch um Eure eigenen Krankheiten/Gebrechen – aber laßt die Hörer-/innen damit in Ruhe! Ah und übrigens: die Ärztinnen und Ärzte sind hauptsächlich für körperliche Leiden zuständig, deshalb: labert den Psychologen oder die Psychologin voll und nicht die Mediziner-/innen, die haben anderes, auch wichtiges zu tun. Und: entgegen gesellschaftlicher vorherrschender Meinung sind Psychologen genauso wichtig, gut und kompetent wie Mediziner!

Also mein erster Vorschlag: Sendung „Gesundheitsgespräch“ absetzen.

2. Sendungskritik: Sendungen „Katholische Welt“ und „Evangelische Perspektiven“

Auch das mußte meine Mutter hören. Im Doppelpack. Obwohl sie danach immer zur Kirche rennt. Das ist genauso schlimm wie Leute, die nach 3 STunden Richard Wagner immer noch nicht genug von dieser wuchtigen und pathetisch überladenen Musik haben. Ich finde beide Sendungen am Sonntag morgen überflüssig, weil IMMER im Deutschlandfunk und im ZDF oder der ARD Gottesdienste übertragen werden. Die gläubigen Menschen, die nicht zur Kirche gehen können, haben also noch genug Möglichkeiten, ihrer scheinbar geistigen Erbauung nachzukommen.

Pardon auch bei den Sendungsnamen. Wie das schon klingt „Katholische Welt“ – genau das, was es ist und nach eigener Auffassung nicht sein will: eine eigene Welt, die sich der Moderne und der Freiheit verschließt. Genau als solches habe ich die Katholische Kirche wahrgenommen und lehne sie ab. „Evangelische Perspektiven,“ die andere Kirchensendung klingt etwas offener, Perspektiven kann jeder und jede haben. Dennoch ein weiterer Einsparungsvorschlag:

Sendungen „Katholische Welt“ und „Evangelische Perspektiven“ zusammenlegen.

Und: wer braucht die Sendung „Theo.Logik“ , in der sowieso nur das durchgekaut wird, was v. a. der Papst sagt und die Katholische Kirche vorschreibt?? Wen interessiert das, der oder die einigermaßen gebildet ist?? Diejenigen, die nichts hinterfragen vor allem bei der Religion, werden ohnehin wenig Bayern2 hören. Wer nachdenkt und hinterfragt, kann kein gläubiger Mensch sein, in keiner Konfession oder Religion. Denn jede Religion behauptet, die Wahrheit zu kennen. Und das ist gefährlich und führt immer wieder zu Streit, sogar zum Krieg (auch wenn man den IS nicht als Vertreter des Islam bezeichnen kann). Deshalb: vergeßt Religion, sie entzweit die Menschen nur mehr. Und gebt ihr nicht soviel Sendezeit, auch oder erst recht im katholischen Bayern.

Weiterer Einsparungsvorschlag: „Theo.Logik“ absetzen.

 

3.) Sendung „Kalenderblatt“ und „Reflexionen“

sind wenig Information und vor allem die zweitere Sendung ist stark religiös angehaucht. Das Thema Religion hat einen viel zu hohen Stellenwert in Bayern2Radio. Fast erscheint es mir als Hörerin wie ein unausgesprochener Zwang, in jede Sendung irgendwie noch ein Stück Religion – und dazu meist unkritisch – hineinzupacken. Und das nervt gewaltig! Und das macht mich – vor allem an der katholischen Kirche – auch so wütend und fassungslos, dass Kritik nicht erlaubt oder anerkannt ist. Erst recht nicht von einer Frau. Das wird heute nur schöner verpackt als noch vor 10 oder 20 Jahren, es hat sich aber nichts geändert. Man weiß ja, wie „reformfreudig“ der Mannsbilderverein aus Rom ist. Pfui Deifl!

(wie es in der Evang. Kirche ist, kann ich nicht sagen. Homophobie ist dort aber auch vorherrschend, wie eine Sendung in DRadioKultur zeigte).

Schon mal drüber nachgedacht, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, über das Leben nachzudenken?? Ja, ich weiß, da haben Sie auch Ihre Sendungen. Aber sie sind wenig sichtbar, die Religionssendungen überschatten alles, so wie eine Nonne einmal (in bezug auf sexuelle Gewalt gegen Schutzbefohlene) einmal gesagt hat: „Mein Gewand deckt alles.“ Das sagt alles aus über diesen Verein. Nein, danke.

Daher mein Änderungsvorschlag: „Reflexionen“ abschaffen oder zumindest kürzen. Wenn dies bei der ohnehin kurzen Sendungszeit möglich ist.

Es ist wichtig und gut, dass Sie den Hörer und Hörerinnen ein Forum zur Äußerung bieten. Das wurde von einem Journalisten als Interviewter selbst in DRadioKultur kritisiert. Allerdings ufert das beim „Tagesgespräch“ mehr und mehr aus. Es ist stellenweise unerträglich, wieviel Dummheit und unreflektierte Meinungen da zu hören sind. Wenn man das hört und manche Kommentare in sozialen Netzwerken liest, möchte man am liebsten dieses Land verlassen. SO sind die Leute hier drauf. Sicher kommt es deshalb nicht gleich zu einem Bürgerkrieg. Aber Dummheit ist und bleibt gefährlich. Sicher würde sie nicht verschwinden, würde man die Sendung „Tagesgespräch“ komplett einstampfen. Aber die Dummheit hätte nicht mehr soviel Platz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es ist wichtig, dass der Journalismus Mittel entwickelt, um gegen diese oft offen ausgesprochenen Bedrohungen gegen sich vorzugehen („Lügenpresse“ und all dieser Müll, der die Vorwürfe gegen die Presse prägt).

Deshalb mein Vorschlag: Kosteneinsparung durch weniger „Tagesgespräch“ – Sendungen. Auch DRadioKultur hat seine Schnatter-/Plaudersendung „2254“ abgeschafft. Ich konnte das nachvollziehen. Es gibt nur noch am Samstag morgen eine Sendung mit Hörer-/innenbeteiligung, die völlig ausreichend ist.

Wenn Bayern2Radio ein modernes, gutes Medium bleiben will anstatt vor allem Religions-Selbstbeweihräucherung und HeimatGedudel machen zu wollen (diese Hörer-/innen sollen gefälligst Bayern 1 und diesen neuen Sender „BayernHeimat“ im Netz einschalten!), müssen bestimmte Sendungen vorhanden sein. Dazu gehört neben dem ZÜNDFUNK, der Sendung „Jazz und Politik“ eben auch die „nachtsession.“

Die gesamte Radiolandschaft ist voll vom Dudelfunk. Deshalb : NACHTSESSION WEITER SENDEN!!

Nur dann wird Bayern2Radio seinem Anspruch gerecht, ein gutes, wertvolles und hörenswertes Medium gegen die Dummheit (gegen Rassismus, gegen Homophobie, gegen einseitiges Denken u. a.) zu sein.

Mit radiofreundlichen

und ultrakurzwelligen Grüßen

 

A.St.

 

 

 

 

 

Mal kein Walzergeduldel: Das Neujahrskonzert der Dortmunder Philharmoniker

Von New York bis Puerto Rico: das Neujahrskonzert der Dortmunder Philharmoniker

Am Neujahrstag 2016 gibt das Orchester der Dortmunder Philharmoniker ein Konzert zum besten, das man an einem 1. Januar so nciht erwartet hat. Anfangs war ich verwirrt, was da mit Dissonanzen und lauten Bläsern startete: „Cuban Overture“ von George Gershwin ist da zu lesen. Gershwin, ja das war der mit „Porgy and Bess“ und „I got rhythm.“ Statt Walzerseeligkeit und ewiges „Sich-Im-Kreis-Drehen“ fühlt man sich als Konzertbesucherin plötzlich in den Sommer versetzt, spätestens, wenn der mindestens 6 Menschen starke Percussionsapparat mit Bongos, Kugeln, die raschelnde Geräusche erzeugen und Klanghölzern loslegt. Das ganze findet im Opernhaus statt – und zwar mit dem Orchester AUF statt wie bei der Oper unterhalb der Bühne –  und das bedeutet: das Theater fährt seine Bühnentricks auf, die es bieten kann. Das Sommergefühl macht ein riesiges Hintergrundbild eines Sandstrandes komplett. Einfach unbeschwert am Strand sitzen und auf das Meer hinausschauen, die Wellen beobachten, wie sie im Sand auslaufen…

Doch bald holen die Konzertbesucherin die langsameren, dissonanten Klänge in den Geigen und die Bläser, die einen Einwand zu haben scheinen gegen diese Idylle, einen aus der Träumerei. Gershwin ist eben kein easy listening. Dass ungeduldigere Konzerbesucher-/innen deshalb nicht gleich das Weite suchen, liegt an dem erneuten Einsetzen der Rhythmusfreunde und weniger Dissonanzen mit beständigen Melodien. Man kann sich vorstellen, wie Menschen zu dieser Musik durch die Straßen einer Stadt in Kuba tanzen, am Straßenrand stehen die Musiker. Auf einem Foto, das im Hintergrund gezeigt wird, ist einmal ein Trommler im Großformat , im HIntergrund eine Straße zu sehen.

Nach de fulminanten Ende der „Cuban Overture finden ein paar kleine Umbauten statt, der Mitarbeiter, der reinkommt und nur die Aufgabe hat, den Flügel aufzuklappen, bekommt vom Publikum Applaus, als ob er Solist wäre – schon witzig. Dann kommt die Solistin, Tatiana Prushinskaya im roten, glänzenden, glitzernden Kleid (warum gibt es sowas nicht auch für Frauen mit Konfektionsgröße 42 aufwärts, verdammt noch mal???) . Sie sieht nicht nur schön aus, sie spielt auch gut: die sinfonischen Variationen für Klavier und Orchester „I got rhythm“ von George Gershwin. Die Melodie dazu kennt jeder, die Variationen dazu icht unbedingt. Als Akkordeonspielerin habe ich Variationen immer gehaßt, es war für mich immer das selbe, immer genauso langweilig. Doch mit „I got rhythm“ wird es nicht langweilig. Bemerkenswert, was Gershwin aus dieser einfachen Melodie alles rausholt. Auf der Bühne ist einiges los: es gibt zwar weniger Schlagwerk, dafür sieht man hin und wieder die Bläser-/innen ihre Dämpfer, die wie große Pommestüten aussehen, rein- oder rausholen aus dem Trichter. Plötzlich ist ein Oboensolo zu hören, mit dem man bei den sonst dominierenden Trompeten oder Saxophonen (jaaa, diese wunderschöne Instrument darf endlich mal im Orchester mit dabei sein!) nicht gerechnet hätte.

Nach den sinfonischen Variationen von „I got rhythm“ wird der Flügel eingeklappt und hinausgeschoben – ohne Applaus für die Bühnenarbeiter 😉

Was folgt ist, wenn man so will, ein Schnelldurchlauf durch Leonard Bernsteins Musical „West Side Story.“ IM Programm sind die „sinfonischen Tänze aus „West Side Story“ angekündigt. Bei dieser Fülle von Rhythmen und Melodien wird der Zuhöreri nie langweilig. Dissonante Klänge, Staccato bei den hohen Blästern, da kann man sich gut Verfolgungsjagden der beiden verfeindeten Banden vorstellen. Autohupen, LKW-Hupen oder Hupgeräusche von U-Bahnen und Straßenbahnen meint man zu hören, wenn ein Gong regelmäßig erklingt. Beim Xylophon denkt man zwangsläufig an Treppen, die hinauf- und hinuntergelaufen werden, immer schnell laufen, immer auf dem Sprung sein, um dem Gegner nicht in die Hände zu fallen. Sogar eine Polizistenpfeife ist mal zu hören. Im Hintergrund sind Bilder von der Stadt New York zu sehen, das Empire State Building und die gesamte Betonwüste, die dennoch zu einem Sinnbild für Kultur geworden ist…. Manchmal wären allerdings Bilder von Straßenzügen noch passender für die „sinfonischen Tänze aus „West Side Story“ gewesen. Bei manchen Bläser – und Streicherklängen hat man das Gefühl, mit dem Auto durch New Yorks Straßen zu fahren, wenn nicht zu rasen – Bandenkrieg eben.

Natürlich darf, wenn es um das Musical „West Side Story“ geht, das Lied „somewhere“ nicht fehlen. Das Duett mit Geige und Bratsche ist so wunderschön, aber nicht kitschig oder beliebig. Die Dortmunder Philharmoniker schaffen es, diesen schmalen Grat einzuhalten: nicht langweilig nüchtern, aber auch nicht triefend vor Schmalz lassen sie „somewhere“ erklingen. Allerdings wäre ein Sternenhimmel über der Skyline von New York dazu passender gewesen als nur ein schwarz-weiß-Bild mit der Skyline. Einen Platz für die Liebe zweier Menschen, an dem die Liebe leben kann, ohne Angst und nicht bedroht wird… das wünscht man sich…. mit einem Seufzer beenden Flöten und die Streicher diesen sehnsuchtsvollen Traum, der oft genug auch in der Realität nicht gelebt werden kann. Es nervt, dass das Publikum diese schöne Stimmung nicht auskosten kann, für ein paar Sekunden und gleich applaudieren muß.

Das letzte Stück des Abends „Estanica“ von Alberto Gianstera zerstört leider all diese Idylle. Wild und laut geht es los, im Hintergrund ist Mexico Stadt mit der Jesus-Statue aus der Vogelperspektive zu sehen. Uuuaaah, was kommt denn jetzt?? Das Gepolter von „Estanica“ macht die schöne Atmosphäre von Bernsteins symphonischen Tänzen zunichte. Weglaufen geht nciht, wenn man fast mittig in der Reihe sitzt… bald wird klar: hier werden Sambarhythmen herausgeschleudert. Als Hintergrundbild muß eine Sambatänzerin dienen, übergroß und in Vorderansicht, wie sie ihre Beine dem Zuschauer entgegenschleudert. Die Haut glänzt künstlich. Absolut doofes Bild mit plumpen, billigen Effekten. Warum nicht einfach ei Foto einer ganzen Sambagruppe auf der Straße? Mich stört nicht die knappe Bekleidung, das ist eben so, mich stört die Betonung einzelner Körperteile.

Nach der Darbietung dieser Tanzmusik applaudiert das Publikum zu recht begeistert, manche rufen sogar „Bravo.“ Der Intendant, der Ballettchef und der Dirigent halten eine kurze Ansprache, verweisen auf das 50jährige Theaterjubiläum im März, vom Bühnenhimmel kommt ein rotes „Prosit Neujahr 2016“ geschwebt. Der gesprochene Neujahrsgruß der Orchestermitglieder kommt jedoch nicht so sauber und einheitlich rüber wie der  Klang, den sie heute abgeliefert haben. Naja… wenn man es wie der Wiener Mannsbilderverein jedes Jahr macht, hat man im gemeinsamen Aufsagen eben mehr Übung. Ist auch nicht so wichtig.

Bei der Zugabe ist dem Dirigenten Gabriel Feltz wohl wieder die Kinoleidenschaft durchgegangen. Schon zum 2. Mal nach dem Philharmonischen Konzert „love, space ,hell“ gab es den Tango aus dem Film „Der Duft der Frauen.“ Die 1. Konzertmeisterin spielte das Solo, dazu sieht man als Hintergrundbild ein Tango tanzendes Paar. Voll in Ordnung. Aber warum auch hier wieder auf billige Effekte gesetzt werden muß, kann nur Dummheit der Grund sein. Warum mußte das Foto genau in dem Augenblick aufgenommen werden, als die Tänzerin einen großen Schritt macht und es aussieht, als ob sie in die Hosen gemacht hätte? Und wen interessiert tatsächlich der durch den hohen Schlitz im Kleid sichtbaren Oberschenkel? Also nein Leute, was für ein Bildermüll! Geht woanders hin , wenn ihr solchen billigen Schrott sehen wollt. Aber nicht hier im Opernhaus. Hier geht´s auch um Musik und nicht um eine Operninszenierung, in der eine Prostituierte eine Rolle spielt. Sondern um gleichberechtigte Tanzpartner_innen.

Nach dem Neujahrskonzert spendierte das Orchester Sekt an die Besucher-/innen. Schön war´s … schade nur, dass gar so wenige junge Menschen mit dabei waren. Und ich hätte gern mit den Schlagwerkern geredet, was die da alles geklopft, geschlagen und gepfiffen haben 😉 immer konnte man das nämlich nicht sehen.

 

 

 

 

http://www.theaterdo.de/detail/event/16289/

Der rote RUDOLF im Ruhrgebiet

Schon lange wünsche ich mir ein Lastenrad, am besten mit E-Motor. Das schöne ist, dass mein derzeitiger Wohnort nicht so furchtbar hügelig ist wie meine alte Heimat und der Ort danach – d.h. man könnte auch mal ohne Motor fahren.. Weil ich einmal an der Critical Mass hier teilgenommen hatte (da war es das Musikrad zur CM) und diese  Person am selben Tag vorher schon mit diesem Lastenrad gesehen hatte, habe ich endlich eine Möglichkeit gefunden, ein Lastenrad auszuleihen.

Die Initiative VeloRuhrCity verleiht den roten Rudolf. Sogar ohne Gebühr. Es versteht sich von selbst, dass man nachher eine Spende gibt!

Ich war so froh, dass ich nicht 5mal fahren mußte, noch dazu mit unsicherer Ladung, weil die Kartons, selbst wenn sie gefaltet sind, auf einem einfachen Gepäckträger auf dem Rad eben nicht halten. Und noch dazu der Ärger mit den Autofahrer_innen, wenn mal was runterfällt und Ihre selbsternannte Heiligkeit nicht gleich weiterfahren kann.

Längere Zeit war das rote Lastenrad Rudolf nicht auszuleihen. Und weil ich erst nichts davon wußte, habe ich mich und mein Stadtrad Bergamont geschunden, um 2 Getränkekästen (mit 2 Ortlieb-Satteltaschen und einer Rixen&Kaul-Korbtasche) nach Haus zu bringen. Das tue ich mir nicht mehr an.

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Über den Namen mußte ich schmunzeln: „Dem RUhrgebiet und DOrtmund sein LastenFahrrad“, das ist eine Grammatik wie im fränkischen Dialekt 😉

Anfangs war es noch ein unsicheres Gefühl, dieses Rad zu fahren: der lange Radstand erfordert ein anderes Lenkverhalten, als wie man es vom ’normalen‘ Rad kennt. So wackelt der Lenker erst mal, nach wenigen Metern hatte ich bei meiner allerersten Fahrt stoppen müssen. Doch wie sagte F., der Koordinator: immer fahren, fahren. Und: nicht das Vorderrad ansehen, sondern dort hin schauen, wo man hinfährt. Eine einfache, aber wichtige Weisheit. Im Gegensatz zur Christiane ( http://www.christianiabikes.de/ ) traute ich mich nach der ersten Fahrt, das Gefährt in  meinen Stadtteil zu lenken. Am Abend transportiere ich noch 2 leere Getränkekästen. Hui, die waren schwerer als die Kartons…Manchmal war ich auf der breiteren Autostraße noch unsicher, es gab hier und da Gehupe, weil ich nicht immer ganz so schnell war oder nicht so flott die Baustelle umfahren hatte können… aber ich kam gut an. Blöd nur, dass der Boden vor dem Getränkemarkt uneben war und ich mich gewundert hatte, warum das Rad nicht ruhig stehen hatte wollen. Und weil´s so schön ist, drehte ich eine Runde um den Platz in meiner Nähe, auch wenn es da natürlich auch Gehupe gab, weil ich einmal anhielt um nach hinten zu schauen, bevor ich mich in eine Spur einordnete. Erst am 2. Tag konnte ich ohne unsicheres Gefühl über die Schulter blicken, um den Verkehr hinter mir zu beobachten.

Fast wie ein Schiff gleitet es dahin… toll zu fahren, weil es eine indirekte Lenkung hat. Was mir bei der Christiane nicht gefällt, ist die Lenkstange, ein starrer Lenker dran, mit Kasten vorn. Beim Rudolf ist der Lastenbereich besser in das ganze Rad integriert, der Lenker ist ein normaler Fahrradlenker, den man auch hochstellen kann, wenn einem der längere Abstand zwischen Sattelrohr und Steuerrohr stört. Möglicherweise faßt die Christiane (oder Christiania) aber mehr Last.

Herzlichen Dank an VeloRuhrCity!

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http://www.dein-rudolf.de

 

Radverkehr in Jena – abschließende Betrachtung

 

Das Fahrrad gewinnt als praktisches Verkehrsmittel zur Arbeit, zur Ausbildung oder für das Studium oder den Beruf immer mehr an Bedeutung: So besitzen 76% der 18-29-jährigen ein Rad;die Altersgruppe der Studierenden, Auszubildenden. Der Fahrradbesitz ist bei den 40-49-jährigen am höchsten; es wird als Verkehrsmittel für den Arbeitsweg, den Einkauf oder den Familienausflug genutzt. Selbst die Generation, die schon in Rente sein kann (60-64-jährige Menschen) fällt mir
einem hohen Anteil von 81% beim Fahrradbesitz auf: Das Rad wird vermehrt als Sportgerät genutzt, die Rentner-/innen sind durch eine gute Gesundheitsversorgung auch im Alter noch vital und sportlich.
Das Fahrrad benötigt in den meist engen Innenstädten viel weniger Platz als ein Auto, die Parkplatzsuche entfällt. Im Jahr 2012 besitzen je 100 Haushalte 183 Räder, aber nur 109 Autos. Der Fahrradbesitz ist von 2003 bis 2013 von 78% auf 80% gestiegen, der Autobesitz stagniert bei 77%.
Längst ist das Rad kein Fahrzeug für Geringverdiener_innen mehr. Das zeigen auch die Angebote von hochpreisigen Rädern mit oftmals hochwertiger Zusatzausstattung wie Elektronantrieb,
Federung, besonders guter Beleuchtung oder Lastenräder mit Elektromotor.

Ein wichtiger Punkt ist neben einem guten Rad auch eine fahrradfreundliche Infrastruktur in der
Stadt. Viele deutsche Städte haben Nachholbedarf. Anhand meines Weges vom Studentenwohnhaus Schlegelstraße 8 (Neu-Lobeda, Lobeda-Ost) zur Universität Jena. Nur gute Radwege und passende
Verbindungen der Radwege sorgen dafür, dass Menschen ihre Fahrräder auch wirklich im Alltag nutzen – und nicht nur für den Sonntagsausflug mit der Familie.

Der Weg zur Universität Jena beginnt am Hintereingang der Schlegelstraße 8: Dort ist der Kellereingang; im Keller gibt es einen Sammel-Abstellraum. Nachteil: Diebstähle von Rädern oder
Bauteilen von Rädern werden nicht bemerkt, sodass Diebe ungeschoren davonkommen. Da es sich bei meinen Rädern um hochwertige und gute gepflegte Modelle handelt, bewahre ich meine Räder in der Wohnung auf. Die Kellertreppe verfügt über keine Schiene, mit der der Fahrradtransport nach draußen leichter wäre; die Treppe besteht jedoch nur aus wenigen Stufen. Die Haustür kann an eine Schlaufe, die an einem Wandring befestigt ist, aufgehalten werden.
Die Schlegelstraße 8 ist ein Teil der Plattenbau-Häuserreihe, alle Häuser dieser Reihe sind Studentenwohnhäuser .
Ursprünglich wurden die Stadtteile Lobeda-West und Lobeda-Ost (in Letzterem befindet sich die Schlegelstraße) für die Mitarbeiter-/innen vom VEB Carl Zeiss in den 1960er Jahren gebaut (Dazu
mehr auf Seite 13).. Der Weg an den Hinterausgängen der Häuser Schlegelstraße 2-8 besteht aus einzelnen, großen Platten, auch Schlaglöchern – sehr ungünstig für alle Verkehrsteilnehmer_innen,
auch für´s Rad.
Die Wohnungen bestehen aus Einzelappartements und Wohngemein-schaften. In der Schlegelstraße 4 hat die Hausverwaltung ihr Büro.
Weitere Mängel neben dem Sammel-Abstellraum: Es gibt keine ausreichendeFahrradabstellanlage, an der auch ein Rad angeschlossen (gesichert) werden kann. Auch wenn die meisten Studierenden
einfache Modelle fahren, so ist immerwieder von Diebstählen  hochwertiger Räder zu lesen. Ein qualitativ hochwertiges Schloss und eine gute Abstellanlage verhindern viele Diebstähle. Von einer guten Abstellanlage für Fahrräder kann bei den Anwesen Schlegelstraße 2-8 nicht gesprochenwerden.

Exkurs: Straßenname „Schlegelstraße“
Die Schlegelstraße in Jena ist nach dem Dichter der Frühromantik, August Wilhelm Schlegelbenannt, der 1799 mit seiner Ehefrau, Caroline Schlegel-Schelling, seinem Bruder und dessen Ehefrau in einem Haus in der Leutragasse 5 wohnte und die Jenaer Frühromantik prägte. Caroline
Schlegel war eine Dichterin aus Göttingen, die durch die o.g. Ehe aus Göttingen im Jahr 1796 nach Jena kam und eine der ersten Frauen war, die sich scheiden ließ; ihr 3. Ehemann war Wilhelm Schelling. In Jena wirkte sie auch als Shakespeare-Übersetzerin und Literaturkritikerin.

Umgebung der Schlegelstraße 8
Die Umgebung des Anwesens der Schlegelstraße 8 bietet Naherholung vor der Haustür: Man kann im nahegelegenen Drackendorfer Park ebenso spazieren wie durch den Wald zur Burgruine Lobdeburg wandern; als Rundweg bietet sich ein Abstecher zur Sommerlinde an. Obwohl die
Wohnblocks nur einen Steinwurf entfernt sind, wähnt man sich weit weg von der Stadt, wenn man durch den Park oder den Wald an der Lobdeburg wandert. An die Schlegelstraße, die noch zum Stadtteil Neu-Lobeda, kurz „Lobeda-Ost“ genannt wird, grenzt Drackendorf an. Der Ort hat noch
eine dörfliche Struktur, Häuser wie das ehem. Schulhaus weisen auf die frühere Eigenständigkeit des Dorfes hin; in den „Heimatstuben“, der ehemaligen Gemeindeverwaltung, gibt es eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Ortes. Seit 1994 gehört Drackendorf zur Stadt Jena.

 

 

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Drackendorfer Park

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Römisches Teehaus im Drackendorfer Park, errichtet zwischen 1854 und 1856. Drackendorf wurde durch die zahlreichen BesucheJohann Wolfgang von Goethe bei der Familie von Ziegesar, die in Drackendorf wohnte, bekannt.
Die Lobdeburg ist nach den Erbauern und Bewohnern der Herren von Lobde, einem fränkischen Adelsgeschlecht, benannt. Allerdings wurde dieser Adelssitz bereits im 16. Jahrhundert aufgegeben, weshalb die Burg immer mehr verfiel. Der Interessenverein „Lobdeburg-Gemeinde 1912 e.V.“ bemüht sich, die Burgruine zu sanieren. Derzeit ist sie für Besucher-/innen nicht zugänglich.
Anhand der Fensterformen ist die Anordnung von
verschiedenen Räumen (Kemenate, Kapelle u.a.) an
der Außenwand noch zu erkennen.

 

 

Der Blick von der Lobdeburg, bzw. vom Platz über der Lobdeburg bietet einen Blick auf das Gelände des Universitätsklinikums Jena (mit Baukränen), Lobeda-West (Wohnblöcke) und dahinter liegend, das Gewerbegebiet und den Bahnhof von Jena-Göschwitz.

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Drackendorf von oben:

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Die Auferstehungskirche (Mitte) befindet sich im Drackendorfer Park.

 

 

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Blick auf Lobeda-Ost. Links im Bild: die langgezogene Häuserreihe links sind Wohnhäuser des Studentenwerks Thüringen mit der Anschrift Schlegelstraße 2-8. Daneben der kurze Wohnblock selber Bauart, das ist die Schlegelstraße 5, ebenfalls ein Studentenwohnhaus.
Entlang der hellgelben Häuserzeile läuft die Drackendorfer Straße bergabwärts zur Erlanger Allee hinunter. Sie ist die erste Etappe des täglichen Arbeitsweges zur Universität Jena.

Den gesamten Beitrag kann man unter:

https://www.dropbox.com/s/mz747qkfzspr8jf/ESSAY_1_Radverkehr_im_Stadtgebiet_Jena.pdf?dl=0

lesen.

Wer kommentieren mag, tut dies bitte hier auf meinem Blog.

An Literatur habe ich das folgende verwendet:

Komme e.V. Lobeda/Schmidt Birgit u. a. (Hrsg.), Stadtteilchronik Lobeda 1966-2006, Gera 2007.

Bracher Tilman/Hertel Martina/ Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.), Radverkehr in Deutschland. Zahlen, Daten, Fakten, Berlin 2014.

Auch verfügbar hier:

https://www.dropbox.com/s/3ikztlszghjizfj/DS1302.pdf?dl=0

Rabethge Karin u. a. (Komme e.V. Lobeda), Lobedaer Straßennamen, Jena 2009.

Dieses Essay wurde unter Verwendung eigener Fotos erstellt.

 

 

 

 

Die Unmöglichkeit in der Mode – Kapitel xx

Es ist mal wieder Gelegenheit, über Mode zu motzen. Weil es mich ärgert. Durch das miese Angebot an Kleidung  für Menschen, die eben nicht dem westlichen Schönheitsideal entsprechen (und deshalb noch lange nicht die Figur eines Rainer Calmnund oder einer Marianne Sägebrecht haben), sind seit spätestens den 1980er Jahren die Verlierer-/innen, wenn sie nicht über einen entsprechend dicken Geldbeutel verfügen. Fast nur das ist bezahlbar, was nach „alt“ aussieht – doch in dieser Gesellschaft will niemand alt sein und zweitens: warum sollte man sich älter machen, als man ist?

Der betreffende Versandhändler hat sich darauf spezialisiert, diesem Teil der Bevölkerung, der kein kleiner Teil ist und auch nicht nur aus wirklcih alten Leuten besteht, Abhilfe zu schaffen. Dazu hat er – ganz geschickt – für sein online-Angebot einen Algorithmus namens „B.“ geschaffen, der, bzw. die einen als Kundin beraten soll. Dass dabei nicht immer Gutes rauskommt, sieht man im folgenden Beispiel. Ich war so sauer, dass ich diese Mail an den Versandhändler geschrieben habe.

klar könnte ich auch in den Laden gehen, will ich schon lange tun. Dafür muß ich mir eben Zeit nehmen. Wenn die Leute dort nicht völlig blöd sind, wird die Beratung besser sein als online. Das Ding ist nur dass ich den Eindruck habe, dass im Internet günstigere Angebote genau dieses Versandhändlers zu existieren scheinen; überhaupt, passende Kleidung und bezahlbare Kleidung für meinen Geldbeutel zusammenzubekommen, das ist äußerst schwer. Ehrlich gesagt habe ich da selten Bock drauf! Und würde meine Zeit sinnvoller verwenden wollen, wenn ich nicht nur die Genscheiße zu einer bestimmten Figur verdonnert worden wäre. Denn bestimmte Körpermerkmale ändern sich nie, trotz Sport, trotz nicht zu dickem Essen. Und außerdem: zeig mir den Schlaumeier, der es ohne Magenprobleme  und Nährstoffmangel lange Zeit nur mit mageren Speisen und Gemüse aushält. Den oder die möcht ich kennenlernen!

Man kann natürlich jetzt an jedes einzelnen Selbstbewußtsein appelieren. Keine Frage, dass das wichtig ist. Aber, das gebe ich der Psychologie eindringlich zu bedenken: das ist nur die eine Seite der Medallie. Alles Selbstbewußtsein nützt nichts oder nur wenig, wenn die Gesellschaft nicht endlich aufhört, den einen Körpertyp in den Himmel zu loben (ganz gleich, ob der aufgrund der Vererbung so ist oder ob diese Menschen, Frauen wie Männer sich halb zu Tode gehungert haben) und andere als krank, häßlich und am „besten“ auch noch als dumm und unnütz zu verdammen. Daran krankt das ganze Menschsein. Anerkennung und Inklusion sieht anders aus!!! Außerdem wird einem durch das bestehende Modeangebot inkl. der zahllosen Darstellungen in Filmen, Zeitschriften, Werbung (auch wenn man keine Frauen- oder Modezeitschriften liest, entkommt man dem Wahn nicht) auf Litfaßsäulen und anderswo suggeriert, man sei komplett selbst schuld an seinem Körper.

Wie bitte??

Habe ich mir aussuchen können, von wem ich wo gezeugt und geboren wurde??? NEIN!!!

Ein

„Kleid aus weichem Feinstrick aus Sommerviskose, besonders hautsympathisch. Vorder-, Rückenteil und 3/4-Ärmel glatt gestrickt. Gerade Silhouette mit V-Ausschnitt.
Oberstoff: 65% Viskose, 35% Polyamid. Länge ca. 100 cm, ab Größe 50/52 ca. 106 cm.“ (Quelle: Versandhändler-Website).

wurde mir vom Algorithmus „B.“ angeboten. Als „Partykleid“ für Silvester.

Das Ding sieht aus wie von Oma getragen, als diese jung war und sowas schmuck- und glanzloses, ohne jede Verzierung und nur in matten Farben irgendwann in grauer Vorzeit mal „in“ war.

Und das soll jetzt für die Silvesterparty passend sein. Na danke auch.

Gaaanz toll. Beim nächsten Opernhausbesuch tauche ich auch in Gärtnerarbeitskleidung oder in verschwitzten Radtour-Klamotten auf!!!

Weil mich das geärgert hat – denn bisher können nur Menschen aus Fleisch und Blut Algorithmen erschaffen und haben damit auch eine Verantwortung für das, was die Algorithmen tun – habe ich dem Versandhändler eine Mail geschrieben. An den Kundenservice, der von echten Menschen gelesen wird.

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Sehr geehrte Damen und Herren.

Da haben Sie ja einen feinen Algorithmus walten lassen.

Sicher ist es wichtig, dass auch online die Beratung, erst recht bei ungünstigen Körperformen, gut funktioniert. Technisch bietet sich dabei ein Algorithmus wie die „B.“ an. Manches ist für mich auch durchaus passend, was diese künstliche Figur mir empfiehlt.

Jedoch möchte ich Sie auch darauf hinweisen:

Selbst bei Kostenersparnis für Ihr Unternehmen kann niemals ein Algorithmus einen Menschen ersetzen, wenn es um Beratung geht! Das nachfolgende Kleid, das mir der der Algorithmus namens „B.“ genannt hat, ist – klar gesagt – eine Frechheit. Ich soll nicht ernsthaft diesen Lappen als „Partykleid“ anziehen??? Leider ist es oft so in der deutschen Modeindustrie (wohl in der gesamt westlichen“), dass das Angebot ein Schlag ins Gesicht von allen Frauen ab Größe 42 ist. Mit diesem Kleid würde ich aussehen wie eine alte Frau – und ich mich nicht älter machen, als ich schon bin!!! Das hat schon meine dumme Mutter geschafft, die mich zu bestimmten Kleidern gezwungen gehabt hatte. Dieser Terror ist eindeutig vorbei!!! Ich habe meine Großmutter geschätzt – aber ich muß in Farbe und Form nicht aussehen wie sie. Außerdem hat niemand seinen Körper und seine Figur freiwillig; das meiste ist durch die Biologie aufgezwungen, was schlimm genug ist – in allen Richtungen. Erst recht bei diesem Modeangebot in der westlichen Welt.

Ein „Partykleid“ würde bei mir anders aussehen: dunkelrotglänzend oder auch dunkelblau/gründglänzend, mit passendem Schnitt zu meiner Figur und auch noch Schmuck dran, nicht zu breite und nicht zu schmale Träger. Aber sowas ist in Deutschland entweder verboten oder nur für sehr viel Geld, das man als Studentin oder Geringverdienerin nicht hat, zu haben, will man anständige Qualität, die länger hält als nur einen Monat. Evtl. auch mal ein wallender Rock am Kleid, aber kein Reifrock.

Das nur als Hinweis.

Ich bin mir auch bewußt, dass auch Ihr Unternehmen an die aktuellen „Modetrends“ (derzeit soldatengrau und das häßliche Lila) gebunden ist – schade. Ich kann nicht glauben, dass alle Frauen darauf abfahren!

 Dezember 2015.

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Ob eine Antwort kommen wird, das wird sich zeigen.

La Traviata, Oper von Giuseppe Verdi am Opernhaus Dortmund

Wilde Swinger-Party vor kahler Kulisse oder: Rauschende Feste in schlüpfrigen Kleidern vor kahlen Zimmerwänden: das Leben als einzige Party

Nüchtern betrachtet geht es in „La Traviata“ nur um die Interessen der Männer. Frauen sind nur schmückendes Beiwerk und Opfer der gesel-lschaftlichen Konventionen. Die Zeit, in der die Geschichte spielt, ist eben die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es gibt die Ansicht, dass Verdis „La Traviata“ schon sehr „abgenudelt“ sei, weil sie so gut wie auf jedem Spielplan eines Opernhauses zu finden ist. Dennoch ist und bleibt sie sehenswert – erst recht in Dortmund.

Zu Beginn ist der Bühnenvorhang schon geöffnet, was ungewöhnlich ist. Man sieht einen schmucklosen Raum, im Hintergrund sind große Fenster angedeutet, einige Sektflaschen und Gläser stehen am Boden herum – hier wurde wohl ordentlich gefeiert … Mehrere graue Sofas stehen vor den hell-graugrün/hellgelbgrünen Wänden: Violetta Valérys Salon. Ein nackter Mann erhebt sich von einem Sofa, kleidet sich an und geht zur Tür hinaus. Dann beginnt die Ouvertüre. Wenig später steht auch die Titelfigur, Violetta Valéry, auf. Man sieht sie also bei ihrer Arbeit als Prostituierte, als Kurtisane. Ein paar Augenblicke des Nachdenkens, dann ein kurzer Anfall wegen TBC, Violetta sucht schnell nach den Tabletten, die sie mit einem Schluck aus einem Sektglas hinunterspült. Ob es Sekt oder Wasser ist, was im Glas war?

Doch das Leben ist eine einzige Party und die geht fast nahtlos weiter. Plötzlich stürmen die Gäste Violettas Salon und alle Schwäche ist vergessen. Sofort ist Violetta auf den Beinen, trägt ihr Kleid, ist Mittelpunkt der Gesellschaft. Bezeichnend ist, dass alle Gäste, also der Chor, immer schlüpfrige Kleider tragen: Strapse und nur ein Netzkleid oder ein Netzhemd darüber. Ein schwules Paar darf sich sogar mal küssen, während eine Party sich an die nächste reiht, wird das Treiben immer schriller: Männer in Frauenkleidern treten auf. Hauptsache Vergnügen, das heißt: Trinken, Essen und Sex haben. Dagegen wirkt Alfredo, der ebenfalls zur 1. Party in Violettas Salon stößt, in seinem graublauen Anzug richtig bieder und langweilig. Gerade der soll es sein, der die Gastgeberin Violetta wirklich liebt? Als Prostituierte kann man über derartige Bekenntnisse nur lachen. „Liebe“, die ist flüchtig, der Sex ein Geschäft. Was soll man auch tun als Frau, wenn man nicht heiraten will, oder kann und Geld für seinen Lebensunterhalt verdienen will, da man doch auch keinen Beruf ausüben darf – richtig: Prostitution. Und zwar in der feinen Pariser Gesellschaft, um von und mit ihr leben zu können – in vollen Zügen. Wäre da nur nicht diese im 19. Jahrhundert unheilbare Krankheit…

Violetta schenkt Alfredo eine rote Blume, die er ihr zurückbringen soll, wenn er sie liebt. Im Laufe der Handlung taucht diese Blume immer wieder auf und steht in der Vase, meist links im Bühnenbild. Zuerst lacht sie ihn aus, ihr schriller Gesang übertönt seine Liebesschwüre, die auch nach der Party zu ihr ans Fenster hinauf dringen. Man hört eine Gitarre und denkt sofort an eine italienische Stadt und einen Sänger auf der Straße, der sehnsüchtig zu einem Fenster hinaufschaut: kitschig, aber eben so schön…. Doch dann muss sich Violetta eingestehen, dass sie doch etwas für diesen Fremden Alfredo empfindet…

Wie in anderen Geschichten wie „Aschenputtel“ oder „Pretty Woman“ auch versucht die Hauptfigur, ihrer Vergangenheit zu entfliehen und ein neues Leben, ein geordnetes Leben zu beginnen: zusammen mit Alfredo zieht sie aufs Land. Jetzt trägt Violetta kein dünnes Spitzenkleid mehr, sondern einen roten Hosenanzug mit Hochsteckfrisur: wie eine moderne Geschäftsfrau. Lustiger Einfall: Alfredo leger in Hemd und Unterhose, wie er Fußball im Zimmer spielt – wohl auch als fußballfreundliche Geste an Dortmund gedacht. Alles scheint gut zu werden.

Auch weiter entfernt von der Stadt gelten jedoch die selben gesellschaftlichen Regeln. Eine ehemalige Prostituierte als Schwiegertochter – das darf nicht sein. Germont, Alfredos Vater kommt auf den Landsitz und versucht durch Schmeicheleien und scheinbar gute Ratschläge Violetta dazu zu bringen, dass sie sich von Alfredo trennt. Klar geht es Germont nur um die Familienehre, was aus Violetta wird, ist ihm völlig egal. Resigniert erkennt diese: „Gott vergibt, aber die Menschen nicht.“ Der Gipfel des Hohns und der Selbstverliebtheit ist dann, wenn Germont gar behauptet, Gott selbst hätte ihn geschickt und Violetta solle ein Engel für seine Familie sein. „Engel“ wohl deshalb, weil sie wegen der Tuberkulose sowieso bald sterben wird? Nein, Germont geht es nur um seinen Sohn Alfredo aus gutem Hause. Dadurch, dass er Violetta die Ohrringe abnimmt und auf den Boden wirft und die Haarnadel von ihrem Kopf rauszieht, demontiert er die Person Violetta innerlich und äußerlich. Durch die Rückgabe der roten Blume an Violetta besiegelt Germont symbolisch im Voraus das Ende der Liebe zwischen ihr und seinem Sohn. Grausam, wenn Eltern und die Gesellschaft über die Gültigkeit und den Fortbestand einer Liebesbeziehung zu bestimmen haben. Die Spitze seiner Verachtung ist dann seine körperliche Annäherung, als Germont Violetta am Busen anfasst: Schließlich ist sie nur eine Prostituierte, da kann man das ruhig machen; keine Frau, die man wirklich ernst nehmen oder gar achten muss. In dieser Geste wird auch die Doppelmoral und Verlogenheit einer Gesellschaft deutlich: Einerseits verachtet man Prostituierte und will sie nicht als Schwiegertochter oder Freundin haben – gleichzeitig ist es genau die Gesellschaft, die auf das Vergnügen und die erotischen Abenteuer, die die Dienstleistungen einer Prostituierten versprechen, nicht verzichten will.

Doch selbst der geliebte Alfredo ist nicht ganz so rein in seinem Verhalten, wie er es selbst sein möchte: Die Tatsache, dass er vom Landsitz aus nach Paris fährt, um Geld zu beschaffen, weil Violetta all ihren Besitz zur Finanzierung des Landlebens verkauft hat, zeugt von dem Zwang, die eigene Ehre zu erhalten, anstatt sich dazu „herabzulassen“, eine Gabe anzunehmen. Heute wäre es üblich, bzw. würde man es erwarten, dass beide Partner etwas zum gemeinsamen Leben beitragen.

Germont erreicht das, was er haben will: Violetta schreibt Alfredo einen Brief, dass sie ihn nicht mehr liebe und bricht sofort nach Paris auf, um nun doch die Einladung der „Freundin“ Flora anzunehmen. Man leidet als Opernbesucher-/in fast mit, wenn Violetta diesen Brief schreiben muss.

Auf der Party von Flora hat Alfredo Glück im Spiel und gewinnt eine Runde nach der anderen – was dem scheinbar neuen Lover von Violetta, den Grafen Duphol, der gerade mit Violetta am Arm in den Salon kommt, vor Eifersucht noch verärgerter macht: Alfredo soll gegen ihn, Duphol spielen. Und Alfredo gewinnt wieder. Aus Wut wirft er das gewonnene Geld Violetta vor die Füße: Die Partygäste sind geschockt. Obwohl jeder die Prostitution in Anspruch nimmt, gilt es als absolutes No-Go, eine Prostituierte öffentlich zu bezahlen. Wieder ein Zeichen der Doppelmoral einer Gesellschaft.

So sehr wie Violetta das Kurtisanen Leben mit seiner Freiheit genießt (Arie, bei der sie ihre einzelnen Kleider vom Bügel nimmt und einen großen Reifrock schließlich anzieht), so sehr merkt man, dass sie zwar bekannt und gefragt, aber nicht geliebt ist: bei jeder Party in der Mitte der Feiernden, aber auch hin- und hergeworfen von den Gästen. Wenn sie ihre TBC-Anfälle hat, ist meist niemand bei ihr außer ihrer Dienerin Annina. In der Sterbeszene ist niemand der sogenannten Freunde bei ihr, die sonst mit ihr gefeiert haben. Die Festgesänge vom Karneval, die in ihr Krankenzimmer dringen, mag sie gar nicht mehr hören, sie hält sich die Ohren zu. Das Kleid, das sie wieder anzieht, wirkt wie ein Totengewand. Wohl um noch ihren Frieden mit der Welt zu machen, vergibt sie den noch auftauchenden Germont, auch Alfredo kann sie noch ade sagen, bevor sie sterben muss – ohne Rührseligkeit ist diese Sterbeszene so schön gespielt und gesungen, dass man als Opernbesucher-/in einfach mitgenommen sein muss. So schön sterben… und auch noch dazu singen… bemerkenswert ist, dass Violettas letzte Worte nicht „ich liebe dich oder Ähnliches lauten, sondern „ich fühle neues Leben…“ – ein Zeichen, dass sie nun bereit ist, in die ‚andere Welt‘, das Totenreich, hinüberzugehen.

In der Inszenierung am Opernhaus Dortmund wirkt nie etwas zu überladen, weil die Wände so schmucklos sind; dies stört jedoch in keinster Weise, im Gegenteil: Die Sänger und Sängerinnen sind so gut in Form, dass jeder Ton sitzt. Die Musik füllt das aus, was an den Wänden sonst Bilder und Schmuck wären. Es macht Freude, allen Beteiligten zuzusehen und zuzuhören. Allerdings hätten die Partygäste nicht unbedingt alle Strapse und Netzkleider tragen müssen – das war schon etwas zu viel, um ein vergnügungssüchtiges Publikum darstellen zu wollen. Die Prostituierte selbst, Violetta Valéry hingehen trägt nie Strapse und Netzkleider – was ihre Rolle als die „Gefallene“ (Prostituierte) und gleichzeitig als Frau, die so gerne zur Gesellschaft gehören möchte, genau diese Ambivalenz, aufzeigt. Es nützt eben nichts, wenn man nur beliebt ist – man muß auch geliebt werden.

La Traviata, Oper von Giuseppe Verdi am Opernhaus Dortmund, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster.

Termine: http://www.theaterdo.de/detail/event/16133/

Werratal-Radweg: 1. Etappe (Thüringen)

Während meiner ganzen Zeit in Thüringen bin ich nicht wirklich im Thüringer Wald gewesen: das wollte ich nun, da sich meine Zeit dort im sogenannten grünen Herzen (das noch dazu sehr strukturschwach ist) ändern. Die „Thüringer Hochschul- und Studierendenkarte“ , kurz „thoska“ gilt schließlich im gesamten Bundesland als Fahrkarte. Also das bikeline-Fahrradwanderbuch und Karte eingepackt und am Samstag mal früher aufgestanden.

Das Wetter war nciht ganz so sonnig, daher waren es weniger Fahrräder, die mitfuhren… das ist die Buslinie …. , die nach Anmeldung auf ihrer normalen Linie 405 auch Räder mit transportiert: von Saalfeld/Saale nach Neuhaus am Rennweg. Das Praktische daran: die schlimmsten Höhen und Anstiege bewältigt der Bus. Das ist das Fahrgeld (hier gilt die thoska nicht) wirklich wert. Kurz nach 9 fährt der Bus in Saalfeld los.

Das ist das Nahverkehrsunternehmen KomBus:

http://www.kombus-online.eu/angebote/regionalbusse/linienuebersicht/

KomBus bittet um vorherige Anmeldung, wenn man das Rad mitnehmen will.

Neuhaus am Rennweg ist, auch wenn es sich „Luftkurort“ nennt, kein schöner Ort, erst recht, wenn kein strahlender Sonnenschein herrscht. Der Bahnhof, wo der Bus hält liegt außerhalb, die Infrastruktur kann man vergessen; ich konnte nach meiner Ankunft nicht mal einen Kaffee trinken, denn mich großartig vom Bahnhof weg entfernen wollte ich mich auch nicht. Es ist Samstag. Na dann eben gleich los… man fährt z. T. durch eine Art Industriegebiet und muß zuerst dem Rennsteig folgen. Ja, genau dem berühmten Wanderweg.

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Von einem „Rennsteig-Radweg“ , den es auch geben soll, keine Spur: also nichts, was man als Fernradweg bezeichnen könnte.

Klicke, um auf Linie%20405A.pdf zuzugreifen

Wie viele Orte im Thüringer Wald war und ist Neuhaus am Rennweg ein Zentrum der Glasindustrie (Pharmazie, Chemie) und auch für Christbaumschmuck. Allerdings, wenn man durch die Lande fährt (Siehe Beitrag über den Schwarzatal-Radweg) gibt es nur noch sehr wenige Glashütten. Die erste Glashütte entstand im Jahr 1607 im Ortsteil Schmalenbuche (Quelle: bikeline-Radtourenbuch „Werratal-Radweg“).

Hat man Neuhaus a. R. endlich hinter sich gelassen, dringt man immer tiefer in den Thüringer Wald vor. Bei Sonnenschein sehr schön, wenn´s mal wolkiger wird, kann die Atmosphäre auch gruselig sein. Im Bus hatten sich die Radfahrer-/innen noch unterhalten, wo sie hinfahren und wie das Wetter wohl wird… im höchstgelegenen WP_000985Ort im Thüringer Wald halten sich die Wolken lange. Erst später, als ich schon mitten im Wald war, kam die Sonne raus.

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..und dann ist es endlich da, das Schild mit dem Fernradweg „Werratal.“

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Die Landschaft ist wunderbar, wenn man gern durch den Wald fährt. Es wird immer ruhiger, weil die großen Fernstraßen immer weiter weg sind. Es ist schön, dem Wald zu lauschen, welche Geräusche er hat… nur unterbrochen von vor allem Mountainbikern, die mal am Rastplatz vorbeipreschen.WP_000983

Fast wünschte ich mir ihre Reifen, denn die Wege sind leider meist eher Wanderwege als Radwege: Schotter, Sand, Rillen, vom Wasser ausgewaschene Löcher. WP_000989

Es gibt 2 Plätze die für sich jeweils beanspruchen, die Werra-Quelle zu sein: die „nasse“ Werraquelle auf dem Rüttelsberg bei Siegmundsburg und die „trockene“ Werraquelle in Fehrenbach auf dem Zeupelsberg (das gilt ab dem Jahr 1666) .  Bis die beiden zusammenfließen, heißt der Fluß auch „Saar“ (daher „Saargrund“ als geographische Angabe in der Karte). Im Jahr der Entdeckung neuer Erdteile wird auch die Werraquelle erstmals urkundlich erwähnt. Ich habe die „nasse“ Werraquelle besucht.

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…und außerdem: mal ohne Studentenchor der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Siegmundsburg! 😉

(in Siegmundsburg im Tagungshaus „Rosenbaum“ hat dieser Chor 2x im Jahr seine Probenwochenenden).

(allerdings: der Kuchen schmeckte nicht soo gut, wie er aussah…)

Wer Lust auf einen zusätzlichen Aufstieg hat, kann zum „Dreistromstein“ hochfahren. Das ist ein hydrographischer Punkt, der die dreiseitige Wasserscheide der Flüsse Elbe, Rhein und Weser markiert.

Ab Siegmundsburg bin ich die B281 ein Stück gefahren (Richtig fett Bergab mit großen Kurven, yeah! Das macht Laune! 😀 ) , weil mir das Geholper und Gehopser des Wanderwegs zu blöd wurde. Na und an einem Tag, an dem man Erholung haben will, legt man sich auch nicht mit Wanderern am ohnehin engen Wanderweg an…

Man kann dann mal rechts bei einem Parkplatz wieder in den Wald einbiegen und seinen Weg Richtung Eisfeld fortsetzen.

…und dann ist der Wald auch mal zu Ende.

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Das Schöne ist, daß der Werratal-Radweg, in diese Richtung befahren, meist bergab geht. Auf diesem Wegabschitt, wo diese Schilder stehen, begegneten mir immer wieder die Bewohner-/innen der anliegenden Dörfer, mit Gerätschaften im Fahrradkorb oder einer Gießkanne am Lenker. Samstag nachmittag ist ARbeitszeit zuhause, im Garten, auf dem Friedhof.

Angekommen im nächsten größeren Ort nach einigen Kilometern Landschaft:

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….am Oberlauf der Werra. Nur noch wenige Kilometer wären es, und man wäre im Westen, also im Bezirk Oberfranken, Bundesland Bayern… der Dialekt klingt hier schon recht fränkisch.

JETZT war es richtig heiß: das heißt: erst mal im Brunnen erfrischen! Einfach auf die Brüstung gestiegen, Beine, Arme und Kopf hineingehalten 😉

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Wenn man diesen Platz betrachtet, fällt auf: die eine Seite ist schön restauriert, während auf der Seite gegenüber die Häuser am Verfallen sind (wenn auch nicht so deutlich).

untere Seite Häuserreihe des Marktes               obere Seite des Marktplatzes

Ein berühmter Sohn der Stadt ist der Schriftsteller Otto Ludwig, der in Eisfeld im Jahr 1813 geborgen wurde, man kann ein Scluß und eine spätgotische Stadtkirche (St. Nikolai) besichtigen.

Noch eine Kuriosität zu Eisfeld, das „Kuhschwanzfest“, am 3. Pfingstfeiertag. Es ist ein Volksfest, das wohl im Zuge der Verordnung zur Musterung (und wohl auch Wehrübung) vom Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg  1608 entstanden ist. Nach dem Mustern und Ballern werden festlich geschmückte Karren von Ochsen zum Festplatz gezogen. Es war Ende August, daher konnte ich die Kuhschwänze mit ihren Karren nicht überprüfen.

Mein Stahlroß wollte ohnehin weiter und sich nicht solch langweiligen Ochsen abgeben. Was soll ein Fahrrad mit Blumenschmuck am eigenen Gestell auch anfangen?

Der Weg durch die Stadt, im Hintergrund die Kirche St. Nikolai.

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An einem Ladenfenster am Straßenrand entdeckt. Vielleicht fühlt sich jemand von den Leser und Leserinnen meines Blogs berufen…

So sehen manche Ladenfenster nicht nur in Eisfeld aus.

Beim weiteren Verlauf bin ich 1 oder 2mal hin- und hergefahren, weil mich das Sackgassenschild verwirrt hat. Es sieht so aus, als ob es nach dem Bahnhof nur noch zum Schuttplatz in einem kleinen Wäldchen weitergehen würde. Dicke große Laster kamen mir entgegen. Und ein kleines Wunder ist passiert: als ich einmal ratlos an einer Kreuzung auf der falschen Seite rumstand, wurde ich von einer herannahenden Autofahrerin nicht blöd angemacht, als ich die Seiten wechseln wollte. sie hielt sogar an und plauderte kurz mit mir. Und doch, der Hopserweg mit Pflastersteinen, der am Anfang das Sackgassenschild hat, der weg ist richtig! Die mißtrauischen Blicke von Autofahrern ignoriert, die am Straßenrand rumstanden (wohl sind in den Häusern irgendwelche Kleinfirmen oder sonstiger Kram in der Nähe des Bahnhofs untergebracht) (jetzt fährt die schon wieder an uns vorbei!) und rauf den Berg… leider wurde es noch steiler, bis ich plötzlich oben  war. Der Wald war zu Ende und unter mir erstreckte sich ein großes Neubaugebiet, das ich laut Wegweisung durchqueren sollte. Na wunderbar. Erst rauf, dann wieder runter.. hätte man da nicht gleich unten bleiben können, im Tal, wo die Innenstadt endete?

Der Abstieg liegt hinter mir… und dann rechts… den Berg wieder hinunter ins Neubaugebiet hinein….

Unten angekommen, geht es mal links ab, am Waldrand entlang im Schatten.Immer noch treffe ich wenig andere Radfahrer-/innen auf dem Werratal-Radweg. Schön sind die Bänke am Wegesrand, da kann man mal Rast machen. Fast ein Bilderbuch-Radweg, wäre der Belag in besserem Zustand (also es ist zwar kein Schotter, aber die Teerdecke hat Löcher und ist geflickt…..)

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Hatte grad zu… an sich ein doch lohnenswertes Ziel… ähnlich den norddeutschen „Milkhuis“.

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(…ob jemand beim Sprung mit dem Fahrrad auf dem Dach dieser Tafel sein Rad verloren hat, konnte ich nicht klären).

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Noch ein paar Impressionen vom Wegesrand. Der Weg verläuft wie ein Höhenweg, hinter mir liegt Eisfeld, unten ist die Eisenbahnlinie und wohl weiter weg noch eine Straße.

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Wieder ein Stückchen Wald… aber nur ein Wäldchen mehr….

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Jetzt geht es nach Bockstadt, Harras, Schackendorf und Veilsdorf. Die folgenden Bilder müßten aus Veilsdorf sein. Im Umzugskram finde ich leider meine eigenen Notizen nicht, nur das bikeline-Buch.

 

 

…und weiter geht´s….

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Weiteres Etappenziel: Hildburghausen, die „Stadt der Schulen.“

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Im Jahr 1680 wurde die Stadt von Herzog Ernst von Sachsen-HIldburghausen  zur Residenz gemacht, die Ackerbauern und Handwerkerstadt erfuhr eine kulturelle Blütezeit. Barocke Gebäude gibt es deshalb einige.

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Das Gehopser auf diesen Pflastersteinen ist übrigens nicht ganz so heftig, weil es flachere Steine sind…

… und ein Renaissance-Rathaus…

 

Noch war es warm und ich hätte mich gern noch mal erfrischt… Aber das Wasser in diesem Brunnen war eine einzige Dreckbrühe. Da helfen auch die schönen Pferdefiguren nichts.

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Glücklicherweise gab es gegenüber des Brunnens eine Eisdiele. Ein richtig schöner Platz in Hildburghausen, wo man den Alltagsmüll vergessen kann…

doch der Abend naht auch in den Sommermonaten… und es geht weiter, raus aus der Stadt nach Ebenhards, Reurieth, Trostadt, Grimmelshausen und Kloster Veßra.

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Kloster Veßra ist ein Ort, in dem es aber schon lange kein Kloster mehr gibt, nur die Mauern stehen noch, die Gebäude werden für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Als ich am Abend dort vorbei fuhr, war grad ein Fest zu Ende. „Veßra ist bunt!“ stand auf einem Plakat. Mir war klar, um was es da ging. Von weitem konnte man laute, aggressive Musik hören. Da ich den Anschluß für die nächste Wegetappe suchte, fuhr ich ein Stück weiter. Und da war es, das besagte Gasthaus, das von rechten Gruppen gekauft und nun für ihre Zusammenkünfte gebraucht wurde. Gegenüber des Gasthauses „Goldener Löwe“ lehnten fast gelangweilt Polizistinnen und Polizisten, ohne Jacke, nur in T-Shirts, nur bei der Unterbekleidung bedrohlich wirkend. Der Blick von weitem auf diese Versammlung ist einfach nur widerlich. Von den Damen und Herren in Uniform erfuhr ich auch den weiteren Wegverlauf; ich nahm die Straße, weil ich keine Lust mehr zum Suchen hatte.

http://www.deutschlandradiokultur.de/unterwandert-von-rechts-neonazis-im-thueringischen-kloster.1076.de.html?dram:article_id=318177

 

Gern wäre ich bis Meiningen geradelt; aber ich hatte nun genug von den Eindrücken des Werratal-Weges und war erschöpft und froh, in Themar nach nicht zu langer Wartezeit in den Zug steigen zu können, um zurück zu meinem Wohnort in Ostthüringen zu fahren. Das dauerte schon ein paar Stunden  wegen einer Baustelle und ich war erst um Mitternacht zuhause. Im Zug hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Reiseradler, er auch in Eisenach umsteigen wollte. Allerdings konnte ich seinem Redeschwall nicht mehr so aufmerksam folgen. Der war schon in Frankreich und sonst wo gewesen… ein Traum, diese Länder mal bereisen zu können.

Die Werra selbst habe ich auf meinem Weg seit der Quelle nur ein einziges Mal richtig gesehen.

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Das war die erste Etappe des Werratal-Radweges im Thüringer Teil.

 

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4. Philharmonisches Konzert im Konzerthaus Dortmund

Titel: „beziehungs_weise“ in der Serie Philharmonische Konzerte „liebes -gefühl -rausch“

Selten, dass ich in ein Konzert eher „reinstolpere“ als dass ich mich wirklich vorbereite, d.h. ich schaue vorher noch mal nach, was auf dem Programm steht und kaufe mir dann auch eines. Leider dauert der Kontowechsel immer „2-3 Bankarbeitstage“ wie es so schön aus dem Mund der in „meiner“ Bank arbeitenden, dürren Angestellten heißt (schlank ist was anderes. War übrigens bei der Schwesterbank schon so, was mich schon verwirrt und auch kopfschütteln läßt. Als ob kräftigere Frauen diese ARbeit nicht machen könnten… Eine Diskriminierung ist diese Einstellungspraxis allemal. ist mir übrigens egal, welche Figur Bankmenschen jeden Geschlechts haben, solange sie einigermaßen fair zur Kundin sind!) Diese blöde Lappalie der „Bankarbeitstage“ hat zur Folge, dass ich mir heute eben kein Programm kaufen konnte.

Schade. Aber gut, daheim bleiben und schmoren wäre auch Blödsinn.

An sich sollte Clara Schumanns Klavierkonzert in a-moll erklingen, der Solist war aber erkrankt und es wurde die Tragische Ouvertüre d-moll von Johannes Brahms gespielt. Beim Wort „tragisch“ denke ich zuerst an leise, klagende Töne. Nichts da bei Brahms´ Musikstück: laut und fordernd, anklagend kommt die Musik der „Tragischen Ouvertüre daher. Es wäre spannend zu wissen, wozu diese Ouvertüre geschrieben wurde. Klage kann auch laut sein, polternd, fordernd.

Das Klavierkonzert in a-moll (interessant, dass beide Eheleute Schumann die selbe Tonart gewählt haben) von Robert Schumann wurde mit der Solistin Martina Filjak gespielt. Ist natürlcih erfreulich (und das Publikum erwartet das wohl auch), dass jemand einspringt. Ich habe ihr auch gern zugehört, jeder Handgriff am Klavier hat gesessen. Aber pardon… an der Kleidung muß ich heute ausnahmsweise mal Kritik üben. Es ist wichtig und gut, dass jede(r) die freie Wahl bei ihrer oder seiner Kleidung hat. Allerdings setzt sich eine Solistin oder ein Solist bei bestimmter Kleidung dem Vorwurf aus (so mein Eindruck), sie oder er würde das mit einer bestimmten Absicht tun. Es gibt da eine schon ältere Geigerin, die gern auch als Werbeträgerin für die Spende-Bettelaktion eines Radiosenders in Bayern auftritt. Diese Madamm (ich schreibe das Wort absichtlich falsch) trägt immer schulterfrei. Schade, dass man nachher selten die „Geigenküsse“ , d.h. rote Flecken von der Druckstelle der Geige, die es IMMER am Hals gibt, nicht sieht. Dieses schulterfreie Kleid-Tragen, das regt mich auf. Was soll das?? Soll das schick sein oder schön?? Ich find´s einfach nur lächerlich. Ich habe einmal als Hobby-Orchestermusikerin eine Solistin – auch mit Geige – erlebt, wie sie völlig radikal mit legerer Samthose und buntem Samtoberteil reinkam und spielte; eine Art Overall, den man, so erwartet man es, eigentlich nur zuhause tragen würde. Sehr mutig. Weg vom Frauenkleider-Schick-und-schön-sein-müssen-Wahn.

Die Solistin des heutigen Abends hatte einen sehr tiefen Ausschnitt mit Spitze an. Welch Glück, dass die Natur sie von größerem Elend am Körper verschont hat, sonst könnte man sowas gar nciht tragen! Bei aller Freiheit der Kleiderwahl halte ich es für absolut unangemessen, eine solch tiefen Ausschnitt mit Spitze noch dazu zu tragen, dass man den Brustansatz sieht. Muß das sein?? Man kann nur hoffen, dass männliche Kritiker und Besucher bei aller Freude an der Musik einen kühlen Kopf bewahren. Und männliche Konzertbesucher? Gehen die (fast) nur wegen dieser doch recht freizügigen Kleidung rein? Reicht wohl das Geld für den Blähboy nicht, was?? (ach so, ich vergaß, dass keine Musik losgeht, wenn man dieses „Magazin“ aufschlägt).  Es wäre unfair allen anderen Solist-/innen gegenüber, diese Art von Kleidung dafür zu benutzen, um mehr Applaus, mehr Erfolg zu generieren!

Ah übrigens, wenn das so ist: ich wünsche mir beim nächsten männlichen Solisten dann ein Netzhemd mit tiefem Ausschnitt (Haare auf der Brust sind egal). Und bitte ein Spitzeneinsatz statt geschlossenes Hosentürchen. Auch heterosexuelle Frauen wollen was zum Glotzen haben. Haha.

Wohlgemerkt: ich wünsche mir auf keinen! Fall die erstickenden Hemd- und Kleiderkrägen der Kaiserzeit zurück!

So, genug über Nebensachen (die aber viel ausmachen) gelabert.

Zum wichtigsten, der MUSIK.

Martina Filjak beherrscht das Instrument, keine Frage. Nuancen bei der Lautstärke werden vielfach ausgeleuchtet, allerdings hätte es nicht gar soviel verzogener, verzückter oder seufzender Gesichtsausdrücke bedurft, man glaubt ihr auch so, dass sie in der Musik „drin“ ist.

 

Was mich wirklich mitnahm und ins Herz ging war Johannes Brahms´ 3. Symphonie in F-Dur op. 90. Schon nach den ersten paar Tönen wußte ich: das Stück kennst du. Aber im Radio wirkte es nicht, eher schaltete ich ab, weil ich von der Wucht, mit der der erste Satz daher kommt, überfordert war. Live war es ganz was anderes.

Ich konnte meine Gedanken schweifen lassen, die ebenso von Zweifeln, Sorgen und Verbitterung/Traurigkeit durchdrungen waren wie die Musik es war. Der erste Satz kommt wieder wie eine laute Anklage daher. Der 2. Satz: ruhiger, von goldener Farbe. Am Anfang ist es wie ein Morgen, an dem langsam die Sonne aufgeht, bis sie in vollem hellen Glanz steht. Dafür sorgen die Streicher ebenso wie die Hörner (aaah, bei Hörnerklang muß ich auch immer an den Wald denken 🙂 Tiere, die im Wald leben, tauchen auf, z. B. Vögel (Flöten) oder Hirsche, Rehe (tiefe Streicher), manchmal hüpft auch ein kleineres Säugetier am Waldboden herum (leisere Geigentöne, ich meine, Pizzicato war noch dabei). Den großen Auftritt haben im 2. und im letzten Satz die Celli, meine absoluten Lieblinge. So ein voller, schöner Klang, nicht so piepsig wie die Piccolo oder manchmal auch die Geigen.

Der Tag schreitet voran, er ist hell, erfüllt von Freude über die Zeit, die man gemeinsam mit den Freunden oder/und  dem/der Liebsten verbingen darf, bevor man beim Sonnenuntergang Abschied nehmen muß. Doch der wohlige, satte schöne Klang der Abendsonne durch die Celli verspricht Hoffnung auf ein Wiedersehen, man muß nicht so traurig sein beim Abschied. In Frieden kann man nach Hause zurückkehren und zu Bett gehen.

 

Doch das Leben geht weiter.

Ein neuer Tag bricht an, düsterer, lauter, der 3. Satz. Nicht alle, aber doch die meiste Hoffnung erfüllt sich nicht. Durch die Melodie in den Geigen, die an ein Hin und Her erinnert, als ob man zuhause ungeduldig wartend dort sitzt, dann wieder aufsteht und hin- und hergeht, weil der sehnlich erwartete Mensch einfach nicht kommen will. Eine nicht ganz so laute, aber doch deutliche Klage an das Leben, an die Zustände, vielleicht auch an die Gesellschaft, die manches nicht zuläßt, was man sich selbst so dringend wünscht: die Verbindung zu eben diesem jenen fernen geliebten Menschen.

Der 4. Satz knüpft in seinem Wesen an den 1. Satz an: die laute, polternde Klage dominiert. Nur wenig Trost gibt es, nur wenig Hoffnung. Bei einigen Stellen mußte ich an Dvorak denken. Mit einem Unterschied: bei Dvorak wird man mit einer Hoffnung entlassen, die hier bei Brahms fehlt. Dennoch: ein wunderschönes Stück Musik. Gut auch, dass das Publikum (im Gegensatz zu verg. Sonntag) noch ein paar Sekunden gewartet hat, bevor der begeisterte Applaus losging. So ein Stück muß eben wirken, die Spannung muß da sein und man muß sie zulassen. Ich konnte nachher auch nicht sofort klatschen, weil ich von der Musik so mitgenommen war.

Wie schön, hier solch ein gutes Orchester zu haben. Von Thüringer Orchestern war ich meist enttäuscht (schlechte Finanzierung macht wohl auch Frust und damit schlechtes Spiel aus).

Manchmal frage ich mich auch, wieviel Anteil die Musiker-/innen an Freude und welchen sie an „naja, ist halt meine ARbeit“ haben. Eine frühere Dirigentin meines alten Chores in J., die jetzt die dortige Philharmonie dirigiert sagte einmal: „Am Montag bekommen die frische Noten auf´s Pult, dann wird die ganze Woche geprobt und am Freitag ist Konzert. Das war´s dann. Am nächsten Montag von vorn.“ Verliert man dabei durch Routine die Freude an der Musik? Oder wie schafft man es, sich einen Teil Freude, Gefühl, Mitgenommensein zu bewahren, trotz aller notwendigen Professionalität?

Das wäre mal spannend zu erfahren.

 

 

 

 

3. Philharmonisches Konzert der Dortmunder Philharmoniker am 10.11.2015

Die kindliche Lust am Lärmmachen – das kam mir in dem Sinn, als ich der Solistin  des Abends, Evelyn Glennie, zusah. Sie ist die Solistin des Schlagzeugkonzertes „Der gerettete Alberich“ von Christopher Rouse (*1949), das Konzert wurde extra für sie geschrieben. Schnell kommen Vorurteile auf, dass Schlagzeug doch nichts besonderes sei, das sei nur Krach, die Percussionisten keine echten Musiker, weil sie eben nur draufhauen können. Aber halt: Percussion bedeutet nicht nur draufhauen können! Rhythmus und Fingerfertigkeit sind gefragt.

Schlagzeugkonzerte sind was Seltenes, denn Schlagwerk spielt meist nicht die Hauptrolle in der Musik für Orchester. Mächtig viel Schlagwerk ist bei diesem Konzert auf der Bühne aufgebaut: ganz links liegen auf dem Boden mehrere Guiros, eine Art Holzratsche, die mit einem darüber gestrichenen Stab gespielt werden (ratterndes, knatterndes Geräusch). Dazu muß sich die Solistin bücken… Evelyn Glennie macht das mit einer Ruhe und ohne Schwierigkeiten, als dass ihr z. B. ihre langen grauen Haare irgendwie im Weg wären… Bemerkenswert auch, dass sie komplett barfuß auf der Bühne umhergeht!  Wohl, um den Rhythmus noch mehr zu spüren, weil ihre Ohren selbst kaum was hören, seit dem 12. Lebensjahr ist dies schon so. An sich ist es einem sonst unangenehm, wenn man auf einer Fläche steht und diese vor Musik/Rhythmus bebt… Die nackten Füße  fallen nur nicht weiter auf, weil sie weit geschwungene Hosen trägt. Neben den Guiros Bongos, Tom-Toms, Timbales…. auf der rechten Seite neben dem Dirigentenpult (vom Publikum aus gesehen) ein Marimbaphon und bei der letzten ‚Station‘ ein Drumset wie bei einer Rockband oder BigBand. Und daneben ganz am Rand noch eine Art Metallschüssel, die an zwei Fäden hängt: Steel Pan. Wenn man darauf mit Stöckchen schlägt, erinnert das an Calypso, an Hawaii. Während der Aufführung muß die Solistin immer wieder hin- und hergehen, um die einzelnen Schlaginstrumente zu spielen; obwohl man ihr einmal ansieht, wie ihre Hand vor Aufregung zittert, kommt dennoch auf der Bühne keine Unruhe auf. Die Orchestermusikerinnen und -musiker lassen sich nicht aus der Ruhe bringen; nur im letzten Teil mehrkt man, dass Solistin und Orchester nicht ganz im Takt sind (bei der Passage, die nach BigBand klingt).

Ah und dann sind da natürlich noch die drei Schlagwerker im Orchester selbst: die Pauken, einerder die Glockentöne mit dem Hammer anschlägt und einer mit Glockenspiel, Gong und einer Metallwand, die immer wieder mal geschüttelt  wird, so dass es ein blechernes Geräusch gibt. Wenn alle drei und die Solistin zeitgleich aktiv sind und durch das zurückgenommene Orchester mehr zu hören sind dann wirkt es wie das, was ‚Konzert‘ bedeutet: ein Wettstreit. Allerdings einer, bei dem man schmunzeln muß. Hier geht es nicht darum, den andern fertig zu machen, sondern darum, miteinander zu spielen. Und das klappt erstaunlich gut! Am schönsten ist es, wenn Orchester und Schlagwerk direkt in Dialog treten: ganz deutlich merkt man das beim Klang des Marimbaphons mit der Harfe. Das hätte noch ein paar schöne Takte so weitergehen können….

Als Thema hatte Komponist Christopher Rouse die Geschichte aus Richard wagners „Nibelungen“ als Vorlage genommen. Die Figur Alberich wird in der Oper „Das Rheingold“ von den Rheintöchtern verspottet, all seine Mühe nützten nichts.  Schließlich schmiedet er nicht nur den Unheil bringenden Ring, sondern verflucht auch die LiebeIm Laufe der „Fantasie für Solo-Schlagzeug und Orchester“ wie das Konzert auch genannt wird, werden Motive aus allen Teilen des „Rings verwendet, Rouse beginnt mit dem Ende der „Götterdämmerung“, der Solistenpart ist Alberich, der – musikalisch gesehen – auf die Bühne stürmt. Die Musik schwillt im letzten Satz immer mehr und mehr zu einem bedrohlichen Sturm an, das Drumset wird heftigst traktiert, alles ist in Bewegung – ein Höllenlärm. Und dann plötzlich: fast Stille. Am Ende sind nur noch die Kontrabässe zu hören. Entgegen jeden Vorurteils mit sauberem, leisen, schönem Klang, kein Knarzen und Kratzen stören diesen Schluß. Laut und leise bestimmen das Konzert, mit vielen Nuancen – das macht es so spannend, zuzuhören. Die Guiro, die das Konzert begonnen hat, beschließt es auch wieder. Alberichs Wüten hat ein Ende.

Als Zugabe machte Evelyn Glennie eine Ansprache ans Publikum – sehr erstaunlich für jemanden, der/die nicht hört. Denn wer nciht hört, der spricht meist nicht, auch wenn die Sprechwerkzeuge in Ordnung sind, ganz einfach, weil er/sie ncihts hört. Es folgte ein Solo auf der Snaredrum, das Instrument, dass sie nach eigener Aussage mit auf eine einsame Insel nehmen würde…. dabei lotet sie alle Spielmöglichkeiten aus, die es bei einer Trommel gibt: verschiedene Haltungen der Sticks, mit verschiedenen Teilen des Sticks auf die Membran schlagen, das ergibt jedes Mal ein anderes Geräusch. Nichts, dass man sich stundenlang anhört – aber im Zusammenspiel mit dem Orchester ein insgesamt lohnenswertes Konzert! Am Ende gab es höflichen Applaus, auch ein paar begeisterte waren wohl dabei, auch einige Buh-Rufe. Als Solistin wirkt Evelyn Glennie auch nicht überheblich. Sie spricht mit dem Publikum und geht am Ende zu den Percussionisten im Orchester und bedankt sich für das Zusammen-Spielen.

Umrahmt wurde das zugegeben doch schräge Schlagzeugkonzert von Richard STrauss´Tondichtung über den größten Schürzenjäger der Geschichte, „Don Juan.“ Naja, wer Strauß mag. Für die Dauer dieser Tondichtung ist seine Musik ok, ein paar schöne Passagen sind zumindest dabei.

Am Ende nach der Pause gab es Beethovens 7. Symphonie. Jetzt würden auch die Kritiker-/innen des Schlagzeugkonzerts milde gestimmt und friedlich in den Abend entlassen…Es war wunderbar, diese Musik mal live statt nur von CD zu hören. Ich entdeckte manches, was ich beim CD-Hören überhört hatte… Im Programmheft sind außerdem ein paar interessante Details zu lesen, dass die Uraufführung dieser Symphonie den Gefallenen der Napoleonischen Kriege gewidmet gewesen war (daher der 2. Satz als eine Art Trauermusik). Auch soll dieser 2. Satz Beethovens Trauer über eine verlorene Liebe zeigen; einer Frau, der er sehnsuchtsvolle briefe geschrieben haben soll, deren Identität aber bis heute nicht geklärt ist.

Das Orchester spielte wunderbar – aber ich wurde während der ganzen Symphonie und danach den Eindruck nciht los, dass die Musikerinnen und Musiker mit diesem Dirigenten Mario Venzago irgendwie nicht können. Da wird schon öfter mal grimmig zum Dirigenten geschaut oder genervt oder gleichgültig oder gelangweilt die Noten angesehen beim Spielen. Venzago jedoch macht unverzagt weiter, manchmal wirkt es fast zum Lachen, weil er sich gar so weit vorbeugt um den Celli den Einsatz zu geben oder ihnen zu sagen, wie sie spielen sollen. Gehört hat man diese scheinbare oder tatsächliche Unstimmigkeit zwischen Dirigent und Orchester aber nicht. Das sind eben Profis…

verführungs_kunst: 3. Philharmonisches Konzert im Konzerthaus Dortmund.

Weitere Aufführung: MIttwoch, 11. November, 20 Uhr.

https://www.konzerthaus-dortmund.de/de/programm/konzertkalender/100221140/

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