Schon Juni… in Zeiten der #Coronakrise kann man schon mal die zeitliche Orientierung verlieren. Auch wenn man fast jeden Tag zur Arbeit fährt. Langsam gibt es in jedem Bundesland Lockerungen, damit das gesellschaftliche Leben endlich, endlich wieder stattfinden kann. Geht es weiter, das Leben?
Regen, aber nicht unbedingt Kälte auf dem Arbeitsweg.
Es scheint so. Ich bin eher mißtrauisch, was die Zukunft angeht (siehe mein letzter Blogeintrag „Da müssen wir jetzt durch.“). Die gehaßte, verurteilte Maske muss ich jetzt auch aufsetzen, bei mir ist es ein Stofffetzen. Ob es was bringt, sei dahingestellt. Blöd komme ich mir vor, als ob ich den Laden, den ich damit betrete, überfallen würde wollen. Der Sicherheitsdienst eines Drogeriemarktes konnte über diese Worte aber sogar lachen. Andere bekommen leider durch ihre Tätigkeit als Wachhund am Eingang von Supermarkt, Drogeriemarkt u.a. plötzlich ein künstliches Selbstbewußtsein, das gern in Imponiergehabe gipfelt. Einfach nur dumm. Kaum gibt man manchen Menschen Macht, schnappen sie über. Armselige Gestalten eigentlich.
Ohne Maske oder Stofffetzen kommt man in kein Gebäude während der #Coronakrise.
Und jetzt also Juni. Die Kühle der Eisheiligen im Mai ist längst vorbei, der Sommer steht nicht mehr in den Startlöchern, er ist schon da. Zumindest der Frühsommer (oder, was meinen die Expert-/innen, verehrter @DWD , Deutscher Wetterdienst?). Plötzlich sind Hosen und Röcke kürzer, die Unverschämten unter den Damen tragen untenrum kurz, ohne sich vorher die Überreste der Evolution abrasiert zu haben. SKANDAL! SO unordentlich in der Öffentlichkeit herumlaufen, ja geht´s denn noch?
Ich gehöre auch zu diesen Unverschämten. Weil ich keinen Bock auf dieses Schönheitsdiktat habe. Auch wenn ich noch die dummen Bemerkungen mancher Gleichaltriger – wohlgemerkt meist Frauen – im Ohr habe, dass das „unhygienisch“ und „unordentlich“ sei. Die ehemalige Chorleiterin meines Studierendenchores hatte das auch bemängelt, wenn ich keine Feinstrumpfhose tragen wollte. Die Überreste der Evolution, also die Haare auf den Beinen, deren Betrachtung oft genug auch Haare auf den Zähnen erfordert, sind KEIN ZEICHEN von Nicht-Hygiene oder Alter. Sie sind seit dem Erwachsenwerden einfach DA. Oder wer würde einem Mann mit behaarten Beinen Vorwürfe machen, er sei nichtordentlich? Die Haare im Gesicht, auch Bart genannt, will auch niemand zwangsrasieren (auch wenn man darüber streiten kann, ob ein Bart á la Johannes Brahms oder Karl Marx gut aussieht. Muss die jeweilige Partnerin oder Partner wissen).
Und das wird eben bei dieser Witterung mit Temperaturen 25°C und mehr plus strahlendem Sonnenschein so deutlich.
„Ist das Wetter bei euch auch so geil?“ fragte mich ein Freund vergangenes Wochenende am Telefon. Während der Coronakrise telefonieren wir öfter, was mir aufgrund der stark eingeschränkten Sozialkontakte gut tut. So vieles hätte ich zu sagen, zu fragen, aber ich weiß oft nicht, wohin damit. Eigentlich sollte ich jetzt, statt Blog zu schreiben, auch besser schlafen, morgen muss ich verhältnismäßig bald raus, um zu dem verdammten Waschsalon zu fahren.
auf zum Waschsalon und Waschmittel nicht vergessen!
Die Waschmaschine ist leider defekt, Kurzschluss, der zum Stromausfall führte, nach dem Wasserkocher das 2. Ding, das nach dem Umzug verreckt ist (Wasserkocher habe ich genug). „Waschsalon ist doch günstiger“ meinte heute ein Bekannter und regelmäßiger Besucher des Massen-Katzenfernsehens, das die Bullaugen der Waschmaschinen sind. Aber es ist viel stressiger: erst Lastenrad ausleihen, Wäsche zum Salon fahren (etwas weiter weg, weil das Publikum im eigenen Stadtteil eher nervt, zumindest das im Waschsalon). Dabei muss ich oft an den Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ denken, den wir damals als SoziologieStudis an der Uni Jena angesehen hatten. Eine traurige Geschichte darüber. was Rassismus kaputt machen kann. Aber zurück zur Realität im Heute : Wäsche sortieren, rein richten in die Trommeln… kurz Pause, dann retour. Und mittag das Rad wieder zurück geben müssen, weil danach leider wieder der Brotjob ruft. (Zugegeben, ich bin auch kein As im Organisieren).
Sommerabend am Phönixsee Dortmund.
Das alles geht bei dem „geilen“ Wetter nicht so gut.Radfahren, dazu gehören eben auch die alltäglichen Besorgungsfahrten mit dem Lastenrad, ist wesentlich angenehmer bei Temperaturen um die 15 oder max 18°C. Denn so schön es ist, keine dicke Jacke, Mütze, Handschuhe oder klobige, weil stabile Schuhe gegen Nässe und Kälte zu brauchen: die Hitze knallt gnadenlos herunter und verbrennt die Haut. Stechviecher surren herum und stürzen sich auf das leckere Menschenblut (ein Segen ist es, wenn man welches hat, was sie nicht mögen!). Und es gibt leider auch immer Zeitgenossen*, die schauen dich schief an, wenn du schwitzt. Zur Erinnerung: man MUSS schwitzen, sonst würde man ersticken. Auch bei regelmäßiger Wäsche. Nun, ich weiß nicht, ob es für den Menschen angenehmer wäre, zu hecheln wie ein Hund… Umso wärmer es ist, umso besser fliegen auch die Pollen. Gerne hätte ich auf diese verdammte Zivilisationskrankheit namens Heuschnupfen verzichtet. Ohne Sonnenbrille, auch wenn sie nicht mehr ganz der aktuellen Sehstärke entspricht, geht es bei grellem Sonnenschein nicht mehr. Momentan fehlt mir auch das Geld für den dringend benötigten Sonnenschutz in der Wohnung, einem Plisee.
Ob das Wetter, sonnung und warm nun toll ist oder nicht: das ist immer eine Frage der Perspektive. Besagter Freund war schon immer eher einer, der leicht friert. Allerdings kann man auch nicht immer festlegen, dass schlanke Menschen leicht frieren und dicke eher nicht (die Bezeichnung „dick“ ist nicht negativ gemeint. Meine leichte Wampe ist mir im Gegensatz zu anderen Personen oder Dingen schon immer treu). Eine ehemalige Chefin meines damaligen Nebenjobs als Studierende hatte die Figur einer Tonne, sie fror nach eigener Auskunft leicht. Ebenso ein Bekannter heute. Ein ehemaliger Chorkollege, Statur Rainer Calmund, also auch eine Tonne, lief sogar bei Minustemperaturen mit offener Jacke herum, meine war dann immer geschlossen. Was endlich aufzuhören hat, ist zweierlei: die Verachtung für Menschen mit behaarten Beinen und das Dicken-Bashing.
Es gibt aber auch noch eine andere Sache, die bei mir Unbehagen bei strahlendem Sonnenschein und gleißender Helligkeit auslöst: Ist das normal, dass an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, 15, und dann plötzlich 25°C gemessen werden? In den Nachrichten wird immer wieder über Trockenheit berichtet, wie sehr Bäume und die Landwirtschaft leiden würden. Danke Ihr dummen Menschen für den Klimawandel. Auch deshalb mag ich zwar den Sommer – aber nicht diese extreme Hitze. Ich versuche, das meinige dafür zu tun. Man kann nur hoffen, dass es die Menschheit schafft, diese Katastrophe Klimawandel noch abzuwenden.
Es fing , ich meine, es war im Januar 2020, noch harmlos an. In den Nachrichten wurde darüber berichtet, dass in Starnberg in Südbayern ein Mensch an einer bisher unbekannten Krankheit, die der Grippe ähneln soll, erkrankt ist. Vorher war diese ansteckende Krankheit in China ausgebrochen und hatte viele Todesopfer gefordert. Was dabei richtig wütend macht: der Arzt, der die chinesische Regierung vor genau dieser Seuche gewarnt hatte und nicht ernst genommen worden war, starb im Februar oder März daran. Was will man von einem autoritären Regime auch anderes erwarten.
China, das ist weit weg. Reisende und ihre Angehörigen, die in Fernost gewesen waren, wurden in Germersheim im südlichen Rheinland-Pfalz, in einer Kaserne in die Quarantäne geschickt. Germersheim hatte ich bisher mit etwas Positivem, schönen verbunden: der Messe für Fahrrad-Enthusiast*innen und Nerds, SPEZI (die dieses Jahr auch ausfallen wird, https://www.spezialradmesse.de/home.html ) Sinnvoll, um die Krankheit an der Verbreitung zu hindern, aber was Quarantäne für die Betroffenen bedeutet: danach fragt niemand. Nachrichten, Gespräche zwischen Menschen, sogenannte „Experteninterviews“ sind voll von technischem Denken, Organisationsplänen, Analysen. Es war erschreckend und abstoßend, wie viel Platz in der medialen Berichterstattung diese Krankheit einnahm, deren Name nun ständig und überall auftauchte: COVID-19, ausgelöst durch den Corona-Virus. Woher der Name genau kommt und was er bedeutet, wurde in einem Video von der „Sendung mit der Maus“ sehr gut erklärt, das ich Ende März auf „Fratzenbuch Watch“ (Fachebook Watch) entdeckt hatte. Aber so richtig glaubte ich trotz täglichen Hörens der Sendung „Informationen am Abend“ von Deutschlandfunk nicht daran, welche Auswirkungen dieser kronenförmige Virus (daher der Name, lat. „Corona“ für „Krone“) haben würde. Nicht verharmlosen wollte ich das Thema, aber die Panikmache und das laute Geschrei der Boulevard-Medien ging mir mehr und mehr auf die Nerven. An meiner Arbeitsstelle sah ich oft Kolleg*innen ständig irgendwelche Artikel über angeblich oder tatsächlich neue Erkenntnisse zu diesen Virus lesen – das Robert-Koch-Institut war nicht dabei. Nicht einfach zu lesen diese Seite, manches ist für den Laien nicht verständlich aber: dort wird kein Unsinn erzählt. Mich ärgern Menschen, die immer wieder nur die Blöd-Zeitung lesen, obwohl es durchaus seriöse Angebote gibt, um sich über COVID-19 zu informieren.
Dann aber kam der erste Schock: die Stadt Dortmund verfügte, dass ab dem 12. März 2020 alle Veranstaltungen eingestellt werden sollten. Ich war gerade dabei gewesen, die letzten paar Kneipen und andere Institutionen in Dortmund mit Flyern unseres Jazzclubs domicil zu bestücken. „Das brauchst du jetzt nicht mehr tun“ sagte mir der Produktionsleiter zu mir am Telefon. Wir waren alle geschockt. Der Kneipenbetrieb lief noch, aus Protest gegen diese verdammte Situation ging ich abends im domicil ein Bier trinken. Abstand halten tat ich dabei immer, ebenso die Vereinskollegen, die ich traf. Alle waren in einer Art Schockstarre, einem Schrecken, den man nicht so schnell abschütteln kann.
Noch vor wenigen Wochen konnten wir uns beim Parcours freuen. Jetzt: gesperrt, eine fast unheimliche Stille.
Doch damit nicht genug: ab dem 17. März 2020 durfte auch der Kneipenbetrieb unseres Jazzclubs domicil nicht mehr öffnen. Die Meldungen, was alles nicht mehr sein darf, man kam schon gar nicht mehr mit, wurden in pausenloser Folge bekannt: das Stadttheater ist zu, das Konzerthaus muss seinen Betrieb einstellen, ab dem 16. März gibt es keine Hochschulsportkurse mehr. Ich fühlte mich, als ob ich eine böse Überraschung erleben müsste, an der ich keine Schuld hatte. Als ich 2003 in meiner alten Heimat das Mozart-Requiem im Chor mitgestaltete, hatte uns die Chorleiterin für das „Lacrimosa“ genau diese Stimmung als Vorstellung beim Singen mitgegeben. Dieses Stück aus dem Requiem, es passte jetzt richtig gut in diese immer absurdere Zeit, in einen Alltag, bei dessen Schnelligkeit an Veränderungen kaum mehr ein Mensch mitkommt, während draußen das öffentliche Leben still steht.
Ohne Beleuchtung und Beschriftung, leer und verlassen, wo sonst das Leben ist: der Jazzclub domicil während des Elends von Coronakrise. Eigenes Foto
Seit der Schließung aller Kinos, Clubs, Bars, Kultureinrichtungen, sprich: Beendigung des öffentlichen Lebens, lese ich fast jeden Tag die Seiten der Stadt Dortmund. Jeden Tag gibt es eine Zunahme an Infizierten, es werden aber – und das ist sehr positiv – auch die Anzahl der genesenen Menschen genannt. Die Mahnung, von anderen Menschen Abstand zu halten, wird fast gebetsmühlenartig verkündet. Ich halte mich daran, wenn ich auch zugeben muss, dass mir bisher nicht bekannt gewesen war, dass ich auch als gesunder Mensch den Virus weitergeben kann, ohne es zu merken.
Es ist klar: die Infektionsketten müssen unterbrochen werden, die Ausbreitung von COVID-19 soll zumindest verlangsamt werden. Zustände wie in Italien will man nicht, klar. Ich habe mitbekommen, was dort abgeht, aber ich hasse Leute, die mich ständig auf alles und dieses und jenes aufmerksam machen müssen, warum ich es nicht gelesen habe! Nein, ich lese nicht jeden verdammten Artikel über diese scheiß Krankheit, auch wenn es in der FAZ, dem Spiegel oder sonst einem Qualitätsmedium steht! Langsam wurde ich auch auf „pocket“, der Anzeige beim Feuerfuchs-Browser wütend, weil ständig Artikel zum Corona-Virus genannt wurden. Mit häßlichen Virus-Bildern und maskierten Menschen. Ich will das nicht sehen! Und es beruhigt mich nicht, nein, es macht nur noch wahnsinniger in dieser abartigen Zeit voller Wahnsinn!
„Man soll jetzt nicht über Italien moralisch urteilen. Die Welt ist noch am Lernen.“ Das sagte mir ein guter Freund und Journalist. Zufällig lese ich im Tagesspiegel online, dass eine Zeitung in Italien, ich glaube in der so stark betroffenen Lombardei, 10 Seiten Todesanzeigen druckt. 10 Seiten pro Tag. Gewohnt ist man vielleicht 3 oder höchstens 5 pro Ausgabe. Das zu lesen tut weh, auch, wie selbst ein in Krisengebieten erfahrener Apotheker langsam ratlos ist – einen Artikel dazu habe ich gelesen, das war in der taz. Auf Bildern, die im Internet kursieren, sieht man einen leeren Markusplatz in Venedig, einen leeren Petersplatz in Rom, leere Kanäle in Venedig… in den Nachrichten hört man, dass sich die Kanäle in Vendeig erholen, weil keine Kreuzfahrtschiffe mehr kommen. Die haben ohnehin nichts in der Stadt verloren. Tourismus: ja. Aber mit Bedacht! Doch mit Corona läuft nichts mehr, niemand kann mehr irgendwas besichtigen oder jemanden besuchen. diese Situation macht auch deutlich: die Erde braucht keine Menschen.
Jeden Abend: eine dunkle, geschlossene Schauburg (Kino). Grauenvoll, dieser Anblick.
Die Gscheiderln, die immer vorpreschen und sich als die Besten darstellen müssen, preschen auch jetzt wieder vor: das Bundesland Bayern (erstaunlicherweise hat sich dieses Möchtegern-Königreich immer noch nicht von der BRD abgespalten) verhängt Ausgangssperren. Schulunterricht ist in der ganzen BRD schon lange nicht mehr, 5 Wochen Osterferien gibt es dann sozusagen. Nur für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Besuch bei Ärztin oder Arzt oder zum Sport darf man raus. Ein Arbeitskollege zeigt mir ein Video, auf dem die Münchner Berufsfeuerwehr durch die Straßen fährt und Ansagen macht. Was für ein autoritärer Müll. Ich bin fassungslos. Schon interessant: gerade dieses Land, das jahrzehntelang vehement gegen alles aus dem „bösen“ Osten gewettert hat, greift nun auf genau dessen Vorgehensweise zurück, verhält sich wie der Staat, den man damals so verachtet und bekämpft hat. Aber am 3. Oktober wieder schön gegen den Polizeistaat von damals mahnen. Schuld sind immer nur die anderen, und die hocken im Osten. Weil jeder DDR-Bürger und -Bürgerin ein-/e überzeugte-/r Kommunist war. Ganz bestimmt. Nicht. Wie bin ich froh, dort nicht mehr zu wohnen. Eine Freundin in Nürnberg, die pensionierte Krankenschwester ist, sieht sich in ihrer Forderung nach Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 bestätigt. Naja, ihr Beruf hat sie eben geprägt.
In Nordrhein-Westfalen, wo ich nun seit 5 Jahren wohne, geht man – zumindest bisher – besonnener vor. Es gibt kein absolutes Ausgangsverbot. Es gilt nicht mehr nur die Abstandsregel, es dürfen auch höchstens nur 2 Personen miteinander unterwegs sein, Familien ausgenommen. Der Appell, nur zu wichtigen Anlässen die Wohnung zu verlassen, folgt. Das macht für mich erst mal keinen Unterschied, weil ich meistens allein unterwegs bin. Zu meiner Freude empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dass man seine Alltagswege doch mit dem Rad zurücklegen solle, weil man das allein tun könne, anstatt neben anderen in der Straßenbahn zu sitzen. Auch der ADFC NRW empfiehlt nochmals explizit das Radfahren.
Ein Gastronom versucht sein Glück mit Außenverkauf: Cocktails trinken trotz Corona. Und immer schön nur 2 Stühle nebeneinander.
Die Straßen sind fast jeden Tag ziemlich leer; oft fühle ich mich wie am Sonntag nachmittag, wenn ich über die Heiligegartenstraße, Grün- und Treibstraße zur Arbeit fahre. wie ein ewiger Sonntag nachmittag. Mein Zeitgefühl schwindet von Tag zu Tag, ich wache oft auf und wünschte, das ganze Elend mit der Krankheit COVID-19 wäre einfach nur ein böser Traum.
Wie an einem ewig andauerendem Sonntag-Nachmittag: die Treibstraße/Grüne Straße während der Corona-Krise. eigenes Foto.
Tatsächlich stelle ich bei mir selbst auch fest, dass ich mir mehr um das Wie beim ohnehin täglichen Händewaschen Gedanken mache, auf mehr Abstand als sonst in der Straßenbahn und anderswo gehe. Das offiziell verkündete Abstandsgebot ist fast paradox für mich. Die Öffentlichkeit und Gesellschaft, in der ich aufwuchs, hielt oft keinen Abstand zu mir und meinem Körper ein und benutzte meinen Körper und mich für die eigene Notgeilheit. Junge Mädchen und Frauen auf dem Dorf sind nichts wert und können ungestraft sexuell mißbraucht werden, niemand fragt, ob sie diese Berührungen wollen oder nicht. Lange Zeit forderte ich selbst, Abstand von mir zu halten, wobei das auf Dauer auch keine Lösung ist, denn: der Mensch braucht Berührungen.
Für Taschendiebe ist die Corona-Krise eine ganz blöde Zeit, wenn so wenige Leute unterwegs sind man sich niemandem mehr ungestraft nähern darf. Auf Facebook bekomme ich einen kleinen Shitstorm ab, weil mir die eine Pressemeldung des Kinikums Dortmund kräftig auf den Senkel geht. Vom Pressesprecher stammt dieser Text. Unmöglich! So kann man das nicht formulieren! Es geht in etwa so los: „na Ihr Egoisten? habt Ihr Euch in der Disco getroffen weil Ihr denkt, dass Ihr Euch als junge Menschen nicht anstecken könnt? […]“ In diesem Wortlaut ging es weiter. Sicher ist ein Appell zum Abstandhalten wichtig. Aber so formuliert wird niemand auf ihn, den Pressesprecher des Klinikums Dortmund hören! Das sollte genau er wissen! Als Journalistin weiß ich: SO erreicht man niemanden. Aber von den anderen Herrschaften im Fratzenbuch kapiert das niemand. Mich nerven diese Leute, die immer nur ‚technisch‘ denken. Die ständig Statistiken und Zahlen brauchen. Nein, ich will das nicht! Es macht mich und auch andere nur noch verzweifelter, wahnsinniger! Und ich kann auch auf den Podcast eines Christian Drosten getrost verzichten. Nicht, weil er ein schlechter Mensch oder schlechter Virologe wäre, sondern: ES GIBT NOCH ANDERE THEMEN ALS DIESER VERDAMMTE VIRUS im Frühjahr 2020, verdammt noch mal!!! Seine „Fans“ nerven. Bei allem Respekt und Sinnhaftigkeit von Wissenschaftsjournalismus: schweigt einfach mal einen Tag, geht in Euch und besinnt Euch auf das Nicht-Technische in der Coronakrise. Übt Euch endlich in Empathie! Das, was nicht nur mich umtreibt und sehr schmerzt: der Verlust jeder Kultur. Hört den Kulturwissenschaftler*innen und Soziolog*innen zu, anstatt die Medizin anzubeten!
Nein, es ist nicht Sonntag nachmittag in der Fußgängerzone Westenhellweg. Im Hintergrund eine Polizeistreife.
Wie eine schleichende Krankheit verändert das Corona-Virus den Alltag. Das einzige, was von der Normalität geblieben ist, ist für mich die Fahrt zur Arbeit, meist mit dem Rad. Die Arbeit, die mein Broterwerb ist und mit meinem erlernten Beruf leider wenig zu tun hat, macht grundsätzlich Spaß. Aber sie erfüllt mich nicht und ist oft genug anstrengend. Alles, was der Kompensation für diese Anstrengung dienen würde, existiert nicht, ist wie ausradiert, plötzlich nicht mehr existent: meine Sportkurse beim Hochschulsport, alle Musikveranstaltungen. Der Anblick von geschlossenen, verschlossenen Türen erschreckt mich. Ich fühle mich wie in einem schlechten Traum, einer Zeitschleife, aus der ich nicht rauskomme. Wie Neo in „Matrix“ in verschiedenen Dimensionen sich bewegt, von denen nur eine real ist. In welcher Welt, in welcher Dimension leben wir nun? Wer oder was hat uns hierher gebracht, gegen unseren Willen?
Nicht mal mehr im Stadtgarten kann man im Abstand zueinander sitzen. Eigentlich übertrieben. Auch auf einer Sitzbank könnte man Abstand halten.
Wie lange ist das noch auszuhalten? Ich weigere mich, diesen scheinbar ewigen „Sonntag-Nachmittag“ , den man beim Durchqueren der Innenstadt spüren kann, als „Normalität“ anzuerkennen. So, wie es nun seit einigen Wochen ist, ist es nicht normal. Menschen sind keine Wildkatzen, die einzeln unterwegs sind! So sinnvoll, wie die Absagen sämtlicher Kulturveranstaltungen und das Abstandsgebot auch sind: ich kann dieses ständige „stay home – save lives“ nicht mehr hören. Dieses ständige erzwungene Alleinsein, das macht krank! Es ist paradox, wenn ständig Appelle zum Zusammenhalt verkündet werden, gleichzeitig aber Abstandhalten und Zuhausebleiben gepredigt wird. Schon bemerkt?
Auch manche Witzeleien mit den Arbeitskolleg*innen können nicht die Freude am Sport und der dort erlebten Gemeinschaft ersetzen. Ja, ich habe schon schlechtere Arbeitsstellen gehabt und die Bedingungen sind gut, ich fahre meistens gern zur Arbeitsstelle. Das momentan viel gelobte HomeOffice funktioniert bei mir übrigens aus technischen Gründen nicht. Da ich im Service arbeite, ist mir eine Trennung von Arbeitsstätte und Zuhause auch wichtig, denn: Menschen, die bei uns anrufen, können richtige Arschlöcher sein. Deshalb ist psychische Hygiene durch physische Trennung von Arbeitsort und Wohnort so wichtig.
Das noch so gut vorgetragene Konzert im Live-Stream im Internet kann kein Live-Konzerterlebnis ersetzen. Es ist schön, wenn ein Igor Levit jeden Abend auf seinem Flügel für seine Twitter-Follower spielt. Tonqualität grauenhaft, aber: die Geste zählt. Danke für Ihre Heimkonzerte. Aber wer bezahlt ihn? Man muss es sich leisten können, sich als Künstler*in zu verschenken, wie die Neue Musikzeitung richtig schrieb. Gilt übrigens auch für den Pop-Bereich, für jede-/n, die oder der vom Musikmachen und Musik-Interpretieren den eigenen Lebensunterhalt verdient. Musik ist nicht nur schön, sie ist auch Arbeit und die muss wie jede andere Tätigkeit ordentlich bezahlt werden! Oder wie Karl Valentin richtig sagte: „Kunst ist schön, macht aber auch Arbeit.“
Außerdem darf nie vergessen werden: Das Publikum ist nicht nur dafür da, die Künstler*innen zu bezahlen. Jedes Konzert, sei es ein Pop- oder Club- oder Klassikkonzert lebt davon, dass Künstler*innen auf der Bühne mit dem Publikum kommuniziert. Der Intendant des Opernhauses Dortmund hat nicht umsonst und zu Recht gesagt, dass er von per Livestream übertragenen Opern nichts hält, weil das nur „abgefilmtes Theater“ sei. Die Premiere der Oper „Die Stimme von Portici“ musste fast ohne Publikum stattfinden, nur die Presse hatte Zutritt bekommen.
Bemerkenswert ist, dass das Corona-Virus das schafft, was der Klimawandel, der mindestens genauso bedrohlich ist für die Menschheit, nicht schafft: alle sind betroffen, allen ist dies bewußt und sie tun was dagegen. Die gesamte Welt. Der feine Unterschied: gegen Covid-19 werden sofort stark wirkende Maßnahmen ergriffen. Grundrechtseinschränkungen wie das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit akzeptiert. Kaum Zweifler gibt es, die Leugner* werden größtenteils verachtet und zurückgedrängt. Selbst die scheinbar allmächtige Wirtschaft und Lobbyverbände ziehen mit, auch wenn es Kritik gibt. Absurderweise wollen gerade große Firmen wie adidas und Heu&Mist keine Miete mehr zahlen, weil ihre Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Hallo? Was sollen Besitzer kleiner Läden sagen?
Ohne Zweifel wird dieser Krankheitserreger die Welt verändern, Wirtschaftsunternehmen, ganze Wirtschaftssysteme und gewohnte Lebensabläufe werden sich ändern müssen. Ein Bekannter und Stadtplaner rechnet mit einem großen Arbeitsplatzabbau in der Automobilindustrie. Und warum? Weil „Covid-19“, der Name der Krankheit, ausgelöst durch den Corona-Virus, sehr bald spürbar und tödlich verlaufen kann und so viel bedrohlicher wirkt als eine andere, schon seit Jahren existierende Bedrohung. Von Stickoxiden und anderem Dreck, der den Klimawandel auslöst, fällt leider niemand bald tot um oder bekommt schmerzende Geschwüre oder Atemnot. Anders kann man sich die Untätigkeit oder die nur schleppend eingeführten Maßnahmen für den Klimaschutz (durchgeführt von verschiedenen Regierungen) nicht erklären. Die Veränderungen im öffentlichen Leben werden größtenteils erstaunlich gut akzeptiert und hingenommen, kaum jemand klagt über die Schließung von Kneipen, Theatern, Opernhäusern, Bibliotheken, Sportstätten. Auf manchen Straßen ist es, wie schon erwähnt auffällig ruhig, was mich als Radfahrerin auch freut. Auf anderen genauso voll wie sonst (Mallinckrodtstraße in Dortmund). Und dennoch ist da IMMER dieses ungute Gefühl, dass da was nicht in Ordnung ist, wenn eine Polizeistreife langsam durch die Fußgängerzone mit dem Auto statt auf Fahrrädern fahren muss. Schlechter Traum? Wahrheit? Hat mich das Super-Auto K.I.T.T. irgendwo hingebracht, wo ich nicht hin wollte? Welcher Tag ist heute?
Im Zuge der staatlich angeordneten Stillegung des öffentlichen Lebens wurde zur Solidarität mit v.a. der „Risikogruppe“ aufgerufen. Man solle für die älteren Leute Einkaufshilfen anbieten. Gerne hätte ich dies gemacht, aber auf Nachfrage bei meinem Bekannten gab es keinen Bedarf, dass jemand mit Lastenrad für andere einkauft. Mir selbst war und ist diese Zeit der Corona-Krise auch nicht geheuer, ich bin immer noch damit beschäftigt, dieses Grauen zu erfassen, dass mich an die Stimmung des „lacrimosa“ aus dem Mozart-Requiem erinnert: die damalige Chorleiterin und Kantorin dieser Kirchengemeinde hatte uns aufgegeben, beim Singen das Gefühl einer bösen Überraschung und Fassungslosigkeit zu empfinden und dies mit unserer Stimme auszudrücken. Zwar stirbt hier im Jahr 2020 im Gegensatz zu Pestzeiten früherer Jahrhunderte nicht jede und jeder, aber wenn das Kulturleben stirbt oder darbt, stirbt auch bald der (physische) Mensch. Manche glauben sogar an eineneue Solidarität.
Daran glaube ich nicht. Die Corona-Krise führt zu Verhaltensweisen der Menschen, die erschreckend sind. So sehen die Regale im Supermarkt und in Drogerien aus, wo sonst Toilettenpapier, Küchenrollen, Taschentücher und Nudeln lagern. Alles andere als ein solidarisches Verhalten.
Keine Chance, wenn zuhause das Klopapier alle ist. Foto: A. Steger
Zwar muss ich nicht für einen Mehr-Personen-Haushalt einkaufen, dennoch machen mich solche Verhaltensweisen wütend! Wie egoistisch, aggressiv und dumm muss man sein, übermäßige Einkäufe zu tätigen??? Was soll das? Steht ein Krieg bevor? – NEIN! SCHÄMT EUCH!
WOFÜR braucht man Unmengen Küchenrollen u.ä. zuhause während der Corona-Krise???
WOFÜR braucht selbst ein mehrköpfiger Haushalt solche Unmengen an Toilettenpapier, Küchenrollen oder Taschentücher? Scheißen die sich vor Angst vor dem Coronavirus in die Hose, weshalb sie soviel Scheißpapier brauchen? Ihr seid doch nicht mehr ganz dicht!
Diese seltsame, absurde, verrückte Zeit, in der man nicht weiß, was man denken soll, in der ein Familienvater und Fahrrad-Enthusiast auf Twitter zu Recht die Frage, was nun werden soll, stellt, bringt auch neue Witze hervor. Ja, auch das habe ich bemerkt. Da ist ein Cartoon, der zwei suchende Augen zeigt, die sich in einer Art Festung, die nur aus Klopapierrollen besteht, herausschauen. Ein Videoclip zeigt eine Katze in einem Zimmer, die über eine immer höhere Rampe aus Klopapierrollen springt, dazu eine Art Sportkommentation auf französisch. Schon witzig, ja. Gleichzeitig klingt alles wie ein trauriger Nachruf auf ein Leben, das normal verlief, in dem man sich nicht ständig Gedanken darüber machen musste oder sollte, welchen Türgriff man angefasst und ob man sich ja auch immer die Hände gewaschen hat. Es strengt an, dieses Leben. Mehr als sonst. Dazu die Hysteriker mit ihren Mundschutzmasken. Boah! Bin ich hier in einem verdammten Operationssaal oder im Krankenhaus – oder auf der Straße im öffentlichen Raum?? HÖRT AUF DAMIT! Das bringt die Menschen nur noch mehr auseinander, macht sie mißtrauisch und zu Feinden! Nur bei alten Leuten verstehe ich, dass sie Masken tragen.
Der Anblick von gestapelten Stühlen im Café, und sei es nur bei einem Bäckereistand im Supermarkt, ein Absperrband am Spielplatz, an der vorderen Bustür vom Linienbus… das alles ist NICHT NORMAL. Ausnahmezustand, dauerhaft. Manche reden sogar vom Einsatz des Militärs im Inland. LASST DAS. Wir haben keinen Krieg! Das alles wirkt abweisend, lebens- und menschenfeindlich.
In der Zeit der Corona-Krise fühle ich neben all den Enttäuschungen, dem Entsetzen, der Fassungslosigkeit auch eine große Müdigkeit. Nicht nur, weil ich nicht zu den Sportkursen des Hochschulsports kann, sondern auch, weil genau in dieser Zeit die Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens so deutlich wird. Klingt pathetisch, ist aber wahr. Und langsam habe ich keinen Bock mehr auf das ganze. Die Haltung, die auch ein Herr Harkort vertritt, so wie ihn dieser Künstler geschaffen hat.
Herrn Harkort in Hombruch passt auch etwas nicht. Mir auch.
Es gibt staatliche Hilfen für Kleinstunternehmer*innen und Kulturschaffende, ja. Aber wird das ausreichen? Ein Inhaber eines Sportfachgeschäftes sagte mir, dass er schon nach 3 Wochen einen Umsatzeinbruch von 80% hätte, nur hätte er im Gegensatz zu den Gastronomen eben noch die Ware als Gegenwert. Zwei kleinere Fahrradhändler bangen um ihre Existenz. Das alles deutet auf eine Zukunft hin, in der niemand wirklich leben will.
Hätte ich doch nie Abitur gemacht.
Hätte ich nie ein Opernhaus oder Konzertsaal betreten.
Wäre ich in dem scheiß abgelegenen Kaff geblieben, wo ich aufwachsen hatte müssen, wäre ich dumm geblieben, dann könnte ich wie andere diesen ganzen Corona-Müll einfach hinnehmen, ohne ständig nachzudenken. Oder ich wäre so ein Technik-Gläubiger und Technik-Trottel geworden, der oder die jeden Tag alles über Covid-19 liest und zu wissen glaubt, obwohl es nicht wirklich was neues gibt (ich habe da meine Zweifel). Ich hasse diese Leute! Eigentlich gehören sie alle zwangsweise in regelmäßige Soziologie- und Psychologie-Vorlesungen gesteckt. BESCHÄFTIGT EUCH GEFÄLLIGST MIT DEN SOZIALEN FOLGEN, Ihr Technik-Deppen! Und hört auf, die Naturwissenschaft anzubeten! Mancher hat schon wohl heimlich einen Drosten-Altar zuhause, so wie früher die KatholikInnen v.a. im Mai zuhause sich einen Marienaltar aufgebaut hatten, was? Man kann das kitschig und dümmlich finden, aber: der Marienkult mag auch nerven, aber er nervt nicht so sehr wie der Kult um Drosten. Wobei ich glaube, dass er selbst nicht wie ein Heiliger verehrt werden will, weil er um seine Grenzen weiß und diese Star-Verehrung nicht nötig hat.
Verstehen Sie mich nicht falsch: ich hasse VerschwörungstheoretikerInnen genauso. Von mir wird NIEMAND ANGEBETET, weder die Medizin noch die Homöopathie. Weder Herr Drosten noch irgendein bedeutender Heilpraktiker/bedeutende Heilpraktikerin. Auch wenn ich es leider nicht erleben werde: ich wünsche all den Technik-Gläubigen, die Deppen, die nur auf diese verdammten Zahlen über Covid-19 ständig spekulieren, als ob sie Börsen-Geschäfte machen würden: einmal werdet Ihr aufwachen und merken, dass Euch eure elende Naturwissenschafts-Versessenheit nicht mehr hilft. Verdammt, warum spüre ich was, was mir fehlt? Was ist das? Ich werde mich doch nicht mit Gefühlen beschäftigen müssen? Was war das noch mal? Kann man das berechnen, in Zahlen ausdrücken? Aber neeeiiin, das ist so irrational! Zu blöd, dass der Mensch keine Maschine ist! Und selbst die Gscheiderln von der Schulmedizin kapieren langsam, zumindest langsam, dass der Geist, die Psyche so wichtig für die Heilung des Körpers ist. Es ist u.a. vom „broken-heart-syndrom“ die Rede (schnauf, Glück gehabt, es wird wieder wissenschaftlich!) Und das hat NICHTS mit Homöopathie oder Verschwörungstheorien zu tun.
Anderen helfen in der Corona-Zeit… hätte ich gern gemacht. Allerdings wollte ich umziehen, raus aus einer schimmligen Wohnung, um die sich der Vermieter seit Jahren einen Scheißdreck kümmert. Nach 5 Jahren habe ich den Kampf aufgegeben, erst seit einem Jahr etwa habe ich beim Mieterbund einen Rechtsanwalt gefunden, der sich wirklich für mich einsetzt. Aber die Hunde sind schon schlau, sie wissen genau, wie weit sie gehen dürfen, um ihrer unendlichen Gier nachzukommen. Nicht, dass Mietzahlungen zu verlangen grundsätzlich falsch oder schlecht wäre. Was mich wütend macht ist die Verantwortungslosigkeit, mit der dieser Vermieter auftritt: da wird gerade mal die Fassade schön gestrichen, aber innen sind die Wände ramponiert, die Treppenstufen ausgetreten, die Wohnungstüren so windig, dass man nur dagegen hauchen muss, damit sie aufgehen. Auch als selbstbewußter Mensch kann man sich in solch einem Haus nicht mehr sicher fühlen.
Gleich eins vorneweg: schaffen Sie sich nicht so viele Bücher und CDs an. Das ist mit ein Grund, weshalb ich an einem Tag nicht fertig wurde mit dem Transport meiner Sachen. Seit dem ca. 20. April bin ich mit dem geliehenen Lastenrad fast jeden Tag mindestens 1x hin- und hergefahren, um die alte Wohnung leer zu bekommen. Auf den Straßen der Nordstadt Dortmund immer wieder Menschen, hin und wieder fordert die Polizei, meist über Lautsprecher auf, dass sie sich nicht versammeln sollen. Rein rechtlich geboten, manche mögen vielleicht auch krumme Geschäfte im Sinn haben, aber: dennoch absurd. Denn der Mensch ist keine Wildkatze, die allein durch die Gegend streift!
Zur Einsamkeit, die aufgrund des Versammlungsverbotes noch schlimmer für mich ist, kommt noch der Ärger mit dem alten Vermieter hinzu, der nun die ganze Mai-Miete sehen will, weil ich über das Kündigungsdatum des 30. April hinaus die Wohnung noch nutze. Stimmt, es sind noch ein paar Sachen drin. Diese Mail war erst mal ein Schock. Aber ich werde niemals die ganze Mai-Miete zahlen! Jetzt haben sie es eilig, bei der Aufforderung, den Schimmel endlich zu entfernen, das war scheißegal!
Sicher habe ich es einerseits gut, weil ich mir die Wohnung mit niemandem teilen muss. Aber weil meine biologische Familie kaputt ist (nur kurz: meine Mutter tut das im Kleinen, was der Wahnsinnige und Kranke auf dem US-Präsidentenstuhl im großen macht – und nein, die ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ ist NICHT LUSTIG), besteht mein Sozialleben nunmal aus der Gemeinschaft bei Sportkursen, bei gemeinsamen Stadtrundfahrten wie der Critical Mass, der Kidical Mass , der ADFC-Sternfahrt. Das ist alles abgesagt, das Sozialleben tot. Das tut unendlich weh. Und macht mich auch unendlich wütend.
Verstehen Sie mich nicht falsch: ich kann das Versammlungsverbot nachvollziehen, auch dass man sich nicht zu nahe kommen darf. Es ist und war beim Hochschulsport nicht üblich, sich großartig wie z. B. durch eine freundschaftliche Umarmung zu berühren. Aber sich überhaupt nicht treffen dürfen, das ist so bitter, macht mich einfach nur noch fertig. Beim letzten Parcours-Kurs, der mir so viel Spaß machte, weil man dafür kein Halbprofi sein muss, hatte ich noch domicil-Flyer (domicil: Jazzclub n Dortmund) verteilt, es sah so aus, als ob man sich neben dem Sport auch mal dort treffen und nett plaudern könne. Das ist jetzt alles tot und wird es bleiben. Ich glaube aus verschiedenen Gründen nicht an eine Zeit nach Corona. Unser Trainer, kein Angestellter des Hochschulsports, lebt von u.a. diesem Kurs. Ich hatte ihn kurz nach Ausbruch der Coronakrise gefragt, per Nachricht, wie es ihm ginge. Bis heute kam keine Antwort, aber ich befürchte nichts Gutes. Es ärgert mich auch sehr, nicht im Fitnesszentrum trainieren zu können. Ich will nicht zu einer zweiten Regina Halmich werden, aber die Fehler und die Faulheit und Dummheit einer Verwandtschaft vermeiden, die nach der Fressewelle der 1960er Jahre nicht mehr aufgehört hat, zu konsumieren und heute nur über Herz-Kreislaufkrankheiten und Adipositas jammert (und dabei ganz wichtig: dicke Männer sind noch okay, aber Frauen bitte gefälligst nur, wenn sie nachweisen können, auch Kinder produziert zu haben. Dann ist die Wampe gerechtfertigt).
Was heute der Sport ist, war zuerst der Chor. Jahrelang hatte ich immer in einem Chor gesungen, es hat mir auch immer wieder geholfen, mit psychischen Schwierigkeiten fertig zu werden. Gerne hätte ich, als ich vor 5 Jahren nach Dortmund gezogen war, das Singen weiter betrieben. Der zweite Chor, bei dem ich mich vorgestellt hatte, war mir sympathisch, ich hatte auch den Eindruck, dass ich eingeladen gewesen war. Leider wurde es ncihts, weil der Chor schon zu viele Altistinnen hatte. Die Absage konnte ich dem Leiter nicht übel nehmen, dennoch war es und ist es für mich ein herber Rückschlag. Ich komme mir oft vor wie Wolfgang Borcherts Titelfigur in „draußen vor der Tür.“ Und nun habe ich es satt, so satt, immer noch zeitweise Teil einer Gemeinschaft zu sein. Im Studierendenchor damals leider traurige, alltägliche Realität, weil mal wieder jemand sein Studium abgeschlossen oder abgebrochen hat.
Zu meiner großen Verwunderung lese ich immer wieder auf dortmund.de oder den RuhrNachrichten, dass Menschen während der Corona-krise geheiratet haben. Weil ab 27.4. im ÖPNV und Geschäften und in Ämtern Masken getragen werden müssen, gerät das Leben zu einem einzigen absurden Maskenball. Die Braut mit Mundschutz, die Gäste weit auseinander stehend, als ob sie miteinander nicht szu tun haben wollten. Mich ekeln diese Masken auch deshalb an, weil sie mich an ÄrztInnen, an alles Schlechte und Schmerzhafte, Ernste erinnern. Eine Maske IST NICHT HARMLOS, sie inst ein Warnsignal! Auch wenn es für eine Medizinerin oder Pfleger Alltag sein mag, so ein elendes Ding anzuziehen, für uns Zivilisten* IST ES DAS NICHT! Ich halte zwar nichts vom Heiraten, aber: Hochzeit in Coronazeiten abzuhalten, das ist so, als ob ein Fleischer/Fleischeirn oder Gemäsehändler-/in plötzlich nur noch aus Woalle gehäkelte Würste bzw. Gemüse statt echter Ware anbieten würde und eine Kundin oder Kunde ihm dann auch noch sagen würde: jaaa, ich rieche den Duft ihrer Papaya-Früchte oder ihrer Wurst! Ganz klar. Bei einer Hochzeit, in der es auf Nähe, auf Vertrauen, auf Zusammensein ankommt Maske tragen! Wäre es doch nur Theater statt Realität gewesen!
Anfang April musste ich auch Geburtstag haben. ein runder Geburtstag, den ich nicht erleben will. Am Tag selbst kommt kaum gute Laune auf, weil diese verdammten schweren Beine mich kaum loskommen lassen. Gern wäre ich zum Schloß Hülshoff ins Münsterland gefahren, aber dort ist sogar der Park geschlossen, was mich erbost. Dann lasst doch Euren Scheiß, dort brauche ich nicht mehr hin! Ich war schon einmal dort gewesen, um Ruhe nach einer schweren Enttäuschung zu finden. Nur für eine Minitour, vorbei an einem verlassenen Biergarten, hat es gereicht. Als Kind freut man sich noch darauf, älter zu werden. Ab einem gewissen Alter ist das aber nur noch ein Graus. Nein, mir braucht niemand mit Gegenreden kommen. Schaut Euch diese verdammte Gesellschaft doch an! die Jugend wird verehrt und alles, was über 30 oder gar 40 ist, wird verachtet. Erst recht, wenn man zu den Verdammten gehört, die erst nach dem Beruf das Abitur und Studium absolvieren hatten können. Die so froh waren, das geschafft zu haben, nur um dann erneut festzustellen: sie sind nicht erwünscht. Oder man ist schlichtweg zu alt für Freundschaften oder gar Partnerschaften, das ist schmerzlich, aber nachvollziehbar, dass es so ist. Und ja: ich bin wütend und verbittert, auf all diejenigen, allen voran meine Mutter und andere Ereignisse, die mir ein Abitur in früheren Lebensjahren verweigert haben!
Literaturtip von Soiologie-Professor Stephan Lessenich: Soziologie des Alterns. (juhuu, Wissenschaft! Wenn auch keine Naturwissenschaft, ich weiß).
Im ganzen Umzugschaos, der Erschöpfung und,dem ganzen Frust über die Corona-Krise hätte ich fast mein Abitur-Zeugnis weggeworfen. Heute tropfnaß aus,dem Abfall,gefischt. Mein BA,Zeugnis muss auch noch drin stecken, macht aber nix, die Papierabholung ist nicht in den nächsten Tagen. Dieses Versehen spiegelt aber auch die Realität wieder: dass meine Abschlüsse nichts,wert sind. Jede Absage für ein im Beruf der Journalistin so notwendiges und,wichtiges Volontariat o.ä. wurde abgelehnt bisher. Danke für michts, LWL-Industriemuseum Zeche Hannover! Entschuldigung, dass ich nicht blond oder,dürr oder nicht jung genug gewesen war!!! Ich hätte,den Job,gerne gemacht. Erst recht, weil ich einen BA-Abschluss in Kulturgeschichte habe. Aber das ist ja nichts wert. Wer keine 25 mehr ist, kann die Schrott-Arbeiten machen, damit diese verdammte Gesellschaft funktioniert. Mein Brotjob ist momentan nicht so schlecht,wie frühere. Aber er erfüllt mich nicht und ich will damit nicht sterben. Ich,will mit Rundfunkjournalismus mein Geld verdienen, verdammt noch mal. Wer mir jetzt widerspricht, dass ich mich,selbst nicht abwerten soll:-das tue ich nicht, das machen all,die Institutionen, die mir Absagen schicken und sich für jüngere entscheiden. Alte Menschen, dazu gehören,auch Menschen über 30 oder ab,40 Jahren, sollen gefälligst die Schnauze halten und die Drecksarbeiten,erledigen. In unserer Gesellschaft herrscht ein Jugendwahn. Da nützt das beste Selbstbewusstsein nichts.
Wer mir,widerspricht, ich,solle mich nicht abwerten, der oder die soll mir mal flugs einen anständigen Volontariatsplatz besorgen. Und zwar nicht bei einem scheiß Anzeigenblatt oder Privatsender. Sondern bei einer anständigen Institution, die anständig bezahlt wie der WDR.
Weil das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht passieren wird, weil ich zu alt -siehe der Wortlaut absurder Stellenanzeigen – bin und mein Arsch nicht blond und nicht,schlank genug ist (die Entscheider bei Personalfragen sind zu oft Männer), plädiere ich sehr für den Abgang,der gesamten Menschheit. Die Corona-Krise bietet die Möglichkei ,dazu. Irgendwann ist meine Geduld zu Ende. Denn ich nicht nicht so dumm, bis zum St. Nimmerleinstag zu warten. Eine, sie mich damals aus,dem Campusradio Jena mit rausgeworfen hat, macht jetzt Volo bei Deutschlandfunk Kultur . Ich wünsche ihr von Herzen,eine immer offene Büchse der Pandora. Meine Bewerbung nur für ein Praktikum war nichts wert gewesen. Aber dann in ein paar Jahren jammern, dass die sogenannte Arbeiterschicht nicht bei den Journalisten* vertreten ist! IHR WIDERT MICH mit eurer akademischen Verlogenheit SO AN!!!
Beim WDR gibt es das Programm „Grenzenlos“, das Migrant-/innen ermöglichen soll, für den WDR zu arbeiten. Das ist richtig so und wichtig, denn es sollen diejenigen Medien gestalten, die auch hier leben. Dieses Land Deutschland besteht nunmal nicht nur aus weißgesichtigen, blau- und grünäugigen Menschen. Jeder Sender, jedes Medium, erst recht die öffentlich-rechtlichen, sollen, MÜSSEN solch auch ein Programm für Berufseinsteiger meiner Altersgruppe, ab 30 bis in die 40er Lebensjahre hinein auflegen! Und keine Ausreden, von wegen, man habe kein Geld dafür! Wofür werden Rundfunkgebühren bezahlt? Und dann ist die Kamera oder das Aufnahmegerät, das man benutzt, eben mal 2 Jahre alt! Klar, nach dem Tonband sehne ich mich auch nicht zurück. Ich wäre froh, mir ein gebrauchtes leisten zu können, was auch wirklich was taugt!
Ich lasse nun auch mein bisheriges Leben passieren und mir fällt viel auf, was nicht geklappt hat, was grundsätzlich falsch läuft. Die ganzen miesen Täterinnen und Täter, die mich gemobbt haben und die feigen, dummen Lehrer-/innen, deren verdammte Aufgabe es gewesen wäre, diese Täter zu bestrafen! Wenn die Corona-Krise überhaupt irgendeinen Nutzen, eine gute Folge haben soll, dann die: endlich eine Gesetzgebung, die ohne jede Verjährung alle, wirklich alle Mobbing-Taten und Sexualstraftaten ahndet! doch dafür müsste erst die CDU verboten werden, diese Partei verhinderte regelmäßig gerechtere Gesetze für die Opfer jeder Gewalt. Ich hasse die Täter-/innen bist heute. Und es ist ein Skandal, dass Menschen, die andere nachhaltig so verletzen, nicht lebenslang im Gefängnis sitzen müssen. Und doch, man sieht diese Verletzungen, auch wenn sie nicht auf der Haut oder in den Organen zu sehen sind, Ihr Pfeifen! Kein Friede mit den Täter-/innen, niemals! Ohne Sühne, ohne Bestrafung kein Friede, keine Ruhe für die Opfer!
Zum Vergleich: Kaugummidiebe* und Schwarzfahrer* werden hart bestraft, während Mobber weiterhin ihre tödlichen Straftaten verüben. Nur wenn sich dann jemand umbringt, dann geht wieder das allgemeine Gejammer los. Hört mir doch auf mit der Heuchelei! Schafft Gesetze, die diese Hunde bestrafen!!!
In dieser Gesellschaft will ich NICHT alt werden. Dann lieber vorher sterben, als von einer meist weiblichen, schlecht bezahlten, wenig gebildeten und immer grantigen Altenpflegerin rumgeschoben, gewaschen und im schlimmsten Falle wie ein Kind gefüttert werden müssen. Von den ersten Verfallserscheinungen, die schon mit Mitte 30 auftreten können (schwere Beine morgens, weil die verdammten Venenklappen nicht mehr so funktionieren, wie sie sollten) ganz zu schweigen. Nein, lassen wir es. So wichtig sind wir Menschen nicht.
Woooow, jetzt geht wieder die Beratungs-/Selbstbewusstsein-Stärken und blabla-Maschinerie los. Nein danke, hatte ich schon. Hören Sie auf, von den Opfern zu fordern, dass sie sich beraten lassen sollen! Bestrafen sie die Täter-/innen, die haben das bitter nötig! Ganz gleich, wie lange diese Taten schon zurück liegen, sie müssen geahndet werden! Stellen Sie Forderungen an die Täter-/innen, nicht an die Opfer! Die haben schon genug gelitten!
„Da müssen wir jetzt durch.“ Nein, müssen wir nicht. Ich glaube nicht mehr daran, dass manches nach der Coronakrise besser wird, dass z. B. dieser Wahnsinn der forderung nach immer mehr Wachstum endlich aufhört, dass die Politik sich endlich auf eine lebenswerte Zukunft einrichtet und den Klimawandel wirklich aktiv bekämpft. Dass dieser Autowahn im deutschen Straßenverkehr, der so vielen Menschen, nicht nur Radfahrenden, täglich Kraft, zuviel Nerven, zuviel Zeit und das Leben kostet, aufhört. Dafür müsste man die CDU als zukunftsfeindliche Partei verbieten. Das wird aber kein BVG durchgehen lassen. Allen voran unser „toller Wirtschaftsminister, der von mir meistgehaßte Politiker, der auch schon über Fridays for Future schimpfte, als ob da ein paar Teenager für billigere Pullis statt für ihre Zukunft protestieren wollten, ist ein Hauptverantwortlicher für die zukunftsfeindliche Politik in diesem Land.
Vielleicht bekommen manche Menschen jetzt mehr Geld, weil man den Wert ihrer Arbeit als Pflegekraft, Rettungsassistentin, Verkäuferin etc. endlich erkennt. Vielleicht. Ich habe meine Zweifel daran.
„Da müssen wir jetzt durch.“ Nein, müssen wir nicht. Von dem ganzen Elend der möglichen Partnerschaft, dem ewigen, sinnlosen Bangen und Hoffen will ich gar nicht reden. Nur so viel: wer sich bald 20 Jahre nicht für eine Frau interessiert, der soll einfach nur noch das Maul halten und mit Freundschaft sich zufrieden geben. Nach einer schweren Enttäuschung, die mir fast das Leben gekostet hätte (wooow, ja ich weiß, jetzt wird es wieder kitschig und so ganz schlimm unwissenschaftlich für die Technik-Verliebten, tut mir nicht leid für Euch Unverständigen), der Beobachtung der Gesellschaft und den Büchern der Soziologin Eva Illouz („Liebe im Kapitalismus“) habe ich es aufgegeben, in diesem Leben wirklcih noch Liebe zu finden. Von all den armen Schluckern, Trotteln und auch Psychopathen, die meinten, mich emotional (nicht finanziell) ausnutzen zu können, gar nicht zu reden. Die in einer Frau nur ihr Dummchen, das si in ihrer Unselbständigkeit bekocht, ihre Hure und Sozialarbeiterin ist, weil sie selbst unwillens oder unfähig sind, sich slebst um die eigenen Probleme zu kümmern. Lasst es einfach. Lassen wir es einfach. die Corona-Krise gibt uns die Chance dazu, endlich mit der menschlichen Existenz Schluss zu machen. Und zwar alle. Noch einmal umziehen (das habe ich gerade gemacht), noch einmal zur Arbeit gehen, noch einmal Freunde anrufen, noch einmal Radfahren, Musik hören… und dann geordnet alles menschliche Tun und Leben beenden. Die Radiosender stellen nach und nach ihren Betrieb ein, das Programm von DLF Kultur, was ich ein- oder zweimal während der Coronakrise gehört hatte, war grauenhaft gewesen. Kein Wunder, ohne Theater- oder Konzertaufführungen gibt es auch ncihts zu berichten. Irgendwann sind auch die Streaming-Tips nur kalter Kaffee.
Diejenigen, die nicht technikgläubig sind, können sich dann über zoom oder andere Konferenzplattformen dann bis zum Ableben aus den Büchern von Eva Illouz vorlesen, oder aus Albert Camus`“Die Pest.“ Weitere Literatur: Margarete Stokowskis „Untenrum frei“ für alle, die immer noch nicht wahrhaben wollen, dass Sexismus verboten und bestraft gehört.
Wer diese Verweigerungshaltung gegenüber der angeblich bevorstehenden Zukunft nach der Coronakrise nicht nachvollziehen kann oder will, dem empfehle ich dringend „Bartleby the Scrivener“von Herman Melville. Auch das eignet sich zum gegenseitigen Vorlesen.
Und ganz wichtig: der Soundtrack zum Abgang der Menschheit. Nur um die Kunst ist es schade, wenn der Mensch nicht mehr ist. Denn die Tiere können weder Kunst erschaffen noch deren Wert und Inhalt begreifen. Die Playlistzum Abgang der Menschheit:
Oscar Petersons Version von „summertime“
erst recht wegen enttäuschter Liebe: „Back tu black“ von Amy Winehouse
Weil ich nicht mehr kämpfen mag und kann: „Kapitulation“ von Tocotronic
Und wer es lieber „klassisch“ mag: Richard Strauss „Tod und Verendung“ (die negative Version seiner Komposition „Tod und Verklärung“, denn es gibt hier nichts zu verklären) oder die Bach-Kantate „ich habe genug“
und kurz vor Schluss, da darf es ruhig auch noch mal rührselig werden: der „Abendsegen“ aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperndinck.
Wenn endlich Schluß ist mit allem menschlichen Leben, dann muss ich und alle anderen Opfer auch nicht mehr über die Mobber, über schlampige, verantwortungslose Vermieter, Idioten* im Straßenverkehr, über Psychopathen, die frei herumlaufen dürfen, ärgern. auch nicht über die widerlichen Trottel, die mich anmachen wollen und oftmals meine gerade andauernden schwachen Momente ausnutzen wollen (kein Mensch ist ständig 24 Stunden psychisch total stark und wehrhaft!) Keine Schmerzen mehr, auch nicht wegen Einsamkeit. Und vielleicht gibt es wie in Astrid Lindgrens „die Brüder Löwenherz“ eine zweite Welt, in der man die wenigen Menschen, die einen wirklich geliebt haben, die aber gewaltsam aus diesem Leben gerissen wurden und man wieder nur den Arschlöchern ausgesetzt war (Familie) wieder treffen kann. Von der christlichen Scheiße will ich gar nichts wissen, mit dem Müll musste ich aufwachsen. Ich wäre schon zufrieden, wie Demeter in den Hades hinabgehen zu dürfen, um Verstorbene treffen zu können und ihnen das sagen zu können, was im Leben nicht möglich gewesen war zu sagen.
Menschen sind nicht fähig, friedlich zusammen zu leben. Das zeigen die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten, das Sterben auf dem Mittelmeer, bei dem zu viele europäische Regierungen nur zusehen. Das zeigte nicht nur meine Familie jeden Tag deutlich, deshalb bin ich auch mit 19 Jahren ausgezogen. Die Corona-Krise hat alle sozialen Verwerfungen und Probleme wie häusliche Gewalt, Gewalt gegen Flüchtlinge und Einsamkeit noch verschärft. Ich habe Kulturgeschichte und Soziologie studiert und abgeschlossen, mich immer wieder selbst reflektiert, um diese Gesellschaft zu begreifen und besser zurecht zu kommen. Aber es geht nicht weiter jetzt. In einer Stadt und Gesellschaft ohne den Jazzcoub domicil, ohne Sportkurs oder Chor will ich nicht leben. Nicht ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Warum also weiter sinnlos dahin vegitieren? Ich habe keine Hoffnung mehr. Deshalb SCHLUSS JETZT. Mit der gesamten Menschheit. Ohne metaphysisch sein zu wollen: die Coronakrise könnte ein Zeichen dafür sein, genau das zu tun. Denn die Erde braucht keine Menschen.
Offener Brief an die Polizei
Gladbeck und an die Westdeutsche allgemeine Zeitung Gladbeck (WAZ)
Betrifft: Critical Mass in Gladbeck, Vorfall am
Freitag den 18. Oktober 2019
Sehr geehrte Medienvertreter-/innen, sehr Damen und
Herren der Gladbecker Polizei, sehr geehrte Autofahrerinnen und Autofahrer.
Am 18. Oktober 2019 war ich aufgrund eines
anderen Termins nicht bei der Critical Mass (kurz: CM) in Gladbeck mit dabei.
Als langjährige Mitfahrerin verschiedener Critical-Mass-Treffen sehe ich es
aber als geboten an, ein paar Hinweise zu den Aussagen der Gladbecker Polizei
zu geben. Ich betone, dass ich für keine der im Text genannten
Critical-Mass-Touren eine Organisatorin oder Veranstalterin bin. Ich bin nur
eine der vielen Teilnehmerinnen und ADFC-Mitglied. Der ADFC ist ebenfalls nicht
der Organisator von einer CM, Mitglieder des ADFC sind eben bei den
Stadtrundfahrten der CM dabei.
Ich glaube, dass in dieser Sache einiges schiefläuft, was
man an den Aussagen der Polizei Gladbeck ablesen kann. Die Auswahl des
Verkehrsmittels bestimmt das Denken und somit auch die Aussagen einer Person. Warum
wollten Sie am 18. Oktober alle Fahrräder konfiszieren? Warum sollen nicht
einmal im Monat eine Gruppe Radfahrende durch die Stadt Gladbeck fahren?
(Bekanntgabe der Ereignisse durch verschiedene Teilnehmer auf der Facebook-Seite
der CM Gladbeck).
Die Tatsache, dass –
scheinbar plötzlich – viele Radlerinnen und Radler auf einmal auftauchen und
durch die Stadt fahren? Wenn Sie über eine größere Menge Radfahrerinnen und Radfahrer
überrascht sind, warum sind Sie es nicht jeden Tag, wenn Massen von
motorisierten Fahrzeugen, meist PKW, unsere Straßen verstopfen? Es mutet schon
eigenartig an, dass niemand gegen diese Blechlawinen z. B. auf dem Innenstadtring
von Dortmund, dem „Wall“ oder in Essen auf der Gladbecker Straße protestiert,
aber wegen einer im Monat einmaligen größeren Menge an Radfahrer-/innen gleich
eine Verkehrsbehinderung sieht, die sofort beseitigt werden müsse.
Fahrräder sind
Fahrzeuge, die auf der Straße fahren dürfen (§63a STVZO), solange es keine
benutzungspflichtigen Radwege (blaue Schilder mit Fahrradsymbol) gibt. (Dass diese
oft nicht benutzbar sind, weil sie zugeparkt oder verdreckt sind, ist bei einem
„Verband“ wie der CM nicht von Bedeutung, sehr wohl aber im Alltagsverkehr, der
auch Radverkehr ist). Einzige Ausnahme der Verweigerung, Fahrradfahrer-/innen
auf die Straße zu lassen, könnte fehlendes Licht sein (§ 67 STVZO).
Sehr geehrte Damen
und Herren von der Gladbecker Polizei. Ich habe den Eindruck, dass Sie fast
ausschließlich wie Autofahrer-/innen denken und somit die Sicht eines
Autofahrers auf den Stadtverkehr haben.
Dass es Ihnen ungewöhnlich, – vielleicht sogar bedrohlich,
weil nicht beherrschbar – erscheint, wenn viele Radfahrer-/innen als große
Gruppe unterwegs sind liegt schlicht und einfach daran, dass Sie diese
Situation nicht oder kaum kennen. Deutschland ist leider unvernünftiger Weise
immer noch ein Autofahrerland. Jeder Mensch, der/die etwas Ungewöhnliches,
unbekanntes sieht, reagiert zuerst meist abweisend oder unsicher. Das ist an
sich normal. Doch dabei darf man nicht stehen bleiben. Der Autoverkehr hat in Deutschland immer
noch einen großen Anteil, weshalb Sie wohl gewohnt darin sind,
hauptsächlich diesen zu regulieren, vermute ich.
Fakt ist: in vielen Städten hat der Autoverkehr
immer noch Vorrang, was zu Konflikten mit Radfahrer-/innen führt. Bei
Stadtratsbeschlüssen wird viel mehr auf die Belange des Autoverkehrs Rücksicht
genommen, die Radfahrerlobby hat meist nur wenig Stimmgewicht. Was nicht heißen
soll, dass es das Engagement von z. B. VeloCityRuhr, dem ADFC oder der
Initiative „I bike Nbg.“ nicht zu würdigen sei. Das zeigt sich schon allein
daran, wieviel Platz dem motorisierten Verkehr zugestanden wird: mehrere Spuren
für eine Richtung, während Radfahrende sich den wenigen Platz auf dem
Bürgersteig teilen sollen.
Der Klimawandel ist unübersehbar und spürbar. Und dann
wollen viele immer noch auf das Auto als innerstädtisches Verkehrsmittel
setzen??
Als langjährige Mitfahrerin der Critical Mass in Nürnberg,
Erfurt, Dortmund, Wuppertal und Bochum, Bottrop und Duisburg denke ich, dass es vergangenen Freitag den
18. Oktober 2019 bei der CM Gladbeck zu einigen Missverständnissen gekommen
ist.
1.) Straßenverkehrsordnung:
Es ist erlaubt, auch als Radfahrerinnen und Radfahrer im
Verband zu fahren (§ 27 1 StVO). Die Critical Mass bietet für manche Menschen
auch die Gelegenheit, in friedlicher Atmosphäre Gleichgesinnte zu treffen,
miteinander zu plaudern (vor allem vor und nach der Fahrt) und eine schöne Zeit
zu erleben. Und das für umsonst. Nicht jede(r) hat das Geld, immer in eine
Kneipe oder Lokal zu gehen, um Freunde zu treffen. Eine friedliche
Versammlung von Menschen – mehr kann man sich als Ordnungshüterin, als Polizei
doch nicht wünschen, oder? Wenn sich spontan ein Autokorso nach einem
Fußballsieg bildet, ärgern Sie sich doch auch nicht und wollen diesen auflösen…
zumindest konnte ich das noch nie beobachten.
2.) Entgegen Ihrer Befürchtung, es würde durch die vielen
Radfahrer-/innen bei der CM zu Unfällen kommen, sind bei jeder CM Regeln zu
beachten, die auch auf den Facebook-Seiten einer jeden Ankündigung deutlich
genannt sind. Gegenseitige Rücksichtnahme, flüssiges Fahren und nicht quer
in die Gruppe fahren, funktionierendes Licht, freundlicher Umgangston sind nur
ein paar wichtige Regeln, an die sich jede(r) zu halten hat. Die CM Berlin hat
dies auf http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/
gut zusammengefasst. Diese Regeln gelten für alle CMs auf
der Welt.
Wer Regeln nicht befolgt, wird meist sofort
von anderen Mitfahrenden gerügt, ggf. sogar ausgeschlossen. Dies alles
schließt eine besondere Rücksichtnahme für Kinder ein. Es ist deshalb nicht
unverantwortlich, seine Kinder mit zur CM zu nehmen. Bei der CM in Dortmund
konnte ich außerdem beobachten, dass die CM Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht
sofort Platz machte, damit sie zu ihrem Einsatz (der nicht die CM betraf)
fahren konnten. Das Martinshorn ist schließlich nicht zu überhören: diejenigen,
die es zuerst hören, informieren durch lautes Rufen sofort die anderen
Teilnehmer-/innen, so dass alle Radfahrer/-innen hintereinanderfahren und eine
lange Reihe bilden, an der jedes Einsatzfahrzeug schnell vorbeifahren kann.
Idioten gibt es überall und immer, nirgends gibt es keine
‚perfekt‘ funktionierende Gruppe. Weder bei Radfahrenden, noch bei
Brillenträgern, bei Sportler-/innen oder auch Musiker-/innen etc. Bei der CM
Wuppertal fuhr mir auch mal ein Radler quer durchs Feld vor mein Rad, ohne dass
dafür ein Grund gegeben hätte. Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt – da war
er plötzlich ganz still. Wer z. B. Bei der Critical Mass Nürnberg kein Licht
hat, darf gar nicht mitfahren.
Jeden Tag stauen sich Massen von Autos, die auch noch die
Luft verschmutzen und stinken, auf den Straßen einer Stadt.Und
wenn einmal im Monat eine Masse von Radlerinnen und Radlern durch die Stadt
fährt, zeigen Sie sich entsetzt?
Warum sind Sie nicht entsetzt, wenn jeden Tag Massen von
Autos durch die Stadt rollen oder besser – meist nur rumstehen, weil es
aufgrund des Staus minutenlang (und länger) nicht weitergeht?
Die CM Dortmund in der Fußgängerzone, wo ab 20 Uhr Radfahren erlaubt ist. Und so gut sichtbar! Foto: A. Steger
3.) Hauptgrund für Unfälle mit Radfahrern:
fehlende Infrastruktur und Autofahrer-Denken
Ich bin mir sicher, dass die Mehrzahl der
CM-Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau wie Sie als Polizei an einem
störungsfreien Straßenverkehr interessiert sind. Das heißt: jede/r
Radfahrer-/in möchte sicher unterwegs sein in der Stadt. Sicher als
Radfahrer-/in unterwegs sein ist nur möglich, wenn es eine gute
Radinfrastruktur gibt.
Ja, Sie haben richtig gelesen: eine INFRASTRUKTUR FÜR
RADFAHRERinnen. Damit sind nicht nur Radwege gemeint (Nur ein paar Tips für
eine gute Gestaltung: http://www.adfc.de/verkehr–recht/radverkehr-gestalten/uebersicht-radverkehr-gestalten)
. Seltsam, dass bei Stadtratsberatungen und -beschlüssen so gut wie immer an
die Bedürfnisse des Autoverkehrs gedacht wird. Der Radfahrer stört im
Stadtverkehr dann nur – klar! Weil er nicht bei der Planung berücksichtigt
wurde, muss er eben auf der Straße fahren, über Fußgängerüberwege fahren,
gefährliche Kreuzungen nehmen, dem Autofahrer scheinbar „im Weg sein“,
unfreiwillig im „Toten Winkel“ stehen, will er oder sie seinen gewünschten Weg
zur Arbeit u.a. zurücklegen. Zum „Toten Winkel“, den es eigentlich nicht mehr
geben müsste, finden Sie am Ende des Briefs ebenfalls noch Informationen.
Dass die Autofahrer-/innen sich durch die CM
gestört fühlen, ist dabei völlig klar und auch beabsichtigt: einmal im Monat
er-fahren Autofahrer-/innen wie es ist, ausgebremst und blockiert zu werden.So wie es Radfahrer-/innen jeden Tag im Stadtverkehr geht. Ich habe bei
Mitfahrten in verschiedenen Städten beobachtet, dass Radfahrer-/innen, die den
zügigen Fluss von Radfahrern an Kreuzungen sichern, indem sie sich vor die
Autos stellen („corken“), dass sie das höfliche Gespräch mit Autofahrern
suchten. Anfauchen oder Anschreien von Autofahrern widerspricht den Regeln
einer jeden CM.
Sicherer Radverkehr braucht eine radfahrfreundliche
Infrastruktur, die u. a. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub = ADFC immer
wieder fordert und darüber informiert. Außerdem braucht es bei der Polizei
und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Umdenken,dass Radfahren nicht
nur etwas für den Sonntagsausflug ist. Das Fahrrad ist ein gleichberechtigtes
Verkehrsmittel zum Auto, mit dem man zur Arbeit fährt, zum Einkaufen, zu
Freizeitaktivitäten – eben was viele auch mit dem Auto machen. Erst wenn man
nicht nur wie ein Autofahrer denkt, sondern auch mal vom Fahrrad aus durch die
Stadt fährt, versteht man die Bedürfnisse der Radfahrer. Auto als Statussymbol? – das war einmal, das
kenne ich noch von meinem Vater; der war Jahrgang 1942. Nur in den 1950er
Jahren galt jemand arm, der Rad fuhr. Mit dem Angebot an guten (und auch
hochpreisigen, qualitativ sehr guten Rädern) sollte dieses Denken im Jahr 2019
eigentlich endlich Schluss sein. Erst recht in einer Zeit, in der Umdenken sehr
nottut, weil der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen bedroht. Sie möchten auch
nicht, dass Ihre Enkel oder die Kinder Ihrer Enkel im Bunker aufwachsen müssen.
Wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist und das Denken
nicht auf das Auto mehr beschränkt ist, fühlen sich alle
Verkehrsteilnehmer-/innen sicher – und es gibt weniger Unfälle.
Tip: fragen Sie doch mal bei der Polizei in den
Niederlanden (so weit ist das von NRW aus ja nicht) oder Kopenhagen nach. Die muss
jeden Tag mit einer Masse von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern
fertig werden. Konflikte, Ärger und Unfälle nicht ausgeschlossen. Sind eben
alles Menschen, die auf den Sätteln sitzen. Aber es funktioniert – weil die
Niederländer-/innen und Dän-/innen rechtzeitig, also schon vor Jahren mit dem
Umdenken angefangen haben. In den Niederlanden waren es zu viele tote Kinder im
Straßenverkehr, die zu massiven Protesten der Bevölkerung gegen die Stärke und
empfundene Übermacht des motorisierten Verkehrs zu einem Umdenken geführt
haben.
In beiden Ländern, den Niederlanden und Dänemark gilt: Nicht
komplett gegen das Auto – aber mit dem Fahrrad als völlig gleichberechtigtes
Verkehrsmittel im Stadtverkehr. Deutsche
Autofahrer-/innen müssen lernen, mit Radfahrenden zu rechnen: sei es, wenn
sie abbiegen wollen, die Autotür öffnen, die Spur wechseln etc. Nur so kann ein
gutes Miteinander gelingen: durch Anerkennung des Radverkehrs, nicht durch das
Tragen von Warnwesten und Helmen. Beide Maßnahmen können die/den einzelnen mehr
Sicherheitsgefühl geben – aber Sicherheit bieten sie nachweislich nicht – das
geschieht nur durch Anerkennung von Radfahrenden als gleichberechtigte
Verkehrsteilnehmer-/innen.
Auf weiterhin friedliche und fröhliche CMs freut sich
Es ist voll im Foyer des Dortmunder Rathauses an diesem Dienstag abend (25. Juni 2019). In der Mitte sind Stühle aufgestellt, rundherum gibt es Schautafeln und Tische zu verschiedenen Themen wie z. B. „Öffentlicher Raum“, „Fußverkehr und Barrierefreiheit“ , „Radverkehr“ u.a. Die Stadt Dortmund veranstaltet wieder eine sogenannte „Dialogveranstaltung“, bei der Bürger-/innen ihre Vorschläge, Kritik, Anregungen oder Lob für die Verkehrsinfrastrukturin Dortmund äußern können. Und davon gab es sehr viel, vor allem viel Kritik. Die Stadtverwaltung will jedoch nicht nur Kritik entgegennehmen, sie will auch über den Stand der Planungen des „Masterplans 2030“ informieren. Die Zielkonzepte dieses Plans sind hier erläutert.
Anne Berndt und ihr Kollege von der Stadtverwaltung erklären am Stand „Öffentlicher Raum“ die einzelnen Felder, die mit Fotos und Texten auf dem Tisch angeordnet sind. Wo fühlt man sich unsicher, weil die Straße so eng ist, dass man als Radfahrerin knapp überholt wird? Wo fehlt ein barrierefreier Zugang zur Haltestelle für Menschen mit Rollatoren? Solche Fragen bringen die Teilnehmer-/innen am Tisch auch in Rage: Radfahrer seien doch so rücksichtslos gegenüber Behinderten, würden sich nicht an Verkehrsregeln halten. Anne Berndt weist die beiden Streithähne darauf hin, dass hier jetzt kein Platz für deren Konflikt sei – es gehe um allgemeine Kritik oder Lob und Anregungen für den Masterplan Mobilität 2030. Auf der Schautafel hinter dem Tisch mit Fotos und Texten von Plätzen und Straßen von Dortmund (und zum Vergleich aus anderen Städten) ist ein Stadtplan zu sehen. Rote Klebepunkte für Gefahrenstellen, grüne Punkte für Orte, an denen man sich gerne aufhält, können an diesem Stadtplan vergeben werden. Am Ende sieht man: Rot überwiegt. Auch die Stadt Dortmund wurde nicht für Fußgänger-/innen und somit für Menschen gebaut, sondern für Autos. Es gibt kaum einen Platz, der nicht wirklich autofrei ist, so dass Kinder gefahrlos laufen und spielen könnten. Selbst vor einem Park gibt es Stellplätze für Autos, denn der Park muss mit dem Auto angefahren werden, um darin spazieren zu gehen, zu grillen oder zu spielen. Absurd. Am zu weiten Anfahrtsweg kann es aber nicht liegen, dass die Nutzung von genau dem Verkehrsmittel, das am meisten Dreck macht, unabdingbar erscheint.
Der Borsigplatz, Einmündung Brackeler Straße. Als Radfahrerin hat man wegen der kurzen Ampelschaltung nicht viel Zeit, um queren zu können. Foto: eigene Aufnahme.
Beispiel Borsigplatz. In der Mitte befindet sich eine Grünfläche, die mit Bäumen umrandet ist. die Grünfläche kann aber, außer bei Festveranstaltungen, nicht betreten werden. Die Straßenbahn durchquert den Platz, um die Grünfläche brüllt tags und nachts der Verkehr. Zwei Fahrspuren hat der motorisierte Verkehr, für den Radverkehr bleibt eine kümmerliche Spur von nicht mal 1,50 m Breite und einer unzuverlässigen Fahrradampel. Oft genug wird man als Radfahrende abgedrängt, oft genug auch aus dem Auto heraus beschimpft und bedroht. Obwohl Fahrräder längst keine Billigware mehr sind, werden Menschen mit diesem Fahrzeug als „arm“ und ihr Gefährt als „minderwertig“ betrachtet. Ein Trugschluß. In vielen gesellschaftlichen Schichten dieses Landes ist immer noch die Überzeugung verbreitet „wenn du ein Auto hast, dann hast du es geschafft.“ Traurig, dass diese Denke, die schon mein Vater, ein Nachkriegskind, hatte, immer noch nicht passé ist. Schlechte Luft durch zuviele Autos und ihre Abgase, Blechkisten, die öffentlichen Raum besetzen, als ob es ihr Privatbesitz wäre – und das im kinderreichsten Stadtteil Dortmunds. Wie wäre es, die Parkplätze am Borsigplatz und in den Nebenstraßen (fast) komplett zu streichen und Platz für Sitzbänke, Sandkästen und andere Spielflächen zu schaffen? Würde das den sonst ach so geachteten Kindern nicht gut tun? Wollen nicht die meisten Eltern nur das Beste für ihre Kinder? Offensichtlich nicht, wenn man sich die täglichen Massen an Blechkisten ansieht, die nicht nur durch Dortmund rollen und die meiste Zeit nur herumstehen.
Der Borsigplatz, Durchfahrtstrecke der Straßenbahn von der Oestermärsch aus. Rund um den Platz gibt es schon ein paar Sitzbänke, auf denen nicht nur Saufkumpanen sitzen – dennoch besitzen Autos mehr vom Borsigplatz als Menschen. Foto: A. St.
Auch für den Fußverkehr ist am Borsigplatz nicht wirklich Platz. Der Fußweg um den Borsigplatz herum ist vergleichsweise eng, oft verschmutzt und die Querung der Zufahrtsstraßen nicht immer mit Ampeln abgesichert. Falls es, wie an der Brackeler Straße (Bild weiter oben) eine Lichtsignalanlage gibt, muss man als Radfahrer* oder Fußgänger* erst ‚betteln‘, damit am sicher bei Grün die Brackeler Straße queren kann. Hier sind die Prioritäten klar verteilt, seit über 30 Jahren und das bei fortschreitendem Klimawandel. Eigentlich weiß das doch jede-/r, sollte man denken, dass dies nicht sinnvoll für eine gute Zukunft ist. Aber auf seine eigenen Gewohnheiten, die eigene Bequemlichkeit, die man von seinem/ihrem „Personenkraftwagen“ hat, verzichten? Niemals!
Bei der Dialogveranstaltung wurden viele tolle Vorschläge gezeigt, was auch in anderen Städten möglich gemacht wurde: Parkplätze wurden gestrichen, das Zufahrtsrecht für den Autoverkehr aufgehoben. Es sind Plätze entstanden, wo sich die Anwohner-/innen begegnen können, weil dort nun Parkbänke zum Verweilen einladen und man dort mit Rad, Roller u.ä. fahren kann, Kinder haben Platz zum spielen. Was so schön aussieht, wurde oft hart erkämpft, denn: der öffentliche Raum ist rar und man muss dem motorisierten Verkehr Platz wegnehmen, um Platz für Menschen statt Autos zu schaffen. All die schönen Pläne der Stadtplanung nützen leider wenig bis nichts, wenn die Politik sie nicht umsetzt, weil sie kleinlaut Angst hat, Wählerstimmen, die leider oft Autofahrerstimmen sind, zu verlieren.
„Die Verkehrswende kommt, weil der Klimawandelt nicht geht“
davon ist Wolfgang Aichinger von der Agora Verkehrswende, einer gemeinnützigen GmbH, die zur Stiftung Mercator gehört, überzeugt. Bei der Dialogveranstaltung zum „Masterplan Mobilität 2030“ ist er als Redner und Impulsgeber geladen. Einige Zuhörer-/innen sehen sich in seinen Worten bestätigt, sie brauchen fast keinen Impulsgeber mehr. Er beklagt, dass sich seit 1990 nichts getan habe, um 40% Emissionen einzusparen, wie es die Bundesregierung geplant hatte.
Bei der Verkehrswende geht es nicht darum, Menschen mit Auto zu diskreditieren. „Verkehrswende“ meint, dass sich radikal und umfassend unser Mobilitätsverhalten ändern muss. Wenn Parkplätze wegfallen, müssen andere Möglichkeiten der Mobilität geschaffen werden. Aichinger dazu: „Die Verkehrswende gelingt mit der Mobilitäts- und Energiewende.“ Er nennt ein paar Bereiche, die besser verbunden oder/und ausgebaut werden müssten: im öffentlichen (Nah-)verkehr das Umland mit der Stadt, eine Neugestaltung des öffentlichen Raums in der Stadt (s. Beispiel Borsigplatz). Die aktuelle Instrastruktur vermittele eine Ungleichheit. Wie wahr. Fazit: „Es wurde zu wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.“ Das sei auch bei den Preisen so: In München sind die Parkgebühren seit 2004 gleich geblieben, dagegen steigt der Preis für eine Fahrkarte im Nahverkehr um 40-60%. Absurd.
„Technik allein hilft nicht“
Aber nein, das Auto braucht nicht komplett verschwinden, das Elektroauto sei die Lösung, so wird oft arguementiert, auch von offizieller Seite des Bundesverkehrsministeriums. „Förderung Elektromobilität“ ist ein Thema, um den Klimawandel anzugehen. Schön, wenn es nicht mehr stinkt, wenn man als Radfahrer* oder Fußgänger* unterwegs ist in der Stadt. Aber huch, warum ist es immer noch so eng? Weil auch ein E-Auto Platz braucht, genauso viel wie ein Diesel oder Benziner. Laut dem Verkehrsforscher Wolfgang Aichinger werden 20 bis 30% der Fläche für den „ruhenden Verkehr“, also parkenden Fahrzeugen, verbraucht. 97% der Zeit ist Stehzeit, in der das Auto gar nicht gebraucht und gefahren wird. 90% sind parkende Autos, gerechnet von der gesamten Flotte.
„Niemandem Mobilität verwehren, aber beim ruhenden Verkehr gibt es Ineffizienz im öffentlichen Raum“
Ein nachhaltiger Stadtverkehr ist nicht nur Klimaschutz: die Luftqualität und die Verkehrssicherheit wird verbessert, weil weniger Fahrzeuge mit Emissionen unterwegs sind. Das bedeutet auch: weniger Lärm, Gesundheitsförderung, Quartiersbelebung und – welch Erstaunen bei manchen Einzelhändlern: Wirtschaftsbelebung. Denn wer zu Rad oder Fuß unterwegs ist, sieht wirklich, was in den Schaufenstern ist und kauft ein. Wieso viele Einzelhändler* wie in Essen-Rüttenscheid immer noch glauben, dass mit einem Verbot des motorisierten Individualverkehrs auf der „Rü“ ihr Geschäft und das Leben im Stadtteil zugrunde gehe, bleibt ein Rätsel.
Hier soll sich Rad- und Fußverkehr den Platz teilen. Geht nur nicht gut, weil aus der Fußgänger-Einkaufszone meist viele Leute auf diese Strecke strömen. Foto: A. St.Fast übersehen: das „Umleitungsschild“, mit dem Radfahrer* auf den Bürgersteig entlang des Königwalls geschickt werden. Sehr unklug. Foto: A.St.
Ein Blick zu den Nachbarn im Süden zeigt genau diesen Effekt. Wolfgang Aichinger nennt als Beispiel die Stadt Wien. Weil die Parkplätze reduziert worden waren, war diese Straße als Druchgangsstraße für Autofahrer* unattraktiv geworden. Den Hauseigentümern* ist das so wichtig, dass sie diese Maßnahme finanziert hätten, die Stadtverwaltung musste nur die Planung übernehmen. Die Folge: es gab mehr Einkäufe in den Ladengeschäften. Kein Bürgerkrieg, kein Konkurs. Welch Wunder, das auch in Essen und Dortmund, z. B. in der Kaiserstraße möglich wäre. Mit dem Rad dort einkaufen zu wollen, ist immer noch eine Schlingerfahrt zwischen parkenden Blechkisten, um irgendwo zu parken. Fahrradparkplätze? Fehlanzeige. Nur vor dem kleinen Supermarkt gibt es Abstellbügel. Die Firma mit den vier roten Buchstaben tut was für ihr „grünes, nachhaltiges“ Image, das sie in der Werbung proklamiert.
Die Kaiserstraße in Dortmund. Zwar für Radfahrer* befahrbar, aber wo man hier von der Straße zu den Geschäften kommen soll und wo man sein Rad abstellen soll… ob das der Geist des Oberbürgermeisters oder Tiefbauamtleiters weiß? Foto: A. St.
Auch Stadtplaner Aichinger weiß, dass Händler* immer noch glauben, dass der KfZ-Verkehr wichtiger als der Rad- und Fußverkehr sei. Dabei leide aber die Nachbarschaft, wenn viel motorisierter Verkehr rolle und keine Kreuzung sicher für den nicht-motorisierten Verkehr zu queren sei. Der öffentliche Raum habe nicht nur als Begegnungsort eine wichtige Rolle, sondern diene auch als Ausgleich für Mieter*, die nur eine kleine Wohnung haben. In Krefeld gebe es ein Beispiel: Spielplatz vor Straße. In Wien wirkt ein Straßenumbau der Aufhitzung von Gebäuden im Sommer entgegen, indem die Straße zur „kühlen Meile“ wird: https://derstandard.at/2000101313349/Die-Wiener-Zieglergasse-wird-zur-kuehlen-Meile
Der Kampf um den öffentlichen Raum ist natürlich nicht neu. Parken von motorisierten Fahrzeugen ist und war meistens umsonst, wer dafür zahlen soll, ist oft verärgert oder gar wütend. Für Aichinger haben auch Falschparker Werte vergessen, die es wieder durchzusetzen gilt. Diesen Autobesitzern* ist oft genug nicht bewußt, was sie mit ihrem Fehltritt anrichten. „Einfach vorbei gehen“ oder mit dem Rad vorbei fahren birgt oft große Gefahr, vom fließenden Verkehr erfasst und verletzt zu werden. Und ein Kinderwagen oder Rollator kann leider nicht hochkant vorbei geschoben werden, weil parkende Autos nur nur 1 m Gehwegbreite lassen . Parken im öffentlichen Raum ist Privatisierung des öffentlichen Raums – und das muss laut dem Verkehrsforscher der Agora Verkehrswende, Wolfgang Aichinger, gestoppt werden.
Was tut die Stadt Dortmund?
Man kann nicht behaupten, die Stadt Dortmund würde gar nichts für den Rad- und Fußverkehr tun. Es gibt zumindest einen Fahrradbeauftragten der Stadt. Der Oberbürgermeister fährt meist mit dem Rad zur Arbeit, es gibt ein paar wenige passable, wenn auch nicht gute Radwege. Der Kirchentag wurde als so positiv für den Rad- und Fußverkehr hervorgehoben. Tatsächlich war die Innenstadt für die Zeit vom 19.6. bis zum 23.6.19 weitgehend autofrei, auch manche Kreuzung am Innenstadtring, dem „Wall“ war gesperrt. Aber das war eine temporäre Maßnahme, die bis auf ein paar maulende Autofahrer* niemand verärgert hat. Wenn es eine dauerhafte Maßnahme wäre, dann wäre das Geschrei groß, mancher sähe sogar den Untergang Dortmunds in nicht-sportlicher Sicht voraus.
Es ist positiv, dass es solche Dialogveranstaltungen überhaupt gibt, dass die Bürger-/innen gehört werden. Positiv ist auch, dass das „Machen“ für alle Akteure, dem Tiefbauamt, der Planersocietät und der Stadtverwaltung im Vordergrund steht. An Ideen und Plänen mangelt es auch nicht, wie die vielen Schautafeln und Bilder von anderen Städten oder kleinen, erfolgten Maßnahmen in Dortmund zeigen. Anne Berndt von der Stadtverwaltung, die am Stand „Öffentlicher Raum“ mit den Besuchern* spricht, sagt: „Das muss dann die Politik machen.“ Ein Stadtratsbeschluss muss her – und das dauert. Am besten man packt den Oberbürgermeister und die Stadträtinnen und Stadträte alle auf mehrere Lastenräder – und dann ab nach Kopenhagen. Dort können sie sich ansehen, wie gute, menschenfreundliche Stadtplanung geht. Übrigens: die Dänen haben mit dieser Planung gerade dann angefangen, als die Stadt pleite war, der Ausbau für den Autoverkehr zu teuer gewesen war. Das war vor 20 oder 30 Jahren so. Hier in Deutschland wurde schon seit 30 und mehr Jahren nichts, bzw. sehr wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.
Michael Frehn von der Planersocietät, die mit der Stadtverwaltung den „Masterplan Mobilität 2030“ erarbeitet, erläutert den aktuellen Stand der Verkehrsinfrastruktur in Dortmund. beim Radverkehr hätte es in den letzten Jahren eine Steigerung gegeben. In Hamburg seit der Anteil von 9% im Jahr 2002 auf 15% im Jahr 2017 gestiegen. 2013 waren es in Dortmund mickrige 6%, was am großen Unsicherheitsgefühl vieler Radfahrenden liege. Eine Unsicherheit, die täglich mitfährt. Wenn man auf einer ohnehin engen Straße wie der Oestermärsch fährt, die noch dazu Straßenbahnschienen führt, braucht man Mut – das sollte man für´s Radfahren eigentlich nicht brauchen müssen, sondern nur für’s Bergsteigen oder Höhlenklettern!
Zugeparkt, eng und noch voll von vier Schienen: die Straße Oestermärsch in Dortmund.
Oder auch die seit Monaten nicht existente Radverkehrsführung an der Baustelle Dortmunder U/Königswall. Man überlebt als Radfahrerin eigentlich nur, wenn man sich an der roten Ampel vor die Autos stellt, weil man dann von allen anderen gesehen und wahrgenommen wird. Der von der Straße getrennte, sonst benutzungspflichtig Radweg ist von der Baustelle besetzt. Am Eck Schmiedingstraße/ Königswall war ein Haus abgerissen worden – das ist also folglich keine 1-Tages-Baustelle.
Königswall/Kreuzung Schmiedingstraße von einer Verkehrsinsel aus.Wo die Baumreihe an der Kurve beginnt, beginnt auch die Gefahrenzone für Radfahrer*, weil die Baustelle keine Wegeführung für diese hat. Foto: A. St.
Laut Fehn habe es bei den Verkehrsunfällen eine Stagnation gegeben, sie läge bei 10 Toten pro Jahr, 40% seien davon Radfahrende und Fußgänger*. Schwierig dabei ist, dass zwischen den beiden Gruppen nicht differenziert wird, zumindest bei seinem Vortrag nicht. Schwerverletzte gäbe es 290 pro Jahr. Auch die Schulwegsicherheit spiele eine Rolle. Dass dabei aber endlich konkrete Maßnahmen gegen Elterntaxis und für eine andere Mobilität der Kinder ergriffen werden, erwähnte der Verkehrsplaner leider nicht. Und bitte bei den „präventiven Maßnahmen“ auf Helmkampagnen und Wahnwesten-Aktionen verzichten, denn: die machen die Straßen nicht sicherer, weil immer noch sichere, breite Wege, am besten getrennt von dem Autoverkehr, nur für Radfahrende und Fußgänger fehlen! Nur wenn man den Autos mindestens eine Spur streicht, wird der Schulweg sicherer! Und auch der Weg für alle anderen nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer!
Verkehrsplaner Michael Fehn gestand zu Ende seines Vortrags ein, dass der stehende PKW-Verkehr wachse, was auch an der Fehlsteuerung der Stadtverwaltung gelegen habe: Die Straße ist ein billiger Parkraum, billiger als das Parkhaus. Deshalb wolle man das Bewohnerparken ausweiten. Aber mal ehrlich: ist das als so schön und sicher benannte Kreuzviertel mit seinen Jugendstilvillen und -häusern wirklich schön, wenn bald jede Straße immer so zugeparkt ist?
Sonnenstraße im Kreuzviertel, auch immer gut zugeparkt. Die Einbahnstraße ist für Radfahrende in der Gegenrichtung frei gegeben. Aber dennoch: zu eng für Radfahrende. Foto: A. St.
Fazit: Liebe Stadtverwaltung, denken Sie doch mal darüber nach, ob man noch mal und noch mal ein Fahrzeug zulassen muss. Warum funktioniert das Carsharing so schlecht? Warum muss jede-/r, nicht nur im Kreuzviertel ein eigenes Auto besitzen? Sind die alle fußkrank? Wohl kaum! Auch wenn es hier und da schöne Ecken im Kreuzviertel gibt: das Radfahren und laufen macht dort genauso wenig Spaß wie in der Nordstadt, am Borsigplatz. Weil es zuviele Autos gibt. Viel zu viele. Sagt auch ein Fachmann hier.
Im Jahr 2019 wird das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 70 Jahre alt. Sicher ein Grund zum Feiern, dennoch ist immer Aufmerksamkeit geboten: zuviele Kräfte gibt es, die die Grundrechte einschränken oder gar abschaffen wollen. Das Grundrecht auf Asyl wurde in den 1990er Jahren abgeschafft. Die Gleichberechtigung von allen Geschlechtern ist immer noch nicht hergestellt, auch dank alter weißer Männer, die vorzugsweise in der cdu sitzen. Die verfassungsfeindlichen Kräfte behaupten auch gern, dass sie selbst in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt werden. Allerdings ist es keine Meinung, wenn man gegen Gruppen von Menschen hetzt, diese beschimpft und beleidigt, obwohl sie ihnen so gar nichts an Schaden zugefügt haben. Hass auf MigrantInnen, auf Juden, auf Homosexuelle und alle, die anders sind als die heterosexuelle weiße Masse (auf Deutschland bezogen) ist deshalb einfach nur absurd und sinnlos. Leider gibt es immer wieder Leute denen man erklären muss, dass kein einziger Ausländer/keine Ausländerin einem Deutschen den Arbeitsplatz wegnimmt oder „zuviel Geld verdient.“
Beim Artikel 5 des Grundgesetzes fehlt etwas. Zwar gibt es das Recht auf Meinungsäußerung in Bild, Ton und Schrift, aber nicht das Recht, auch gehört zu werden. Denn was nützt das Schreiben, das Zeichnen und Rufen oder Schreien, wenn niemand zuhört? Mitmenschen, die nicht gehört werden und zu kurz kommen, können auch schon mal kräftig nerven. Meine Gedanken zu diesem Artikel 5.x GG habe ich der Aktion vom Deutschlandfunk „Mein Grundgesetz“ auf den Anrufbeantworter gesprochen.
Da mein Statement zu Artikel 5.x GG nicht gesendet wurde, veröffentliche ich den Text hier auf meinem Blog. WAS FEHLT: das Recht GEHÖRT ZU WERDEN.
Wo geht´s in Zukunft hin, Grundgesetz?
Im Artikel 5 Grundgesetz fehlt etwas: das Recht, gehört zu
werden. Es gibt zu viele Menschen, denen niemand zuhört. Die müssen nicht
obdachlos sein, es können Menschen ohne Verwandtschaft sein oder mit verschiedenen
Problemen. Alle sind sie einsam. Das sind Menschen mit z.B. Alkoholsucht oder
mit leichten Behinderungen wie der Verhaltensstörung Asperger. Oder
U-Bahnfahrgäste, die ungefragt mir ihr Leid erzählen. Oftmals hören sie gar
nicht mehr auf damit. Ich frage mich dann: was soll ich damit? Warum halten die
eine fremde Frau für ihre Ehefrau, Freundin oder gar für ihre Mutter?
Einerseits sind es
arme Menschen, aber sie nerven auch gewaltig. Manche werden auch übergriffig
oder weinen beim Friseur, weil es niemanden gibt, die oder der sie in den Arm
nimmt. Hier müsste es dringend staatliche Institutionen abseits der Kirche
geben, die solchen Menschen Gehör gibt – für das Recht, gehört zu werden. Es
geht dabei nicht um Prostitution, um Geschlechtsverkehr, sondern um Zuhören,
Berührungen wie Nähe und Umarmen z. B. Das muss eine Leistung der Krankenkasse werden. Bisher bieten nur private Firmen
solche Dienstleistungen an, ein Besuch eines solchen Sozialarbeiters oder
Sozialarbeiterin kostet mehrere hundert Euro. Das kann sich kaum ein einsamer
Mensch leisten. Denn auch wenn es lächerlich wirkt, wenn jemand auf dem Marktplatz
oder in der U-Bahn von ihrer oder seiner Krankheit oder Wut über
Ungerechtigkeit erzählt, steht meistens ein Schicksal, ein Mensch
dahinter. Die britische Regierung hat
bereits eine Institution gegen Einsamkeit geschaffen. Das ist richtig so.
Soziale Kontakte sind auch wichtig für die gesamte Gesundheit, das wird leider
in Deutschland vernachlässigt.
Es ist schon lustig, wie verschieden Lastenräder sein können. Dass diese Art von Rädern keine Nerd-Späßchen wie z. B. Scooter-Räder, die keinen echten Nutzen haben, sind, beweist u.a. der Blog „Ohne Auto im Alltag“ sowie zahlreiche Initiativen, die Lastenräder zu günstigen Konditionen verleihen: z. B. VeloCityRuhr in Dortmund, in Essen ELA und der ADFC Unna mit ELLA und ULF. Mit ELLA hatte ich zu Wochenbeginn keinen Erfolg. Vorne zwei Räder, dazwischen die Ladefläche, hinten das einzelne Rad. Dreirädrige Liegeräder bin ich schon gefahren gewesen. Allerdings war ELLA auch mit meiner inzwischen schon jahrelangen Fahrpraxis für Lastenräder kaum zu fahren. Da half auch die E-Motor-Unterstützung nichts. Vorne schwer zu lenken und kaum unter Kontrolle zu halten, wackelte der hintere Teil wie ein Kuhschwanz. Fast schon magisch schienen die parkenden Blechkisten das Rad anziehen zu wollen.
Ich versuchte immer wieder, zu starten. Nach sagenhaften 1,2 km gab ich auf und gab dieses Lastenrad wieder am Lünener Hauptbahnhof zurück. Sehr schade. Ich war enttäuscht, hatte ich mich doch auf eine kleine Radtour zurück nach Dortmund gefreut. Der Mechaniker hatte mir sogar noch den Leezepatt empfohlen gehabt. Doch daraus wurde nichts. Fast hätte ich mir spontan eines der kostenpflichtigen anderen Räder ausgeliehen, aber das war nicht der Sinn der Sache. Außerdem hätte ich auch dieses Rad wieder zurückbringen müssen, wofür ich keine Zeit gehabt hätte.
Man könnte denken, dass sich Lasten mit einem zweispurigen, weil dreirädrigen Rad leichter transportieren lassen. Aber dem ist nicht so. Beim Fahrverhalten von ELLA fühlte ich mich stark an die Christiania erinnert, die ich auch mal versucht hatte, zu fahren: auch bei der Ch. befindet sich die Ladefläche zwischen den beiden Vorderrädern, der Lenker ist eine gerade Stange, wie ein Treppengeländer verläuft die Lenkerstange vor der Ladefläche. Respekt für die und den, die oder der so ein Ding fahren kann! Hier ein Bild des Modells „Christiania“, die im Dortmunder Verleih „Rudolf“ – eigentlich Rudolfine – heißen müßte. 😉
Der ADFC Unna hat aber nicht nur ein Lastenrad in seinem Verleih-Angebot. Ein Einspurer ist auch zu haben: UNser LastenFahrrad, kurz ULF. Am selben Tag, an dem ich wegen dem Rad ELLA so betrübt und enttäuscht gewesen war, buchte ich den ULF. Am Valentinstag holte ich das Rad dann ab; dank komoot war die Suche nach dem richtigen Weg einfach. Inzwischen bin ich sehr froh über dieses elektronische Navigationssystem, weil die Planung doch schneller geht als mit der Papierkarte. Letztere haben aber einen entscheidenden Vorteil: ihre Akkulaufzeit ist unschlagbar (zugegeben, mit den Updates dauert es immer etwas länger… ). Als „Backup“ habe ich immer noch die ADFC-Papierkarten mit dabei. Da es sich beim Ausleihort in Unna-Massen um ein Randgebiet der Stadt handelt, war der Weg gar nicht so weit, wie ich zuerst vermutet hatte. 13 km Wegstrecke, nach einer Stunde war ich bei „Electric Ride“ angekommen und wurde freundlich empfangen. Allerdings, ULF ist eins der wenigen nicht-elektrisch betriebenen Pferde in diesem Fahrradladen.
Und los ging´s… nach einem Stück Landstraße entlang der Felder.
Das Lastenrad ULF vom ADFC Unna.
Nebenan gibt es erst mal Mittagessen…
Määäh! Aber beim Essen ist es ganz stille…
Zugegeben, der Spiegel ist etwas spießig und den braucht auch niemand. Aber bei einem kostenlosen Leihrad motzt man nicht… abgesehen davon, dass er für die Katz ist. Ich sah darin nicht das, was man darin erkennen hätte sollen: nämlich das, was hinter dem eigenen Rücken liegt.
Der Ulf, ein niederländisches Modell von der Art „Bakfiets“, verhält sich gemächlicher und rollt langsamer als das Bullitt von Larry vs. Harry. Damit man auch mit dem Bakfiets, wörtlich übersetzt das „Wannenrad“ aber nicht baden geht, muß man Geduld haben. In die Kurve legen geht schon, aber wirklich schnell fahren kann man mit ULF nicht. Auch der Ständer unter der „bak“, der Wanne = der Lastenfläche ist etwas umständlicher zu handhaben als der vom Bullitt. Dafür ist es sehr verläßlich, auch wenn mal unvorhergesehen Hindernisse kommen, z. B. Steine aus der Wegoberfläche ragen, über die man dann drüber fahren muss. Oder eine Kurve, auf die ein Weg mit nicht ganz abgesenktem Bordstein folgt. Das alles schluckt dieses Rad, ohne zu murren. Außerdem macht die stufenlose NaVinci-Schaltung der Rohloff wirklcih Konkurrenz – auch wenn eingefleischte Rohloff-Fans mit Sicherheit was anderes behaupten 😉
Zuerst durch Dortmund-Kurl und nicht wie zuerst angenommen durch Kamen-Methler oder Wickede ging die Route auf den Körnebachradweg entlang der Bahnlinie Dortmund<>Hamm. Bei für den Februar nciht normalen Temperaturen von ca. 15 und mehr Grad Celsius zwitscherten die Vögel im Gebüsch am Wegesrand, als ob schon Frühling wäre. Ich war immer noch auf Winter eingestellt und das „bakfiets“ durfte als erste Ladung immer mehr Kleidungsstücke tragen, die mir zu warm geworden waren.
Auffällig ist die Ähnlichkeit zum sogenannten „Hollandrad.‘
Am Bahnhof Dortmund-Scharnhorst mußten die Gleise überquert werden. Auch wegen der Kurven auf dem Brückenzugang keine leichte Aufgabe, darauf zu fahren… nun, schieben ist auch keine Schande…
Der Bahnübergang am Bahnhof Do-Scharnhorst.
Kurz nach der Brücke verkündete ein Wegweiser, dass es nur noch 4,1 km bis zum Borsigplatz seien. Juhu, dachte ich mir… doch kurz darauf gab es keinen Weg mehr, nur noch Morast.
Das Baustellenschild besagt, dass der Lippeverband hier etwas baut.
Weit und breit war kein Mensch zu sehen, die Maschinen standen still. Rad und Mensch wurden unnötig dreckig. Hallo, ich bin hier nicht mit dem Downhill-Rad unterwegs! Später erfuhr ich dank eines Bekannten, dass hier tatsächlich ein Weg gebaut werden würde (sonst müßte man durch das Bahnbetriebsgelände mit den Schienen und abgestellten Zügen fahren). Bereits Ende 2018 sollte dieser Weg zwischen Scharnhorst Bahnhof und Wambel Gewerbegebiet fertig sein, jetzt ist der 31. März 2019 anberaumt. Zwar war der Morast nach ca. 200 m wieder zu Ende, doch auf dem nun wieder asphaltierten Weg mussten laange Brombeeranken den Weg versperren. Ich hatte am Bahnhof Scharnhorst kein Umleitungsschild gesehen gehabt, erst auf den Rat meines Bekannten hin fand ich bei der Rückfahrt, als ich später das Rad wieder abgab, die Umleitung.
Dann endlcih am Borsigplatz angekommen… und gleich zur Arbeit gefahren. 1 Stunde Wegzeit, die mir länger erschienen war, lag nun hinter mir.
Der Borsigplatz Dortmund. Seltsamerweise nicht so beliebt in Gelsenkirchen…
3 Tage hatte ich Ulf ausgeliehen und er hat viel erlebt. Ich fuhr mit diesem Lastenrad zur Arbeit, ca. 3 km einfache Wegstrecke. Die Kollegen staunten nicht schlecht, erst recht, weil ich den Weg von, bzw. nach Unna auf mich genommen hatte. Und der Architekt, der im selben Haus wie wir arbeitet, bekam auch Lust, das Rad auszuprobieren, auch mit Hund. Allerdings war der Vierbeiner, sonst eine freundliche Schmuserin, nicht so begeistert, was ihr Herrchen da veranstaltete… ich hatte bis zu diesem ZEitpunkt auch angenommen gehabt, dass die Plane vorne fest montiert sei. Das hat den Hund wohl gestört, dass sie nicht immer frei ihren Kopf in die Höhe recken hatte können. Aus Hundesicht verständlich. Nur hinten ist ein Fensterchen, wo man die Regenfolie aufrollen kann.
Aufgerollte Regenfolie hinten, unter dem Lenker.
Das Schöne am Lastenrad-Fahren ist, dass man mehr Aufmerksamkeit von anderen Verkehrsteilnehmern* bekommt. Dieses Rad fällt durch seine ERscheinung mehr auf. Manche Passanten* fragen, ob man damit auch Kinder mitnehmen kann. Ja, beim Bakfiets von VanAnden gibt es ein schmales Bänkchen in der Wanne, das ich allerdings immer hochgeklappt hatte, weil ich ausschließlich Dinge transportierte. Im folgenden war das Altglas und jede Menge Leergut.
ULF beladen mit einem leeren Bierkasten, Altglas, Altpapier.
…und wieder ein Aufgschau vor dem Getränkemarkt 😀 Das erste Cabrio hatte ich auch gesichtet. Seltsam. Ich fahre das ganze Jahr über Cabrio.
Über die Biermarke lässt sich streiten, aber nicht über die Mobilität in der Stadt!
Bei 19 Grad Celsisus, die inzwischen das Thermometer anzeigte, kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man Lastenrad fährt. Der Bierkasten wieder voll und die Körbe und Taschen wieder leer von den Pfandflaschen, war ich froh, zur Arbeit radeln zu können. Wenn auch nicht ganz so flott und wendig wie mit dem Bullitt. Was schon bemerkenswert ist: die durch den hohen Lenker verursachte aufrechte Sitzposition hat fast was majestätisches. Demnächst also bitte ein Modell mit dem niederländischen Königswappen vorne dran ausliefern, verehrter Hersteller vanAnden… 😉
Abends, der 3. Freitag im Monat war es, wäre ich fast bei der CM Dortmund mitgefahren. Allerdings ging ein Pressetermin vor: die Premiere des Theaterstücks „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen am Schauspielhaus Dortmund. Nun, dann geht ULF mit mir eben ins Theater… Premierenkritik folgt auf http://www.nordstadtblogger.de .
Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.
Und hehe, ich passe noch in diese Parklücke! Sehr gut sogar, ohne dass ich mir die Tür ramme! 😀
Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.
Freitag nachmittag ist gefühlt noch mehr los auf den Straßen in und um die Innenstadt herum. Einmal flog mir fast die Plane weg, ich mußte anhalten, was aber kein Problem war, selbst die Autofahrer* hupten nicht… wohl auch, weil ich den eigentlich unnützen Radstreifen am Borsigplatz benutzte. Es gibt dort eine extra Ampelschaltung für Radfahrende, aber kein blaues Schild dass dieser lächerliche Streifen und Holperpiste benutzungspflichtig wäre. Sowas gibt es auch nur in Deutschland – hust*.
Was mir mit und ohne Lastenrad Angst macht, sind diese Massen an Autos. Verkehrswende ? Klimawandel? #FridaysForFuture, schon mal was davon gehört? Diese Autofahrer* offensichtlich nciht. Vor einer Zukunft, in der sich das Mobilitätsverhalten nciht ändern wird, graust mir. Angesichts dieser Blechmassen ist jede Fahrt mit dem RAd und Lastenrad eine Dmeonstration für eine bessere Zukunft. Klingt überzogen pathetisch, ist aber wahr, weil Fahrräder kein CO2 ausstoßen.
nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.
Nur ein paar hundert Meter weiter, in eine enge Gasse abgebogen, zwischen einem Schrebergarten-Häuschen und verfallenem Industriegelände, hat man erst mal Ruhe vom Verkehrslärm. Die Graffiti an den Wänden gehören zu einer Galerie, um diesen Teil der Weißenburger Straße, zu dem auch die Mauer vom RWE-Gelände gehört, zu verschönern. Diese Sprayereien sind also legal und durchaus sehenswert, es muß nicht immer alles gefallen.
Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.
FAZIT: So sportlich wie das Bullitt fährt sich ULF nicht, aber er ist mindest so verläßlich. So schnell haut dieses Rad nichts aus der Spur…. der extrem niedrige Einstieg ist ein Komfort-Plus (wobei die verminderte Höhe der Querstange im Rahmen eines KARGON oder Riese&Müller-Lastenrades auch ausreichend ist). Beim Bullitt heißt es immer erst einmal einen halben Can-Can tanzen, während man Jaques Offenbach im Ohr hat. Die Regenhaube ist auch nicht verkehrt, wenn sie am „bakfiets“ angebracht ist. Die NaVinci-Schaltung ist sehr zu empfehlen, weil man beim Anfahren an der Ampel oder am Hang stehend keinen Streß mehr hat. Für starke Steigungen ist ULF aber nichts, das Bullitt auch nicht wirklich, wenn es auch leichter zu fahren ist. Wer in meiner alten Heimat Nürnberg wohnt, der oder dem sei diese Rad trotz des günstigen Preises – im Vergleich zum Bullitt- nicht empfohlen.
Was nicht nachvollziehbar ist, ist die hohe Lenkerposition. Was bei einer Gazelle, also einem Hollandrad als angenehm empfunden werden mag, stört beim Lastenrad auf Dauer. Das Gesamtgewicht ist größer, weshalb ich immer einen 2. Menschen brauchte, um ULF in den Flur des Wohnhauses zu heben, um ihn nachts sicher zu verwahren. Das Bullitt habe ich, wenn auch mit Anstrengung, allein ins Haus geschafft. Wenn man länger mit dem ULF fährt, also mehr als 20 Streckenkilometer am Stück, kann man schon mal matte Arme bekommen. Oder ist es auch eine Gewohnheitssache? Nach 3 Tagen Bullitt-Fahren weiß ich auch, was ich getan habe. Nach meiner allerersten Bullitt-Fahrt hatten mir ordentlich die Arme weh getan. Dennoch werde ich ULF gerne wieder ausleihen, weil er ein verläßlicher Partner ist, mit dem man sicher Lasten transportieren kann.
EletricRide in Unna-Massen. Hier kann man ULF ausleihen.
Danke an den ADFC Unna für die Bereitstellung von ULF, UNserem LastenFahrrad! 🙂 HIER kann man ULF ausleihen. EletricRide ist auch gut mit der S-Bahn und Bus R54 zu erreichen.
Die komoot-Routen von Dortmund nach Unna – 1. Link und zurück, 2. Link:
Gerne werde ich wieder damit fahren, auch bei 13 km Anfahrtweg. Lustig wird es dann, wenn man vom Lastenrad wieder auf sein ’normales‘ Rad umsteigt… um vom Fleck zu kommen nach der Rückgabe von ULF, hatte ich mir mein Faltrad mitgenommen in dem „Bakfiets.“ Das ist eben das Geniale am Lastenrad, dass man sich sogar ein 2. Rad ohne Probleme mitnehmen kann! Ich hatte nicht nur einen leicht wackelnden Lenker, auch hatte ich dauerend das Gefühl, dass alles zu leicht ginge und doch was fehle… klar, ein Lastenrad lenkt sich immer schwerer, weil es im Gesamten schwerer ist.
Nach Rückgabe von ULF muss man irgendwie nach Hause kommen. Mit dem Faltrad.
Am Mittwoch abend, den 26. September 2018 lud die Mitternachtsmission zu einer Diskussionsrunde ein.Ort und Teilnehmer-/innen waren ungewöhnlich: es wurde in einer Kirche auch mit einem Prostitutionskunden und 2 Prostituierten diskutiert. Die Mitarbeiterinnen der Mitternachtsmission und der ehemalige Leiter der „Sitte“, der für das Rotlichtmilieu zuständigen Behörde gaben Ihre Erfahrungen an das Publikum weiter.
Interessant zu beobachten: Als Leser oder Leserin von Online-Nachrichten erfuhr man auf
Auf der Seitehttp://www.dortmund.de wird man nur nach längerem Suchen fündig, in der Broschüre „FrauenTermineDortmund“, jedoch nicht bei den Veranstaltungsankündigungen.
Prostitution ist immer noch ein Thema, das polarisiert. Prostituierte werden in der Gesellschaft als minderwertige Menschen betrachtet und beschimpft. Bei manchen Diskussionsteilnehmern, auch auf dem Podium schien immer noch eine Unsicherheit zu existieren, das Thema wirklich anzusprechen: wenn man von „Arbeit“ spricht, kann man auch gleich klar sagen, was diese „Arbeit“ ist: eben Sex die Befriedigung für den Kunden. Der geladene Kunde auf dem Podium trug eine Maske, die beiden Prostituierten Perücken und Sonnenbrillen. Was einige Diskusssionsteilnehmerinnen bewegte: warum macht man diesen „Job“ überhaupt?
Zunächst wurde klar gestellt: es geht hier um eine freiwillige Tätigkeit. Auf Nachfrage wurde aber klar, dass es bei einer der beiden Prostiuierten noch einen anderen, wichtigeren Grund hatte: sie ist vor etwa 10 Jahren mit anderen Landsleuten nach Deutschland gekommen. In Rumänien herrsche bis heute Perspektivlosigkeit. Die deutschen Gesetze hatten es ihr damals verboten, einer Arbeit als z. B. als Verkäuferin nachzugehen. So hat sie sich für die Prostitution entscheiden (müssen), seit 7 Jahren übt sie diesen Beruf (der als solches nicht anerkannt ist), aus.
Das macht betroffen, dass eine Gesetzeslage Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit keine andere Arbeit als die im Rotlichtmilieu möglich macht. Prostitution ist kein Problem der Damen, die diese ausüben, sondern: es ist ein gesellschaftliches Problem.
Dies ist ein weiterer Kritikpunkt: Prostitution ist nicht als Beruf anerkannt, die Damen sind nicht sozial- und krankenversichert wie andere Arbeitnehmer, wie ein DGB-Mitglied und Diskussionsteilnehmer sagte. Wenn doch die Nachfrage nach Sex nie stagniert oder gar einbricht, warum wird Prostitution nicht als eigenes Berufsfeld anerkannt? Man muß die Prostitution nicht gut finden, aber man kann ihre Existenz nicht leugnen. Warum gehen vor allem Männer zu Frauen, die ihnen Sex (u.a.) anbieten? Der Prostitutionskunde am Podium meinte, dass er mit den Damen auch vertrauliche, intime Gespräche führen könne und seine sexuellen Wünsche ausleben würde. Nach der Diskussion konnte ich mit einer Mitarbeiterin der Mitternachtsmission noch näher darüber sprechen. Die Prostituierten würden den Freiern sexuelle Wünsche erfüllen, die sie ihren Partnerinnen gegenüber nicht unbedingt äußern trauen würden – und diese würden auch diese sexuellen Praktiken möglicherweise gar nicht mitmachen. Und oft genug geht es nicht mal um Geschlechtsverkehr: „Der Mann erzählt der Prostituierten – ja ich habe meinem Chef doch gesagt, dass das nicht geht. Dem habe ich die Meinung gesagt! – Die Ehefrau weiß, dass das nicht stimmt, weil er sich das nicht traut. Aber die Prostiuierte lobt ihn dann und sagt „das hast du richtig gemacht.“ Aha, interessanter Punkt. Männer suchen hier also eine Bestätigung für sich selbst, die sie offensichtlich woanders nicht bekommen. Prostitution ist also nicht das reine Problem der Frauen, sondern eine Art Reaktion, „Problemlösung“ für partnerschaftliche Konflikte.
Nur nebenbei waren auch männliche Prostituierte, die von Frauen gekauft werden, ein Thema bei diesem Gesprächsabend. Die Mitarbeiterin der Mitternachtsmission sagte dazu leicht scherzend: „Ich wäre da zu geizig. Die Männer wollen da oft noch vorher essen gehen, da kann man als Freierin schon mal auf 300€ kommen.“
Die Tatsache, dass Prostitution erlaubt und von den Behörden auf Hygienebestimmungen etc. regelmäßig kontrolliert wird heißt natürlich nicht, dass die Prostituierten ihre Arbeit (immer) unbedingt gern machen. Und reine Freiwilligkeit war es auch nicht, wie eine der beiden Damen ihren Einstieg ins Rotlichtmilieu beschrieben hatte – aber eben auch keine Zwangsprostitution. Zweifelsohne geht die Arbeit als Prostituierte an niemandem in dieser Szene spurlos vorüber. Aber deshalb verbieten? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht.
Eine Gesprächsteilnehmerin, Mitglied der Organisation von „Terre de femmes“ kritisierte die Prostitution scharf. Männer würden Frauen kaufen, Prostitution verletze und zerstöre Frauen, es sei reine Gewalt an Frauen. Dabei machte sie keinen Unterschied zwischen Freiwilligkeit und Zwang zur Prostitution. Die Terre-de-femmes-Vertreterin sprach sich für das „nordische Modell“ aus. In Schweden ist Prostitution per Gesetz verboten. Im Gespräch danach sagte Rainer Minzel dazu: „ich weiß nicht, wie die in Schweden das nun unter Kontrolle haben. Wenn man Prostitution verbietet heißt das nicht, dass sie verschwindet. Und dann müßte man auch die Frauen bestrafen.“ Durch das „Dortmunder Modell“ habe man es unter Kontrolle. Die Szene selbst achtet darauf, wenn ihr was auffällt, was nach Menschenhandel oder Zwangsprostitution aussieht und würde dann sofort die Polizei informieren. Letztendlich geht es auch um das Geschäft: wenn da plötzlich ein Anbieter ist, der nicht an Behördenauflagen gebunden und billiger ist, wird das innerhalb der Szene sofort sanktioniert.
Kernpunkt des gesamten Gesprächsabend war der Appell der Prostituierten und des ehemaligen Leiters der „Sitte“ Rainer Minzel, dass diese Frauen endlich als gleichberechtigte Mitmenschen anerkannt werden. Auch wenn sie einen -außergewöhnlichen – Beruf ausüben. Auch wenn sie in ihrer „Arbeitskleidung“ unter anderen Menschen im Alltag auffallen wie ein Pfau unter lauter Amseln, sind Prostituierte, Männer wie Frauen Mitmenschen mit den selben Rechten wie eine Verkäufer oder eine Musikerin.
Arbeit der Mitternachtsmission: http://mitternachtsmission.de/ Diese Organisation unterstützt Prostituierte und hilft ihnen, wenn sie es wollen, aus der Szene auszusteigen.
Die Deutsche Bahn Aktiengesellschaft hat es nicht gern, wenn man ihre Fahrzeuge bearbeitet. Aber verehrte DB AG, Euer Knallrot tut schon in den Augen weh. Wie wäre es mit einem dezenteren Rot?
Da freue ich mich doch immer wieder über Graffiti auf Zügen und auf langweiligen, öden Bahnhofswänden. Ich finde, dass es sich farblich gut ergänzt. Auch wenn ich nicht unbedingt immer weiß, was sich genau hinter manchem „tag“ (Namenskürzel), vermeintlichen Gekritzel oder „Geschmiere“ oder anderen Zeichen verbirgt. Das wissen nur Szenekenner (meist Männer, seltener Frauen).
Ah, und noch so nebenbei: ich war´s nicht. Denn so gut malen bzw. sprayen kann ich nicht 😉
Kunst am Zug, entdeckt am 6. Juni 2018 in Dortmund.
KUNST am ZUG: Alles für die Katz?
Vor ein paar Jahren am Bahnhof „Neue Schenke“ in Jena/Thüringen entdeckt. Leider wurde es von der DB AG beseitigt.
Gestern fand die Auftaktveranstaltung zum STADTRADELN in Essen statt. Einige Städte machen mit, Dortmund glänzt mal wieder mit Abwesenheit. Das ist sehr, sehr traurig. Die Gründe dafür sind mir unbekannt; ein allgemeines Desinteresse und eine 2012 bei der CM fahrradFEINDLICH auftretende Polizei tat viel dazu, dass der Radverkehrsanteil rapide gesunken ist. Glückwunsch, Stadt Dortmund. Doch Sturheit siegt, deshalb fahre ich auch nach der Begegnung mit eben dieser miesen Sorte von Polizisten (wenn auch nicht bei der CM) im Mai 2017 weiterhin Rad. Und weil Sturheit siegt, gibt es auch wieder eine Critical Mass Dortmund.
STADTRADELN, das ist eine Aktion des KlimaBündnisses, ein Zusammenschluß verschiedener Kommunen. Diese Aktion soll Menschen dazu ermutigen, statt mit dem Auto öfter mit dem Rad im Alltag zu fahren und Radelkilometer zu sammeln, möglichst viele sollen zusammenkommen. Ein paar Preise gibt es zu gewinnen, das wichtigste aber ist: CO2 und Stickoxide vermeiden, denn: Fahrräder stinken nicht und sorgen damit für eine bessere Luft in den Städten. (www.stadtradeln.de) .
Los ging es um 13 Uhr am Willy-Brandt-Platz Essen, Ziel war der Revierpark Gelsenkirchen-Nienhausen. Insgesamt wirkte die Teilnehmer-/innenzahl auf mich klein; einer der Organisatoren meinte, dass das am „langen Wochenende“ von Fronleichnam liegen würde.
Zuerst plauderte ich mit Freunden immer wieder mal über u.a. den Tierklinikbesuch ihres Katers und anderes. Zu meiner Überraschung fragte mich dann eine der Organisatoren*, ob ich „absperren“ könne. „Du meinst corken?“ fragte ich. „Ja klar.“ Mache ich bei der Critical Mass ja auch.
Wer nicht weiß, was die „Critical Mass“ ist und was „corken“ bedeutet, hier findet man Infos dazu am Beispiel der CM Bochum. Die Verhaltensregeln sind weltweit die selben.
Also kurz von den Freunden verabschiedet und so weit es ging, nach vorne gefahren. Nicht alle Autofahrenden sind so weitsichtig, dass sie stehenbleiben und abwarten, ob vielleicht doch noch Radfahrende kommen, wenn die Radfahrer-Gruppe eine Straße quert. Dann wird „gecorkt,“ d.h. Radfahrer-/innen stellen sich quer auf die Straße, damit alle sicher diese Straße überqueren können. Wenn die Ampel für Autofahrer* schon rot ist, ist es einfacher, weil die Fahrzeuge dann schon stehen. Viele beharren auf ihr Recht, wenn die Ampel auf Grün springt und fahren los, weil gerade eine Lücke in der radfahrenden Gruppe entstanden ist. Dabei vergessen viele, dass § 27 der STVO der radfahrenden Gruppe Vorrang gewährt, wenn es mindestens 16 Teilnehmer-/innen sind. Bei der Auftaktveranstaltung zum STADTRADELN waren es mehrere hundert Radfahrer-/innen, die Zahl 16 also gut übertroffen.
Auch wenn es, erst recht aufgrund der herrschenden Aggressivität im Straßenverkehr schwer fällt: wer corkt, soll ruhig bleiben und freundlich zu den Autofahrenden sein.
Das war heute auch nicht das Ding, es gelang mir gut, freundliche Blicke zu den Blechkisten zu senden. Ein anderes Erlebnis war es, das mich verwirrte und auch ärgerte.
Kurz vor dem Zielpunkt corke ich die Zufahrtsstraße zum Revierpark. Nicht nötig, mag man denken, ist doch alles ruhig hier. Das Wetter ist zumindest trocken heute. Doch weil viele mit dem Auto dort hin fahren, ist reger Verkehr. Plötzlich spüre ich eine Berührung am Rücken. Nicht so furchtbar wie damals auf den elenden Dorffesten, auf denen ich als Teenagerin von mindestens 10 Jahre älteren Idioten belästigt und mißhandelt wurde (Frauen sind eben nur Ware, keine Menschen, die es zu achten gilt, so deren Überzeugung), aber spürbar. „Fahr weiter, ich corke hier“ sagt er laut. Ich sehe ihn erstaunt an. Ruhig erwidere ich ihm: „nein, ich corke, das ist so ausgemacht mit S. von den Organisatoren.“ Der Typ wirkt überrascht, ist sprachlos. So recht kann er das nicht glauben, dass ich das mache. Eine Ablösung war nicht vorher besprochen und abgemacht worden, deshalb bleibe ich. Nach einer kurzen Weile zieht er ab.
Nichts besonderes, dieses Erlebnis?
Doch.
Es zeigt erneut: einer Frau wird vieles nicht zugetraut, was als „typisch“ oder doch „eher männliche Aufgabe“ gilt. Corken heißt Absichern der Straße zugunsten der Gruppe, mit der man durch die Stadt radelt. Der Beruf „Sicherheitskraft“ wird meist immer noch mit dem Geschlecht „Mann“ in Verbindung gebracht, auch wenn Polizistinnen und Soldatinnen längst ihren Dienst tun. In den Köpfen ist das leider immer noch nicht angekommen, unsere Gesellschaft ist leider immer noch patriarchalisch aufgestellt. Die meisten Chefposten sind mit Männern besetzt. Seltsam, dass genau die, die so gern auf Sachlichkeit und sachlicher Kritik beharren, beim Thema Geschlecht und Aufgabe/Beruf plötzlich so unsachlich werden.
Wem wissenschaftliche Texte zu mühsam sind: ein aktueller Titel des Künstlers Danger Dan bringt es treffend auf den Punkt, wie furchtbar Zuschreibungen aufgrund des Geschlechts sind.
Danger Dan von der AntilopenGang mit „Sand In Die Augen.“
Aus Fairnessgründen bitte die Musik selbst kaufen, damit alle. Künstler-/innen davon leben können.
Gender und das Thema Radverkehr haben eben doch miteinander zu tun. Auch wenn manche-/r das nicht wahrhaben will.
In den vergangenen Tagen hatte es auf der Facebook – Seite eines Lastenrad-Herstellers, den ich sehr schätze, einen neuen Pinnwandeintrag gegeben. Eine Neuheit von Lastenrad mit Namen „Mrs (Markenname). Ich stutzte zunächst wegen der Farbe: der Rahmen war rosa. „Die Farbe ist nicht Euer Ernst“ kommentierte ich. Dazu die Bezeichnung „Mrs“ mit dem Markennamen des Lastenrades. Auerla. Lieber Lastenrad-Hersteller, da hast du leider nicht nachgedacht.
Eine Diskussion ergab sich, viele konnten meine Kritik nicht verstehen, rosa sei doch nur eine Farbe. Mein Einwand, dass es leider nicht so sei, das könne man auf den Seiten von http://www.pinkstinks.de nachlesen, wurde ignoriert. Mir wurde sogar „Polarisierung“ von einem CM-Mitfahrer, den ich für sein Engagement bei der CM sehr schätze, vorgeworfen. Das macht mich traurig. Er gehört wohl zu der Gruppe Männer, die Jack Urwin in seinem sehr lesenswerten Buch „Boys don´t cry“ die „Lads“ nennt. Das sind Typen, die grundsätzlich schon für Gleichberechtigung von Frauen und Männern sind, aber dann doch wieder in die alten Verhaltensmuster fallen. Bei einer CM in Ostwestfalen, die wir mal gemeinsam besuchten, hatte ein CM -Mitfahrer wieder einen chauvinistischen Spruch geklopft, für den er sogar von seiner Freundin gerügt wurde. Es ist zu befürchten, dass er es wieder tut.
Ich habe nicht erwartet, dass alle, die sich für den Radverkehr einsetzen, voll informiert sind, was die Themen Sexismus, Geschlechterungerechtigkeit und Feminismus angeht. Dennoch ist es traurig, auf soviel Unverständnis zu stoßen. In Augsburg gibt es einen „Clitoris-Ride“, was die CM Essen auf ihrer Facebook-Seite nannte und fragte, wie man das finde. Finde ich gut, dass dazu diskutiert wird. Auch in der Fahrrad-Gemeinschaft haben meist Männer das Sagen, bzw. sind sie es, die als Vertreter der Radlobby auffallen, in Erscheinung treten. Es ist erfreulich, dass beim ADFC NRW ein Frauennetzwerk existiert und es auch weibliche Blogger gibt wie Juliane Schumacher https://radelmaedchen.de/ – und diese sind auch bitter notwendig.
Denn bei Produkten & Geschlecht polarisieren, das tut schon die Spielwarenindustrie. Bei Produkten für Erwachsene geht dieser Sexismus munter weiter: Frauen sollen mal schön nur die rosafarbenen Produkte, die auch noch teurer sind kaufen („gender pricing“), Männer bitte nur die blauen. Und wehe, ein Mann möchte ein rosa T-Shirt tragen (der muß doch schwul sein! – „schwul“ =schlecht). Eine freie Auswahl ist da nicht oder kaum mehr möglich. Wer solche Produkte schafft, der sorgt auch dafür, dass sich das Denken der Menschen zementiert: es geht nicht mehr um die freie Wahl von Produkten, es geht auch nicht mehr um Gleichberechtigung aller Geschlechter, nein: es geht wieder nur darum, Unterschiede aufzuzeigen und festzumachen, die keine sind. Gewinnmaximierung auf Kosten der Gleichberechtigung.
Leider ist das auch mt dem rosa Lastenrad so, wenn der Hersteller dieses Rad „Mrs ….“ nennt. Ich fragte in den Kommentaren auch „gibt es denn auch einen Mr (Markenname)….“ in blau? Eben nicht. Echte Wahlfreiheit ist nicht an Farben gebunden!Deshalb freut es mich, wenn ein Mann (der nicht mal schwul ist, haha), gern rosa Sachen trägt, ganz einfach, weil es ihm gefällt und er sich damit wohl fühlt. Ich selbst mußte mir diese Freiheit erst erkämpfen, weil Mutter und Schwester ein Rosa-/Pink (und Lila)-Diktat bei der Kleidung hatten. Das macht mich heute noch wütend, auch als mein Bruder forderte, ich solle doch kein blaues T-Shirt anziehen.
Eine Anmerkung noch: Gerade weil -oh wie es mich schon beim Blick in ein Schaufenster im Ostenhellweg Dortmund graust – also wenn die Industrie schon beim Spielzeug alles in qietschrosa „für Mädchen“ packt, ist eine Wahlfreiheit nicht mehr möglich. Denn denkt doch mal weiter: „rosa Prinzessin„, was bedeutet das, selbst wenn das Mädchen, das nicht nur zum Karneval mal Prinzessin war (dafür reicht schon entsprrechender Haarschmuck), längst Teenagerin und dann Erwachsene ist? Es ist an ein bestimmtes Verhaltensmuster geknüpft, wie Frauen zu sein haben: zurückhaltend, ja nicht laut, immer höflich, freundlich und – ganz wichtig: gut aussehend. Männer dagegen haben immer erfolgreich zu sein, Kleidung und Aussehen, naja, nicht so wichtig. Jemanden bestimmte Verhaltensmuster aufgrund des Geschlechts zuzuschreiben, ohne es sachlich begründen zu können, das ist Sexismus. Und den finde ich einfach nur zum Kotzen.
Es gibt keine sachliche Begründung dafür, dass Frauen/Mädchen nur rosa und pink tragen dürfen und sich so oder so verhalten sollen. Das selbe gilt für Männer und die Farbe Blau. Und es gibt keinen Grund dafür, dass Frauen, nur weil sie Frauen sind, bestimmte Berufe nicht ausüben könnten. Das selbe gilt auch für Männer. Ich freue mich sehr, dass ein Sportkollege Grundschullehramt studiert: es braucht dringend ein männliches Vorbild für die Kinder.
Deshalb habe ich mich über das rosa Lastenrad aufgeregt. Und über den Typen, der mir nicht zugetraut hatte, dass ich beim Stadtradeln corken kann.
Am 3. Mittwoch im Monat Mai findet der Ride of Silence statt. An diesem Tag gedenken Radfahrerinnen und Radfahrer den im Straßenverkehr getöteten Radlerinnen und Radlern. Am 16.05.2018 waren es in Dortmund rund 20, in Essen rund 70 Teilnehmer-/innen. Beim Anblick der Ghostbikes, die an den Unfallstellen aufgestellt werden, kamen mir einige Gedanken, die ich im folgenden formuliere.
„Radfahrer(in) vom LKW übersehen“, diesen Satzteil mußte man in den vergangenen Monaten sehr oft in Polizeiberichten lesen. Beim Rechtsabbiegen hat der Radverkehr zwar oft grün an der Ampel, doch der abbiegende LKW-Fahrer denkt wohl oft gar nicht daran, dass nicht nur der motorisierte Verkehr abbiegen will. Der „Tote Winkel“ wird oft als Ursache aufgeführt. Ob dieser aufgrund fortgeschrittener Technik wie z. B. Abbiege-Assistenten noch existiert, darf bezweifelt werden.
Fakt ist: jede-/r tote Radfahrende ist eine und einer zuviel! Die Politik ist dringend aufgefordert, Abbiegeassistenz-Systeme gesetzlich vorzuschreiben – denn daran wird in vielen Speditionen und Fuhrunternehmen gespart. Freiwillig läßt kaum jemand sowas einbauen. Ah und da wären noch die zusätzlichen Spiegel, die man benutzen kann – oder sind die dafür am Fahrzeug, dass der Beifahrer und Fahrer jeweils seine Schönheit im Spiegel bewundern kann?
Auch wenn jeder Unfall wütend macht: Bis auf die Unfallflüchtigen wird es keinem LKW-Fahrenden egal sein, dass sie oder er einen Radfahrenden totgefahren hat. Es wäre zu einfach, nur die Bestrafung des motorisierten Verkehrsteilnehmers/der Verkehrsteilnehmerin zu fordern.
Ansprache von Norbert Paul von VeloCityRuhr an der Kreuzung Mallinckrodtstraße/Schützenstraße in Dortmund. Hier wurde ein 11-jähriger Schüler im November 2017 durch einen rechtsabbiegenden LKW getötet.
Im Februar 2018 starb eine 13-jährige Schülerin in Essen… in ganz Deutschland sind schon mehrere radfahrende Kinder getötet worden. Es verwundert, dass noch niemand deshalb auf die Straße ging, um zu protestieren. Wenn man sich die Empörung und Wut bei einer Straftat wie Kindesentführung ansieht… was dem Täter (meist, nicht immer männlich) an den Hals gewünscht wird und mit welchem Druck die Ermittlungsbehörden zurecht kommen müssen… Die Niederlande wären heute noch ein Autoland wie Deutschland, wenn nicht einmal die Eltern protestiert hätten: „Stoppt das Morden unserer Kinder!“ Damit wandten sie sich gegen das Verhalten der motorisierten Verkehrsteilnehmer-/innen.
Fakt ist auch: indirekt wird in vielen Polizeiberichten den Geschädigten eine Mitschuld gegeben. Das ist nicht nur unverschämt, das ist ein Skandal. Victim blaming – es beschämt die, die ohnehin am meisten zu leiden haben. Es heißt dann oft, die verletzenden Radfahrenden wären nicht aufmerksam genug gewesen oder hätten keinen Helm getragen – letzteres ganz unabhängig davon, welches Körperteil verletzt wurde. In den Niederlanden werden deutsche Radfahrende mit ihren Styropor-Halbkugeln zu Recht ausgelacht. Wann, WANN ENDLICH geht das in die Hirne der Deutschen ein, dass Fußgänger-/innen und Radfahrer-/innen mehr Platz brauchen, und nicht der Autoverkehr noch eine Spur u.a. bekommt??? Wenn mehr Platz ist neben einem abbiegenden LKW ist, kann der/die Radfahrende weiter rechts fahren und wird somit von vornherein eher von den LKW-Fahrenden wahrgenommen.
An der Bornstraße in Dortmund: Ghostbike für einen 58-jährigen Radfahrer. Mahnmal für alle Verkehrsteilnehmer-/innen.
Man kann dazu auch einwenden: Warum Abbiegeassistenten in LKWs als gesetzliche Vorgabe wollen, anstatt gleich ein Fahrverbot für LKWs in den Städten fordern?
Die Schwierigkeit ist: ein Supermarkt, der in der Innenstadt oder im Umkreis der Innenstadt ist, läßt sich schlecht mit noch sovielen Lastenrädern und Anhängern beliefern. Ganz ohne die LKWs wird es nicht gehen – sehr wohl aber mit den technischen Einrichtungen, die auf Radfahrende und Fußgänger* aufmerksam machen. Und auf einen großen Markt „auf der grünen Wiese“ vor der eigentlichen Stadt, den man mit dem Rad nur schlecht erreichen kann, den will kein radfahrender Mensch haben. Außerdem braucht es bei jedem motorisiertem Verkehrsteilnehmer* ein Bewußtsein für den Radverkehr: wenn man mit einem Zweirad rechnet beim Abbiegen, verhält man sich anders.
Das wahre Problem in den Städten, vor allem im Bereich in und um die Innenstadt ist der MIV, der motorisierte Individualverkehr Sie verstopfen die Wege und parken alles zu. In der Betenstraße kommt es oft zu Stau, weil ein Parkplatz für die Blechkiste gesucht werden muß. Oftmals sitzt nur 1 Mensch in einem Viersitzer oder gleich einem SUV. Auch Jeeps bis zu diesem furchtbaren „Hammer“ oder wie das Fabrikat heißt, war schon in Dortmunds Innenstadt zu entdecken. Wäre der Autobesitzer gerade anwesend gewesen, als ich sein Monster passierte, hätte ich ihn gefragt, in welchen Krieg er denn ziehen wollen. Pardon, aber sowas hat nur was im Militärbereich, nicht im Privatbereich verloren!
Und wollen nicht Autofahrer-/innen auch gute Luft zum Atmen? Leider fällt niemand sofort oder bald tot um, nachdem die Stickoxide eingeatmet wurden. Sonst würde die Politik sofort handeln, anstatt wie der Bundesverkehrsminister (be)Scheuer(t) der Autoindustrie erneut in den Arsch zu kriechen. Niemand kann sich schließlich eine Glasglocke über den Kopf stülpen. Auch der Bundesverkehrsminister nicht.
Ah ja, und bevor jetzt das Protestgeschrei losgeht, von wegen, man würde in seiner/ihrer persönlichen Freiheit beschränkt, wenn Fahrverbote erlassen werden: Auch die Autofahrenden haben was davon: Wenn weniger Autos auf den Straßen sind, gibt es weniger Stau und bessere Luft. Wenn der Nahverkehr ausgebaut wird, wird er attraktiver für die Alltagswege. Wenn die Radfahrenden mehr Platz bekommen – was natürlich auf Kosten des Autoverkehrs geht – gibt es weniger Autos auf den Straßen, also auch weniger Stau. Und wenn die Verkehrsinfrastruktur für Radfahrende besser wird, dann wagen sich mehrere Leute für ihre Alltagswege zur Arbeit, zum Kindergarten, zur Schule etc. auf das Rad – weil sie sich sicher fühlen können. Es geht NICHT um den Ausflugsverkehr mit dem Rad am Sonntag oder in den Ferien, es geht um die täglichen Wege, die jede-/r von uns zurücklegt.
Als Radfahrerin könnte ich übrigens jeden Tag in Protestgeschrei ausbrechen: Radwege sind zugeparkt, voller Müll, v.a. Glasscherben, Wege sind zu schmal oder voll von Schlaglöchern. Stattdessen soll ich mein Maul halten und „um die Falschparker herum“ fahren. Blöd nur, dass das „mal schnell ausschwenken auf die Fahrbahn“ gefährlich ist. Seltsam, wenn man aus dem vorbeifahrenden Auto heraus angeschrieen wird, man solle auf dem Radweg fahren (den es oft nur theoretisch auf Schildern gibt). Wenn das so ist: demnächst gebe ich Autofahren auch Anweisung, wie sie zu fahren haben. Die werden sich bestimmt freuen – haha.
Es geht mir nicht darum, eine Gruppe, in diesem Fall die motorisierten Verkehrsteilnehmer-/innen zu hassen. Es geht auch nicht darum zu sagen: Radfahrende sind die besseren Menschen. In jeder Gruppe der Gesellschaft gibt es Idioten und Idiotinnen. Radfahrende sind keine Engel, Autofahrer-/innen auch nicht. Es geht darum, dass die Städte endlich aufhören, eine Autostadt zu sein und den Menschen wirklich Lebensraum sind. Den Dreck machen nunmal die motorisierten Fahrzeuge – deshalb muß der MIV (nicht Einsatz- und Lieferfahrzeuge) RAUS AUS DER STADT.
Beim Ride of Silence am 16.05.2018 wurde ein neues Ghostbike in Lünen aufgestellt. Zahlreiche Teilnehmer-/innen, die nicht mit der Gruppe Radfahrender aus Dortmund gekommen waren, zeigen das Interesse an diesem traurigen Ereignis.
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