Mit Kurbeldrehung am laufenden Band

Das Kino ist aufgrund Streaming fast ausgestorben – und doch lebt es weiter. Cineasten* halten diese tolle Erfindung am Leben. Denn mal ehrlich: keine noch so teure aufwendige Technik im „Heimkino“ kann die Atmosphäre in einem Kino ersetzen (und damit sind nicht die großen Paläste von Konzernen gemeint)

Begrüßung am Startpunkt am Rathaus Bochum
Begrüßung am Rathaus Bochum (Startpunkt vom PEDALKINO)

Eine besondere Form des Kinos ist das PEDALKINO, manchmal wird auch von „Kurbelfilmen“ gesprochen.  Die Zuschschauenden sitzen dabei nicht in Kinosesseln fest an einem Ort,  sondern treten in die Pedale und halten an verschiedenen Plätzen an. Mit einem Projektor werden dann Filme an die Hauswand geworfen.  Dabei arbeitet die Initiative UrbanRadeling Bochum mit dem ICFF, dem International Cycling Film Festival,  zusammen- alle Filme am 5. September 2025 stammten vom ICFF.



Es machte qm 5. September 2025 wieder viel Freude und Spaß,  miteinander durch die Stadt zu radeln und Filme zu schauen- mal waren diese witzig,  mal rebellisch, mal nachdenklich.  Auch wenn man nicht jeden kennt, trifft man auf Gleichgesinnte, kommt unterwegs ins Gespräch.  Dadurch fühlt man sich nicht mehr do einsam im oftmals gefährlichen Straßenverkehr und fühlt sich auch oft ein Stück verstanden.  Und auch wer kein Fahrradnerd ist, darf zum PEDALKINO kommen!

Herzlichen Dank an Urban Radeling und alle, die diese mobile Form des Kinos organisiert haben.  Ein besonderer Dank an die beiden, die uns mit Getränken versorgt haben 🙂

Beste Versorgung mit Getränken unterwegs 🙂
Beste Versorgung mit Getränken unterwegs 🙂

Die Route, das „laufende Band“ für das PEDALKINO findet man hier.

Von Würsten und ihren Eitelkeiten

Theaterstück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Nietenjakob, Aufführung am 12.Mai 2023 im Kolpingsaal der Stadt Werne an der Lippe

Der Verein ist ein besonderer Kosmos in Deutschland. Bestimmt durch die Gesetzgebung, bietet er vor allem Selbstdarstellern und armen Würstchen die Möglichkeit, sich groß und bedeutend erscheinen zu lassen. Solche Vereinsmeier (gelegentlich auch Vereinsmeierinnen) sind überall anzutreffen, ganz gleich ob Sportverein, Gesangsverein, Tennisclub. Dabei möchte man doch eigentlich im Verein das gemeinsam tun, was Spaß macht: z. B. Tennis spielen.

Doch dieses Gemeinschaftsgefühl und die Freude am gemeinsamen Spiel hat ein Ende, wenn es um persönliche Befindlichkeiten und Überzeugungen geht. Mit dem Sport hat das nichts zu tun.

Auf der Bühne findet die Mitgliederversammlung eines Tennisclubs in einer Kleinstadt statt, hinter der Tür im Hintergrund gehen die Mitglieder hinaus ins Freie und in die Trainingshalle. Am Tisch sitzen beide Vorstände, Heribert und Matthias, die anderen drei, die einzige Frau (deren Name in keiner Beschreibung des Stücks zu finden ist), Erol und Thorsten bewegen sich im Raum. Das Publikum ist ebenso Teil des Tennisclubs und wird in alle Abstimmungen der Versammlung einbezogen.

Ein neuer Grill soll angeschafft werden. Der alte sei Schrott und man möchte doch auch in Zukunft so feiern, wie man es bisher getan hatte. Der zweite Vorsitzende Matthias hat dafür akribisch mit Diagrammen und Schaubildern, die er mit Laptop und Beamer dem Publikum präsentiert, den „Wurstbedarf“ ermittelt. Es ist wirklich zum Lachen, mit welcher Ernsthaftigkeit er diese Sache verfolgt. Ein einfaches Zitat aus der Gebrauchsanweisung wäre ausreichend gewesen – aber natürlich wesentlich weniger spaßig für ein Theaterstück.

Doch geht es wirklich darum, ob man Minderheiten eine Extrawurst einräumen soll, wie in der Ankündigung behauptet? Und um die Toleranz von Atheisten für gläubige Menschen? Nur vordergründig ist dem so. Ein Mitglied, Erol, der beste Tennisspieler des Vereins, ist muslimischen Glaubens. Jede Religion hat ihre Regeln und für Muslime darf auf dem Grill kein Schweinefleisch gebraten werden. Warum also nicht einfach zwei Vereinsgrills anschaffen? Oder eben keine Würste aus Schweinefleisch, sondern Rindfleisch essen? Aber nein, Grillen ist eine absolut deutsche Angelegenheit. Es darf nichts anders sein als vorher. Darauf besteht vor allem der zweite Vorsitzende Matthias. Er hat gar Angst, daß ihm und seiner deutschen (Leit-)kultur eine fremde Kultur aufgedrängt werden soll. Hm? Nur, weil er, weiß und biodeutsch (und angeblich mit einem Abitur-Notenschnitt von 1,7) ein Stück Toleranz für seinen Vereinskollegen zeigen soll? Was ist daran so schwer? Das ist deine Meinung, dein Problem, Matthias, das du selbst lösen musst. Denn du bist selbst für dich und deine Gefühle verantwortlich.

Erol ist außerdem der beste Tennisspieler des Clubs: zusammen mit der Ehefrau von Thorsten hat er die Kreismeisterschaften gewonnen. Und dennoch muss jemand wie er das Gefühl haben, nicht wirklich dazu zu gehören. „Du kannst Anwalt sein und bist doch immer noch der Türke!“ Eine Einschätzung, die sich anläßlich der Wahlen in der Türkei vergangenen Sonntag (14. Mai 2023) wieder bestätigt hat. Sehr traurig, wohnt doch schon die dritte Generation der, damals so genannten Gastarbeiter, hier in Deutschland.

Es ist beschämend und traurig, daß es solche Zeitgenossen und Zeitgenossinnen tatsächlich gibt. Nein, Muslime drängen hier niemanden ihre Religion auf. Das tun die Christen schon selbst (Zeugen Jehovas mit ihrer nervenden Werbung).

 Und so wird die Diskussion auf der Bühne immer hitziger. Der Betroffene, Mitglied Erol, bleibt am längsten ruhig und besonnen, bis es ihm reicht. Doch geht es wirklich um die Frage, ob ein Grill oder zwei Geräte angeschafft werden sollen? Nein. Als Matthias das geplante Modell vorstellt, stellt sich heraus: Erol hat den größeren Grill zuhause. Schwanzvergleich. „Mein Grill ist größer als deiner!“ Im Stück „Extrawurst“ geht es vor allem um männliche Egos und deren Eitelkeiten. Das hat nichts mit der Herkunft der Vorfahren, dem Aussehen oder der Religion zu tun. Dieses wichtigtuerische Rumgehampel um Schwanzvergleiche nervt – und es ist dabei völlig gleichgültig, ob die Beteiligten Matthias oder Erol heißen.

Heribert, der Vorstandsvorsitzende bügelt jeden Widerspruch ab, lässt keine Abstimmung zu, selbst als sich Widerstand dagegen regt. Das Alphamännchen will die Macht eben allein für sich behalten, auch wenn Matthias, der zweite Vorsitzende, sie gerne hätte. Unfähig sind sie beide, denn das Streben nach Macht und ihre eigene Eitelkeit verhindern, als daß sie die Sitzung in geordnete Bahnen lenken könnten. Auch wenn er, wie Thorsten, manche Dinge besser durchblickt als andere, werden rassistische Untertöne hörbar, die nur, wenn überhaupt, vordergründig witzig sind („…werde das mit Erol bei einer gemeinsamen Wasserpfeife klären“). Bei allem Witz des Stücks ist die Figur Heribert am ekelhaftigsten: seine Machtposition wird noch durch eine zu Beginn angedeutete Sexszene verstärkt. Damit klar ist, wer hier das Sagen hat. Im Verein. Und auch gegenüber Frauen (zumindest einmal im Jahr, wie der zweite Vorsitzende betont). Alle Mitglieder sind vor allem für eines vorhanden: für den Erhalt seines Prestiges. Es ist sein Tennisclub. Der Kreismeisterschaften-Sieg von Erol und Thorstens Frau ist nur ein Mittel dafür.

Und da wäre noch der Super-Ober-Checker Thorsten, der über alles Bescheid weiß und Vorträge halten muss. Ein echter Dampfplauderer. Ist er denn wirklich so tolerant, wie er anfangs zu sein scheint? Oder doch eifersüchtig, weil seine Frau (die zwar am wenigsten redet, dafür aber den Sachverhalt durchschaut und sinnvolle Vorschläge macht) aus Freude über den Sieg der Kreismeisterschaften Erol angeblich vier Minuten lang umarmt hat? Je hitziger die Diskussion auf der Bühne wird, desto mehr bröckelt die Fassade eines jeden Vereinsmitglieds.

Gisela hat übrigens wieder das ganze Buffet gestaltet. Danke, Gisela, daß dank  deiner unbezahlten Arbeit sich erneut andere den Bauch vollschlagen können und du nicht auf der Bühne sichtbar bist. Eine Tatsache, die Alltag für viele Frauen ist: sie versorgen andere, damit diese zur Arbeit, zum Kindergarten, zur Schule etc. kommen können und bleiben dabei Ungesehen und NICHT ENTLOHNT. Ganz gleichgültig, welche Hautfarbe, welche Herkunft sie oder ihre Vorfahren haben, diese Ungerechtigkeit betrifft alle Frauen. „Extrawurst“ zeigt bei allem Witz deshalb auch auf, daß Rassismus, Care-Gap, Egoismus, Sexismus und Arroganz in unserer Gesellschaft längst nicht überwunden sind. Deshalb lässt dieser Theaterabend die Besucher*innen nicht nur erheitert, sondern nachdenklich zurück.

Parkende Fahrräder neben dem EIngang zum Kolpingsaal in Werne an der Lippe

Die Last der Lastenrad-Ausleihe

Lastenräder sieht man immer häufiger im täglichen Straßenverkehr. Die Fahrer-/innen bringen damit ihre Kinder zum Kindergarten, so daß nicht noch mehr „Elterntaxis“, also PKWFahrer-/innen mit meist übergroßen Autos, sogenannten SUVs die öffentlichen Straßen benutzen und für noch mehr Straßenverkehr, Lärm und Abgase sorgen. Oder es wird beim Baumarkt, Getränkemarkt oder eben im Supermarkt eingekauft. Lastenräder sind größer als ein normales Zweirad, brauchen aber wesentlich weniger Platz als ein PKW – diese Räder sind wie gemacht für den Stadtverkehr. Denn die meisten Autofahrer-/innen transportieren meist nur eine Einkaufstasche und nicht, wie oft behauptet, gleich einen Kofferraum voller Waren oder täglich die fußkranke Verwandten zum Arzt/Ärztin.

Es macht durchaus Sinn, daß nicht jede*r ein Auto besitzt, denn es gibt Mietmodelle für Autos, z. B. carsharing. So könnte man auch über den Besitz von Lastenrädern denken. Abgesehen davon, daß mir das nötige Kleingeld für so ein tolles Rad fehlt, wüßte ich auch nicht, wo ich es sicher abstellen kann. Deshalb müssen vernünftige Leihsysteme her. In den letzten Jahren hat sich in Dortmund schon etwas getan. Aber das Angebot an Leih-Lastenrädern in Dortmund reicht bei weitem noch nicht aus, v.a. in den Sommermonaten. Im folgenden gibt es einen Überblick über die Verleihsituation von Lastenrädern im Stadtgebiet Dortmund.

Als ich 2015 nach Dortmund kam, sah ich zufällig einen Vertreter der Initiative VeloCityRuhr auf dem Campus mit einem roten Bullitt fahren. Die Infos waren bald besorgt, das Lastenrad immer wieder ausgeliehen. Einen Fahrbericht darüber kann man hier nachlesen.

Ein einziges Lastenrad für eine Stadt mit 500.000 bis 600.000 Einwohner-/innen? Es war klar, daß das nicht ausreicht. Und bei allem Enthusiasmus stößt man bei einem Lastenrad ohne Motor auch bald an die eigenen Grenzen… ab 10 Streckenkilometern mit mehr oder minder vollgeladener Wanne wird die Fahrt bei eher hügeligem Gelände zur Schinderei. Ich probierte den ULF aus, das Unnaer Lastenrad. Große Ladefläche, ruhiger Gang, gemütliches Rad. Auch diese Ausleihe ist kostenlos, es wird um Spenden gebeten. Soweit zu den Vorteilen. Der Nachteil dieses Rades: weiter Anfahrtsweg (rund 12 km) und als eine Art Hollandrad nicht wirklich für hügeliges Gelände, wie es zwischen der Verleihstation, der Radstation am Lünener Hauptbahnhof und Dortmund, meinem Wohnort, zu finden ist, geeignet. Man merkt bei diesem „bakfiets“, daß es für die Ebene gemacht ist – da rollt es auch mal schneller als 15 km/h. Aber ja nichts überstürzen, 20 km/h, da ist dann beim ULF aber wirklich Schluß mit der „Schnellfahrerei.“

Auch das Essener Lastenrad ELa (auch ein Bullitt wie der rote Rudolf) probierte ich in meinem Enthusiasmus aus. doch das war dann wirklich zu viel, 40 km Anfahrt zu haben. (Inzwischen gibt es auch E-Lastenräder in Essen zu leihen). Zurück brachte ich das Rad mit dem Zug, was auch keine Freude macht. Schon ein normales Rad ohne große Ladefläche auf einen Bahnsteig zu bringen ist in Deutschland eine Katastrophe, bei der „Pommesbude mit Gleisanschluß“ wie ein ehemaliger Oberbürgermeister den Dortmunder Hauptbahnhof zu Recht mal spöttisch nannte. Dort wird seit Jahren gebaut und gemacht. Und hey, ein Riese+Müller Packster 60 passt sogar in den neu errichteten Aufzug zu Gleis 23! (Warum das wichtig ist, dazu später mehr).

Im Frühjahr des Jahres 2020, als der Schock über die Coronakrise Geschäfte, das öffentliche Leben und auch den Geist eines jeden denkenden Menschen nahezu lahm legte, gab es eine unter den wenig guten Nachrichten: die Bezirksvertretung Innenstadt Nord hatte drei Leih-Lastenräder angeschafft, die nun ab sofort ausgeliehen werden können. Meine Freude war groß, endlich nicht mehr so lange Anfahrtswege zu haben. Das NOrdstadt-LAstenrad , kurz die NOLA würde ich nun öfter fahren.

Nicht so schwer wie ein Bullitt und sehr wendig: das NOLA, Modell: KARGON One. Eigenes Foto

Die ideale Fahrrad-Ausleihe sieht gewöhnlich so aus: 24 Stunden verfügbar, mit einer App zu buchen und durch einen Klick auf das smartphone oder die Abgabe an einer festen Station zurückzugeben. Das ist bei den 3 NOLAS, von denen zwei Räder auch Kindersitze haben, nicht so. Die Stadt Dortmund, bzw. die Bezirksvertretung mit ihrem Quartiersmanagement ist immer auf Institutionen angewiesen, die für sie die Ausleihe organsieren. Es gibt seit dem Beginn drei Verleih-Stellen: den Langen August (ein privates Kulturzentrum), die Firma GrünBau (Garten- und Landschaftsbauunternehmen) und den Fahrradladen 2WheelGarage. Beim LangenAugust übernimmt ein Ehrenamtlicher die Ausleihe und da es nicht seine Hauptaufgabe wie die Ausübung eines Berufes ist, kann er nicht immer vor Ort sein.

Ohne Motor, aber so wendig, daß man auch durch die nervigste aller Umlaufsperren in Dortmund kommt: mit der NOLA im Fredenbaumpark, kurz vor den Bootshäusern am Dortmund-Ems-Kanal.

Bei den anderen beiden KARGON-Lastenrädern NOLA ist die Zeit der Ausleihe an die Ladenöffnugnszeiten gekoppelt. Das ist verständlich, denn sowohl die 2WheelGarage wie auch GrünBau sind nur Dienstleister für den eigentlichen Ausleiher, das Quartiersmanagement Nordstadt. Ein Betrieb oder ein Laden können nicht wie eine App 24 Stunden agieren. Für Menschen, die das Lastenrad ausleihen möchten, um eben mal nicht das Auto für z. B. den Wocheneinkauf zu benutzen, sind diese beschränkten Zeiten aber von Nachteil. Bei GrünBau muss die NOLA um spätestens 15.30 Uhr zurück gegeben worden sein, bei der 2WheelGarage ist die dealine 18 Uhr, am donnerstag 15 Uhr, in den Wintermonaten ist der Laden samstags geschlossen. Aus Sicht der Ladenbesitzer*innen völlig verständlich – aber eben nicht so, wie es eigentlich bei Leihrädern, ganz gleich ob Lastenrad oder Tourenrad sein sollte. In Mannheim gibt es derzeit solch ein Verleihsystem mit 24-Stunden-Ausleihe. Da werde ich richtig neidisch! https://www.vrn.de/verbund/presse/pressemeldungen/pm/016410/index.html

Da ich leider kein Geld für eine neue Waschmaschine habe, die alte hat wohl die letzten beiden Umzüge nicht überlebt, ist die Lastenradausleihe für mich sehr wichtig. Durch die eingeschränkten Ausleihzeiten bin ich oft in Eile, muss zusehen, daß ich rechtzeitig beim Waschsalon bin, die Wäsche möglichst mit dem Lastenrad nach Hause bringe, um dann das Leihfahrzeug zum 2-3 km entfernten Verleiher zu bringen. Oft genug, auch ausgelöst durch andere ungute Umstände (Mattigkeit durch die Periode, Erschöpfung durch die Verdienstarbeit), musste ich nach Abgabe der NOLA die zwei dicken großen Taschen mit der nassen Wäsche mit dem normalen Rad nach Hause schieben. Auch bei nur 2-3 Kilometern eine Schinderei.

Man muss auch aufmerksam sein, damit nichts passiert: es gibt genug Idioten, die „Hilfe“ anbieten, dich aber nur ausrauben wollen. Hatte ich schon erlebt, ich wußte mich zu verteidigen. Dies gilt nicht nur für das Problemviertel Nordstadt Dortmund. Das Lastenrad NOLA ist Ausdruck der anderen Nordstadt, die eben nicht durch dicke Autos, Patriarchat, Armut allein und Kriminalität geprägt ist. Diese Personengruppe, zu der auch ich gehöre, ist allerdings in der Minderheit. Noch dazu sind alleinstehende Frauen, selbständig mit (Lastenrad)rad unterwegs, vielen Bewohnern hier mindestens suspekt. Diese Verachtung spüre ich jeden Tag von den männlichen Nachbarn. Ich bin die einzige Frau im Mietshaus. Wer jetzt die Klischeekiste gegen Migranten auspacken will: ich kenne es von früher auch nicht anders, nur waren die widerlichen Patriarchen männlich, katholisch und weiß. Von wem die Verachtung voller Sexismus und Misogynie kommt, ist mir egal – eins steht aber fest: Es muss endlich Schluß mit dieser Bosheit gegenüber Frauen, ganz gleich welcher Hautfarbe und Herkunft!

Ja, ich bin noch so old fashioned und bringe die nasse Wäsche nach Hause. Trocknerbetrieb im Waschsalon kostet zusätzlich Geld und Zeit, außerdem vertragen nicht alle Kleidungsstücke die geblasene heiße Luft. Nur wenn´s wirklich mal frostig draußen ist, ist es mit der Wäschetrocknung an der Leine schwierig. „Dank“ Klimawandel wird es aber immer seltener richtig Winter und damit selten richtig kalt.

Viel zu eng: Fußwege durch Dortmunds Straßen dank parkendem Blech.

Ich habe Verständnis für alle Verleiher der NOLAs, daß sie unmöglich 24 Stunden für eine Ausleihe zur Verfügung stehen können. Dennoch bleibt die Situation für die Ausleihe von Lastenrädern unbefriedigend.

Schauen wir doch mal… in den Südwesten!

Mehr aus Langweile oder weil ich was anderes suchte, stöberte ich auf der Seite http://www.cargobike.jetzt herum. Vielleicht gibt es ja doch noch eine andere Möglichkeit, an ein Lastenrad zu kommen…. Beim ULF war ich im Osten von Dortmund gewesen, schauen wir doch mal in… den Südwesten! tatsächlich gibt es in der Nachbarstadt Witten an der Ruhr ein E-Lastenrad zu leihen! Juhuu! 😀 Die „Pottkutsche„, ein Bullitt, Modell Bluebird mit geräumiger Ladefläche, Regenhaube und – nicht selbstverständlich – Gepäckträger hinten. Derzeit (Stand: Januar 2022) ist der Standort des Dienstleisters für die Initiative, die hinter der Pottkutsche steht, das Radcafé im Augustaviertel. Schwupps, habe ich mit der Pottkutschen-Ausleihe gleich mal meine Kenntnisse der Stadt Witten erweitert! Der Sattel (die Ausstattung ab Werk) ist für Damenhintern etwas unbequem, aber für meine Strecken bis 20 Kilometer noch ok.

Ich bin ja froh und dankbar, daß ich überhaupt an ein E-Lastenrad komme – das „nur“ einen Anfahrtsweg von 15 Kilometern hat. Zur Pottkutsche wird es noch einen ausführlicheren Artikel geben. Auch beim Wittener Lastenrad muss man die Ausleihzeitenbeachten (im Winter: bis 17 Uhr Abholung und Rückgabe). Spenden sind immer gern gesehen, es fehlt außerdem noch ein Restbetrag, damit ein zweites Lastenrad angeschafft werden kann, denn: auch in Witten ist emissionsfreie Transport-Mobilität sehr gefragt! Man muss mindestens einen Monat im Voraus buchen, um die Pottkutsche fahren zu können.

Mit dem normalen Rad eine Plage, mti dem Lastenrad locker zu machen: der Getränkekauf.

Meine absolute Favoritin, die ich sehr liebe (ok, ich gebe zu, Dinge kann man nicht lieben, also nicht wirklich) und sehr gern fahre, hat ihren Standort 35 Kilometer entfernt. Momentan leider nicht buchbar (Dezember 2021 /Januar 2022 wegen Reparaturarbeiten und Wechsel des Dienstleisters). Manche halten mich für verrückt, daß ich so weit fahre. Aber wenn man als Geringverdienerin schon die Möglichkeit hat, mal ein top Rad der höheren Preisklasse zu fahren, dann nimmt man auch längere Wege dafür in Kauf. Außerdem sind 35 bis 40 Kilometer Strecke mit einem E-Lastenrad locker zu bewältigen.

Ach GErda, schade, daß wir uns derzeit nicht treffen können. Kein Lastenrad fährt sich besser als ein Packster 60 von Riese und Müller. Mit keinem fühle ich mich so sicher wie mit diesem Rad. Übrigens, weder GErda noch ich sind Fußballfans, bestenfalls Sympathisantinnen der jeweiligen Vereine, bzw. Aktiengesellschaften. 😉 Ein einziges Mal hat mich der Motor in all den Jahren der Ausleihe verlassen, so daß ich nur mit Muskelkraft das schwere Rad fahren und mit dem Zug zurück zum Verleiher bringen hatte müssen. Und huhu, das Packster 60 passt in den neuen Aufzug am Dortmunder Hauptbahnhof!

Im Herbst 2021 las ich, daß nun endlich ein kommerzieller Anbieter von Elektro-Lastenrädern in Dortmund sei. Ich war neugierig und las mir alle Artikel und die Seite von der Firma Sigo sharing durch. Nur 7 Kilometer Anfahrtsweg, die Preise auch ok das sah nach einem guten und erreichbaren Angebot für Leih-Lastenräder, noch dazu mit Elektrounterstützung, aus. die Ausleihe erfolgt automatisch per App, also unabhängig von irgendwelchen Ladenöffnungszeiten. Im November lieh ich ein Rad, um bei einem Bekannten, der rund 15 Kilometer entfernt wohnt, die Wäsche zu waschen und auch zum Trocknen aufhängen zu können. Die Freude über das Sigo-Lastenrad währte aber nur kurz: nach nur 5 gefahrenen Kilometern verabschiedete sich der Motor. Danke auch! Ich hatte noch rund 30 Kilemeter insgesamt vor mir! dieser Abend war eine einzige Schinderei gewesen. Mich machte das wirklich wütend, weil ich von einem kommerziellen Anbieter schon erwarten kann, daß alles funktioniert. Ein heulend pfeifender Motor, der nicht funktioniert… man könnte glatt abergläubisch werden, wenn man das Sigo-Lastenrad fährt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Leider nicht so praktisch, wie es aussieht: ein Lastenrad von der Firma sigo-sharing. Eigenes Foto.

Im Gespräch mit einem Bekannten, der in Köln bei einem anderen Verleiher von (Lasten)rädern arbeitet, sprach ich die Sigo-Räder an. Er sagte mir, daß Motoren einer chinesischen Billigmarke verbaut seien. Ich stöhnte auf. Was nützt ein Elektro-Lastenrad, wenn ich mit nicht auf den Motor verlassen kann???

Auf einer Erkundungstour auf den Teilstücken des Radschnellwegs 1 in Bochum im November erzählte mir ein Teilnehmer, daß auch er als Mieter von sigo-Rädern die selben Erfahrungen gemacht habe. Der Motor fiele eben öfter aus. Wie bitte? soll das der „Normalzustand“ sein?

Den Namen Sigo kannte ich schon. In Bochum können Mieter*innen eines Wohnblocks diese Räder ausleihen.

https://www.bogestra.de/news-liste/news/article/neue-e-lastenraeder-fuer-bochum-bogestra-vivawest-und-sigo-starten-durch.html

Am 2. Januar 2022 wollte ich dem grauen Lastenrad mit dem grünen Firmenzeichen noch mal eine Chance geben. Es sollte eine Spaßtour werden, 30 Kilometer am südlichen Rand von Dortmund entlang und wieder zurück zur Vreleihstation vor den Studierendenwohnhäusern. Doch die Tragödie schrieb sich fort. Das selbe Elend. Glücklicherweise war ich noch nicht weit gefahren, keine fünf Kilometer von der Verleihstation entfernt. .

Die Verleihstation von sigo sharing in der Ostenbergstraße 99 in Dortmund.

Verärgert war ich dennoch. Ausflug unmöglich, Tag versaut! Ist ja ganz wundervoll, wenn man beim Kund*innentelefon immer jemanden erreicht, Verständnis für den eigenen Ärger und „Credits“ bekommt, auch Kostenerlaß. Auch das hatte mir der Bochumer Radfahrer erzählt: dass man oft Bonuspunkte bekäme. Sicher war ich froh, nichts für die verpatzte Ausliehe zahlen zu müssen. Ich habe momentan absurd viele Bonuspunkte, sogenannte „credits.“ Aber ist das der Sinn der Sache? Weder die Firma Sigo noch ich haben was davon: Sigo macht auf absehbare Zeit Verluste bis zum Konkurs, ich kann die „Credits“ nicht einlösen, weil der Motor nicht funktioniert. Heute übrigens bei beiden Rädern. Wäre eben zu schön gewesen, ohne Aufgabenerfüllung (Wäsche sauber bekommen), also ohne Streß mit dem E-Lastenrad unterwegs zu sein. Knurr.

Und ja, es gibt sogar noch ein E-Lastenrad in Dortmund. Aber das ist kein offiziell ausleihbares Rad, sondern im Privatbesitz eines Bekannten. Wenn er es für seine Familie braucht, ist es verständlicherweise nicht verfügbar. Ich freue mich immer, wenn ich das URBAN ARROW fahren kann. Meine Nummer 2 nach dem Packster 60 von Riese und Müller.

Mit dem Cabrio am Phönixsee in Dortmund.

Et maintenant? Wie geht´s jetzt weiter?

Ich weiß nicht, ob ich noch mal Zeit und Nerven investiere, um die knapp 7 Kilometer Anfahrt für das sigo-Lastenrad auf mich zu nehmen – wenn ohnehin zu erwarten ist, daß es wieder nicht funktionieren wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was schief gelaufen sein soll, was ich falsch gemacht haben sollte…. ich bin schon viele Lastenräder, mit und ohne Motor gefahren. Dennoch schrieb ich in meiner Beschwerde, daß ich mich gern mit dem Techniker/der Technikerin treffen würde, damit sie oder er mir das Rad noch mal genauer erklärt. Langsam vermute ich auch Vandalismus oder Wettereinflüsse als Ursache dieser zu häufigen Motorschäden. Finden Marder Elektromotoren-Leitungen genauso spannend wie die von Verbrennermotoren? Dann hat eines dieser Viecher vielleicht am sigo-Lastenrad was durchgebissen (und nicht überlebt).

Der ADFC Unna , mir bisher durch den ULF bekannt,war mit seinen Ortsverbänden in der letzten Zeit auch nicht untätig: auf der letzten Ciritcal Mass Dortmund sah ich zu meiner Freude ein E-Lastenrad aus der südlichen Nachbarstadt Schwerte, die Schwester (oder Bruder) des Riese + Müller Packster 60: das Modell load. Klar wurde mit dem Fahrer und Mieter des Rades gleich gefachsimpelt und gespaßt 😀 . Im Januar werde ich damit zu einem 15 Kilometer entfernten Ärztintermin fahren. Ich freue mich schon darauf. Wie nach Witten sind es auch „nur“ 15 Kilometer Anfahrt bis nach Schwerte – allerdings mit stärkeren Steigungen. Doch ich lasse nichts unversucht, trotz geringem Budget gute Lastenräder fahren und dabei von einem eigenen träumen zu können. Radfahren ist Leidenschaft. Meine Spende fällt eben nicht so üppig aus, wird aber gegeben, weil ich dankbar für die Leihräder bin. Wenn Technik das Leben der Menschen erleichtert, ohne die Umwelt zu sehr zu gefährden, soll sie das tun.

Schade eben, daß sich die Stadt Dortmund immer noch schwer tut, ein richtiges Verleihsystem für Elektroräder, insbesondere E-Lastenräder auf die Beine zu stellen. Das könnte in Kooperation mit nextbike erfolgen. Wenn überhaupt, findet die Ausleihe nur immer mit bestimmten kleinen, kaum bekannten Aktionen wie „Lappenlos“ statt. Ein Lastenrad zur Miete bekommt auch nur, wer bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllt. Mit einer richtigen Ausleihe von (Lasten)rädern hat das nichts zu tun. Stattdessen machen die Stadtwerke, DEW 21 weiterhin schön Werbung für „mehr blauen Himmel“, den ein Autofahrer im E-Auto sitzend, auf seinen Ausflügen sehen soll. Seltsam, den blauen Himmel sieht man eigentlich vor allem beim Radfahren und Spazierengehen. „E fahren“ heißt eben nicht nur Auto, sondern auch Radfahren. Das sollte allen, der Stadt wie den Stadtwerken eigentlich klar sein, wenn sie immer von der „emissionsfreien Innenstadt“ sprechen.

Was für 1 verrücktes Fahrrad-Wochenende! 3. und letzter Teil: Fahrradsternfahrt Ruhr am 19. September 2021

Am Freitag, den 17. September, den 3. Freitag im Monat gab es regulär die Critical Mass Dortmund. Ich war nur ein Stück, ca. 18 km Strecke, mitgefahren. Dank Periode war ich richtig fertig, spürte dazu ein großes Tief… schade um die nette Unterhaltung, die ich in diesem Moment hatte, ich musste erst mal adé sagen und die Mitfahrt beenden. Interessant, daß dieser Radler auch in der Nordstadt wohnt! So fühle ich mich nicht mehr so allein mit meiner Not auf der Straße. Plötzlich vom Rad fallen vor Erschöpfung und mehrere Stürze dadurch auslösen, das musste nicht sein. Ich war zumindest ein Stück bei der CM mitgefahren.

Samstag, den 18. September die Kidical Mass... und dann am Sonntag, den 19. September die FAHRRADSTERNFAHRT RUHR!

Was ist eine Sternfahrt überhaupt?

Bei einer Sternfahrt treffen sich Radfahrer*innen an verschiedenen Orten und radeln, den Strahlen eines Sterns gleich, auf ein gemeinsames Ziel zu. Im Jahr 2021 war dieses Ziel Lünen, bzw. der Seepark Lünen-Horstmar.

In Bochum hatte ich sie schon mal erlebt, Hagen leider verpasst gehabt….nun wollte ich ab dem Westfalenstadion mit nach Lünen fahren. Allerdings machte der Körper nicht so mit. Die Anstrengungen der vergangenen Tage war zu spüren, Samstag abend hatte ich noch zwei kleinere Aufgaben bei der Museumsnacht Dortmund übernommen gehabt.. Hätte ich doch ein Rad mit E-Motor! So habe ich leider die Fahrt über die B 1 und den Tunnel Wambel verpasst.

Großen Spaß bei der Durch-Radelung des Tunnels Wambel. sonst fahren hier nur Autos.

Aber der Grant war groß – groß genug, um die Wut in Muskelkraft umzusetzen. Ich fuhr auf eigenen Wegen Richtung Norden, Richtung Lünen. Ich wunderte mich etwas, daß die Sternfahrt nicht durch die Nordstadt ging! Da geht es doch nach Lünen!

Auf der häßlichen Bundesstraße, der Walter-Kohlmann-Straße ging es ab Stadtgrenze Dortmund flott Richtung Lünen, dem Ziel der Sternfahrt. Ich sah immer wieder auf Critical Maps nach dem aktuellen Standort der Radfahrer-/innen. Zu meiner Freude waren die einzelne Fahrerin und die vielen nicht mehr weit voneinander entfernt. Die Autos neben mir: plötzlich im Stau. ein dunkler Audi hupte. Tja Junge, nicht nur du musst warten. Er zeigte Tendenzen, auf den Standstreifen alle anderen überholen zu wollen. doch auf dem fuhr ich. Nee Freundchen, da kommst du nciht durch! dachte ich mir. Plötzlich war auf der Spur, auf der ich fuhr, ein Fahrrad-Piktogramm. Sachen gibt´s….

Und dann sah ich die vielen Radfahrer-/innen. Ein paar hatten sich schon wieder abgesetzt, diese kleine Gruppe von vielleicht 6 Radler-/innen war mir entgegen gekommen. „Seid Ihr die Sternfahrt?“ – „nee, aber dort!“ Ich tat einen Freudenschrei. Ich hatte die Sternfahrt doch noch erwischt! Allerdings, das Klientel hier war ein anderes als gestern. Hier war alles dabei, auch die Chaoten. Wenige Jugendliche, (zu) viele ältere Leute. Viele gelbe Wahnwesten, teiwleise mit ADFC-Aufdruck. Auch optisch wurde so das Problem der Überalterung vieler ADFC-Kreisverbände deutlich.

An dieser Stelle sei angemerkt: der Allgemeine Deutsche Fahrradclub bleibt ein wichtiger Akteur für die Verkehrswende, für die dringend umzusetzende Flächtengerechtigkeit des Verkehrsraumes. Ich persönlich habe mich auch schon mit bestimmten Mitgliedern und Vorsitzenden verkracht – was aber an deren Persönlichkeit und Fehlern auf beiden Seiten lag – nicht an der politischen Agenda des ADFC. Es kommt eben immer auf die Menschen drauf an, die im jeweiligen Kreisverband aktiv sind. In Iserlohn wird Autowerbung im Fahrradmagazin des ADFC geduldet, weil die Zuständigen nicht kapieren, daß und wie falsch das ist. Demnächst: Metzgerei-Werbung im Vegetarier*magazin. Merkste was? Ich habe 10 Jahre in Fürth bei Nürnberg gewohnt, war dort im KV Nürnberg aktiv. Bis heute blicke ich sehnsüchtig auf deren Tourenprogramm und die Zeit dort zurück.. Alle KVs, die ich danach kennenlernte, waren eine einzige Enttäuschung (über den aktuellen kann ich nicht so viel sagen, da ich dort nicht aktiv bin). Der KV Nürnberg hat viele Mitglieder, die eben so was wie dieses vielseitige Tourenprogramm tragen: es gibt nicht nur verschiedene Geschwindigkeitslevel von gemütlich bis sportlich (15 km/h bis 21 km/ und mehr), sondern auch extra Rennrad- und Mountainbiketouren, Thementouren, Stadtteil-Kennenlerntouren für Neubürger-/innen. Die Leute dort waren (und sind wohl auch heute noch) keine gefrusteten oder/und Rentner-/innen, wie ich sie nach meiner Nürnberger zeit erleben hatte müssen, sonder wach, fit und engagiert und lassen sich nicht so schnell entmutigen..

Wie bei einer CM auch lockt das Radfahren immer verschiedenste Menschentypen an, oft genug auch seltsame, eigenartige oder schlichtweg nervige Zeitgenossen. Bisher waren die Nervensägen fast immer Männer, so meine Beobachtung. Ich hatte eine Bekannte entdeckt, die ich freundlich grüßte. War erst mal nett. allerdings hatte sie einen unmöglichen Schreihals im Schlepptau, den sie kannte. Der Typ war unerträglich! Ich habe Verständnis, wenn sich jemand über etwas aufregt, was gerade passiert ist, weil es für Radfahrende ärgerlich ist. Aber dieser Pfeifendeckel musste wie ein Marktschreier irgendwas erzählen, was ihm am Freitag widerfahren sei. Ehrlich, das interessiert hier NIEMANDEN! Ganz sauber war der Typ nicht. Und ob das alles so stimmt…oh nerv mich nicht mit deinem Sermon, als ob du ein Teenager wärst, der das noch nicht kapiert! Man muss bei rassistischen Äußerungen immer widersprechen, aber hier wußte ich nicht so recht, wie ich dran war. Wohl war mir bei dieser Unterhaltung nicht. Ich merkte bald, daß es keinen Sinn hatte, mit diesem Dummkpf auch nur ein vernünftiges Wort zu reden, er hielt sich für die Weisheit schlechthin. Als er im Kreisel vor dem Seepark abbiegen wollte, stürmte ich davon.

Der Seepark in Lünen-Horstmar war das Ziel der Fahrradsternfahrt Ruhr 2021, ein schöner Ort. Und ich hatte endlich den Horstmarer See gefunden! Seltsam… so lange wohne ich schon im Ruhrgebiet und das hier war immer noch terra inkognita für mich bisher gewesen. Schön, danach einige bekannte Gesichter und Freunde zu treffen! 🙂 vor lauter plaudern und Hallo sagen kam ich gar nicht zur Toilette!

Auf einer Bühne gab es Live-Musik, meist aus Jazz und Swing, leider keine Fahrradsongs – und Redebeiträge. Danke Herr Bürgermeister in Lünen, die Forderungen für besseren Radverkehr gibt es schon, die brauchen sie nicht mehr breit walzen! Und ja, die Fahrt hierher war sicher – weil die Polizei die Route abgesichert hat! In der folgenden Rede reagierte der Landesvorsitzende Axel Fell darauf passend: die Politik solle endlich machen, denn sie sitzt in den Rathäusen wo über Verkehrsplanung und Änderung der Verkehrsinfrastruktur entschieden wird. Es brauche genügend Personal, damit die beschlossenen Maßnahmen für den Radverkehr umgesetzt werden können. Ein gutes Radgesetz muss endlich her. Bei allem gebotenen politischen Ernst soll eine Sternfahrt aber auch Spaß machen – und den hatten wir beim Radfahren und miteinander klönen.

Die nächste Fahrradsternfahrt Ruhr wird nach Gladbeck gehen. Das Datum dafür ist noch nicht bekannt.

Danke an alle, die bei der Organisation mitgeholen haben und an die Polizei, die die Route abgesichert hatte.

Allen Radfahrer-/innen mit zwei oder drei Rädern, mit Lastenrad, Tandem, Faltrad oder Pedal-Bike allzeit eine gute Fahrt! Zeigen wir, daß es im Alltag auf dem Weg zur ARbeit, zur Kita, zum Einkaufen u.a. auch ohne Auto klappt!

Pracht (und Schmutz) am selben Ort: Tag des offenen Denkmals 2021 macht Widersprüche sichtbar

Industriegeschichte Dortmunds: das ehemalige Hoesch-Gelände ist heute ein Museum.

Heute sieht es klein aus. Auf dem Weg zum Museumseingang gibt es „nur“ zwei Häuser, die neue (helles Haus) und die alte Hoesch-Verwaltung (Backstein-Gebäude). Der Blick durch das Tor lässt die Größe des ehemaligen Stahlwerks zumindest erahnen. Im Eck das Pförtner-Haus (links im Bild). Die Firma Hoesch in Dortmund, das war wie Thyssen-Krupp in Essen: ein großer Arbeitgeber, der für Vielbeschäftigung sorgte – aber auch für viel Dreck und Lärm. An drei Standorten, in Dortmund West, heute die Huckarder Straße und UnionGewerbeHof, in der Stadt Hörde im Süden (heute ein Stadtteil von Dortmund) und eben im Dortmunder Norden an der Westfalenhütte wurde Stahl produziert. Um 1840 kam Albert Hoesch aus der Eifel (Düren) nach Dortmund und baute nach und nach sein Unternehmen aus. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, daß das heutige ehemalige Firmengelände mal Ackerland war und zu einem großen Stahlwerk wurde. Durch das Tor kann man auf einen Teil des ehemaligen Werksgeländes sehen, das heute noch teilweise von ThyssenKrupp genutzt wird (ein Kaltwalzwerk und eine Abteilung für Oberflächentechnik).

Tor neben dem Pförtnerhaus am Werksgelände Hoesch Westfalenhütte. Fotos: A. Steger

Wenn auch nicht so imposant wie die Villa Hügel in Essen, so wirken die Gebäude imposant und es werden Widersprüche deutlich. Große, geräumige Gebäude mit Verzierungen, die Eindruck machen sollten, die Herrschaft des Firmeninhabers manifestieren sollen, auch Ehrfurcht wecken oder einschüchtern sollten. Die Wohnungen für die Arbeiter aber waren in kleinen Häusern eingerichtet. Die Arbeitersiedlungen waren ebenfalls auf dem Firmengelände, aber nicht direkt neben dem Eingang.

Neben dem Pförtnerhaus und dem ersten Verwaltungsgebäude (Backsteinbau) die Villa eines leitenden Angestellten (dort steht heute das helle Haus, das ThyssenKrupp noch teilweise nutzt). Man wollte als Chef oder Stellvertreter des Chefs immer alles im Blick haben (anders als heute, wurde im Vortrag betont). Als Arbeiter und Bewohner der kleinen Häuser der Arbeitersiedlung muss es schon beeindruckend gewesen sein, bei Ankunft vor der Schicht diese großen Bauten vorf sich zu haben, während man selbst in kleinen Wohnungen leben muss. 12-Stunden-Schichten, immer von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, dann wieder bis 6 Uhr morgens. Leider auch heute in manchen Berufen immer noch Realität; gesund für den Menschen war und ist das nicht. Von Arbeitsschutz wie Lärm-/Hitzeschutz etc. am Arbeitsplatz ganz zu schweigen. Das Stahlwerk Hoesch brachte vielen Dortmunder-/innen Lohn und Brot, aber auch viel Dreck und Umweltverschmutzung, Verletzungen und Krankheit, auch den Tod. Der Lärm im Stahlwerk muss auch in der Umgebung des Firmengeländes, unerträglich gewesen sein. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man Berichte über die Zeit im 19. Jahrhundert liest.

Gegenüber neben der Straße, die eigentlich die Fortsetzung der Stahlwerkstraße ist, sieht man rechts neben der Straße nur eine Wand (im Hintergrund rechts). Hier soll ein neues Wohnquartier entstehen. Auch durch diese Absperrung entstand bei mir der Eindruck, daß das alles nicht so groß ist. Die Größenangabe habe ich mir nicht gemerkt, wer hier mit offenen Augen unterwegs ist, bekommt aber zumindest einen Eindruck der Größe der ehemaligen Firma Hoesch.

Rechts neben der Straße (hinten rechts) entsteht auf dem ehem. Firmengelände Hoesch ein neues Wohnquartier.

Das Pförtner-Haus ist heute der Museumseingang. Hier musste jeder Arbeiter vorbei, das Tor im Inneren (heute nicht mehr vorhanden) wurde immer nur zu Schichtwechsel für ein paar Minuten geöffnet. Marke von der Wand nehmen und auf zum Arbeitsplatz. Jeder Mitarbeiter hatte eine Marke. Wenn eine fehlte, wurde ein Suchtrupp losgeschickt. Diese Praxis soll heute auch noch bei Feuerwehren üblich sein. Es wird, auch mit modernen Arbeitsschutzmaßnahmen, immer Berufe geben, deren Ausübung mit Gefahren verbunden ist.

Das Pförtnerhaus von Hoesch, links im Bild. Mit dem Torbogen soll es 1 Einheit bilden.
Das Pförtnerhaus von Hoesch, links im Bild. Mit dem Torbogen soll es 1 Einheit bilden. Jeder Arbeiter
musste zu Schichtbeginn am Pförtner vorbei gehen.

Links sind große Fenster zu sehen, diese Häuserfront war zuerst offen gewesen. Dies waren Arkaden, unter denen man sich z. B. bei Regen unterstellen konnte. In diesem Gebäude war der Eßsaal. Die Angehörigen der Arbeiter, die zum Mittagessen den Henkelmann vorbei brachten, konnten dort auf diese warten (dass mir jemand Essen in die Arbeit bringt, das ich nicht bezahlen muss, das möchte ich auch mal erleben..) Funktionalität und Form in einem vorhanden, diesen Eindruck von Architektur kann man hier gewinnen.

Das Motto des Tages des offenen Denkmals 2021 war „Schein und Sein.“ Sind Gebäude nur dafür da, schön zu sein? Oder haben sie auch eine Funktion? Bei der Führung zur Architektur des Hoesch-Geländes spielte die Funktion der Gebäude immer eine Rolle, so mein Eindruck, auch wenn die Schönheit, die Ausgestaltung der Fassade nicht zu kurz kam. Keine aufwendigen Blumenornamente, keine Putten oder anderen Figuren – aber dennoch Elemente, die die Hauswand zieren. Das helle Gebäude ist die neue Verwaltung ab 1912 erbaut. Heute wird es noch vom Nachfolger ThyssenKrupp, genutzt. Manche sprechen auch von einer feindlichen Übernahme, die in den 1990er Jahren stattgefunden haben muss.

Blätteronament am Hoesch-Verwaltungsgebäude ab 1912.
Blätteronament am Hoesch-Verwaltungsgebäude ab 1912.

Hoesch ließ seine Häuser im Stil des Historismus erbauen, einem Stilmix aus verschiedenen Baustilen vergangener Jahrhunderte. „Euch fällt auch nichts neues ein“ könnte man frech sagen. Oder den Architekten* vorwerfen, sie würden nur Kitsch schaffen. Mein Eindruck auf dem ehemaligen Hoesch-Gelände, soweit zugänglich, der nur einer von außen sein konnte, war: hier wurde mit keinem Stil übertrieben, es gibt ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Zierde und Funktionalität. Hier und da hätte sogar ein Blumenornament zu mehr Schönheit beigetragen.

Es war interessant, sich einmal nur mit der Architektur der Häuser auf dem Hoesch-Gelände zu befassen. Unverständlich aber bleibt, weshalb die Firma Thyssen-Krupp zu diesem besonderen Tag ihr Verwaltungsgebäude nicht für eine Führung geöffnet hatte. Offenbar ist ThyssenKrupp dieses kulturelle Erbe zu schwer, der „Aufwand“ zu groß, eine kleine Besucher*innengruppe in Begleitung des Werkschutzes wenigstens für 15 oder 20 Minuten das schöne Treppenhaus betrachten zu lassen. Wir standen als Besucher*innen nur vor dem Museum herum, konnten Fassaden und Bilder betrachten. So informativ der Vortrag war – die ehrenamtlichen Mitarbeiter-/innen sind sehr engagiert in ihrer Arbeit – so war es doch enttäuschend, nur ein Bild des prächtigen Treppenhauses zu sehen. Wie eine Zeitreise muss es sein, dort verweilen zu dürfen! Deshalb ein Appell an die Firma Thyssen-Krupp: lassen Sie uns Kulturinteressierte wenigstens an einem Tag des offenen Denkmals in Ihr Gebäude. Ihre Schreibtische interessieren uns nicht. Wir möchten nur das Treppenhaus sehen.

Verwaltung ThyssenKrupp ehem Hoesch. Darin das prächtige Treppenhaus.
Verwaltung ThyssenKrupp ehem Hoesch. Darin das prächtige Treppenhaus. Das Vordach war zuerst noch viel imposanter, der Eingang so gestaltet, daß Kutschen vorfahren konnten.

Informationen zum Hoesch-Museum Dortmund hier.

Informationen zum heutigen Eigentümer ThyssenKrupp in Dortmund hier.

Die Stiftung Denkmalschutz präsentiert sich hier.

Industriegeschichte Dortmunds: das ehemalige Hoesch-Gelände ist heute ein Museum.
Industriegeschichte Dortmunds: das ehemalige Hoesch-Gelände ist heute ein Museum.

Erobert die Stadt! Kidical Masses und Sternfahrt Ruhr im September 2021

Zu viele Privat-PKWs auf den Straßen, Engstellen, Falschparker*innen, deren Verhalten nicht gemaßregelt wird, Glasscherben und anderer Schmutz au Fuß- und Radwegen… das Radfahren in deutschen Städten ist noch lange nicht sicher. Wenn Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Rad bewegt werden sollen, braucht es sichere und gute Wege, um zur Arbeit, zur Kita oder zum Einkaufen fahren zu können. Die absurde Größe von Autos, vor allem des sogenannten „sportive Utility Vehicle“, kurz SUV macht es unmöglich, als Fahrer-/in eines solchen Fahrzeugs überhaupt ein Kind auf der Straße zu sehen. Diese „Autos“, die mehr Panzer als Auto sind, überragen ein 5- oder auch 10-jähriges Kind schon mit der Motorhaube. Platz zum Spielen bleibt ohnehin kaum, Parkplätze sind wichtiger, auf denen das Blech 23 Stunden am Tag rumsteht. Spiel-Platz, das ist nicht nur der separierte Bereich mit Rutsche und ‚Schaukel, das muss auch der Bürgersteig oder die Straße sein können!

Diese Zustände gilt es zu ändern. Die Stadt muss den Menschen, nicht privaten Fahrzeugen gehören. Dafür gibt es auch im Jahr 2021 wieder eine KIDDICAL MASS in DORTMUND, zeitgleich in vielen anderen Städten.

am: Samstag, den 18. September 2021

Start: 14 Uhr auf dem Friedensplatz in Dortmund

Ende: Tremoniapark (auf den flyern steht noch Westpark).

Es gibt auch Zubringer aus verschiedenen Stadtteilen, mit denen die Kinder und ihre Eltern zum zentralten Treffpunkt Friedenspaltz radeln können. Die Kidical Mass und all ihre Zubringer werden von der Polizei begleitet.

Genau Abfahrtszeiten und Orte für die Zubringer aus den Stadtteilen hier .

Dieses Wochenende in der Septembermitte ist ein richtiges Fahrradwochenende.

Am SONNTAG , den 19.09.2021 geht es für die Erwachsenen gleich weiter weiter: mit der STERNFAHRT RUHR 2021. In Lünen wird es zusätzlich eine Kidical Mass geben. Aus verschiedenen Städten raden Menschen nach Lünen, von der Ruhr zur Lippe und zeigen, da man auch ohne Auto und ohne klimschädliche Abgase gut vorankommt und sein/ihr Ziel erreichen kann. Für die Erreichung der Klimaziele ist das Fahrrad das Verkehrsmittle Nummer 1.

Die Zubringer-Routen sind die gedachten einzelnen Strahlen der Sterne, die Mitte und der Treffpunkt ist im Jahr 2021 die StadtLünen, nördlich von Dortmund, kurz vor dem Münsterland.

Zubringer-Routen und Abfahrtszeitpunkte hier.

Alle weiteren Infos zur Sternfahrt Ruhr hier.

Auch hier gilt das Motto: Verkehrswende JETZT!

Für sichere Wege im Alltag wie in der Freizeit!

Start: in Witten, Rathausplatz um 12.00 Uhr

Treffpunkt: 15.30 Uhr in Lünen-Horstmar, Seepark

Insgesamte Länge: ca. 34 km Strecke

Radfahrende bei der Demo im Juni 2021 Foto: Aufbruch Fahrrad

Parking Day im Kaiserstraßenviertel Dortmund am 17. September 2021

Die Stadt für Menschen statt Autos!

Ab 15 Uhr zeigen die Menschen in der Arndtstraße (Seitenstraße der Kaiserstraße), was alles möglcih ist, wenn nicht Autos die Straße zuparken. Zusammen in Ruhe sitzen, Kuchen essen, plaudern… vieles ist möglich. Nähere Infos bei der Nachbarschaftsinitiative KAISERN! .

Fahrrad-Termine in Dortmund im Juni 2021

Einmal 100 km weit durchs Ruhrgebiet – das sollte der Radschnellweg 1 sein, von Hamm bis nach Duisburg. 2020 sollte er fertig sein, die Stadt Dortmund wollte ihn bis 2024 fertiggestellt haben. Nun wird vom Jahr 2030 geredet.

Radfahren dort, wo sonst nur viele Autofahrende täglich fahren: B1 und B 54 werden zum Radschnellweg

Das wollen die Radinitiativen Aufbruch Fahrrad Dortmund und Fridays For Future nicht hinnehmen. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger veräppeln“ packen sie es selbst an und machen – zumindest temporär – die großen Autostraßen Bundesstraße 1 (B1) und B 54 zu Radschnellwegen. Mit Polizeibegleitung werden Radfahrende, die gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs sind, am Samstag über diese Auto-Schnellwege fahren.

Treffpunkt: Samstag, den 5. Juni, 2021, 16 Uhr Friedensplatz (nicht wie vorher angegeben Hansaplatz)

Infos: http://www.radschnellbahn.de

Radfahrende auf die Autobahn! Foto: Aufbruch Fahrrad

Die Heiligegartenstraße wird am Weltfahrradtag am 3. Juni 2021 temporär mit einer PopUpBikeLane ausgestattet.

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie wurde Kritik laut, daß die Stadt Dortmund keine PopUp-Radwege angelegt habe. Der Radverkehr hatte während der Coronakrise weltweit einen großen Boom erlebt, wie nicht nur die Verkaufszahlen für Fahrräder, sondern auch die steigende Anzahl von Radfahrenden auf den Straßen gezeigt hatte. Coronakonform unterwegs sein, das geht am besten mit dem Rad, weil mit diesem Verkehrsmittel die Abstände zum gegenüber gut einzuhalten sind.

Die Heiligegartenstraße in Dortmund ist in ihrer Fortführung zur Treibstraße und Grüne Straße im Westen auf der einen und Jägerstraße auf der anderen wie gemacht für eine PopUp-Bikelane, also einem geschützten Radfahrstreifen, um ohne große Umwege vom Bezirk Innenstadt Ost nach in den Westen der Stadt zu gelangen.

Die Heiligegartenstraße Dortmund Richtung Jägerstraße. eigenes Foto.

Verkehrswende von unten

Was die Stadt Dortmund nicht tut, das machen dann eben die Fahrrad-Verbände, „von unten.“

Am 3. Juni ist Weltfahrradtag. Diesen wichtigen Feier-Tag wollen Aufbruch Fahrrad und VeloCityRuhr feiern! Ab 15 Uhr wird ein PopUp-Radfahrstreifen in der Linie der Heiligegartenstraße – Treibstraße – Jägerstraße angelegt sein. Gemeinsam mit großen und kleinen Teddys werden Radfahrende für sichere Wege für kleine und große Verkehrsteilnehmer*innen demonstrieren. Denn für sichere Wege braucht es einen breiten Radfahrstreifen mit Qualität ohne faule Kompromisse.

Treffpunkt: Donnerstag, 3. Juni 2021, ab 15 Uhr am Freiherr-von-Stein-Platz gegenüber der Polizeiwache.

Hier wird die PopUpBikeLane am 3. Juni entlang laufen. eigenes Foto
Die Treibstraße als Fortsetzung der Heiligegartenstraße: eine wichtige Verbindung Richtung Weststadt.

Kleinstaaterei in der Coronakrise? Gut so!

kostenloses Foto, von pexels. Kleinstaaterei: auch in Deutschland die Krisenlösung bei Covid-19!

Trotz wieder steigender Zahlen von Covid-19-Infizierten will Gesundheitsminister Josef Laumann, NRW, dass Unterricht in den Schulen stattfindet. Doch rebellische Kommunen setzen sich durch! Eine Glosse von Angelika Steger

Hinweis: dieser Text könnte ironische und satirische Elemente enthalten.

Gut so!

Das wollte man nicht glauben: NRW-Gesundheitsminister Josef Laumann ordnet die Schulöffnung in ganz NRW an. Weil die „Inzidenzwerte unter 100 liegen.“ Der Landkreis Düren und die Stadt Dortmund protestieren: sie wollen nicht, dass die Anzahl der Corona-Infizierten steigt und steigt. Verständlich, denn schlecht für die Statistik. Außerdem muss der ohnehin defizitäre Flughafen Dortmund-Holzwickede wirtschaftlich gestärkt werden: die lia-weiße Fluglinie hat angekündigt, noch mehr Flüge nach Mallorca starten zu wollen. Mehr Infizierte -das hieße keine notwendigen Flugreisen für den Strandurlaub und kein Geld für den Flughafen mehr.

Doch: Minister Laumann bleibt hart. Bundesrecht bricht Landesrecht, Landesrecht bricht Kommunalrecht. Ganz gleich ob Dortmund, Iserlohn oder Düren: die Schulen müssen offen bleiben, Wechselunterricht soll die Ansteckung vermindern. Da kann der Oberbürgermeister von Dortmund noch so oft in die Kamera motzen, wettern und zetern, Wissenschaftsignoranz hat, das haben wir in der Coronakrise gelernt, in Deutschland inzwischen Tradition wie die Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert. Bis das Deutsche Reich 1871 als ein Land geformt werden konnte, lief viel Wasser den Rhein hinunter. Es gab es viele kleinere und größere Fürstentümer, Herzogtümer, Grafschaften, jedes mit eigenen Gesetzen, Zöllen, Währungen, Regierungen.

Und darin liegt die Chance für heute, der Lösung für die Coronakrise im 21. Jahrhundert. Auf zur Kleinstaaten-Bildung! Bayern, naja, das ist noch nie wirklich ein demokratisches Land gewesen, schon immer Königreich, auch wenn der derzeitige König, äh Ministerpräsident Markus Söder den schicken geschwungenen Bart und vornehme Haartolle von König Ludwig II. von Bayern vermissen lässt (obwohl die Friseur-/innenauch in Bayern wieder auf haben). Ab sofort begreift die Stadt Dortmund sich als Stadtstaat, Südwestfalen wird wieder zur Grafschaft Siegen-Wittgenstein unter der Herrschaft des Siegener Stadtrates, Essen und Duisburg wird vom Industrieadel Krupp regiert. Münster und das Umland gehen wieder an Preußen unter König Wilhelm II, äh Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, in Paderborn gibt es ohnehin ein Fürstbistum und Köln als Stadtstaat verwaltet den Rhein-Erft-Kreis gleich mit. Die Proklamation erfolgt dann per Zoom, als Hintergrundbild dient die Frankfurter Paulskirche. Zusammen erlassen sie eine eigene Impfverordnung, organsieren und führen Schnelltests selbständig durch. Und die foodsharing-Gruppen von NRW containern dafür den Astra-Zeneca-Impfstoff, den die Bundesregierung nicht mehr verimpfen will. Rebellion gegen Bundes- und Landesrecht. Mit Christian Drostens und Sandra Cieseks Konterfei als Amtssiegel. Gegen so viel Rebellion, ja da ist dann auch das kleine Düsseldorf machtlos und selbst der Bundesgesundheitsminister bekommt es bei so viel entschlossenem Tatendrang mit der Angst zu tun.. Ministerpräsident Armin Laschet wird mit sofortiger Wirkung Karnevalspräsident auf Lebenszeit, Josef Laumann sein Komparse. SO sieht moderne Pandemiebekämpfung aus! Pappnasen auf ewig zum Karneval, während verantwortungsvolle Herzoginnen und Grafen – äh Bürgermeister-/innen die Problemlösung selbst in die Hand nehmen.

Ganz Nordrhein-Westfalen ist von der Pandemiebeschleunigung bedroht?

Nein! Ein paar rebellische Bürgermeister-/innen und Landrät-/innen leisten Widerstand!

Deshalb: auf zur Kleinstaaterei!

Ein Spreader der positiven Art im Hafenviertel Dortmund – Corona-Update im November 2020

Novemer 2020 – und wieder ein Lockdown wegen dem elenden Coronavirus. Nicht so streng wie im Frühjahr, aber: Kneipen udn Theater müssen geschlossen bleiben. Bitter für viele, die kaum oder gar keine Familie mehr haben, die das Konzert, die Oper oder auch die Kneipe brauchen, um nicht allein zu sein, nicht zu vereinsamen. Nach der Pause im Sommer hatte man gehofft, dass es endlich wieder ein normales Leben gibt. Leider ist dem nicht so, weil die Zahl der Infizierten im November nicht soweit gesunken ist, wie es die Regierenden gerne gehabt hätten.

HIER gibt´s lecker Essen!Auch wenn das subrosa selbst geschlossen bleiben muss. Eignes Foto

Wie sollen, wie KÖNNEN die Gastronomen und Gastronominnen überleben? Auch die Clubs wie das domicil oder das FZW Dortmund? Die privaten Theater wie Roto-Theater, Hansa-Theater Hörde, das Fletch Bizzel? Ich mache mir wirklich Sorgen. Ich will keine Stadt, die nur noch von den verdammten Ketten wie starbucks beherrscht wird! In den DLF-Nachrichten ist zu hören: Bundesfinanzminister Scholz verkündet „November-Hilfen.“ Schön. Aber geht´s auch mal einfacher, ohne 1000 Seiten Antrag und tausenderlei Nachweise? Und vor allem. geht´s mal schneller? Die Vermieter u.a. warten nämlich nicht ewig auf die Mietzahlung, die Angstellten brauchen auch in Kurzarbeit ihr Geld, sollen sie nicht arbeitslos werden. Nachdem dieser Wahnsinn nun auch im Dezember fortgeführt werden soll, sollen die November-Hilfen auch zu Dezember -HIlfen werden.

Ob es aber immer dort ankommt, überhaut beantragt wird, das ist die Frage. Erstaunlich viel der Geldmenge, die schon im Frühjahr zugesagt weurde, ist noch vorhanden – weil es niemand beantragt hatte. Seltsam. vielleicht sollte das Antragsverfahren doch nicht so aufwendig und langwierig sein. https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/Corona-Hilfen-Kompliziert-und-langwierig,extra18714.html

Also, merkt Euch: erst Formulare ausfüllen – dann legt die Notärztin oder Notarzt los und hilft Euch- HAHA.

Lieblingskino oder Lieblingskneipe von der Existenz bedroht: was tun?

Was kann man als Kulturliebhaber-/in , Kneipengänger-/in tun? Die gekauften Karten nicht zurückgeben, damit das Geld Künstler-/innen und den Spielstätten zugute kommt. Das Kino Schauburg Dortmund verkauft zeitweise seine snacks oder Eis – zumindest mit dem Kauf dieser Dinge damit kann man eine kleine Unterstützung leisten, wenn schon keine Filme gezeigt werden dürfen.

Das Kino Schauburg, wie es sein sollte: geöffnet! Eigenes Foto

Und man kann sich was zum Essen von den Kneipen holen. Nein, hier findet eben KEIN superspreading mit Viren jeder Art statt! In der Nordstadt ist das u.a. der Grüne Salon, der zu bestimmten Zeiten Essen ausgibt. Und Natürlich auch Das Restaurant FABULOSE VON FRAU LOSE, der Unverpackt-Und Lebensmittelrettungs-Laden im Langen August wie im Geschäft selbst in der Rheinsichen Straße.

Gerade die Leute in Kneipen, Knzertsälen und im Fitnesszentrum halten sich vorbildlichst an die Maskenpflicht. Und gerade diese werden mit dem 2. und nun auch 3. Lockdown bestraft. Ich werde bald nicht mehr fertig mit Aufregen über diese Ungerechtigkeit – ja Unverschämtheit. Seltsam nur, dass täglcih mindestens 30 Leute aber jin einem Raum sitzen. Das nennt man dann Schule. Das Corona-Virus ist wohl das einzige, das ausschläft (Zitat extra3).

Aber jetzt mal Ruhe mit der Motzerei. Das subrosa, die schönste und beste Kneipe der Nordstadt Dortmund, bestreibt ein besonderes spreading: Das subrosa in der Nordstadt ist der SUPPENSPREADER von Montag bis Freitag von 13-15 Uhr. Also HIN DA!

Gneisenaustraße 58, Ecke Feldherrnstraße.

Freundliche Bedienung auch im Lockdown: Jascha mit Kürbissuppe. eigenes Foto.

Vor der Arbeit habe ich gleich von der Kürbissuppe probiert: Mmmmh, sehr lecker! 🙂 Und gut mit Pfeffer gewürzt 😉 DANKE SUBROSA! Hab ich gleich Essen für die Pause später. Inklusive frischem Toast.

http://www.hafenschaenke.de

KORREKTUR: das Sissikingkong musste nicht schließen, es ist nur weggezogen aus der Nordstadt – was hier sehr bedauert wird. Neue Adresse: Essener Straße 10, Dortmund. Abholung von vorbestelltem Essen ist von Mittwoch bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr möglich.

https://www.sissikingkong.de/speisekarte

Die gefährlich rollende Wand

Trotz guter Sichtverhältnisse werden Radfahrende von LKW-Fahrenden "übersehen." Vergangenen Freitag hatte ich solch ein Erlebnis - fast. Foto: pexels-photo by Vlad Cheu

Es kam plötzlich. Man vertraut schließlich anderen Verkehrsteilnehmer*innen ein Stück weit, dass sie sich an das Gebot Vorfahrtsgewährung halten – man muss es auch, sonst könnte man sich nie wieder nach draußen trauen. Oft habe ich als Alltags-Radfahrerin über derartige oder ähnlich geartete Unfälle gelesen – nun wäre es mir gestern abend selbst fast passiert. Während ich die Westfaliastraße entlang fahre, kommt ein*e LKW-Fahrer*in von rechts aus der Mallinckrodtstraße. Ich fahre – selbstverständlich mit funktionierendem Licht am Rad – direkt auf ihn oder sie zu, durch das Fahrerhausfenster MUSS ich sichtbar sein. Ich verlasse mich darauf, bin müde nach der Arbeit und habe keinen Nerv für Konflikte. Doch es kommt anders.

Ich bin an diesem Abend nicht sonderlich schnell, will aber die Stelle zügig passieren. Als ich etwa auf halber Höhe der LKW-Breite bin, kommt der Schock: die dichte, beleuchtete Wand kommt immer näher! Kann man so blind sein? Oder unaufmerksam, gedankenlos? Ich kann noch abdrehen und mich auf den Gehsteig hinter mir retten. Dann sehe ich, weshalb der / die Fahrerin des Logistikunternehmens wohl hauptsächlich angehalten hat: aus meiner Fahrtrichtung kommt ein*e anderer LKW-Fahrer*in angefahren. Ich bin zu schockiert, um laut zu schreien vor Wut und Entsetzen. Nur vorwurfsvolle Blicke Richtung Fahrer*haus kann ich ausrichten. Das dunkle Etwas von dem man als Außenstehender nicht weiß, was warum darin vorgeht. Die Kommunikation mit motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen ist immer schwieriger als mit Zweiradfahrenden.

Der andere LKW-Fahrer*in ist vorbeigefahren, in Richtung Hafen. Ich warte einen Moment, bis ich vor dem stehenden LKW das Rad vorbei schiebe. Extra langsam. Mein Gedanke: Freundchen, du sollst mir zum Nachdenken kommen! Eigentlich sollte man jetzt ein paar Worte, möglichst ohne Wut, wechseln. Aber ich kann auf der anderen Seite nur da stehen und in Richtung des dunklen Flecks schauen, hinter dem hoffentlich Menschen sitzen, die selbstkritisch über ihr Handeln nachdenken. Nach ein paar Momenten des Stillstands bewegt sich jede-/r wieder und fährt ihres und seines Weges. Welch Erstaunen auch, dass um 20.30 Uhr in einem Industriegebiet in Dortmund auch Radfahrende unterwegs sein können – man mag es nicht für möglich halten!

Ich wollte mir gar nicht so genau ausmalen, was passieren hätte können. Ich kenne genug furchtbare Unfälle (Zahlen von 2019 hier), oft mit Todesfolge. Und ohne gegen LKW-Fahrende schimpfen zu wollen: ihr Verhalten trägt oft dazu bei, dass es überhaupt zu Unfällen kommt. Immer nur das Tragen von schreiend gelber Neonkleidung und das Tragen eines Helms von Radfahrenden zu fordern, greift zu kurz, gibt den Opfern statt den Verursachern die Schuld am Unfall, an den Verletzungen. Ich bin weder Schüler*lotsin, noch Verkehrspolizistin noch Müllwerkerin. Wahnwesten erzeugen bei mir vor allem eins: Augenkrebs. Ganz zu schweigen von der elenden Schwitzerei durch den dichten Kunststoff. Was „Warnwesten“ (vor was soll bitte gewarnt werden?) bei mir NICHT ERZEUGEN: ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in andere, vor allem motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen, dass sie mich respektieren und damit möglichst keinen Unfall verursachen.

Die Behauptung, Radfahren sei überhaupt viel zu gefährlich, ist Unsinn. Auch in anderen Ländern funktioniert der Stadtverkehr mit hohem Radfahrer*anteil. Von Zeitungsberichten und Formulierungen, dass der fehlende Helm oder die nicht vorhandene, schreiend gelbe Wahnweste die Unfallursache gewesen sei, soll man sich nicht abschrecken lassen.

Dieser Vorfall am Freitag, den 6. November 2020, der fast zu einem tödlichen Unfall geworden wäre, hat mich schockiert. Die Ursache dieses Beinahe-Unfalls liegt aber nicht nur im Verhalten des/der LKW-Fahrerin begründet. Schuld an manchen Unfällen, wenn auch nicht diesem Beinahe-Unfall ist auch die miese, weil völlig unzureichende Verkehrsinfrastruktur der Stadt Dortmund. Im folgenden werde ich einige Stellen meines Arbeitswegs zeigen und erläutern, warum diese – auch bei StVO-konformen Verhalten von Radfahrenden gefährlich für sie ist.

Beginn der Westfaliastraße am Eck zur Unionstraße. Benutzungspflichtiger Radweg auf der falschen Seite. eigenes Foto.

Entlang der Westfaliastraße existiert tatsächlich ein gemeinsamer Rad- und Fußweg, durch niedrige Sträucher von der Fahrbahn getrennt. Die Idee der Trennung entspricht der Protected Bike Lane, kurz PBL, was zunächst positiv ist. Allerdings ist dieser Weg dennoch UNbenutzbar, weil er zu schmal ist. Denn er ist nicht nur als gemeinsamer Rad- und Fußweg, sondern auch als Zweirichtungsradweg beschildert. WIE SOLL man dort fahren können OHNE ZUSAMMENZUSTOßEN? Nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen sollen sich dort auf 2 Metern Breite zusammendrängen, während Auto- und LKW-Fahrerinnen viel Platz, der meiste Platz im gesamten Straßenraum zugestanden wird. Eine einzige Zumutung. Aber es fährt wohl niemand vom Tiefbauamt oder der Polizei bewußt in der Westfaliastraße noch sonstwo Rad, sonst würden deartige Mißstände mehr Eingang ins Bewußtsein und Handeln dieser Personen finden. Vor allem bei Polizist*innen ist eine große Ablehnung, fast schon Abscheu zu spüren, wenn man Kritik an derartigen Wegen übt, wenn sie vom Baum der Erkenntnis essen sollen. Kritik an Bestehendem oder Zweifel scheinen offenbar mehr Schmerz als eine Gewinnung von neuen, sinnvollen Erkenntnissen zu bedeuten.

Der gemeinsame Rad- und Fußweg entlang der Westfaliastraße läuft nur auf der linken, also falschen Seite. Bei dieser Planung wird automatisch daovn ausgegangen, dass Radfahrende immer nur geradeaus fahren. Eigenartig nur, dass sie auch mal abbiegen wollen! Würde ich für meinen Arbeitsweg, ganz gleich ob ab der Kreuzung Unionstraße oder aus der Gegenrichtung vom Hafen kommend, diesen Radweg benutzen, müßte ich immer -genau genommen rechtswidrig – mit dem Rad den Fußgängerüberweg über die Westfaliastraße (Bild unten) und über die Königsbergstraße nehmen, um auf der rechten Straßenseite zu sein. Dieser – schilderkonforme – Weg ist umständlich und zeitaufwendig. Kein! Autofahrende*r würde solch eine Wegeführung lange dulden!

Blick von der Königsbergstraße aus auf die Westfaliastraße Richtung Hafen. Auf der linken, also falschen Seite der benutzungspflichtige gemeinsame Rad- und Fußweg.

Warum Radfahrende nicht wie alle anderen Fahrzeuglenker*innen auf der Straße fahren, sich links, bzw. rechts einordnen und damit sicher und in einem Zug abbiegen sollen (und danach sofort die Kreuzung wieder freigeben zu können), ist mir ein Rätsel. Sicher sind Radfahrende langsamer, nicht immer kann man sie gleich überholen. Da ist eben Geduld gefragt für ein paar Sekunden, genauso wie bei aus- und einparkenden Blechkisten in der Innenstadt, die den Weg versperren und die meine eigene Weiterfahrt verzögern. Seltsamerweise wird das von den meistens Autofahrenden seltener als störend und zeitraubend empfunden, während ich mir als Radfahrerin, nicht nur auf der auf der Westfaliastraße aber öfter ein lautes „Raaadweeg!“ aus dem Autofenster anhören darf, als ob ich keine Fahrberechtigung und Existenzberechtigung auf der Straße hätte. Wow, wie die sich auskennen, obwohl sie nur in ihrem Auto sitzen. Demnächst erzähle ich auch einer Pilotin, wie sie wo zu fliegen hat. Haha.

Huch,endlich geschafft! Abgebogen in die Königsbergstraße. sie führt über die Westfaliastraße und verbindet diese mit der Huckarder Straße.

Auf der Straße wird man als Radfahrende gesehen, weil man eben nicht „plötzlich“ von links, also vom Radweg kommt, um die Straße queren zu können. Rechtzeitige Handzeichen machen den Richtungswechsel klar. Mit einem Bewußtsein, dass Radfahrende gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer* sind, dass Fahrradfahrer*innen zum Straßenverkehr selbstverständlich dazugehören, könnte es auf der Straße ein gutes Miteinander geben. In anderen Ländern klappt das schon längst, das Abendland ist dort nicht untergangen und keinem Mann ist irgendein Körperteil deshalb abgefallen. Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten aber in vielen Hirnen die Ansicht durchgesetzt, dass nur motorisierten Fahrzeugen und ihren Insassen die Straße gehört. Das Auto als Teil der Persönlichkeit. Die gesamte Verkehrspolitik des 20. Jahrhunderts – und heute zum großen Teil immer noch – ist auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet. Wenn das, was Autofahrende anrichten, nicht so schlimm wäre – die meisten Unfälle werden von motorisierten Fahrzeuglenker*innen verursacht, von der Luftverschmutzung mal ganz abgesehen – und nicht solch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt hätten, könne man sagen: naja, lass Ihnen ihre Spinnerei. Angesichts der vielen Ghostbikes, auch in Dortmund, ist dem aber nicht so. Das Auto ist kein harmloses Verkehrsmittel.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Benutzungspflicht dieses Radwegs in der Westfaliastraße sind die hohen Bordsteinkanten. Locker 20 cm hoch, sind sie höchstens war für Downhill- und Mountainbikefreund*innen, deren Territorium aber nicht die Teerstraße in der Stadt ist. Flüssiges, zügiges Fahren, das für alle Verkehrsteilnehmer*innen möglich sein muss, ist an dieser Stelle nicht möglich. Würde, ich , vom Containerhafen kommend, diesen Radweg benutzen wollen, müßte ich die Westfaliastraße queren, auf der rechten Fahrbahnseite anhalten und das Rad die Bordsteinkante hochheben. Es ist nicht ungefährlich, auf der Straße, mit dem Rad anzuhalten. Umständlicher geht es nicht. Hier ist NICHTS DURCHDACHT für den Radverkehr. Ich möchte die Autofahrer*innen sehen, die erst aussteigen und eine Schranke hochkurbeln müssen, durchfahren, die Schranke wieder runterkurbeln, um weiterfahren zu können. Auf dem folgenden Bild ist der zu hohe Bordstein deutlich zu erkennen. Bordsteine gehören abgesenkt!

Querung Westfaliastraße: der Bordstein ist weder gegenüber der Einmündung des Container-Hafen-Radwegs, (der ist gegenüber der Böschung neben der Bake) noch im weiteren Verlauf- nicht abgesenkt.
Nur schräg gegenüber findet sich eine Bordsteinabsenkung: weil dort ein Parkplatz ist. Der Bahnverkehr an dieser Stelle ist stillgelegt.

Um wenigstens nicht auf der Straße stehen und das Rad den Bordstein hochheben zu müssen, muss man entweder links (aus Blickrichtung der Fotografin) zur Einmündung der Mallinckrodtstraße fahren und mit dem motorisierten Verkehr zusammenzutreffen oder ein Stück nach rechts (vor den Autos im Bild) fahren, um eine abgesenkte Bordsteinkante zu haben. Beide Stellen der Bordsteinabsenkungen sind ungünstig, umständlich und auch nicht ungefährlich. Die motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen, die von der Mallninckrodtstraße sind zu Recht möglicherweise verwundert, wenn ich neben ihnen auftauche, um sicher abbiegen zu können. Da ich von der Seite komme, ist es – zumindest bei Tag oft gut möglich (und muss es auch bei Nacht sein), Blickkontakt zum Fahrerhaus bzw. deren Insassen aufzunehmen. Wenn die Damen und Herren außerdem das Blinken nicht vergessen, weiß ich auch Bescheid, wo sie hin wollen und es enstehen zumindest selten potenzielle Unfallsituationen.

Um nicht über zu hohe Bordsteine hopsen zu müssen (jedes Lager am Rad stöhnt dann auf), müsste man die Westfaliastraße schräg queren. Sehr umständlich. Auch Radfahrende wollen zügig zum Ziel, z. B. zur Arbeit kommen – ohne unnötige Umwege und Schlangenlinien!

Einziger abgesenkter Bordstein auf der linken Seite der Westfaliastraße, wo der Radweg läuft – weil dort ein Parkplatz ist.

Der Beinahe-Unfall gestern, der mich so geschockt hatte, fand in der Gegenrichtung statt. Ich war auf dem Heimweg, der von der Huckarder Straße auf die Königsbergstraße und von dort aus auf der Westfaliastraße Richtung Hafen verläuft. Nach der Einmündung Mallinckrodtstraße, aus der der LKW gefahren kam, der mich fast getroffen hätte, (nur für motorisierten Verkehr) biege ich in den Radweg ein, der zwischen Mallinckrodtstraße und Containerhafen Richtung Nordstadt verläuft.

Gleich rechts nach dem Verkehrsschild: die Abfahrt von der Mallinckrodtstraße für den motorisierten Verkehr. Dahinter: die Eimündung des Radwegs entlang des Containerhafens. Eigenes Foto.

Es gibt an dieser Stelle nichts, was die Sicht stören könnte. Am Freitag abend bin ich auf dieser Straße gefahren, mit Licht. Der LKW kam von rechts, hätte mich also aus dem Fahrerhaus-Seitenfenster sehen müssen – auch bei Dunkelheit, auch unter dieser Brücke. Selbst wenn man meint, nichts zu sehen, ist Vorsicht geboten! Denn: es könnte immer ein Fahrzeug kommen.

Wohlgemerkt: ich habe keine Haß auf den/die FahrerIn des LKWs. Aber die Tatsache, dass trotz guter Sichtverhältnisse sie oder er das eigene, viel größere Fahrzeug einfach weiterrollen hat lassen zeugt doch davon, dass man nicht mit querenden Verkehr, der nicht mindestens Autogröße hat, gerechnet hat. Ein großer Fehler, denn: Radfahrende und Fußgängerinnen sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen, die jederzeit und auf und neben Straßen (außer Autobahnen) unterwegs sein können! Auch an einem Freitag abend im November in einem Industriegebiet. Jeder noch so enge Lieferterminplan sollte, MUSS EIN MENSCHENLEBEN WERT SEIN, dass man bremst und wartet! – Anstatt zu denken: „um die Zeit kommt doch niemand.“

Was dringend notwendig ist: dass motorisierte Verkehrsteilnehmer*innen ein Bewußtsein entwickeln, dass Radfahren im Alltag auf der Straße völlig normal ist. Das wünsche ich mir von allen, die ein Auto oder LKW steuern. Dass man mit dem Rad nicht nur am Sonntag nachmmittag zum Ausflug (mit oder ohne Kinder) fährt. Radfahrende sind gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs. Die hellste oder grellste Kleidung und auch kein Fahrradhelm kann das Defizit an Aufmerksamkeit, Umsicht und Rücksicht anderer Verkehrsteilnehmer*nnen, vor allem von motorisierten, ausgleichen. Auch wenn sich manche oder mancher mit der Styroporhalbkugel am Kopf subjektiv sicherer fühlt. Entscheidend ist, dass man funktionierendes Licht hat und ein verkehrssicheres Fahrrad fährt.

Radfahren – natürlich mit Licht.

Umso größer das Fahrzeug, umso größer der Schaden, den man als Fahrer-/in damit anrichten kann – das sollten sich vor allem LKW-Fahrer*innen klar machen. Ein Denken wie „ich bin hier der Größte, mir gehört die Straße“ ist völlig fehl am Platz. Selbst mit einem Lastenrad kann ich mehr Blödsinn anstellen als mit einem ordinären Rad.

Völlig ohne LKW-Verkehr wird es auch in Zukunft nicht gehen, jedoch muss in Sachen #Verkehrswende dringend mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Längere Lieferzeiten würden für entspannteres Fahren und auch mehr Rücksicht sorgen – und der/die einzelne muss akzeptieren können, dass das Paket eben nicht heute ankommt, gerade das Mehl im Supermarkt ausverkauft ist oder es in der Bäckereifiliale keine Nußschnecken mehr gibt. Nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern: um ein entschleunigteres Leben zu haben, in dem man auf der Straße keine Angst um sein/ihr Leben haben muss. Außerdem trägt weniger motorisierter Verkehr zum Klimaschutz bei.

Die Stadt Dortmund ist aufgerufen, die Benutzungspflicht für diesen gemeinsamen Rad- und Fußweg in der Westfaliasstraße aufzuheben und ein schlüssiges Wegekonzept zu erarbeiten. Dieses ständige Hin und Her in der Wegeführung für Radfahrende ist ein Unding und führt bei ALLEN Verkehrsteilnehmenden zu großer Unsicherheit. Die Konzepte der Dutch Cycling Embassy enthalten dafür gute Anregungen. Die Vortragsreihe, die im September dazu stattgefunden hat, kann man hier nachhören und -sehen.

Passt auf Euch auf, da draußen. Und helft Euch gegenseitig, auch wenn „nichts passiert“ ist wie letzten Freitag. Ein paar freundliche Worte können schon unterstützend wirken. Denn der Schock wirkte auch eine Stunde später noch nach: außer Radiohören und 1 Bier trinken konnte ich zuhause nichts machen. Eine freundliche, unaufdringliche Ansprache und ein Stück Trost wären sehr hilfreich gewesen.

Weiterführende Links:

  • Forderungen des ADFC Berlin für LKW-Fahrer*innen: Diese Verkehrsteilnehmer*innen sind die Hauptursache für Radunfälle mit Todesfolge. Das ist auch durchaus auf Dortmund zu übertragen, auch wenn die Stadt kleiner ist.
  • Seite der Dutch Cycling Embassy hier.
  • Nicht jeder Weg im Alltag muss mit dem Auto zurückgelegt werden. Warum weniger Autos mehr Lebensqualität für alle bedeuten: der Verkehrsforscher Hermann Knoflacher im Interview mit der ZEIT. und dem ManagerMagazin.
  • Interview mit einer Überlebenden eines Unfalls, bei der ein Schwerlaster sie schwer verletzte. Beate Flanz hatte auch den Gedanken, doch besser nicht überlebt zu haben.