Besten Dank für die Informationsveranstaltung heute in der Nicolaikirche am 20. Januar 2026. Es ist wichtig, von den zuständigen Behördenmitarbeitenden auch direkt informiert zu werden, nicht nur über Websites und anderen Medien. Das kann auch zum Verständnis für die Baumaßnahmen und die damit verbundenen Einschränkungen führen. Es bleibt allerdings für viele Bürger*innen unverständlich, warum Sie nicht auch Ansprechpartner*innen des Tiefbauamtes und das Stadtplanuvgsamtes vor Ort dabei hatten. Das hatten mehrere Anwohende bei o.g. Veranstaltung deutlich angemerkt. Wenn Sie wegen der Abwasserkanalsanierung die Straßen Neuer Graben, Metzer Straße und Straßburger Straße schon aufreißen, dann ergibt das die Chance, diese Straßen nach Abschluss der Kanalsanierung auch neu zu gestalten, neu den Platz zu sortieren – und das ist dringend notwendig. Der #Klimawandel macht die #Verkehrswende notwendig, daran kommt auch Dortmund nicht vorbei. Zu sagen:“warum sollen wir was ändern, das haben wir schon immer so gemacht“ oder „ja, die Parksituation und der Zustand für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen ist eben so schon immer“ ist kurzsichtig und alles andere als auf die Zukunft gerichtet. Der Kanal muss und wird doch auch saniert – warum nicht auch die Straßen?
Im Alltag meist nur einseitig, bei BVB-Heimspielen völlig zugeparkt und unpaasierbar: eine STraße im Kreuzviertel.
Parksituation bei BVB-Heimspielen im Kreuzviertel
Auch wenn viele sagen „das ist halt schon immer so“ und den Lärm, die Abgase und Gestank vom Parksuchverkehr scheinbar hinnehmen, ist dies kein Grund, es nicht zu ändern! Denn dabei steht die Gesundheit alker auf dem Spiel, sowohl von Anwohner*innen wie von den Fans selbst. Vor jedem Heimspiel ist es das selbe Chaos: Zu viele Autofahrer*innen suchen sich einen Stehplatz, äh Parkplatz, den das Kreuzviertel (der Stadtteil nahe des Westfalenstadions) nicht existiert. Es wird eine Straße zugeparkt (auf beiden Seiten), an den Ecken der Kreuzungen alles zugestellt, so daß man keine Kreuzung mehr einsehen kann. Der Rettungsdienst oder die Feuerwehr kommen nicht mehr durch.Wie lange wird das „noch gut“ gehen? Bis der erste Mensch sterben muss, weil der Rettungsdienst nicht mehr durchkommt? Wollen Sie das wirklich verantworten? Warum gibt es kein anderes Verkehrskonzept in Zusammenarbeit mit dem BVB? Denn das ist entscheidend: dass die Stadtverwaltung/das Stadtplanungsamt mit dem BVB, dem VCD und dem ADFC zusammenarbeitet!
Es muss ein anderes Verkehrskonzept her, davon zeigt sich auch mein Nachbar und BVB-Fan, überzeugt. Mehr Parkplätze weiter draußen wie an der TU, dazu Shuttlebusse und eine für den MIV (private Autos) gesperrte Hohe Straße an Spieltagen wären ein Konzept.
Ich appelliere zusammen mit anderen Anwohnenden des Kreuzviertels an Sie, das Tiefbauamt und auch das Stadtplanungsamt mit ins Boot zu holen.
Die Kanalsanierung sorgt nicht nur für neue, sichere Ableitung von Abwasser, sie bietet auch die Möglichkeit, den Straßenraum endlich neu zu gestalten: nämlich weg von der Blechwüste hin zu einer fussgängerfreundlichen Straße! Auch außerhalb der Spieltage kommt man als,Fussgänger*in und Radfahrerin kaum zwischen den parkenden Autos durch, der Geheeg ist schon schmal und durch parkende Fahrzeuge unnötig eingeengt. Wenn man mehrere Tage hintereinander die Straßen beobachtet fällt auf: ein Großteil der Autos steht nur herum. Mir erzählt niemand, dass diese Autobesitzer*innen alle auf ihr Stehzeug (statt Fahrzeug) angewiesen sind! Menschen mit Rollator oder Rollstuhl haben überhaupt keine Chance, sich sicher auf den Gehwegen zu bewegen.
Im Gegensatz zu einem neu angelegten Park, der vorher in schlechtem Zustand gewesen war, sieht man den Zustand des 120 Jahre alten Abwasserkanals nicht – merkt aber sofort, wenn er nicht mehr funktioniert.
Außerdem appellieren wir (die Anwohner*innen bei der Infoveranstaltung) an Sie, den BVB in vollem Umfang über die Kanalsanierung und die damit stark eingeschränkten Parkmöglichkeiten zu informieren – damit der BVB seinerseits die Fans frühzeitig informieren kann.
Das Westfalenstadion in Dortmund. Der Ort, zu dem an Spieltagen sehr viele Menschen auf einmal hin wollen – zum BVB-Heimspiel.
Der BVB ist,so erfolgreich und berühmt, dass Fans und Gäste aus allen Himmelsrichtungen und sogar aus dem Ausland kommen. Jemand aus Göttingen, aus Südbayern, aus Sachsen oder den Niederlanden wird vor dem Besuch des Westfalenstadions bestimmt nicht auf Dortmund.de nach der Parkmöglichkeit schauen, sondern auf den Kanälen des BVB – und sich auf guten Fußball freuen. Deshalb ist es wichtig, den BVB über die stark eingeschränkten Parkmöglichkeiten wegen der Abwasserkanalsanierung zu informieren, damit dieser wiederum seine Fans das klar machen kann.
Leider setzt das Hirn bei zu vielen Dortmunder*innen allerdings komplett aus, wenn es um Fußball geht. „Plötzlich“ stören z.B. Falschparker angeblich nicht mehr. DOCH, tun sie! Es ist nur eine Frage der Zeit, wann jemand stirbt, weil der Rettungswagen nicht mehr rechtzeitig oder gar nicht mehr zum Haus des/der Patient*in kommt. Oder wenn man, selbst mit Rad, keine Kreuzung einsehen kann, weil rechtswidrig am Eck der Kreuzung geparkt wird – und es wegen eines eigentlich vermeidbaren Unfalls Verletzte gibt.
Und mal ernsthaft: Wollen Sie das? Wollen die BVB-Fans, die mit dem Auto anreisen (müssen) das? Wenn Unfälle oder Todesfälle vermieden werden können, dann MÜSSEN sie vermieden werden!
Ich verstehe und gönne jedem Fan ihren und ihren/ seinen Spaß am Fußball – aber nicht auf Kosten der Anwohner*innen.
Thema Starkregen-Ereignisse:
Es war schon schwach von dem Herrn der Stadtentwässerung, nur auf das Engagement der Hausbesitzer hinzuweisen, doch Flächen zu entsiegeln, um beim Projekt Schwammstadt mitzuwirken! Nein, der Abwasserkanal auch für den Abfluss von zu großen Mengen Regenwasser zu nutzen, greift zu kurz. Warum greift das Projekt Schwammstadt in der dicht bebauten Nordstadt (dazu gab es mal eine Informationsveranstaltung in der Kirchstraße), aber nicht im Kreuzviertel – mit dem Verweis, daß es im Kreuzviertel zu eng sei?
Die Kanalsanierung bietet die Chance, den Straßenraum zukunftsgerichtet zu verändern- und das heißt auch: Parkplätze wegnehmen, auch wenn sie angeblich heilig sind und Konzepte für die Schwammstadt umzusetzen. Dazu müssen eben mehrere Ämter zusammenarbeiten, daß ist mir klar. Wenn Sie im Krankenhaus waren, will Ihr Hausarzt oder -Ärztin auch informiert werden, auch wenn sie oder er nicht direkt was mit der Behandlung im Krankenhaus zu tun hatte.
Über Baulärm freut such niemand, das ist klar. Ich habe grundsätzlich Verständnis für die Kanalsanierung- aber beachten Sie bitte auch alles, was drum herum und nebenan der Baugrube passiert: dass diese Sanierung auch die Chance zur Neugestaltung des Straßenraums und damit zu einer besseren Lebensqualität bietet.
Lastenräder sieht man immer häufiger im täglichen Straßenverkehr. Die Fahrer-/innen bringen damit ihre Kinder zum Kindergarten, so daß nicht noch mehr „Elterntaxis“, also PKWFahrer-/innen mit meist übergroßen Autos, sogenannten SUVs die öffentlichen Straßen benutzen und für noch mehr Straßenverkehr, Lärm und Abgase sorgen. Oder es wird beim Baumarkt, Getränkemarkt oder eben im Supermarkt eingekauft. Lastenräder sind größer als ein normales Zweirad, brauchen aber wesentlich weniger Platz als ein PKW – diese Räder sind wie gemacht für den Stadtverkehr. Denn die meisten Autofahrer-/innen transportieren meist nur eine Einkaufstasche und nicht, wie oft behauptet, gleich einen Kofferraum voller Waren oder täglich die fußkranke Verwandten zum Arzt/Ärztin.
Es macht durchaus Sinn, daß nicht jede*r ein Auto besitzt, denn es gibt Mietmodelle für Autos, z. B. carsharing. So könnte man auch über den Besitz von Lastenrädern denken. Abgesehen davon, daß mir das nötige Kleingeld für so ein tolles Rad fehlt, wüßte ich auch nicht, wo ich es sicher abstellen kann. Deshalb müssen vernünftige Leihsysteme her. In den letzten Jahren hat sich in Dortmund schon etwas getan. Aber das Angebot an Leih-Lastenrädern in Dortmund reicht bei weitem noch nicht aus, v.a. in den Sommermonaten. Im folgenden gibt es einen Überblick über die Verleihsituation von Lastenrädern im Stadtgebiet Dortmund.
Als ich 2015 nach Dortmund kam, sah ich zufällig einen Vertreter der Initiative VeloCityRuhr auf dem Campus mit einem roten Bullitt fahren. Die Infos waren bald besorgt, das Lastenrad immer wieder ausgeliehen. Einen Fahrbericht darüber kann man hier nachlesen.
Ein einziges Lastenrad für eine Stadt mit 500.000 bis 600.000 Einwohner-/innen? Es war klar, daß das nicht ausreicht. Und bei allem Enthusiasmus stößt man bei einem Lastenrad ohne Motor auch bald an die eigenen Grenzen… ab 10 Streckenkilometern mit mehr oder minder vollgeladener Wanne wird die Fahrt bei eher hügeligem Gelände zur Schinderei. Ich probierte den ULF aus, das Unnaer Lastenrad. Große Ladefläche, ruhiger Gang, gemütliches Rad. Auch diese Ausleihe ist kostenlos, es wird um Spenden gebeten. Soweit zu den Vorteilen. Der Nachteil dieses Rades: weiter Anfahrtsweg (rund 12 km) und als eine Art Hollandrad nicht wirklich für hügeliges Gelände, wie es zwischen der Verleihstation, der Radstation am Lünener Hauptbahnhof und Dortmund, meinem Wohnort, zu finden ist, geeignet. Man merkt bei diesem „bakfiets“, daß es für die Ebene gemacht ist – da rollt es auch mal schneller als 15 km/h. Aber ja nichts überstürzen, 20 km/h, da ist dann beim ULF aber wirklich Schluß mit der „Schnellfahrerei.“
Auch das Essener Lastenrad ELa (auch ein Bullitt wie der rote Rudolf) probierte ich in meinem Enthusiasmus aus. doch das war dann wirklich zu viel, 40 km Anfahrt zu haben. (Inzwischen gibt es auch E-Lastenräder in Essen zu leihen). Zurück brachte ich das Rad mit dem Zug, was auch keine Freude macht. Schon ein normales Rad ohne große Ladefläche auf einen Bahnsteig zu bringen ist in Deutschland eine Katastrophe, bei der „Pommesbude mit Gleisanschluß“ wie ein ehemaliger Oberbürgermeister den Dortmunder Hauptbahnhof zu Recht mal spöttisch nannte. Dort wird seit Jahren gebaut und gemacht. Und hey, ein Riese+Müller Packster 60 passt sogar in den neu errichteten Aufzug zu Gleis 23! (Warum das wichtig ist, dazu später mehr).
Im Frühjahr des Jahres 2020, als der Schock über die Coronakrise Geschäfte, das öffentliche Leben und auch den Geist eines jeden denkenden Menschen nahezu lahm legte, gab es eine unter den wenig guten Nachrichten: die Bezirksvertretung Innenstadt Nord hatte drei Leih-Lastenräder angeschafft, die nun ab sofort ausgeliehen werden können. Meine Freude war groß, endlich nicht mehr so lange Anfahrtswege zu haben. Das NOrdstadt-LAstenrad , kurz die NOLA würde ich nun öfter fahren.
Nicht so schwer wie ein Bullitt und sehr wendig: das NOLA, Modell: KARGON One. Eigenes Foto
Die ideale Fahrrad-Ausleihe sieht gewöhnlich so aus: 24 Stunden verfügbar, mit einer App zu buchen und durch einen Klick auf das smartphone oder die Abgabe an einer festen Station zurückzugeben. Das ist bei den 3 NOLAS, von denen zwei Räder auch Kindersitze haben, nicht so. Die Stadt Dortmund, bzw. die Bezirksvertretung mit ihrem Quartiersmanagement ist immer auf Institutionen angewiesen, die für sie die Ausleihe organsieren. Es gibt seit dem Beginn drei Verleih-Stellen: den Langen August (ein privates Kulturzentrum), die Firma GrünBau (Garten- und Landschaftsbauunternehmen) und den Fahrradladen 2WheelGarage. Beim LangenAugust übernimmt ein Ehrenamtlicher die Ausleihe und da es nicht seine Hauptaufgabe wie die Ausübung eines Berufes ist, kann er nicht immer vor Ort sein.
Ohne Motor, aber so wendig, daß man auch durch die nervigste aller Umlaufsperren in Dortmund kommt: mit der NOLA im Fredenbaumpark, kurz vor den Bootshäusern am Dortmund-Ems-Kanal.
Bei den anderen beiden KARGON-Lastenrädern NOLA ist die Zeit der Ausleihe an die Ladenöffnugnszeiten gekoppelt. Das ist verständlich, denn sowohl die 2WheelGarage wie auch GrünBau sind nur Dienstleister für den eigentlichen Ausleiher, das Quartiersmanagement Nordstadt. Ein Betrieb oder ein Laden können nicht wie eine App 24 Stunden agieren. Für Menschen, die das Lastenrad ausleihen möchten, um eben mal nicht das Auto für z. B. den Wocheneinkauf zu benutzen, sind diese beschränkten Zeiten aber von Nachteil. Bei GrünBau muss die NOLA um spätestens 15.30 Uhr zurück gegeben worden sein, bei der 2WheelGarage ist die dealine 18 Uhr, am donnerstag 15 Uhr, in den Wintermonaten ist der Laden samstags geschlossen. Aus Sicht der Ladenbesitzer*innen völlig verständlich – aber eben nicht so, wie es eigentlich bei Leihrädern, ganz gleich ob Lastenrad oder Tourenrad sein sollte. In Mannheim gibt es derzeit solch ein Verleihsystemmit 24-Stunden-Ausleihe. Da werde ich richtig neidisch!https://www.vrn.de/verbund/presse/pressemeldungen/pm/016410/index.html
Da ich leider kein Geld für eine neue Waschmaschine habe, die alte hat wohl die letzten beiden Umzüge nicht überlebt, ist die Lastenradausleihe für mich sehr wichtig. Durch die eingeschränkten Ausleihzeiten bin ich oft in Eile, muss zusehen, daß ich rechtzeitig beim Waschsalon bin, die Wäsche möglichst mit dem Lastenrad nach Hause bringe, um dann das Leihfahrzeug zum 2-3 km entfernten Verleiher zu bringen. Oft genug, auch ausgelöst durch andere ungute Umstände (Mattigkeit durch die Periode, Erschöpfung durch die Verdienstarbeit), musste ich nach Abgabe der NOLA die zwei dicken großen Taschen mit der nassen Wäsche mit dem normalen Rad nach Hause schieben. Auch bei nur 2-3 Kilometern eine Schinderei.
Zu viel für ein Trekkingrad: 2 volle Taschen gewaschene Wäsche.
Man muss auch aufmerksam sein, damit nichts passiert: es gibt genug Idioten, die „Hilfe“ anbieten, dich aber nur ausrauben wollen. Hatte ich schon erlebt, ich wußte mich zu verteidigen. Dies gilt nicht nur für das Problemviertel Nordstadt Dortmund. Das Lastenrad NOLA ist Ausdruck der anderen Nordstadt, die eben nicht durch dicke Autos, Patriarchat, Armut allein und Kriminalität geprägt ist. Diese Personengruppe, zu der auch ich gehöre, ist allerdings in der Minderheit. Noch dazu sind alleinstehende Frauen, selbständig mit (Lastenrad)rad unterwegs, vielen Bewohnern hier mindestens suspekt. Diese Verachtung spüre ich jeden Tag von den männlichen Nachbarn. Ich bin die einzige Frau im Mietshaus. Wer jetzt die Klischeekiste gegen Migranten auspacken will: ich kenne es von früher auch nicht anders, nur waren die widerlichen Patriarchen männlich, katholisch und weiß. Von wem die Verachtung voller Sexismus und Misogynie kommt, ist mir egal – eins steht aber fest: Es muss endlich Schluß mit dieser Bosheit gegenüber Frauen, ganz gleich welcher Hautfarbe und Herkunft!
Ja, ich bin noch so old fashioned und bringe die nasse Wäsche nach Hause. Trocknerbetrieb im Waschsalon kostet zusätzlich Geld und Zeit, außerdem vertragen nicht alle Kleidungsstücke die geblasene heiße Luft. Nur wenn´s wirklich mal frostig draußen ist, ist es mit der Wäschetrocknung an der Leine schwierig. „Dank“ Klimawandel wird es aber immer seltener richtig Winter und damit selten richtig kalt.
Viel zu eng: Fußwege durch Dortmunds Straßen dank parkendem Blech.
Ich habe Verständnis für alle Verleiher der NOLAs, daß sie unmöglich 24 Stunden für eine Ausleihe zur Verfügung stehen können. Dennoch bleibt die Situation für die Ausleihe von Lastenrädern unbefriedigend.
Schauen wir doch mal… in den Südwesten!
Mehr aus Langweile oder weil ich was anderes suchte, stöberte ich auf der Seite http://www.cargobike.jetztherum. Vielleicht gibt es ja doch noch eine andere Möglichkeit, an ein Lastenrad zu kommen…. Beim ULF war ich im Osten von Dortmund gewesen, schauen wir doch mal in… den Südwesten! tatsächlich gibt es in der Nachbarstadt Witten an der Ruhr ein E-Lastenrad zu leihen! Juhuu! 😀 Die „Pottkutsche„, ein Bullitt, Modell Bluebird mit geräumiger Ladefläche, Regenhaube und – nicht selbstverständlich – Gepäckträger hinten. Derzeit (Stand: Januar 2022) ist der Standort des Dienstleisters für die Initiative, die hinter der Pottkutsche steht, das Radcafé im Augustaviertel. Schwupps, habe ich mit der Pottkutschen-Ausleihe gleich mal meine Kenntnisse der Stadt Witten erweitert! Der Sattel (die Ausstattung ab Werk) ist für Damenhintern etwas unbequem, aber für meine Strecken bis 20 Kilometer noch ok.
Ich bin ja froh und dankbar, daß ich überhaupt an ein E-Lastenrad komme – das „nur“ einen Anfahrtsweg von 15 Kilometern hat. Zur Pottkutsche wird es noch einen ausführlicheren Artikel geben. Auch beim Wittener Lastenrad muss man die Ausleihzeitenbeachten (im Winter: bis 17 Uhr Abholung und Rückgabe). Spenden sind immer gern gesehen, es fehlt außerdem noch ein Restbetrag, damit ein zweites Lastenrad angeschafft werden kann, denn: auch in Witten ist emissionsfreie Transport-Mobilität sehr gefragt! Man muss mindestens einen Monat im Voraus buchen, um die Pottkutsche fahren zu können.
Mit dem normalen Rad eine Plage, mti dem Lastenrad locker zu machen: der Getränkekauf.
Meine absolute Favoritin, die ich sehr liebe (ok, ich gebe zu, Dinge kann man nicht lieben, also nicht wirklich) und sehr gern fahre, hat ihren Standort 35 Kilometer entfernt. Momentan leider nicht buchbar (Dezember 2021 /Januar 2022 wegen Reparaturarbeiten und Wechsel des Dienstleisters). Manche halten mich für verrückt, daß ich so weit fahre. Aber wenn man als Geringverdienerin schon die Möglichkeit hat, mal ein top Rad der höheren Preisklasse zu fahren, dann nimmt man auch längere Wege dafür in Kauf. Außerdem sind 35 bis 40 Kilometer Strecke mit einem E-Lastenrad locker zu bewältigen.
my loveliest one: das Packster 60 von Riese und Müller. ❤
Ach GErda, schade, daß wir uns derzeit nicht treffen können. Kein Lastenrad fährt sich besser als ein Packster 60 von Riese und Müller. Mit keinem fühle ich mich so sicher wie mit diesem Rad. Übrigens, weder GErda noch ich sind Fußballfans, bestenfalls Sympathisantinnen der jeweiligen Vereine, bzw. Aktiengesellschaften. 😉 Ein einziges Mal hat mich der Motor in all den Jahren der Ausleihe verlassen, so daß ich nur mit Muskelkraft das schwere Rad fahren und mit dem Zug zurück zum Verleiher bringen hatte müssen. Und huhu, das Packster 60 passt in den neuen Aufzug am Dortmunder Hauptbahnhof!
Im Herbst 2021 las ich, daß nun endlich ein kommerzieller Anbieter von Elektro-Lastenrädern in Dortmund sei. Ich war neugierig und las mir alle Artikel und die Seite von der Firma Sigo sharingdurch. Nur 7 Kilometer Anfahrtsweg, die Preise auch ok das sah nach einem guten und erreichbaren Angebot für Leih-Lastenräder, noch dazu mit Elektrounterstützung, aus. die Ausleihe erfolgt automatisch per App, also unabhängig von irgendwelchen Ladenöffnungszeiten. Im November lieh ich ein Rad, um bei einem Bekannten, der rund 15 Kilometer entfernt wohnt, die Wäsche zu waschen und auch zum Trocknen aufhängen zu können. Die Freude über das Sigo-Lastenrad währte aber nur kurz: nach nur 5 gefahrenen Kilometern verabschiedete sich der Motor. Danke auch! Ich hatte noch rund 30 Kilemeter insgesamt vor mir! dieser Abend war eine einzige Schinderei gewesen. Mich machte das wirklich wütend, weil ich von einem kommerziellen Anbieter schon erwarten kann, daß alles funktioniert. Ein heulend pfeifender Motor, der nicht funktioniert… man könnte glatt abergläubisch werden, wenn man das Sigo-Lastenrad fährt.
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?Leider nicht so praktisch, wie es aussieht: ein Lastenrad von der Firma sigo-sharing. Eigenes Foto.
Im Gespräch mit einem Bekannten, der in Köln bei einem anderen Verleiher von (Lasten)rädern arbeitet, sprach ich die Sigo-Räder an. Er sagte mir, daß Motoren einer chinesischen Billigmarke verbaut seien. Ich stöhnte auf. Was nützt ein Elektro-Lastenrad, wenn ich mit nicht auf den Motor verlassen kann???
Auf einer Erkundungstour auf den Teilstücken des Radschnellwegs 1 in Bochum im November erzählte mir ein Teilnehmer, daß auch er als Mieter von sigo-Rädern die selben Erfahrungen gemacht habe. Der Motor fiele eben öfter aus. Wie bitte? soll das der „Normalzustand“ sein?
Den Namen Sigo kannte ich schon. In Bochum können Mieter*innen eines Wohnblocks diese Räder ausleihen.
Am 2. Januar 2022 wollte ich dem grauen Lastenrad mit dem grünen Firmenzeichen noch mal eine Chance geben. Es sollte eine Spaßtour werden, 30 Kilometer am südlichen Rand von Dortmund entlang und wieder zurück zur Vreleihstation vor den Studierendenwohnhäusern. Doch die Tragödie schrieb sich fort. Das selbe Elend. Glücklicherweise war ich noch nicht weit gefahren, keine fünf Kilometer von der Verleihstation entfernt. .
Die Verleihstation von sigo sharing in der Ostenbergstraße 99 in Dortmund.
Verärgert war ich dennoch. Ausflug unmöglich, Tag versaut! Ist ja ganz wundervoll, wenn man beim Kund*innentelefon immer jemanden erreicht, Verständnis für den eigenen Ärger und „Credits“ bekommt, auch Kostenerlaß. Auch das hatte mir der Bochumer Radfahrer erzählt: dass man oft Bonuspunkte bekäme. Sicher war ich froh, nichts für die verpatzte Ausliehe zahlen zu müssen. Ich habe momentan absurd viele Bonuspunkte, sogenannte „credits.“ Aber ist das der Sinn der Sache? Weder die Firma Sigo noch ich haben was davon: Sigo macht auf absehbare Zeit Verluste bis zum Konkurs, ich kann die „Credits“ nicht einlösen, weil der Motor nicht funktioniert. Heute übrigens bei beiden Rädern. Wäre eben zu schön gewesen, ohne Aufgabenerfüllung (Wäsche sauber bekommen), also ohne Streß mit dem E-Lastenrad unterwegs zu sein. Knurr.
Etwas abseitiger Standort, aber in sich gut organisiert: die Verleihstation für das Sigo-Lastenrad.
Und ja, es gibt sogar noch ein E-Lastenrad in Dortmund. Aber das ist kein offiziell ausleihbares Rad, sondern im Privatbesitz eines Bekannten. Wenn er es für seine Familie braucht, ist es verständlicherweise nicht verfügbar. Ich freue mich immer, wenn ich das URBAN ARROW fahren kann. Meine Nummer 2 nach dem Packster 60 von Riese und Müller.
Mit dem Cabrio am Phönixsee in Dortmund.
Et maintenant? Wie geht´s jetzt weiter?
Ich weiß nicht, ob ich noch mal Zeit und Nerven investiere, um die knapp 7 Kilometer Anfahrt für das sigo-Lastenrad auf mich zu nehmen – wenn ohnehin zu erwarten ist, daß es wieder nicht funktionieren wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was schief gelaufen sein soll, was ich falsch gemacht haben sollte…. ich bin schon viele Lastenräder, mit und ohne Motor gefahren. Dennoch schrieb ich in meiner Beschwerde, daß ich mich gern mit dem Techniker/der Technikerin treffen würde, damit sie oder er mir das Rad noch mal genauer erklärt. Langsam vermute ich auch Vandalismus oder Wettereinflüsse als Ursache dieser zu häufigen Motorschäden. Finden Marder Elektromotoren-Leitungen genauso spannend wie die von Verbrennermotoren? Dann hat eines dieser Viecher vielleicht am sigo-Lastenrad was durchgebissen (und nicht überlebt).
Der ADFC Unna , mir bisher durch den ULF bekannt,war mit seinen Ortsverbänden in der letzten Zeit auch nicht untätig: auf der letzten Ciritcal Mass Dortmund sah ich zu meiner Freude ein E-Lastenrad aus der südlichen Nachbarstadt Schwerte, die Schwester (oder Bruder) des Riese + Müller Packster 60: das Modell load. Klar wurde mit dem Fahrer und Mieter des Rades gleich gefachsimpelt und gespaßt 😀 . Im Januar werde ich damit zu einem 15 Kilometer entfernten Ärztintermin fahren. Ich freue mich schon darauf. Wie nach Witten sind es auch „nur“ 15 Kilometer Anfahrt bis nach Schwerte – allerdings mit stärkeren Steigungen. Doch ich lasse nichts unversucht, trotz geringem Budget gute Lastenräder fahren und dabei von einem eigenen träumen zu können. Radfahren ist Leidenschaft. Meine Spende fällt eben nicht so üppig aus, wird aber gegeben, weil ich dankbar für die Leihräder bin. Wenn Technik das Leben der Menschen erleichtert, ohne die Umwelt zu sehr zu gefährden, soll sie das tun.
Schade eben, daß sich die Stadt Dortmund immer noch schwer tut, ein richtiges Verleihsystem für Elektroräder, insbesondere E-Lastenräder auf die Beine zu stellen. Das könnte in Kooperation mit nextbike erfolgen. Wenn überhaupt, findet die Ausleihe nur immer mit bestimmten kleinen, kaum bekannten Aktionen wie „Lappenlos“ statt. Ein Lastenrad zur Miete bekommt auch nur, wer bestimmte Voraussetzungen dafür erfüllt. Mit einer richtigen Ausleihe von (Lasten)rädern hat das nichts zu tun. Stattdessen machen die Stadtwerke, DEW 21 weiterhin schön Werbung für „mehr blauen Himmel“, den ein Autofahrer im E-Auto sitzend, auf seinen Ausflügen sehen soll. Seltsam, den blauen Himmel sieht man eigentlich vor allem beim Radfahren und Spazierengehen. „E fahren“ heißt eben nicht nur Auto, sondern auch Radfahren. Das sollte allen, der Stadt wie den Stadtwerken eigentlich klar sein, wenn sie immer von der „emissionsfreien Innenstadt“ sprechen.
Am Freitag, den 17. September, den 3. Freitag im Monat gab es regulär die CriticalMass Dortmund. Ich war nur ein Stück, ca. 18 km Strecke, mitgefahren. Dank Periode war ich richtig fertig, spürte dazu ein großes Tief… schade um die nette Unterhaltung, die ich in diesem Moment hatte, ich musste erst mal adé sagen und die Mitfahrt beenden. Interessant, daß dieser Radler auch in der Nordstadt wohnt! So fühle ich mich nicht mehr so allein mit meiner Not auf der Straße. Plötzlich vom Rad fallen vor Erschöpfung und mehrere Stürze dadurch auslösen, das musste nicht sein. Ich war zumindest ein Stück bei der CM mitgefahren.
Samstag, den 18. September die Kidical Mass... und dann am Sonntag, den 19. September die FAHRRADSTERNFAHRT RUHR!
Was ist eine Sternfahrt überhaupt?
Bei einer Sternfahrt treffen sich Radfahrer*innen an verschiedenen Orten und radeln, den Strahlen eines Sterns gleich, auf ein gemeinsames Ziel zu. Im Jahr 2021 war dieses Ziel Lünen, bzw. der Seepark Lünen-Horstmar.
In Bochum hatte ich sie schon mal erlebt, Hagen leider verpasst gehabt….nun wollte ich ab dem Westfalenstadion mit nach Lünen fahren. Allerdings machte der Körper nicht so mit. Die Anstrengungen der vergangenen Tage war zu spüren, Samstag abend hatte ich noch zwei kleinere Aufgaben bei der Museumsnacht Dortmund übernommen gehabt.. Hätte ich doch ein Rad mit E-Motor! So habe ich leider die Fahrt über die B 1 und den Tunnel Wambel verpasst.
Großen Spaß bei der Durch-Radelung des Tunnels Wambel. sonst fahren hier nur Autos.
Aber der Grant war groß – groß genug, um die Wut in Muskelkraft umzusetzen. Ich fuhr auf eigenen Wegen Richtung Norden, Richtung Lünen. Ich wunderte mich etwas, daß die Sternfahrt nicht durch die Nordstadt ging! Da geht es doch nach Lünen!
Auf der häßlichen Bundesstraße, der Walter-Kohlmann-Straße ging es ab Stadtgrenze Dortmund flott Richtung Lünen, dem Ziel der Sternfahrt. Ich sah immer wieder auf Critical Maps nach dem aktuellen Standort der Radfahrer-/innen. Zu meiner Freude waren die einzelne Fahrerin und die vielen nicht mehr weit voneinander entfernt. Die Autos neben mir: plötzlich im Stau. ein dunkler Audi hupte. Tja Junge, nicht nur du musst warten. Er zeigte Tendenzen, auf den Standstreifen alle anderen überholen zu wollen. doch auf dem fuhr ich. Nee Freundchen, da kommst du nciht durch! dachte ich mir. Plötzlich war auf der Spur, auf der ich fuhr, ein Fahrrad-Piktogramm. Sachen gibt´s….
Und dann sah ich die vielen Radfahrer-/innen. Ein paar hatten sich schon wieder abgesetzt, diese kleine Gruppe von vielleicht 6 Radler-/innen war mir entgegen gekommen. „Seid Ihr die Sternfahrt?“ – „nee, aber dort!“ Ich tat einen Freudenschrei. Ich hatte die Sternfahrt doch noch erwischt! Allerdings, das Klientel hier war ein anderes als gestern. Hier war alles dabei, auch die Chaoten. Wenige Jugendliche, (zu) viele ältere Leute. Viele gelbe Wahnwesten, teiwleise mit ADFC-Aufdruck. Auch optisch wurde so das Problem der Überalterung vieler ADFC-Kreisverbände deutlich.
An dieser Stelle sei angemerkt: der Allgemeine Deutsche Fahrradclub bleibt ein wichtiger Akteur für die Verkehrswende, für die dringend umzusetzende Flächtengerechtigkeit des Verkehrsraumes. Ich persönlich habe mich auch schon mit bestimmten Mitgliedern und Vorsitzenden verkracht – was aber an deren Persönlichkeit und Fehlern auf beiden Seiten lag – nicht an der politischen Agenda des ADFC. Es kommt eben immer auf die Menschen drauf an, die im jeweiligen Kreisverband aktiv sind. In Iserlohn wird Autowerbung im Fahrradmagazin des ADFC geduldet, weil die Zuständigen nicht kapieren, daß und wie falsch das ist. Demnächst: Metzgerei-Werbung im Vegetarier*magazin. Merkste was? Ich habe 10 Jahre in Fürth bei Nürnberg gewohnt, war dort im KV Nürnberg aktiv. Bis heute blicke ich sehnsüchtig auf deren Tourenprogramm und die Zeit dort zurück.. Alle KVs, die ich danach kennenlernte, waren eine einzige Enttäuschung (über den aktuellen kann ich nicht so viel sagen, da ich dort nicht aktiv bin). Der KV Nürnberg hat viele Mitglieder, die eben so was wie dieses vielseitige Tourenprogramm tragen: es gibt nicht nur verschiedene Geschwindigkeitslevel von gemütlich bis sportlich (15 km/h bis 21 km/ und mehr), sondern auch extra Rennrad- und Mountainbiketouren, Thementouren, Stadtteil-Kennenlerntouren für Neubürger-/innen. Die Leute dort waren (und sind wohl auch heute noch) keine gefrusteten oder/und Rentner-/innen, wie ich sie nach meiner Nürnberger zeit erleben hatte müssen, sonder wach, fit und engagiert und lassen sich nicht so schnell entmutigen..
Wie bei einer CM auch lockt das Radfahren immer verschiedenste Menschentypen an, oft genug auch seltsame, eigenartige oder schlichtweg nervige Zeitgenossen. Bisher waren die Nervensägen fast immer Männer, so meine Beobachtung. Ich hatte eine Bekannte entdeckt, die ich freundlich grüßte. War erst mal nett. allerdings hatte sie einen unmöglichen Schreihals im Schlepptau, den sie kannte. Der Typ war unerträglich! Ich habe Verständnis, wenn sich jemand über etwas aufregt, was gerade passiert ist, weil es für Radfahrende ärgerlich ist. Aber dieser Pfeifendeckel musste wie ein Marktschreier irgendwas erzählen, was ihm am Freitag widerfahren sei. Ehrlich, das interessiert hier NIEMANDEN! Ganz sauber war der Typ nicht. Und ob das alles so stimmt…oh nerv mich nicht mit deinem Sermon, als ob du ein Teenager wärst, der das noch nicht kapiert! Man muss bei rassistischen Äußerungen immer widersprechen, aber hier wußte ich nicht so recht, wie ich dran war. Wohl war mir bei dieser Unterhaltung nicht. Ich merkte bald, daß es keinen Sinn hatte, mit diesem Dummkpf auch nur ein vernünftiges Wort zu reden, er hielt sich für die Weisheit schlechthin. Als er im Kreisel vor dem Seepark abbiegen wollte, stürmte ich davon.
DerSeepark in Lünen-Horstmar war das Ziel der Fahrradsternfahrt Ruhr 2021, ein schöner Ort. Und ich hatte endlich den Horstmarer See gefunden! Seltsam… so lange wohne ich schon im Ruhrgebiet und das hier war immer noch terra inkognita für mich bisher gewesen. Schön, danach einige bekannte Gesichter und Freunde zu treffen! 🙂 vor lauter plaudern und Hallo sagen kam ich gar nicht zur Toilette!
Auf einer Bühne gab es Live-Musik, meist aus Jazz und Swing, leider keine Fahrradsongs – und Redebeiträge. Danke Herr Bürgermeister in Lünen, die Forderungen für besseren Radverkehr gibt es schon, die brauchen sie nicht mehr breit walzen! Und ja, die Fahrt hierher war sicher – weil die Polizei die Route abgesichert hat! In der folgenden Rede reagierte der Landesvorsitzende Axel Fell darauf passend: die Politik solle endlich machen, denn sie sitzt in den Rathäusen wo über Verkehrsplanung und Änderung der Verkehrsinfrastruktur entschieden wird. Es brauche genügend Personal, damit die beschlossenen Maßnahmen für den Radverkehr umgesetzt werden können. Ein gutes Radgesetz muss endlich her. Bei allem gebotenen politischen Ernst soll eine Sternfahrt aber auch Spaß machen – und den hatten wir beim Radfahren und miteinander klönen.
Die nächste Fahrradsternfahrt Ruhr wird nach Gladbeck gehen. Das Datum dafür ist noch nicht bekannt.
Danke an alle, die bei der Organisation mitgeholen haben und an die Polizei, die die Route abgesichert hatte.
Allen Radfahrer-/innen mit zwei oder drei Rädern, mit Lastenrad, Tandem, Faltrad oder Pedal-Bike allzeit eine gute Fahrt! Zeigen wir, daß es im Alltag auf dem Weg zur ARbeit, zur Kita, zum Einkaufen u.a. auch ohne Auto klappt!
Angekommen im Seepark Lünen-Horstmar.
Die Band in Aktion -leider ohne Fahrradsongs.
Die einzelnen Zubringer-Routen, die „Strahlen“ des Sterns.
Hierhin fanden bereits Sternfahrten statt.
ADFC-Landesvorsitzender Axel Fell bei seiner Rede.
Zu viele Privat-PKWs auf den Straßen, Engstellen, Falschparker*innen, deren Verhalten nicht gemaßregelt wird, Glasscherben und anderer Schmutz au Fuß- und Radwegen… das Radfahren in deutschen Städten ist noch lange nicht sicher. Wenn Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Rad bewegt werden sollen, braucht es sichere und gute Wege, um zur Arbeit, zur Kita oder zum Einkaufen fahren zu können. Die absurde Größe von Autos, vor allem des sogenannten „sportive Utility Vehicle“, kurz SUV macht es unmöglich, als Fahrer-/in eines solchen Fahrzeugs überhaupt ein Kind auf der Straße zu sehen. Diese „Autos“, die mehr Panzer als Auto sind, überragen ein 5- oder auch 10-jähriges Kind schon mit der Motorhaube. Platz zum Spielen bleibt ohnehin kaum, Parkplätze sind wichtiger, auf denen das Blech 23 Stunden am Tag rumsteht. Spiel-Platz, das ist nicht nur der separierte Bereich mit Rutsche und ‚Schaukel, das muss auch der Bürgersteig oder die Straße sein können!
Diese Zustände gilt es zu ändern. Die Stadt muss den Menschen, nicht privaten Fahrzeugen gehören. Dafür gibt es auch im Jahr 2021 wieder eine KIDDICAL MASS in DORTMUND, zeitgleich in vielen anderen Städten.
am: Samstag, den 18. September 2021
Start: 14 Uhr auf dem Friedensplatz in Dortmund
Ende: Tremoniapark (auf den flyern steht noch Westpark).
Es gibt auch Zubringer aus verschiedenen Stadtteilen, mit denen die Kinder und ihre Eltern zum zentralten Treffpunkt Friedenspaltz radeln können. Die Kidical Mass und all ihre Zubringer werden von der Polizei begleitet.
Genau Abfahrtszeiten und Orte für die Zubringer aus den Stadtteilenhier .
Dieses Wochenende in der Septembermitte ist ein richtiges Fahrradwochenende.
Am SONNTAG , den 19.09.2021 geht es für die Erwachsenen gleich weiter weiter: mit der STERNFAHRT RUHR 2021. In Lünen wird es zusätzlich eine Kidical Mass geben. Aus verschiedenen Städten raden Menschen nach Lünen, von der Ruhr zur Lippe und zeigen, da man auch ohne Auto und ohne klimschädliche Abgase gut vorankommt und sein/ihr Ziel erreichen kann. Für die Erreichung der Klimaziele ist das Fahrrad das Verkehrsmittle Nummer 1.
Die Zubringer-Routen sind die gedachten einzelnen Strahlen der Sterne, die Mitte und der Treffpunkt ist im Jahr 2021 die StadtLünen, nördlich von Dortmund, kurz vor dem Münsterland.
Radfahrende bei der Demo im Juni 2021 Foto: Aufbruch Fahrrad
Parking Day im Kaiserstraßenviertel Dortmund am 17. September 2021
Die Stadt für Menschen statt Autos!
Ab 15 Uhr zeigen die Menschen in der Arndtstraße (Seitenstraße der Kaiserstraße), was alles möglcih ist, wenn nicht Autos die Straße zuparken. Zusammen in Ruhe sitzen, Kuchen essen, plaudern… vieles ist möglich. Nähere Infos bei der Nachbarschaftsinitiative KAISERN! .
Einmal 100 km weit durchs Ruhrgebiet – das sollte der Radschnellweg 1 sein, von Hamm bis nach Duisburg. 2020 sollte er fertig sein, die Stadt Dortmund wollte ihn bis 2024 fertiggestellt haben. Nun wird vom Jahr 2030 geredet.
Radfahren dort, wo sonst nur viele Autofahrende täglich fahren: B1 und B 54 werden zum Radschnellweg
Das wollen die Radinitiativen Aufbruch Fahrrad Dortmund und Fridays For Futurenicht hinnehmen. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger veräppeln“ packen sie es selbst an und machen – zumindest temporär – die großen Autostraßen Bundesstraße 1 (B1) und B 54 zu Radschnellwegen. Mit Polizeibegleitung werden Radfahrende, die gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs sind, am Samstag über diese Auto-Schnellwege fahren.
Treffpunkt:Samstag, den 5. Juni, 2021, 16 Uhr Friedensplatz (nicht wie vorher angegeben Hansaplatz)
Radfahrende auf die Autobahn! Foto: Aufbruch FahrradDie Heiligegartenstraße wird am Weltfahrradtag am 3. Juni 2021 temporär mit einer PopUpBikeLane ausgestattet.
Schon zu Beginn der Corona-Pandemie wurde Kritik laut, daß die Stadt Dortmund keine PopUp-Radwege angelegt habe. Der Radverkehr hatte während der Coronakrise weltweit einen großen Boomerlebt, wie nicht nur die Verkaufszahlen für Fahrräder, sondern auch die steigende Anzahl von Radfahrenden auf den Straßen gezeigt hatte. Coronakonform unterwegs sein, das geht am besten mit dem Rad, weil mit diesem Verkehrsmittel die Abstände zum gegenüber gut einzuhalten sind.
Die Heiligegartenstraße in Dortmund ist in ihrer Fortführung zur Treibstraße und Grüne Straße im Westen auf der einen und Jägerstraße auf der anderen wie gemacht für eine PopUp-Bikelane, also einem geschützten Radfahrstreifen, um ohne große Umwege vom Bezirk Innenstadt Ost nach in den Westen der Stadt zu gelangen.
Die Heiligegartenstraße Dortmund Richtung Jägerstraße. eigenes Foto.
Was die Stadt Dortmund nicht tut, das machen dann eben die Fahrrad-Verbände, „von unten.“
Am 3. Juni ist Weltfahrradtag. Diesen wichtigen Feier-Tag wollen Aufbruch Fahrrad und VeloCityRuhr feiern! Ab 15 Uhr wird ein PopUp-Radfahrstreifen in der Linie der Heiligegartenstraße – Treibstraße – Jägerstraße angelegt sein. Gemeinsam mit großen und kleinen Teddys werden Radfahrende für sichere Wege für kleine und große Verkehrsteilnehmer*innen demonstrieren. Denn für sichere Wege braucht es einen breiten Radfahrstreifen mit Qualität ohne faule Kompromisse.
Treffpunkt: Donnerstag, 3. Juni 2021, ab 15 Uhr am Freiherr-von-Stein-Platz gegenüber der Polizeiwache.
Hier wird die PopUpBikeLane am 3. Juni entlang laufen. eigenes FotoDie Treibstraße als Fortsetzung der Heiligegartenstraße: eine wichtige Verbindung Richtung Weststadt.
Im Frühjahr 2020 rief die Stadt Dortmund dazu auf, dass man sich melden solle. Die eigene Radfahr-Geschichte von Dortmund sollte in einer Kampagne erzählt werden. Die Coronakrise hatte den Start verschoben. Nun kann man in der ganzen Stadt auf Litfaßsäulen die neuen Models des Radverkehrs Dortmund bewundern.
Unser Oberbürgermeister macht es vor.
Oberbürgermeister Ulrich Sierau wirbt für das Rad als Alltagsverkehrsmittel. eigenes Foto
Auch ich habe überlegt, mitzumachen. Nach meinem Umzug im Frühjahr wohne ich auch in einem ruhigeren Teil der Nordstadt, so dass ich nicht jeden Tag beim Radfahren so viel Stress habe, wie es am Borsigplatz der Fall gewesen war. Meine Radfahr-Geschichte wäre kaum positiv ausgefallen, wie es diese Kampagne verlangt. Allerdings habe ich mich dann entschieden, die eigene Modelkarriere doch nicht zu starten. Wer nämlich als Botschafter* für umsteiGERN agiert, landet automatisch auf eben so einem Plakat wie ein gewisser Uli. Und das ganz ohne Modelmaße, Schminke, hochhackigen unbequemen Schuhen und ohne die neuesten Klamotten am eigenen Körper. Wow.
Warum ich auf den Ruhm, den „Fame“, zumindest als C-Promi verzichte?
Weil die Stadt Dortmund mit ihrer Kampagne umsteiGERN Werbung für etwas macht, das es nicht gibt. Es ist löblich, dass das Thema Radverkehr zumindest im Fokus der Verwaltung und auch der Politik steht, dass man z. B. den „Radwall“ entlang des Ostwalls bauen will. dass man das Thema immer wieder in Pressemeldungen verlauten lässt. Aber: Worten müssen zeitnah Taten folgen! Wer am Ostwall mit dem Rad fahren will, muss sich an zahllosen Auto-Parkplätzen vorbei mühsam durch den Parkplatzsuchverkehr von platzraubenden Blechkisten kämpfen. Das Radfahren dort macht keinen Spaß, weil man – anders als auf dem Plakat von Sebina behauptet, eben kein „Go and Go“ hat.
Leider oft ein Stop and Go statt Go and Go: der Radverkehr in der Stadt Dortmund.
Außerdem wollen auch Radfahrende zügig vorankommen und nicht ständig hinter stinkenden PKWs auf die Weiterfahrt warten müssen. Verkehrslärm inklusive. Absurderweise gibt es dann auch noch Einfahrt-Verboten-Schilder, bevor man den Brüderweg queren möchte, um Richtung Südwall bzw. Friedensplatz zu fahren. Streng genommen muss man, nachdem man den Abenteuerride des Autoparkplatzes erfolgreich überlebt hat, links auf den Gehweg ein Stückchen fahren, um die Ampel der Fuß- und Radfahrer*querung des Brüderwegs zu erreichen. Das Niveau des nächsten Spielelevels „How to survive as a German cyclist“ soll schließlich nicht in entspanntes oder gar freudiges Radfahren herabsinken. Das HighLevel konnte ich im August 2019 erleben, als ich bei Grün den Südwall von der Elisabethstraße kommend, queren wollte, um zum Stadtgarten zu gelangen. Ein Raser überholte die wartenden Autos und raste genau vor mir vorbei. Das Lastenrad ohne Motor, das ich dabei hatte, hatte mir wohl das Leben gerettet, weil ich mit diesem nicht so schnell auf die Straße treten hatte können. Körperlich unverletzt, war der Schock über so viel Verantwortungslosigkeit und Unfähigkeit groß. Die Wut über solche Arschlöcher und über einen schlampigen und völlig gleichgültigen Gesetzgeber und Bundesbenzinkanister – äh Verkehrsminister – bleibt. Außer dem Anruf der Polizei am nächsten Tag, dass die Anzeige eingegangen sei, habe ich nichts mehr gehört. Aber nein doch, Strafen wie in der Schweiz, den Niederlanden oder Dänemark wären viiieel zu unverhältnismäßig! Mit anderen Worten: dem Gesetzgeber sind nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer* scheißegal. Nicht der Raser/die Raserin ist schuld, sondern Ihr, weil Ihr keine depperten Protektoren an Armen und Beinen sowie eine Styroporhalbkugel auf dem Kopf getragen habt. Haha.
Ist nett gemeint, diese Kampagne. Aber bisher hatte kein-/e Politiker-/in und auch niemand aus der Verwaltung wirklich den Mut, wirklich was Wirksames für den Radverkehr zu tun. Außer Farbe auf die Straße zu pinseln, ist der Stadt noch nicht viel eingefallen. Ok, es gibt jetzt zwei Fahrradbeauftragte, deren Macht und Einfluß aber begrenzt ist. Die Angst vor den scheinbar vielen erbosten Autofahrer-/innen, die ihr (Vor-)recht durch #MehrPlatzfürsRad beschnitten sehen, ist leider zu groß. Rückgrat muss man eben haben. Stadtplaner Stefan Bendiks drückte es bei einem Vortrag im Baukunstarchiv Dortmund sinngemäß so aus: „zuerst schimpfen sie alle, weil sie nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt fahren und parken können. Aber dann merken sie, was los ist: dass man plötzlich Platz hat, um in Ruhe auf der Parkbank sitzen zu können und die eigenen Kinder spielen lassen kann, weil nicht mehr die Gefahr droht, sie könnten überfahren werden.“ Ebenso verhält es sich mit anständigen, weil genügend breiten Fahrradwegen, übersichtlichen Kreuzungen und auf den Radverkehr abgestimmten Ampelanlagen. Den „Toten Winkel“ gibt es nicht mehr. Aber nein, viiiieel zu anstrengend. Müsste man sein Hirn komplett anders strukturieren, anders denken, wenn das Auto nicht mehr das Alltagsverkehrsmittel ist.
Sport- und Spielplatz nur weiter draußen in abgesperrten Bereichen: in der Innenstadt wird immer noch zu viel Platz von Autos blockiert.
UmsteiGERN erinnert mich etwas an den Film (auf arte) einiger tschechischer Kunststudierender vor ein paar Jahren, die in einer Kunstaktion Werbung für einen großen Supermarkt gemacht haben. Ein gigantisches Einkaufsparadies sollte der „tschechische Traum“ sein. Werbeprospekte wurden gedruckt, es gab sogar einen Popsong für diesen Markt, große Werbeplakate waren in der Stadt zu finden. Am Tag der scheinbaren Eröffnung kamen viele Leute auf den Platz, einer der Kunststudierenden trat als Marktleiter auf – um das Einkaufsparadies zu enthüllen – und zu zeigen, dass es hier nur einen leeren Platz gab. Das ganze war nicht nur eine Kunstaktion, sondern auch ein Test, wie Leute auf Werbung reagieren würden. Auch hier wurde – wenn auch aus anderen Gründen – Werbung für etwas gemacht, was es nicht gibt. Der Stadt Dortmund rennt aber wegen der Werbung für umsteigGERN niemand die Bude ein. Dafür ist Radfahren im Alltag nicht gewöhnlich genug und nicht attraktiv. Man kann nur hoffen, dass nach der Kommunalwahl am 13. September endlich jemand die Eier hat, konsequent durchdachte Maßnahmen FÜR DEN RADVERKEHR IN DORTMUND durchzusetzen – damit wirklich viele Menschen vom Auto auf das Rad umsteiGERN.
Seite der Kampagne umsteiGERN der Stadt Dortmundhier.
Foderungskatalog von Aufbruch Fahrrad für die Förderung des Radverkehrs hier.
Zeit kann man nutzen, wenn man sie vorher einsparen konnte: das geht aber nur, wenn man in Dortmund die Schleichwege ohne Bettelameln und vielem Verkehr kennt.
Offener Brief an die Polizei
Gladbeck und an die Westdeutsche allgemeine Zeitung Gladbeck (WAZ)
Betrifft: Critical Mass in Gladbeck, Vorfall am
Freitag den 18. Oktober 2019
Sehr geehrte Medienvertreter-/innen, sehr Damen und
Herren der Gladbecker Polizei, sehr geehrte Autofahrerinnen und Autofahrer.
Am 18. Oktober 2019 war ich aufgrund eines
anderen Termins nicht bei der Critical Mass (kurz: CM) in Gladbeck mit dabei.
Als langjährige Mitfahrerin verschiedener Critical-Mass-Treffen sehe ich es
aber als geboten an, ein paar Hinweise zu den Aussagen der Gladbecker Polizei
zu geben. Ich betone, dass ich für keine der im Text genannten
Critical-Mass-Touren eine Organisatorin oder Veranstalterin bin. Ich bin nur
eine der vielen Teilnehmerinnen und ADFC-Mitglied. Der ADFC ist ebenfalls nicht
der Organisator von einer CM, Mitglieder des ADFC sind eben bei den
Stadtrundfahrten der CM dabei.
Ich glaube, dass in dieser Sache einiges schiefläuft, was
man an den Aussagen der Polizei Gladbeck ablesen kann. Die Auswahl des
Verkehrsmittels bestimmt das Denken und somit auch die Aussagen einer Person. Warum
wollten Sie am 18. Oktober alle Fahrräder konfiszieren? Warum sollen nicht
einmal im Monat eine Gruppe Radfahrende durch die Stadt Gladbeck fahren?
(Bekanntgabe der Ereignisse durch verschiedene Teilnehmer auf der Facebook-Seite
der CM Gladbeck).
Die Tatsache, dass –
scheinbar plötzlich – viele Radlerinnen und Radler auf einmal auftauchen und
durch die Stadt fahren? Wenn Sie über eine größere Menge Radfahrerinnen und Radfahrer
überrascht sind, warum sind Sie es nicht jeden Tag, wenn Massen von
motorisierten Fahrzeugen, meist PKW, unsere Straßen verstopfen? Es mutet schon
eigenartig an, dass niemand gegen diese Blechlawinen z. B. auf dem Innenstadtring
von Dortmund, dem „Wall“ oder in Essen auf der Gladbecker Straße protestiert,
aber wegen einer im Monat einmaligen größeren Menge an Radfahrer-/innen gleich
eine Verkehrsbehinderung sieht, die sofort beseitigt werden müsse.
Fahrräder sind
Fahrzeuge, die auf der Straße fahren dürfen (§63a STVZO), solange es keine
benutzungspflichtigen Radwege (blaue Schilder mit Fahrradsymbol) gibt. (Dass diese
oft nicht benutzbar sind, weil sie zugeparkt oder verdreckt sind, ist bei einem
„Verband“ wie der CM nicht von Bedeutung, sehr wohl aber im Alltagsverkehr, der
auch Radverkehr ist). Einzige Ausnahme der Verweigerung, Fahrradfahrer-/innen
auf die Straße zu lassen, könnte fehlendes Licht sein (§ 67 STVZO).
Sehr geehrte Damen
und Herren von der Gladbecker Polizei. Ich habe den Eindruck, dass Sie fast
ausschließlich wie Autofahrer-/innen denken und somit die Sicht eines
Autofahrers auf den Stadtverkehr haben.
Dass es Ihnen ungewöhnlich, – vielleicht sogar bedrohlich,
weil nicht beherrschbar – erscheint, wenn viele Radfahrer-/innen als große
Gruppe unterwegs sind liegt schlicht und einfach daran, dass Sie diese
Situation nicht oder kaum kennen. Deutschland ist leider unvernünftiger Weise
immer noch ein Autofahrerland. Jeder Mensch, der/die etwas Ungewöhnliches,
unbekanntes sieht, reagiert zuerst meist abweisend oder unsicher. Das ist an
sich normal. Doch dabei darf man nicht stehen bleiben. Der Autoverkehr hat in Deutschland immer
noch einen großen Anteil, weshalb Sie wohl gewohnt darin sind,
hauptsächlich diesen zu regulieren, vermute ich.
Fakt ist: in vielen Städten hat der Autoverkehr
immer noch Vorrang, was zu Konflikten mit Radfahrer-/innen führt. Bei
Stadtratsbeschlüssen wird viel mehr auf die Belange des Autoverkehrs Rücksicht
genommen, die Radfahrerlobby hat meist nur wenig Stimmgewicht. Was nicht heißen
soll, dass es das Engagement von z. B. VeloCityRuhr, dem ADFC oder der
Initiative „I bike Nbg.“ nicht zu würdigen sei. Das zeigt sich schon allein
daran, wieviel Platz dem motorisierten Verkehr zugestanden wird: mehrere Spuren
für eine Richtung, während Radfahrende sich den wenigen Platz auf dem
Bürgersteig teilen sollen.
Der Klimawandel ist unübersehbar und spürbar. Und dann
wollen viele immer noch auf das Auto als innerstädtisches Verkehrsmittel
setzen??
Als langjährige Mitfahrerin der Critical Mass in Nürnberg,
Erfurt, Dortmund, Wuppertal und Bochum, Bottrop und Duisburg denke ich, dass es vergangenen Freitag den
18. Oktober 2019 bei der CM Gladbeck zu einigen Missverständnissen gekommen
ist.
1.) Straßenverkehrsordnung:
Es ist erlaubt, auch als Radfahrerinnen und Radfahrer im
Verband zu fahren (§ 27 1 StVO). Die Critical Mass bietet für manche Menschen
auch die Gelegenheit, in friedlicher Atmosphäre Gleichgesinnte zu treffen,
miteinander zu plaudern (vor allem vor und nach der Fahrt) und eine schöne Zeit
zu erleben. Und das für umsonst. Nicht jede(r) hat das Geld, immer in eine
Kneipe oder Lokal zu gehen, um Freunde zu treffen. Eine friedliche
Versammlung von Menschen – mehr kann man sich als Ordnungshüterin, als Polizei
doch nicht wünschen, oder? Wenn sich spontan ein Autokorso nach einem
Fußballsieg bildet, ärgern Sie sich doch auch nicht und wollen diesen auflösen…
zumindest konnte ich das noch nie beobachten.
2.) Entgegen Ihrer Befürchtung, es würde durch die vielen
Radfahrer-/innen bei der CM zu Unfällen kommen, sind bei jeder CM Regeln zu
beachten, die auch auf den Facebook-Seiten einer jeden Ankündigung deutlich
genannt sind. Gegenseitige Rücksichtnahme, flüssiges Fahren und nicht quer
in die Gruppe fahren, funktionierendes Licht, freundlicher Umgangston sind nur
ein paar wichtige Regeln, an die sich jede(r) zu halten hat. Die CM Berlin hat
dies auf http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/
gut zusammengefasst. Diese Regeln gelten für alle CMs auf
der Welt.
Wer Regeln nicht befolgt, wird meist sofort
von anderen Mitfahrenden gerügt, ggf. sogar ausgeschlossen. Dies alles
schließt eine besondere Rücksichtnahme für Kinder ein. Es ist deshalb nicht
unverantwortlich, seine Kinder mit zur CM zu nehmen. Bei der CM in Dortmund
konnte ich außerdem beobachten, dass die CM Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht
sofort Platz machte, damit sie zu ihrem Einsatz (der nicht die CM betraf)
fahren konnten. Das Martinshorn ist schließlich nicht zu überhören: diejenigen,
die es zuerst hören, informieren durch lautes Rufen sofort die anderen
Teilnehmer-/innen, so dass alle Radfahrer/-innen hintereinanderfahren und eine
lange Reihe bilden, an der jedes Einsatzfahrzeug schnell vorbeifahren kann.
Idioten gibt es überall und immer, nirgends gibt es keine
‚perfekt‘ funktionierende Gruppe. Weder bei Radfahrenden, noch bei
Brillenträgern, bei Sportler-/innen oder auch Musiker-/innen etc. Bei der CM
Wuppertal fuhr mir auch mal ein Radler quer durchs Feld vor mein Rad, ohne dass
dafür ein Grund gegeben hätte. Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt – da war
er plötzlich ganz still. Wer z. B. Bei der Critical Mass Nürnberg kein Licht
hat, darf gar nicht mitfahren.
Jeden Tag stauen sich Massen von Autos, die auch noch die
Luft verschmutzen und stinken, auf den Straßen einer Stadt.Und
wenn einmal im Monat eine Masse von Radlerinnen und Radlern durch die Stadt
fährt, zeigen Sie sich entsetzt?
Warum sind Sie nicht entsetzt, wenn jeden Tag Massen von
Autos durch die Stadt rollen oder besser – meist nur rumstehen, weil es
aufgrund des Staus minutenlang (und länger) nicht weitergeht?
Die CM Dortmund in der Fußgängerzone, wo ab 20 Uhr Radfahren erlaubt ist. Und so gut sichtbar! Foto: A. Steger
3.) Hauptgrund für Unfälle mit Radfahrern:
fehlende Infrastruktur und Autofahrer-Denken
Ich bin mir sicher, dass die Mehrzahl der
CM-Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau wie Sie als Polizei an einem
störungsfreien Straßenverkehr interessiert sind. Das heißt: jede/r
Radfahrer-/in möchte sicher unterwegs sein in der Stadt. Sicher als
Radfahrer-/in unterwegs sein ist nur möglich, wenn es eine gute
Radinfrastruktur gibt.
Ja, Sie haben richtig gelesen: eine INFRASTRUKTUR FÜR
RADFAHRERinnen. Damit sind nicht nur Radwege gemeint (Nur ein paar Tips für
eine gute Gestaltung: http://www.adfc.de/verkehr–recht/radverkehr-gestalten/uebersicht-radverkehr-gestalten)
. Seltsam, dass bei Stadtratsberatungen und -beschlüssen so gut wie immer an
die Bedürfnisse des Autoverkehrs gedacht wird. Der Radfahrer stört im
Stadtverkehr dann nur – klar! Weil er nicht bei der Planung berücksichtigt
wurde, muss er eben auf der Straße fahren, über Fußgängerüberwege fahren,
gefährliche Kreuzungen nehmen, dem Autofahrer scheinbar „im Weg sein“,
unfreiwillig im „Toten Winkel“ stehen, will er oder sie seinen gewünschten Weg
zur Arbeit u.a. zurücklegen. Zum „Toten Winkel“, den es eigentlich nicht mehr
geben müsste, finden Sie am Ende des Briefs ebenfalls noch Informationen.
Dass die Autofahrer-/innen sich durch die CM
gestört fühlen, ist dabei völlig klar und auch beabsichtigt: einmal im Monat
er-fahren Autofahrer-/innen wie es ist, ausgebremst und blockiert zu werden.So wie es Radfahrer-/innen jeden Tag im Stadtverkehr geht. Ich habe bei
Mitfahrten in verschiedenen Städten beobachtet, dass Radfahrer-/innen, die den
zügigen Fluss von Radfahrern an Kreuzungen sichern, indem sie sich vor die
Autos stellen („corken“), dass sie das höfliche Gespräch mit Autofahrern
suchten. Anfauchen oder Anschreien von Autofahrern widerspricht den Regeln
einer jeden CM.
Sicherer Radverkehr braucht eine radfahrfreundliche
Infrastruktur, die u. a. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub = ADFC immer
wieder fordert und darüber informiert. Außerdem braucht es bei der Polizei
und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Umdenken,dass Radfahren nicht
nur etwas für den Sonntagsausflug ist. Das Fahrrad ist ein gleichberechtigtes
Verkehrsmittel zum Auto, mit dem man zur Arbeit fährt, zum Einkaufen, zu
Freizeitaktivitäten – eben was viele auch mit dem Auto machen. Erst wenn man
nicht nur wie ein Autofahrer denkt, sondern auch mal vom Fahrrad aus durch die
Stadt fährt, versteht man die Bedürfnisse der Radfahrer. Auto als Statussymbol? – das war einmal, das
kenne ich noch von meinem Vater; der war Jahrgang 1942. Nur in den 1950er
Jahren galt jemand arm, der Rad fuhr. Mit dem Angebot an guten (und auch
hochpreisigen, qualitativ sehr guten Rädern) sollte dieses Denken im Jahr 2019
eigentlich endlich Schluss sein. Erst recht in einer Zeit, in der Umdenken sehr
nottut, weil der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen bedroht. Sie möchten auch
nicht, dass Ihre Enkel oder die Kinder Ihrer Enkel im Bunker aufwachsen müssen.
Wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist und das Denken
nicht auf das Auto mehr beschränkt ist, fühlen sich alle
Verkehrsteilnehmer-/innen sicher – und es gibt weniger Unfälle.
Tip: fragen Sie doch mal bei der Polizei in den
Niederlanden (so weit ist das von NRW aus ja nicht) oder Kopenhagen nach. Die muss
jeden Tag mit einer Masse von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern
fertig werden. Konflikte, Ärger und Unfälle nicht ausgeschlossen. Sind eben
alles Menschen, die auf den Sätteln sitzen. Aber es funktioniert – weil die
Niederländer-/innen und Dän-/innen rechtzeitig, also schon vor Jahren mit dem
Umdenken angefangen haben. In den Niederlanden waren es zu viele tote Kinder im
Straßenverkehr, die zu massiven Protesten der Bevölkerung gegen die Stärke und
empfundene Übermacht des motorisierten Verkehrs zu einem Umdenken geführt
haben.
In beiden Ländern, den Niederlanden und Dänemark gilt: Nicht
komplett gegen das Auto – aber mit dem Fahrrad als völlig gleichberechtigtes
Verkehrsmittel im Stadtverkehr. Deutsche
Autofahrer-/innen müssen lernen, mit Radfahrenden zu rechnen: sei es, wenn
sie abbiegen wollen, die Autotür öffnen, die Spur wechseln etc. Nur so kann ein
gutes Miteinander gelingen: durch Anerkennung des Radverkehrs, nicht durch das
Tragen von Warnwesten und Helmen. Beide Maßnahmen können die/den einzelnen mehr
Sicherheitsgefühl geben – aber Sicherheit bieten sie nachweislich nicht – das
geschieht nur durch Anerkennung von Radfahrenden als gleichberechtigte
Verkehrsteilnehmer-/innen.
Auf weiterhin friedliche und fröhliche CMs freut sich
Seitdem ich in Dortmund wohne, habe ich das Lastenradfahren kennenlernen können. In der alten Heimat fuhr ich mit Hänger, Kupplung am Oberrohr, aber damit hatte ich leider viel Unheil und einmal auch Schiffbruch erlebt. Ein Idiot unter den Getränkehändlern hatte mich sogar mal beleidigen müssen, weil die Deichsel gebrochen gewesen war (er hat später seine gerechte Strafe bekommen gehabt). Seitdem ich den „Roten Rudolf“ von VeloCityRuhr gefahren bin, will ich nichts anderes als ein Lastenrad mehr, um Getränkekästen, Altpapier oder einfach Taschen mit Sportsachen oder Schreibmaterial sicher transportieren zu können. Das ist nämlich der entscheidende Punkt: die Sicherheit beim Transport. Kein Gewackel mehr, kein Ausscheren, keine kaputtgehende Deichsel mehr. Auch wenn jedes Lastenrad einen größeren Wendekreis hat, hat man als Fahrerin die Ladung immer im Blick. Auch eine offen gelassene Tasche, wenn sie denn nicht bis zum Rand bepackt ist, kippt nicht unbedingt auf der Ladefläche um und man ärgert sich nicht, dass man (fast) was verloren hat. Allerdings ist ein Lastenrad, soll es ein gutes und passendes Modell sein, genauso unbezahlbar für mich wie ein Anhänger für das Rad.
In der Vergangenheit konnte ich schon mehrere Lastenräder testen. Das gemächliche „Bakfiets“, das eher was für eine Parade als für ein Rennen ist (der ULF vom ADFC Unna) , das Bullitt von Punta Velo aus Essen, das sowas wie der Platzhirsch im Ruhrgebiet geworden ist: viele fahren dieses Modell, das sieht es vor allem bei den zahlreichen Critical Mass-Touren in den verschiedenen Städten. Vorteil: wendig, nicht so schwer wie die holländischen Modelle. Auch eine Radkutsche durfte ich kurzzeitig mal ausprobieren, sie gehört dem ADFC Neuss. Etwas schwerfälliger als das Bullitt, aber mit niederem Durchstieg – nicht nur eine Erleichterung, wenn frau mal Rock trägt. Und doch flotter als der ULF, das Bakfiets Rad (Fahrbericht hier).
Alle Modelle gibt es auch mit E-Motor, nur macht der das Rad natürlich teurer und schwerer. So schön wie z. B. der ULF in der Ebene dahingleitet, so wünschte man sich bei den zahlreichen Anstiegen in und um Unna schon die Unterstützung durch die elektrischen Pferde, die die Fahrerin oder Fahrer unterstützen würden. In den Niederlanden stört es nicht, dass ein Lastenrad einen massiven Rahmen und Gewicht hat. In hügeligem Gelände ist das Fahren damit eine Herausforderung. Vorteil: den ULF bringt so schnell nichts aus der Ruhe und aus der Spur… eilig haben darf man es mit ihm aber nicht.
Beim Lastenradrennen dieses Jahres fand auch wieder das E-Bike-Festival in Dortmund statt. Erstmals konnte ich ein Riese-und-Müller-Lastenrad probefahren. Wow, ging das ab! Ich wollte es nicht mehr hergeben… Knackpunkt ist aber auch hier der Preis: 5000€ Minimum, je nach Ausstattung. R+M ist der Mercedes unter den Rädern, schon immer. Aber eben sehr verlässlich. Im Jahr 2003 hatte ich mir ein Faltrad leisten können, es wurde ein rotes Birdy, das ich immer noch fahre, wenn es auch hier und da manchmal zickt, wenn es wieder auseinander gefalten wurde, will der hintere Mechanismus nicht richtig einrasten, braucht einige Zeit, bis man wieder normal fahren kann.
Ein Bekannter der CM Bottrop hatte Mitte Oktober einen Artikel auf Facebook genannt, in dem von dem neuen Lastenrad, das die Stadtentwicklungsgesellschaft (= SEG) Gelsenkirchen nun ausleihen würde, berichtet wurde. Auch wenn es auf dem Artikel-Bild nicht zu sehen gewesen war, hatte ich die Marke gleich erkannt. Es war MEIN TRAUMMODELL, ein Riese und Müller Packster 60! Das musste ich unbedingt fahren!
Riese und Müller-Familie: das Modell Packster 60 und das Birdy red. Lastenrad und Faltrad gehören zusammen. Fotos: A. Steger
Den ersten Tag der Abholung von GErda, wie das Lastenrad von Gelsenkirchen-Ückendorf heißt, habe ich in einem Brief an einen ADFC-Kollegen beschrieben. Zuerst war es schwierig, das richtige Haus zu finden, weil die SEG dort offensichtlich frisch eingezogen ist und an der Hauswand, vollgestellt mit Gerüst, keine Hausnummer zu sehen gewesen war. Die BoGeStra hatte mir doch keinen Unsinn erzählt, dass ich an der Haltestelle „Stephanstraße“ aussteigen sollte? Nein, es war schon richtig. Nur: in diesem Teil der Stadt war ich selbst mit der Critical Mass Gelesenkirchen noch nicht gewesen. Etwas verwundert war ich, dass ich außer meinem Ausweis (so üblich) auch noch mal meine Telefonnummer angeben sollte. Eigentlich steht alles im Ausleihsystem drin. Aber gut, viellelicht ist man mit den Modalitäten noch nicht so vertraut. Da ist also Geduld bei der Ausleiherin gefragt.
Mit der GErda entlang der Kray-Wanner-Bahn und der Erzbahntrasse. Fotos: A. Steger
Was für eine Freude, mit diesem Rad zu fahren! Wenn es bergauf geht oder man eine Anstrengung merkt, helfen die elektrischen Pferde nach und schieben an. Eine große Erleichterung.
Nun die erste Begegnung und Fahrt, geschildert in dem Brief an den ADFC-Kollegen:
[…] Hilfsbereite Anwohner, darunter ein Kioskbesitzer gaben mir aber bereitwillig Auskunft. Die Bochumer Straße an dieser Stelle in Gelsenkirchen ist schon krass: viele Läden stehen leer oder die Häuser sind heruntergekommen. In der Dortmunder Nordstadt, wo ich wohne, gibt es ähnlich aussehende Straßenzüge, auch in anderen Teilen der Stadt.
Ich wollte die Route messen, wie lange ich mit Pause brauchen würde. In Bochum wollte ich was zu essen kaufen, doch interessanterweise traf ich erst auf vegetarische Imbißbuden, dann nervte mich eine gar nicht schlampig aussehende Bettlerin. Ich hatte sehr Hunger, es war 15 Uhr und ich hatte noch kein Mittagessen o.ä. gehabt. Auf gut Glück fuhr ich in die Herner Straße… die Frikadellen bei Dönnighaus sind eindeutig versalzen, wie ich feststellen musste, aber ich traf eine Bekannte aus der Dortmunder Nordstadt mit ihrem hellblauen Brompton. Wir fuhren gemeinsam Richtung Dortmund, es war nett, wenn für meinen müden Kopf auch anstrengend, weil sie soviel redete. Und sie heizte ein! Ich staunte nicht schlecht, wie sie mit den kleinen 16-Zoll-Rädchen ihres Bromptons mit mir oben auf war, während ich mithilfe der elektrischen Pferde 25, mal 22 Sachen drauf hatte. Leider vergaß ich immer wieder, komoot wieder zu aktivieren, das war schade, so war es ein verkorkster Streckenverlauf. Aber was soll ich mich beschweren, hatte ich doch so eine nette Begegnung gehabt.
Westpark Bochum: das Ende, bzw. der Anfang der Erzbahntrasse.
Auf halben Weg in der Borussiastraße lernte ich durch St. den Laden „Rudat“ kennen, dort kann man, wie die Werbung verheißt, „Biere aus aller Welt“ kaufen. Kaum war ich drin, traute ich meinen Augen nicht: es gab dort Bier aus der Fränkischen Schweiz! Ich spürte fast Sehnsucht, denn in Breitenlesau war ich bei meiner eigenen Radtour vorbei gefahren. Fast jedes Dorf dort hat seine Brauerei. In Gelsenkirchen hatte ich auch eine „Trinkhalle“, ähnlich der in der Herner Straße in Bochum, gesehen, die Bier der Brauerei Meister aus Untermerzbach hatte. Wahnsinn. Ist übrigens bezahlbar, 85 Ct habe ich für eine Flasche Krug-Bräu heute bezahlt.
Als wir uns in der Innenstadt am Friedensplatz verabschiedet hatten, musste ich mich erst mal hinsetzen, um runter zu kommen. Ist eben auch anstrengend, meine Pause in Bochum war auch zu kurz gewesen. Glücklicherweise stellte mir ein Bekannter eine sichere Unterstellmöglichkeit zur Verfügung.
Morgen fahre ich wieder damit, möglicherweise bin ich auch bei der CM Bochum dabei. Heimfahren mit der freundlcihen Unterstützung von elektrischen Pferden machen eine weniger anstrengende Hin- und Rückfahrt möglich. Ich hoffe, dass ich mein altes Stadtrad flott kriege, ich hatte den Sattel abgemacht, weil beim schwarzen Lastenrad Bullitt von Euch Essenern, bzw. von dem einen VCR-Mensch, ich für die Nutzungsdauer den Sattel austauschen hatte müssen. Seitdem habe ich leider meinen Sattel nicht mehr auf das Stadtrad gemacht. Es soll in der Garage meines Bekannten stehen, wenn ich mit dem lastenrad Gerda unterwegs bin, damit ich immer mobil bin.
Gute Nacht, immer gute Fahrt und freundliche Fahrradgrüße,
Radweg Kray-Wanner-Bahn bei Gelsenkirchen Richtung Bochum.
Allerdings wurde es nichts mit der alten Stadtgurke als Zubringer-Rad: ich hatte übersehen, dass ein Stück fehlte, das Gegenstück von unten, um den Sattel festzumachen. Das nervte gewaltig. Ich finde diese Schraube nicht mehr. Auch ein Fahrradhändler in der Nähe hatte mir nicht helfen können, offensichtlich handelt es sich um ein altes Modell mit alten Maßen. Kommt mir seltsam vor, aber so ist es wohl… als Laie schraubt man auch nicht jeden Tag einen Sattel auf ein Sattelrohr, es fehlt die Übung. Seufzend und genervt steht das elende Ding nun ohne Sattel in der fremden Garage, ich nahm ein anderes Rad als Zubringer zum Standort des Lastenrades GErda. Einmal nahm ich auch ein Leihrad von nextbike, glücklicherweise gibt es jetzt auch in der Nordstadt Standorte, mit den dringend neuen, benötigten Rädern.
Am Freitag fuhr ich dann mit Karacho nach Bochum, leider durch die Arbeit und auch Rest-Erschöpfung vom Vortag war die Eile geboten. Unterwegs fuhr plötzlich ein Handwerker-Auto auf den Radweg, genau vor der Ampel. Ich protestierte. Der Fahrer stieg aus und meinte, dass ich ihm helfen müsse. Hm? Ich bin doch keine Automechanikerin! Er hatte plötzlcih eine Spraydose in der Hand und bat mich, das Spray hier in den Motor in dieses Rohr da zu sprühen, während er den Motor anließ. Ich las „Bremsenreiniger.“ Na wird schon stimmen…. der Motor heulte laut auf, rauchte und stank. Da stimmte was nicht, das merkt man auch als Laie. Soll mir aber egal sein, mir gehört die Kiste nicht. Der Herr war zufrieden, bedankte sich und ich konnte weiter fahren. Er hatte schon gemerkt, dass ich es eilig hatte… später, als ich den Castroper Hellweg (Routenvorschlag von komoot) bergab fuhr, klingelte plötzlich das Telefon. Warum gerade jetzt??? Rückruf eines Möbelhandels, man hätte die Marke samt Ersatzteil für meinen Elektroherd gefunden, man brauche nur noch den Kaufbeleg. Ob den mein Vormieterden noch hat, wird sich zeigen. Ich wäre froh, den Backofen wieder normal nutzen zu können, erst recht in der kalten Jahreszeit. Alles passierte innerhalb der 45 Fahrminuten bis nach Bochum zum Rathaus, dem Treffpunkt der CM. Da muss man schon einen klaren Kopf behalten, damit im Straßenverkehr nichts passiert… seufz.
Fast 20 Kilometer ging die Critical Mass durch Bochum. Schön, wenn man mit Gleichgesinnten fahren und nett plaudern kann. Einmal hatte ich auch gekorkt, das Lastenrad bietet sich dafür gut an. Eine Mitfahrerin meinte zu mir: „hoffentlich reicht der Akku.“ Ja, er reichte bis ca. 1,5 km vor der Garage 😉 Nur eins hatte ich nicht bedacht: die Lichtanlage speist sich auch nur aus dem Akkumulator…ähem…
GErda und ich bei der CM Bochum am 26.10.2019
Schon spannend, welche Kommentare manchmal kommen… ein Bullitt-Fahrer meinte, dass ihm der Rahmen des Riese und Müller-Lastenrades Packster 60 überhaupt nicht gefalle. Das Zwischenrohr unten „könne man gleich ganz lassen.“ Ich entgegnete, dass ich genau das gern habe, weil der Einstieg nicht so hoch wie beim Bullitt ist. Außerdem hätten die Ingenieur*e von r+m was dagegen…. Samstag abend wunderte ich mich über ein Bullitt, das einen Rennlenker bekommen hatte und mit dem jemand Bahnradfahren betrieb. Das wirkt schon seltsam bei einem Lastenrad, genauso wie dicke Packtaschen und Gepäckträger am Rennrad. Eigentlich haben beide Räder andere Einsatzzwecke. Aber wenn diejenigen sich damit wohl fühlen, sollen sie solche Räder fahren.
Am Ende war die Anstrengung doch auch zu spüren, wenn auch nicht so stark wie nach der Fahrt mit Lastenrädern ohne Motor. Um 1 Uhr zuhause, die Taschen abladen, das Lastenrad sicher in der Garage abstellen… erst um 3 Uhr konnte ich wirklich schlafen gehen. Dennoch schlief ich erstaunlich gut, trotz der späten Zeit.
Auf zum Container in der Stadt und Getränkemarkt nach Dortmund-Oespel!
Samstag war trotz müder Beine Arbeitstag für GErda und mich. Altpapier wegfahren, weil die Tonne im Hof mal wieder (auch dank zweier Einzüge) überquillt, Altglas und Leergut wegbringen. Viel Arbeit, die aber dank Elektromotor besser zu erledigen war.
GErda und ich sind gute Freundinnen geworden. Am Mittwoch hatte ich mich noch über die Untätigkeit und Gleichgültigkeit des Technikers in der Redaktion geärgert. Die Kommunikation mit den eigenen Artgenossen* ist oft schwieriger als mit jedem Tier. Ich hatte nur unruhig geschlafen gehabt. So ging es am Donnerstag, den Abholtag von GErda zunächst nur mit Ärger weiter, weil ich gerädert und frustriert aufgewacht war. Allerdings, die Kommunikation mit der GErda (fränkisch: Gerdda“) aus der “verbotenen Stadt verlief reibungslos. Schon nach den ersten paar Minuten haben wir uns,super verstanden. Ihr ist Fußball so wurscht wie mir. Wir sind gerne miteinander unterwegs. Am Samstag den 26.10. spielte der FC Schalke 04 gegen den BVB, also Herne West gegen Lüdenscheid. Weil sie sich doch ihrer STadt verbunden fühlt, habe ich ihr eines meiner blauen Tücher umgebunden. Als Diplomatin hat man schließlich fast alle Farben bei Tüchern und Schals vorrätig 😀 Ich selbst trug eine schwarze Weste und ein gelbes Shirt, zu Gelb passen auch modetechnisch nur wenige Farben.
Städte- und Fußballdiplomatie 😉
Der Weg zu diesem besonderen Getränkemarkt, den ich am Donnerstag durch St. schon kennengelernt hatte, ist rund 10 Kilometer entfernt, also ist es ein Stück zu fahren. Leider gibt es dann immer wieder Hindernisse wie diese Drängelgitter. Zwischen manchen kommt man noch durch, bei manchen auch nicht. Mit dem Trekkingrad braucht man sich keine Gedanken machen, deshalb war es mit dem Lastenrad an manchen Stellen eine böse Überraschung. Später fand ich bei dem einen Nebenweg, den ich bisher in der Nähe Dorstfelder Allee nicht genutzt hatte, eine freie Durchfahrt auf der einen Seite. Ein Umweg Richtungder Technischen Universität Dortmund, die ich passierte, war des trotzdem gewesen. Der kürzeste Weg geht an der DASA vorbei, doch wer über die A40 radeln will, muss wieder Drängelgitter entlang des Friedrich-Henkel-Wegs passieren. Mit dem Lastenrad ist das unmöglich. Also muss man den Umweg entlang der Dorstfelder Allee nehmen und am Kreisel rechts in die Emil-Figge-Straße einbiegen.
Fast kein Durchkommen entlang der Straße Twerskuhle.
Am Getränkemarkt angekommen. Hier und da gibt es neugierige Blicke, was da auf dem ‚Autoparkplatz‘ steht 😉
Auch ein Fahrzeug – und WAS FÜR EINS!Erfolgreich eingekauft, sicher transportiert… mit einer Spezialität aus der alten Heimat.Durch Dortmund-Oespel… hier und da versucht man den historischen Ortskern zu erhalten.
Wie praktisch, dass ein paar Meter weiter ein Altglascontainer gewesen war… 😉
Neben den Drängelgittern gibt es ein weiteres Problem, das jede und jeden Radler-/in nervt, auch ohne Lastenrad: die Parkmöglichkeiten. Deutschland ist ein Entwicklungsland in Sachen Rad-Infrastruktur. Jeder Mensch, erst recht die Führungspersonen in Wirtschaft und Politik benutzen High-Tech-Geräte für ihre Kommunikation und für ihre Blechkisten. Aber die Radwege und Gesetze sind so historisch wie die Pferdekutsche. Hm, warum fährt dann kein Politiker mit dem Ochsengespann vor, wenn sie oder er selbst so ein Mobilitäts-Hornochse ist?
An dieser Stelle: Parken ist Pest und Cholera zugleich. Wie ich es auch mache, ist es falsch: entweder ich blockiere den Fußweg wie auf dem Bild oder mehrere Abstellplätze für Räder. Anpfiff gab es keinen, ein gutes Gefühl hatte ich nicht. Und mit dem Schweben über allen Dingen hat es wegen mangelnder Zauberkräfte nicht geklappt.
Parken am Supermarkt in der Kaiserstraße. Nebenan läuft noch ein benutzungspflichtiger Radweg.Der benutzungspflichtige Radweg entlang der Kaiserstraße Dortmund.
Am Sonntag konnte es für GErda und mich ruhiger angehen. Wir fuhren eine Runde um den Campus Nord der TU Dortmund, bevor ich zum Fitnesstraining ging.
Sonntagsrunde. Weg bei Stockumer Straße.Durch die Felder…
Unterwegs in einer Nebenstraße an der Ampel: ich halte an, weil diese Rot zeigt. Hinter mir höre ich die Ankunft eines Autos. die Ampel springt auf Grün, ich fahre los. Plötzlich hinter mir „hey, hey hey!“ – Da war wohl jemand überrascht, wie schnell ein Fahrrad abziehen kann. Hehe. 😀
In der AbendsonneAlte und neue Mobilität.Auf dem Campus Nord der TU Dortmund: die Zahnräder. Näheres ist auf der Tafel nachzulesen.Aussicht auf Dortmund entlang der B1 / A40. Das Rauschen des Autoverkehrs ist überall zu hören.Auf dieser Strecke bin ich auch einem leibhaftigen Pferd begegnet und unfreiwillig durch deren Kot gefahren.
Wer sich unter den motorisierten Verkehrsteilnehmer*n oder auch Fußgänger*n beschwert: es ist die Wegbeschaffenheit bzw. die schlechte Baustellengestaltung, die uns Radfahrenden zwingt, auszuweichen. Die Lange Straße musste ich öfter passieren, die Baustelle zwingt mich, dass ich links auf dem Gehweg vorbei muss. Auch wenn der Fußweg an dieser Stelle meistens breit genug ist, macht es mir Unbehagen, dort mit dem Rad oder Lastenrad ein Stück auf der linken Seite vorbei zu müssen. Ganz uncool, Stadt Dortmund! Ebenso ist es an der Rheinischen Straße (Bild), Abzweig vom Wall (=Innenstadtring). Die Fahrbahn für geradeaus fahrende Radler ist gesperrt. Seltsam. Sollen die sich jetzt in Luft auflösen? Die Orientierung an den Fußgänger*ampeln ist wohl das Beste: Wenn dort grün ist, kann man selbst auch fahren.
Baustellenchaos am Wall, nahe dem Dortmunder U, Einbiegung Rheinische Straße.
Auch so eine Straße, auf der man nicht gern fährt, aber oft genug muss, weil es keine Alternative gibt. Wer sich aufregt, warum ich oft zwischen den Schienen radel, dem und der sei gesagt: ich lasse mich so ungern von plötzlich öffnenden Autotüren von parkenden Autos vom Rad stoßen. Das nennt man dann „Dooring-Unfall.“ Wäre der Parkraum rechts weg und stattdessen ein Radweg, wäre die Situation soviel entspannter. Aber Deutschland ist nunmal Entwicklungsland in Sachen Verkehrsinfrastruktur.
Schienen und Enge durch zuviele Parkplätze sorgen für eine unsichere Fahrt mit dem Rad. Straße Oestermärsch in Dortmund.GErda in der Hallerey, einem Naturschutzgebiet nahe Dortmund-Wischlingen.
Bei Herne traf ich auf außergewöhnliche Kunstwerke. Sah aus, als ob die Überwachung unserer Gesellschaft kritisiert werden sollte… interessant sieht es aus!
Außergewöhnliche Kunstwerke bei Herne. Kennt das jemand? Von welchem/-r Künstler/in stammt das?
Kurz danach traf ich auf kein Kunstwerk, aber eine gesperrte Brücke. Das konnte ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit aber nun wirklich nicht brauchen! Eine freundliche Spaziergängerin sagte mir, wie ich dennoch weiterkäme. „Niederbochum“ würde das Gebiet hier heißen. Die vielen schmalen Wege sind nicht ausgeschildert, wer hier nicht regelmäßig spazieren geht, findet sich nur mit Karte zurecht. Unterwegs musste ich das Rad schieben, weil mitten im Wald grobe Steine wie aus einem Gleisbett auf dem Boden lagen. Dank der elektronischen Karte von komoot fand ich nach einem kurzen Schlenker dann doch auf die Erzbahntrasse. Wurde auch Zeit! Jetzt weiß ich, wie es beim Abzweig „Zeche Hannover“ aussieht… Weit war es nicht zur Trasse gewesen, aber den Weg zu finden, das war die Kunst gewesen!
Hier geht´s nicht weiter…blöd, wenn man sich nicht auskennt!
Am Montag hieß es Abschied neben von GErda, dem Lastenrad von Riese + Müller, Modell Packster 60. Ich brachte sie wieder nach Gelsenkirchen in ihre Heimat zurück. Ihr Fazit: in Dortmund war es ganz schön! Und es gibt verkehrstechnisch ähnliche Schwierigkeiten. Sie wünscht sich, dass ich demnächst mit ihr bei der CM Gelsenkirchen mitfahre. Na das lässt sich einrichten… damit sie auch durch ihre Stadt rollt. Demnächst auch öfter, dafür bietet die Stadtentwicklungsgesellschaft Gelsenkirchen das Lastenrad an. Für weniger Autoverkehr und Städte für Menschen anstatt Autos! Tschüss liebe GErda, ich komme gern wieder.
Im Spiegel
Ausleihstation der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Gelsenkirchen: Infos hier.
Artikel des Stadtspiegels über das Lastenrad GErda für Ückendorf hier.
Es ist voll im Foyer des Dortmunder Rathauses an diesem Dienstag abend (25. Juni 2019). In der Mitte sind Stühle aufgestellt, rundherum gibt es Schautafeln und Tische zu verschiedenen Themen wie z. B. „Öffentlicher Raum“, „Fußverkehr und Barrierefreiheit“ , „Radverkehr“ u.a. Die Stadt Dortmund veranstaltet wieder eine sogenannte „Dialogveranstaltung“, bei der Bürger-/innen ihre Vorschläge, Kritik, Anregungen oder Lob für die Verkehrsinfrastrukturin Dortmund äußern können. Und davon gab es sehr viel, vor allem viel Kritik. Die Stadtverwaltung will jedoch nicht nur Kritik entgegennehmen, sie will auch über den Stand der Planungen des „Masterplans 2030“ informieren. Die Zielkonzepte dieses Plans sind hier erläutert.
Anne Berndt und ihr Kollege von der Stadtverwaltung erklären am Stand „Öffentlicher Raum“ die einzelnen Felder, die mit Fotos und Texten auf dem Tisch angeordnet sind. Wo fühlt man sich unsicher, weil die Straße so eng ist, dass man als Radfahrerin knapp überholt wird? Wo fehlt ein barrierefreier Zugang zur Haltestelle für Menschen mit Rollatoren? Solche Fragen bringen die Teilnehmer-/innen am Tisch auch in Rage: Radfahrer seien doch so rücksichtslos gegenüber Behinderten, würden sich nicht an Verkehrsregeln halten. Anne Berndt weist die beiden Streithähne darauf hin, dass hier jetzt kein Platz für deren Konflikt sei – es gehe um allgemeine Kritik oder Lob und Anregungen für den Masterplan Mobilität 2030. Auf der Schautafel hinter dem Tisch mit Fotos und Texten von Plätzen und Straßen von Dortmund (und zum Vergleich aus anderen Städten) ist ein Stadtplan zu sehen. Rote Klebepunkte für Gefahrenstellen, grüne Punkte für Orte, an denen man sich gerne aufhält, können an diesem Stadtplan vergeben werden. Am Ende sieht man: Rot überwiegt. Auch die Stadt Dortmund wurde nicht für Fußgänger-/innen und somit für Menschen gebaut, sondern für Autos. Es gibt kaum einen Platz, der nicht wirklich autofrei ist, so dass Kinder gefahrlos laufen und spielen könnten. Selbst vor einem Park gibt es Stellplätze für Autos, denn der Park muss mit dem Auto angefahren werden, um darin spazieren zu gehen, zu grillen oder zu spielen. Absurd. Am zu weiten Anfahrtsweg kann es aber nicht liegen, dass die Nutzung von genau dem Verkehrsmittel, das am meisten Dreck macht, unabdingbar erscheint.
Der Borsigplatz, Einmündung Brackeler Straße. Als Radfahrerin hat man wegen der kurzen Ampelschaltung nicht viel Zeit, um queren zu können. Foto: eigene Aufnahme.
Beispiel Borsigplatz. In der Mitte befindet sich eine Grünfläche, die mit Bäumen umrandet ist. die Grünfläche kann aber, außer bei Festveranstaltungen, nicht betreten werden. Die Straßenbahn durchquert den Platz, um die Grünfläche brüllt tags und nachts der Verkehr. Zwei Fahrspuren hat der motorisierte Verkehr, für den Radverkehr bleibt eine kümmerliche Spur von nicht mal 1,50 m Breite und einer unzuverlässigen Fahrradampel. Oft genug wird man als Radfahrende abgedrängt, oft genug auch aus dem Auto heraus beschimpft und bedroht. Obwohl Fahrräder längst keine Billigware mehr sind, werden Menschen mit diesem Fahrzeug als „arm“ und ihr Gefährt als „minderwertig“ betrachtet. Ein Trugschluß. In vielen gesellschaftlichen Schichten dieses Landes ist immer noch die Überzeugung verbreitet „wenn du ein Auto hast, dann hast du es geschafft.“ Traurig, dass diese Denke, die schon mein Vater, ein Nachkriegskind, hatte, immer noch nicht passé ist. Schlechte Luft durch zuviele Autos und ihre Abgase, Blechkisten, die öffentlichen Raum besetzen, als ob es ihr Privatbesitz wäre – und das im kinderreichsten Stadtteil Dortmunds. Wie wäre es, die Parkplätze am Borsigplatz und in den Nebenstraßen (fast) komplett zu streichen und Platz für Sitzbänke, Sandkästen und andere Spielflächen zu schaffen? Würde das den sonst ach so geachteten Kindern nicht gut tun? Wollen nicht die meisten Eltern nur das Beste für ihre Kinder? Offensichtlich nicht, wenn man sich die täglichen Massen an Blechkisten ansieht, die nicht nur durch Dortmund rollen und die meiste Zeit nur herumstehen.
Der Borsigplatz, Durchfahrtstrecke der Straßenbahn von der Oestermärsch aus. Rund um den Platz gibt es schon ein paar Sitzbänke, auf denen nicht nur Saufkumpanen sitzen – dennoch besitzen Autos mehr vom Borsigplatz als Menschen. Foto: A. St.
Auch für den Fußverkehr ist am Borsigplatz nicht wirklich Platz. Der Fußweg um den Borsigplatz herum ist vergleichsweise eng, oft verschmutzt und die Querung der Zufahrtsstraßen nicht immer mit Ampeln abgesichert. Falls es, wie an der Brackeler Straße (Bild weiter oben) eine Lichtsignalanlage gibt, muss man als Radfahrer* oder Fußgänger* erst ‚betteln‘, damit am sicher bei Grün die Brackeler Straße queren kann. Hier sind die Prioritäten klar verteilt, seit über 30 Jahren und das bei fortschreitendem Klimawandel. Eigentlich weiß das doch jede-/r, sollte man denken, dass dies nicht sinnvoll für eine gute Zukunft ist. Aber auf seine eigenen Gewohnheiten, die eigene Bequemlichkeit, die man von seinem/ihrem „Personenkraftwagen“ hat, verzichten? Niemals!
Bei der Dialogveranstaltung wurden viele tolle Vorschläge gezeigt, was auch in anderen Städten möglich gemacht wurde: Parkplätze wurden gestrichen, das Zufahrtsrecht für den Autoverkehr aufgehoben. Es sind Plätze entstanden, wo sich die Anwohner-/innen begegnen können, weil dort nun Parkbänke zum Verweilen einladen und man dort mit Rad, Roller u.ä. fahren kann, Kinder haben Platz zum spielen. Was so schön aussieht, wurde oft hart erkämpft, denn: der öffentliche Raum ist rar und man muss dem motorisierten Verkehr Platz wegnehmen, um Platz für Menschen statt Autos zu schaffen. All die schönen Pläne der Stadtplanung nützen leider wenig bis nichts, wenn die Politik sie nicht umsetzt, weil sie kleinlaut Angst hat, Wählerstimmen, die leider oft Autofahrerstimmen sind, zu verlieren.
„Die Verkehrswende kommt, weil der Klimawandelt nicht geht“
davon ist Wolfgang Aichinger von der Agora Verkehrswende, einer gemeinnützigen GmbH, die zur Stiftung Mercator gehört, überzeugt. Bei der Dialogveranstaltung zum „Masterplan Mobilität 2030“ ist er als Redner und Impulsgeber geladen. Einige Zuhörer-/innen sehen sich in seinen Worten bestätigt, sie brauchen fast keinen Impulsgeber mehr. Er beklagt, dass sich seit 1990 nichts getan habe, um 40% Emissionen einzusparen, wie es die Bundesregierung geplant hatte.
Bei der Verkehrswende geht es nicht darum, Menschen mit Auto zu diskreditieren. „Verkehrswende“ meint, dass sich radikal und umfassend unser Mobilitätsverhalten ändern muss. Wenn Parkplätze wegfallen, müssen andere Möglichkeiten der Mobilität geschaffen werden. Aichinger dazu: „Die Verkehrswende gelingt mit der Mobilitäts- und Energiewende.“ Er nennt ein paar Bereiche, die besser verbunden oder/und ausgebaut werden müssten: im öffentlichen (Nah-)verkehr das Umland mit der Stadt, eine Neugestaltung des öffentlichen Raums in der Stadt (s. Beispiel Borsigplatz). Die aktuelle Instrastruktur vermittele eine Ungleichheit. Wie wahr. Fazit: „Es wurde zu wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.“ Das sei auch bei den Preisen so: In München sind die Parkgebühren seit 2004 gleich geblieben, dagegen steigt der Preis für eine Fahrkarte im Nahverkehr um 40-60%. Absurd.
„Technik allein hilft nicht“
Aber nein, das Auto braucht nicht komplett verschwinden, das Elektroauto sei die Lösung, so wird oft arguementiert, auch von offizieller Seite des Bundesverkehrsministeriums. „Förderung Elektromobilität“ ist ein Thema, um den Klimawandel anzugehen. Schön, wenn es nicht mehr stinkt, wenn man als Radfahrer* oder Fußgänger* unterwegs ist in der Stadt. Aber huch, warum ist es immer noch so eng? Weil auch ein E-Auto Platz braucht, genauso viel wie ein Diesel oder Benziner. Laut dem Verkehrsforscher Wolfgang Aichinger werden 20 bis 30% der Fläche für den „ruhenden Verkehr“, also parkenden Fahrzeugen, verbraucht. 97% der Zeit ist Stehzeit, in der das Auto gar nicht gebraucht und gefahren wird. 90% sind parkende Autos, gerechnet von der gesamten Flotte.
„Niemandem Mobilität verwehren, aber beim ruhenden Verkehr gibt es Ineffizienz im öffentlichen Raum“
Ein nachhaltiger Stadtverkehr ist nicht nur Klimaschutz: die Luftqualität und die Verkehrssicherheit wird verbessert, weil weniger Fahrzeuge mit Emissionen unterwegs sind. Das bedeutet auch: weniger Lärm, Gesundheitsförderung, Quartiersbelebung und – welch Erstaunen bei manchen Einzelhändlern: Wirtschaftsbelebung. Denn wer zu Rad oder Fuß unterwegs ist, sieht wirklich, was in den Schaufenstern ist und kauft ein. Wieso viele Einzelhändler* wie in Essen-Rüttenscheid immer noch glauben, dass mit einem Verbot des motorisierten Individualverkehrs auf der „Rü“ ihr Geschäft und das Leben im Stadtteil zugrunde gehe, bleibt ein Rätsel.
Hier soll sich Rad- und Fußverkehr den Platz teilen. Geht nur nicht gut, weil aus der Fußgänger-Einkaufszone meist viele Leute auf diese Strecke strömen. Foto: A. St.Fast übersehen: das „Umleitungsschild“, mit dem Radfahrer* auf den Bürgersteig entlang des Königwalls geschickt werden. Sehr unklug. Foto: A.St.
Ein Blick zu den Nachbarn im Süden zeigt genau diesen Effekt. Wolfgang Aichinger nennt als Beispiel die Stadt Wien. Weil die Parkplätze reduziert worden waren, war diese Straße als Druchgangsstraße für Autofahrer* unattraktiv geworden. Den Hauseigentümern* ist das so wichtig, dass sie diese Maßnahme finanziert hätten, die Stadtverwaltung musste nur die Planung übernehmen. Die Folge: es gab mehr Einkäufe in den Ladengeschäften. Kein Bürgerkrieg, kein Konkurs. Welch Wunder, das auch in Essen und Dortmund, z. B. in der Kaiserstraße möglich wäre. Mit dem Rad dort einkaufen zu wollen, ist immer noch eine Schlingerfahrt zwischen parkenden Blechkisten, um irgendwo zu parken. Fahrradparkplätze? Fehlanzeige. Nur vor dem kleinen Supermarkt gibt es Abstellbügel. Die Firma mit den vier roten Buchstaben tut was für ihr „grünes, nachhaltiges“ Image, das sie in der Werbung proklamiert.
Die Kaiserstraße in Dortmund. Zwar für Radfahrer* befahrbar, aber wo man hier von der Straße zu den Geschäften kommen soll und wo man sein Rad abstellen soll… ob das der Geist des Oberbürgermeisters oder Tiefbauamtleiters weiß? Foto: A. St.
Auch Stadtplaner Aichinger weiß, dass Händler* immer noch glauben, dass der KfZ-Verkehr wichtiger als der Rad- und Fußverkehr sei. Dabei leide aber die Nachbarschaft, wenn viel motorisierter Verkehr rolle und keine Kreuzung sicher für den nicht-motorisierten Verkehr zu queren sei. Der öffentliche Raum habe nicht nur als Begegnungsort eine wichtige Rolle, sondern diene auch als Ausgleich für Mieter*, die nur eine kleine Wohnung haben. In Krefeld gebe es ein Beispiel: Spielplatz vor Straße. In Wien wirkt ein Straßenumbau der Aufhitzung von Gebäuden im Sommer entgegen, indem die Straße zur „kühlen Meile“ wird: https://derstandard.at/2000101313349/Die-Wiener-Zieglergasse-wird-zur-kuehlen-Meile
Der Kampf um den öffentlichen Raum ist natürlich nicht neu. Parken von motorisierten Fahrzeugen ist und war meistens umsonst, wer dafür zahlen soll, ist oft verärgert oder gar wütend. Für Aichinger haben auch Falschparker Werte vergessen, die es wieder durchzusetzen gilt. Diesen Autobesitzern* ist oft genug nicht bewußt, was sie mit ihrem Fehltritt anrichten. „Einfach vorbei gehen“ oder mit dem Rad vorbei fahren birgt oft große Gefahr, vom fließenden Verkehr erfasst und verletzt zu werden. Und ein Kinderwagen oder Rollator kann leider nicht hochkant vorbei geschoben werden, weil parkende Autos nur nur 1 m Gehwegbreite lassen . Parken im öffentlichen Raum ist Privatisierung des öffentlichen Raums – und das muss laut dem Verkehrsforscher der Agora Verkehrswende, Wolfgang Aichinger, gestoppt werden.
Was tut die Stadt Dortmund?
Man kann nicht behaupten, die Stadt Dortmund würde gar nichts für den Rad- und Fußverkehr tun. Es gibt zumindest einen Fahrradbeauftragten der Stadt. Der Oberbürgermeister fährt meist mit dem Rad zur Arbeit, es gibt ein paar wenige passable, wenn auch nicht gute Radwege. Der Kirchentag wurde als so positiv für den Rad- und Fußverkehr hervorgehoben. Tatsächlich war die Innenstadt für die Zeit vom 19.6. bis zum 23.6.19 weitgehend autofrei, auch manche Kreuzung am Innenstadtring, dem „Wall“ war gesperrt. Aber das war eine temporäre Maßnahme, die bis auf ein paar maulende Autofahrer* niemand verärgert hat. Wenn es eine dauerhafte Maßnahme wäre, dann wäre das Geschrei groß, mancher sähe sogar den Untergang Dortmunds in nicht-sportlicher Sicht voraus.
Es ist positiv, dass es solche Dialogveranstaltungen überhaupt gibt, dass die Bürger-/innen gehört werden. Positiv ist auch, dass das „Machen“ für alle Akteure, dem Tiefbauamt, der Planersocietät und der Stadtverwaltung im Vordergrund steht. An Ideen und Plänen mangelt es auch nicht, wie die vielen Schautafeln und Bilder von anderen Städten oder kleinen, erfolgten Maßnahmen in Dortmund zeigen. Anne Berndt von der Stadtverwaltung, die am Stand „Öffentlicher Raum“ mit den Besuchern* spricht, sagt: „Das muss dann die Politik machen.“ Ein Stadtratsbeschluss muss her – und das dauert. Am besten man packt den Oberbürgermeister und die Stadträtinnen und Stadträte alle auf mehrere Lastenräder – und dann ab nach Kopenhagen. Dort können sie sich ansehen, wie gute, menschenfreundliche Stadtplanung geht. Übrigens: die Dänen haben mit dieser Planung gerade dann angefangen, als die Stadt pleite war, der Ausbau für den Autoverkehr zu teuer gewesen war. Das war vor 20 oder 30 Jahren so. Hier in Deutschland wurde schon seit 30 und mehr Jahren nichts, bzw. sehr wenig für den Rad- und Fußverkehr getan.
Michael Frehn von der Planersocietät, die mit der Stadtverwaltung den „Masterplan Mobilität 2030“ erarbeitet, erläutert den aktuellen Stand der Verkehrsinfrastruktur in Dortmund. beim Radverkehr hätte es in den letzten Jahren eine Steigerung gegeben. In Hamburg seit der Anteil von 9% im Jahr 2002 auf 15% im Jahr 2017 gestiegen. 2013 waren es in Dortmund mickrige 6%, was am großen Unsicherheitsgefühl vieler Radfahrenden liege. Eine Unsicherheit, die täglich mitfährt. Wenn man auf einer ohnehin engen Straße wie der Oestermärsch fährt, die noch dazu Straßenbahnschienen führt, braucht man Mut – das sollte man für´s Radfahren eigentlich nicht brauchen müssen, sondern nur für’s Bergsteigen oder Höhlenklettern!
Zugeparkt, eng und noch voll von vier Schienen: die Straße Oestermärsch in Dortmund.
Oder auch die seit Monaten nicht existente Radverkehrsführung an der Baustelle Dortmunder U/Königswall. Man überlebt als Radfahrerin eigentlich nur, wenn man sich an der roten Ampel vor die Autos stellt, weil man dann von allen anderen gesehen und wahrgenommen wird. Der von der Straße getrennte, sonst benutzungspflichtig Radweg ist von der Baustelle besetzt. Am Eck Schmiedingstraße/ Königswall war ein Haus abgerissen worden – das ist also folglich keine 1-Tages-Baustelle.
Königswall/Kreuzung Schmiedingstraße von einer Verkehrsinsel aus.Wo die Baumreihe an der Kurve beginnt, beginnt auch die Gefahrenzone für Radfahrer*, weil die Baustelle keine Wegeführung für diese hat. Foto: A. St.
Laut Fehn habe es bei den Verkehrsunfällen eine Stagnation gegeben, sie läge bei 10 Toten pro Jahr, 40% seien davon Radfahrende und Fußgänger*. Schwierig dabei ist, dass zwischen den beiden Gruppen nicht differenziert wird, zumindest bei seinem Vortrag nicht. Schwerverletzte gäbe es 290 pro Jahr. Auch die Schulwegsicherheit spiele eine Rolle. Dass dabei aber endlich konkrete Maßnahmen gegen Elterntaxis und für eine andere Mobilität der Kinder ergriffen werden, erwähnte der Verkehrsplaner leider nicht. Und bitte bei den „präventiven Maßnahmen“ auf Helmkampagnen und Wahnwesten-Aktionen verzichten, denn: die machen die Straßen nicht sicherer, weil immer noch sichere, breite Wege, am besten getrennt von dem Autoverkehr, nur für Radfahrende und Fußgänger fehlen! Nur wenn man den Autos mindestens eine Spur streicht, wird der Schulweg sicherer! Und auch der Weg für alle anderen nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer!
Verkehrsplaner Michael Fehn gestand zu Ende seines Vortrags ein, dass der stehende PKW-Verkehr wachse, was auch an der Fehlsteuerung der Stadtverwaltung gelegen habe: Die Straße ist ein billiger Parkraum, billiger als das Parkhaus. Deshalb wolle man das Bewohnerparken ausweiten. Aber mal ehrlich: ist das als so schön und sicher benannte Kreuzviertel mit seinen Jugendstilvillen und -häusern wirklich schön, wenn bald jede Straße immer so zugeparkt ist?
Sonnenstraße im Kreuzviertel, auch immer gut zugeparkt. Die Einbahnstraße ist für Radfahrende in der Gegenrichtung frei gegeben. Aber dennoch: zu eng für Radfahrende. Foto: A. St.
Fazit: Liebe Stadtverwaltung, denken Sie doch mal darüber nach, ob man noch mal und noch mal ein Fahrzeug zulassen muss. Warum funktioniert das Carsharing so schlecht? Warum muss jede-/r, nicht nur im Kreuzviertel ein eigenes Auto besitzen? Sind die alle fußkrank? Wohl kaum! Auch wenn es hier und da schöne Ecken im Kreuzviertel gibt: das Radfahren und laufen macht dort genauso wenig Spaß wie in der Nordstadt, am Borsigplatz. Weil es zuviele Autos gibt. Viel zu viele. Sagt auch ein Fachmann hier.
Es ist schon lustig, wie verschieden Lastenräder sein können. Dass diese Art von Rädern keine Nerd-Späßchen wie z. B. Scooter-Räder, die keinen echten Nutzen haben, sind, beweist u.a. der Blog „Ohne Auto im Alltag“ sowie zahlreiche Initiativen, die Lastenräder zu günstigen Konditionen verleihen: z. B. VeloCityRuhr in Dortmund, in Essen ELA und der ADFC Unna mit ELLA und ULF. Mit ELLA hatte ich zu Wochenbeginn keinen Erfolg. Vorne zwei Räder, dazwischen die Ladefläche, hinten das einzelne Rad. Dreirädrige Liegeräder bin ich schon gefahren gewesen. Allerdings war ELLA auch mit meiner inzwischen schon jahrelangen Fahrpraxis für Lastenräder kaum zu fahren. Da half auch die E-Motor-Unterstützung nichts. Vorne schwer zu lenken und kaum unter Kontrolle zu halten, wackelte der hintere Teil wie ein Kuhschwanz. Fast schon magisch schienen die parkenden Blechkisten das Rad anziehen zu wollen.
Ich versuchte immer wieder, zu starten. Nach sagenhaften 1,2 km gab ich auf und gab dieses Lastenrad wieder am Lünener Hauptbahnhof zurück. Sehr schade. Ich war enttäuscht, hatte ich mich doch auf eine kleine Radtour zurück nach Dortmund gefreut. Der Mechaniker hatte mir sogar noch den Leezepatt empfohlen gehabt. Doch daraus wurde nichts. Fast hätte ich mir spontan eines der kostenpflichtigen anderen Räder ausgeliehen, aber das war nicht der Sinn der Sache. Außerdem hätte ich auch dieses Rad wieder zurückbringen müssen, wofür ich keine Zeit gehabt hätte.
Man könnte denken, dass sich Lasten mit einem zweispurigen, weil dreirädrigen Rad leichter transportieren lassen. Aber dem ist nicht so. Beim Fahrverhalten von ELLA fühlte ich mich stark an die Christiania erinnert, die ich auch mal versucht hatte, zu fahren: auch bei der Ch. befindet sich die Ladefläche zwischen den beiden Vorderrädern, der Lenker ist eine gerade Stange, wie ein Treppengeländer verläuft die Lenkerstange vor der Ladefläche. Respekt für die und den, die oder der so ein Ding fahren kann! Hier ein Bild des Modells „Christiania“, die im Dortmunder Verleih „Rudolf“ – eigentlich Rudolfine – heißen müßte. 😉
Der ADFC Unna hat aber nicht nur ein Lastenrad in seinem Verleih-Angebot. Ein Einspurer ist auch zu haben: UNser LastenFahrrad, kurz ULF. Am selben Tag, an dem ich wegen dem Rad ELLA so betrübt und enttäuscht gewesen war, buchte ich den ULF. Am Valentinstag holte ich das Rad dann ab; dank komoot war die Suche nach dem richtigen Weg einfach. Inzwischen bin ich sehr froh über dieses elektronische Navigationssystem, weil die Planung doch schneller geht als mit der Papierkarte. Letztere haben aber einen entscheidenden Vorteil: ihre Akkulaufzeit ist unschlagbar (zugegeben, mit den Updates dauert es immer etwas länger… ). Als „Backup“ habe ich immer noch die ADFC-Papierkarten mit dabei. Da es sich beim Ausleihort in Unna-Massen um ein Randgebiet der Stadt handelt, war der Weg gar nicht so weit, wie ich zuerst vermutet hatte. 13 km Wegstrecke, nach einer Stunde war ich bei „Electric Ride“ angekommen und wurde freundlich empfangen. Allerdings, ULF ist eins der wenigen nicht-elektrisch betriebenen Pferde in diesem Fahrradladen.
Und los ging´s… nach einem Stück Landstraße entlang der Felder.
Das Lastenrad ULF vom ADFC Unna.
Nebenan gibt es erst mal Mittagessen…
Määäh! Aber beim Essen ist es ganz stille…
Zugegeben, der Spiegel ist etwas spießig und den braucht auch niemand. Aber bei einem kostenlosen Leihrad motzt man nicht… abgesehen davon, dass er für die Katz ist. Ich sah darin nicht das, was man darin erkennen hätte sollen: nämlich das, was hinter dem eigenen Rücken liegt.
Der Ulf, ein niederländisches Modell von der Art „Bakfiets“, verhält sich gemächlicher und rollt langsamer als das Bullitt von Larry vs. Harry. Damit man auch mit dem Bakfiets, wörtlich übersetzt das „Wannenrad“ aber nicht baden geht, muß man Geduld haben. In die Kurve legen geht schon, aber wirklich schnell fahren kann man mit ULF nicht. Auch der Ständer unter der „bak“, der Wanne = der Lastenfläche ist etwas umständlicher zu handhaben als der vom Bullitt. Dafür ist es sehr verläßlich, auch wenn mal unvorhergesehen Hindernisse kommen, z. B. Steine aus der Wegoberfläche ragen, über die man dann drüber fahren muss. Oder eine Kurve, auf die ein Weg mit nicht ganz abgesenktem Bordstein folgt. Das alles schluckt dieses Rad, ohne zu murren. Außerdem macht die stufenlose NaVinci-Schaltung der Rohloff wirklcih Konkurrenz – auch wenn eingefleischte Rohloff-Fans mit Sicherheit was anderes behaupten 😉
Zuerst durch Dortmund-Kurl und nicht wie zuerst angenommen durch Kamen-Methler oder Wickede ging die Route auf den Körnebachradweg entlang der Bahnlinie Dortmund<>Hamm. Bei für den Februar nciht normalen Temperaturen von ca. 15 und mehr Grad Celsius zwitscherten die Vögel im Gebüsch am Wegesrand, als ob schon Frühling wäre. Ich war immer noch auf Winter eingestellt und das „bakfiets“ durfte als erste Ladung immer mehr Kleidungsstücke tragen, die mir zu warm geworden waren.
Auffällig ist die Ähnlichkeit zum sogenannten „Hollandrad.‘
Am Bahnhof Dortmund-Scharnhorst mußten die Gleise überquert werden. Auch wegen der Kurven auf dem Brückenzugang keine leichte Aufgabe, darauf zu fahren… nun, schieben ist auch keine Schande…
Der Bahnübergang am Bahnhof Do-Scharnhorst.
Kurz nach der Brücke verkündete ein Wegweiser, dass es nur noch 4,1 km bis zum Borsigplatz seien. Juhu, dachte ich mir… doch kurz darauf gab es keinen Weg mehr, nur noch Morast.
Das Baustellenschild besagt, dass der Lippeverband hier etwas baut.
Weit und breit war kein Mensch zu sehen, die Maschinen standen still. Rad und Mensch wurden unnötig dreckig. Hallo, ich bin hier nicht mit dem Downhill-Rad unterwegs! Später erfuhr ich dank eines Bekannten, dass hier tatsächlich ein Weg gebaut werden würde (sonst müßte man durch das Bahnbetriebsgelände mit den Schienen und abgestellten Zügen fahren). Bereits Ende 2018 sollte dieser Weg zwischen Scharnhorst Bahnhof und Wambel Gewerbegebiet fertig sein, jetzt ist der 31. März 2019 anberaumt. Zwar war der Morast nach ca. 200 m wieder zu Ende, doch auf dem nun wieder asphaltierten Weg mussten laange Brombeeranken den Weg versperren. Ich hatte am Bahnhof Scharnhorst kein Umleitungsschild gesehen gehabt, erst auf den Rat meines Bekannten hin fand ich bei der Rückfahrt, als ich später das Rad wieder abgab, die Umleitung.
Dann endlcih am Borsigplatz angekommen… und gleich zur Arbeit gefahren. 1 Stunde Wegzeit, die mir länger erschienen war, lag nun hinter mir.
Der Borsigplatz Dortmund. Seltsamerweise nicht so beliebt in Gelsenkirchen…
3 Tage hatte ich Ulf ausgeliehen und er hat viel erlebt. Ich fuhr mit diesem Lastenrad zur Arbeit, ca. 3 km einfache Wegstrecke. Die Kollegen staunten nicht schlecht, erst recht, weil ich den Weg von, bzw. nach Unna auf mich genommen hatte. Und der Architekt, der im selben Haus wie wir arbeitet, bekam auch Lust, das Rad auszuprobieren, auch mit Hund. Allerdings war der Vierbeiner, sonst eine freundliche Schmuserin, nicht so begeistert, was ihr Herrchen da veranstaltete… ich hatte bis zu diesem ZEitpunkt auch angenommen gehabt, dass die Plane vorne fest montiert sei. Das hat den Hund wohl gestört, dass sie nicht immer frei ihren Kopf in die Höhe recken hatte können. Aus Hundesicht verständlich. Nur hinten ist ein Fensterchen, wo man die Regenfolie aufrollen kann.
Aufgerollte Regenfolie hinten, unter dem Lenker.
Das Schöne am Lastenrad-Fahren ist, dass man mehr Aufmerksamkeit von anderen Verkehrsteilnehmern* bekommt. Dieses Rad fällt durch seine ERscheinung mehr auf. Manche Passanten* fragen, ob man damit auch Kinder mitnehmen kann. Ja, beim Bakfiets von VanAnden gibt es ein schmales Bänkchen in der Wanne, das ich allerdings immer hochgeklappt hatte, weil ich ausschließlich Dinge transportierte. Im folgenden war das Altglas und jede Menge Leergut.
ULF beladen mit einem leeren Bierkasten, Altglas, Altpapier.
…und wieder ein Aufgschau vor dem Getränkemarkt 😀 Das erste Cabrio hatte ich auch gesichtet. Seltsam. Ich fahre das ganze Jahr über Cabrio.
Über die Biermarke lässt sich streiten, aber nicht über die Mobilität in der Stadt!
Bei 19 Grad Celsisus, die inzwischen das Thermometer anzeigte, kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man Lastenrad fährt. Der Bierkasten wieder voll und die Körbe und Taschen wieder leer von den Pfandflaschen, war ich froh, zur Arbeit radeln zu können. Wenn auch nicht ganz so flott und wendig wie mit dem Bullitt. Was schon bemerkenswert ist: die durch den hohen Lenker verursachte aufrechte Sitzposition hat fast was majestätisches. Demnächst also bitte ein Modell mit dem niederländischen Königswappen vorne dran ausliefern, verehrter Hersteller vanAnden… 😉
Abends, der 3. Freitag im Monat war es, wäre ich fast bei der CM Dortmund mitgefahren. Allerdings ging ein Pressetermin vor: die Premiere des Theaterstücks „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen am Schauspielhaus Dortmund. Nun, dann geht ULF mit mir eben ins Theater… Premierenkritik folgt auf http://www.nordstadtblogger.de .
Der ULF vor dem Schauspielhaus Dortmund.
Und hehe, ich passe noch in diese Parklücke! Sehr gut sogar, ohne dass ich mir die Tür ramme! 😀
Der ULF in einer Parklücke bei wilder Autoparkerei.
Freitag nachmittag ist gefühlt noch mehr los auf den Straßen in und um die Innenstadt herum. Einmal flog mir fast die Plane weg, ich mußte anhalten, was aber kein Problem war, selbst die Autofahrer* hupten nicht… wohl auch, weil ich den eigentlich unnützen Radstreifen am Borsigplatz benutzte. Es gibt dort eine extra Ampelschaltung für Radfahrende, aber kein blaues Schild dass dieser lächerliche Streifen und Holperpiste benutzungspflichtig wäre. Sowas gibt es auch nur in Deutschland – hust*.
Was mir mit und ohne Lastenrad Angst macht, sind diese Massen an Autos. Verkehrswende ? Klimawandel? #FridaysForFuture, schon mal was davon gehört? Diese Autofahrer* offensichtlich nciht. Vor einer Zukunft, in der sich das Mobilitätsverhalten nciht ändern wird, graust mir. Angesichts dieser Blechmassen ist jede Fahrt mit dem RAd und Lastenrad eine Dmeonstration für eine bessere Zukunft. Klingt überzogen pathetisch, ist aber wahr, weil Fahrräder kein CO2 ausstoßen.
nur eine der vollgestopften Routen Richtung Borsigplatz.
Nur ein paar hundert Meter weiter, in eine enge Gasse abgebogen, zwischen einem Schrebergarten-Häuschen und verfallenem Industriegelände, hat man erst mal Ruhe vom Verkehrslärm. Die Graffiti an den Wänden gehören zu einer Galerie, um diesen Teil der Weißenburger Straße, zu dem auch die Mauer vom RWE-Gelände gehört, zu verschönern. Diese Sprayereien sind also legal und durchaus sehenswert, es muß nicht immer alles gefallen.
Der ULF vor der Galerie in der Weißenburger Straße Dortmund.
FAZIT: So sportlich wie das Bullitt fährt sich ULF nicht, aber er ist mindest so verläßlich. So schnell haut dieses Rad nichts aus der Spur…. der extrem niedrige Einstieg ist ein Komfort-Plus (wobei die verminderte Höhe der Querstange im Rahmen eines KARGON oder Riese&Müller-Lastenrades auch ausreichend ist). Beim Bullitt heißt es immer erst einmal einen halben Can-Can tanzen, während man Jaques Offenbach im Ohr hat. Die Regenhaube ist auch nicht verkehrt, wenn sie am „bakfiets“ angebracht ist. Die NaVinci-Schaltung ist sehr zu empfehlen, weil man beim Anfahren an der Ampel oder am Hang stehend keinen Streß mehr hat. Für starke Steigungen ist ULF aber nichts, das Bullitt auch nicht wirklich, wenn es auch leichter zu fahren ist. Wer in meiner alten Heimat Nürnberg wohnt, der oder dem sei diese Rad trotz des günstigen Preises – im Vergleich zum Bullitt- nicht empfohlen.
Was nicht nachvollziehbar ist, ist die hohe Lenkerposition. Was bei einer Gazelle, also einem Hollandrad als angenehm empfunden werden mag, stört beim Lastenrad auf Dauer. Das Gesamtgewicht ist größer, weshalb ich immer einen 2. Menschen brauchte, um ULF in den Flur des Wohnhauses zu heben, um ihn nachts sicher zu verwahren. Das Bullitt habe ich, wenn auch mit Anstrengung, allein ins Haus geschafft. Wenn man länger mit dem ULF fährt, also mehr als 20 Streckenkilometer am Stück, kann man schon mal matte Arme bekommen. Oder ist es auch eine Gewohnheitssache? Nach 3 Tagen Bullitt-Fahren weiß ich auch, was ich getan habe. Nach meiner allerersten Bullitt-Fahrt hatten mir ordentlich die Arme weh getan. Dennoch werde ich ULF gerne wieder ausleihen, weil er ein verläßlicher Partner ist, mit dem man sicher Lasten transportieren kann.
EletricRide in Unna-Massen. Hier kann man ULF ausleihen.
Danke an den ADFC Unna für die Bereitstellung von ULF, UNserem LastenFahrrad! 🙂 HIER kann man ULF ausleihen. EletricRide ist auch gut mit der S-Bahn und Bus R54 zu erreichen.
Die komoot-Routen von Dortmund nach Unna – 1. Link und zurück, 2. Link:
Gerne werde ich wieder damit fahren, auch bei 13 km Anfahrtweg. Lustig wird es dann, wenn man vom Lastenrad wieder auf sein ’normales‘ Rad umsteigt… um vom Fleck zu kommen nach der Rückgabe von ULF, hatte ich mir mein Faltrad mitgenommen in dem „Bakfiets.“ Das ist eben das Geniale am Lastenrad, dass man sich sogar ein 2. Rad ohne Probleme mitnehmen kann! Ich hatte nicht nur einen leicht wackelnden Lenker, auch hatte ich dauerend das Gefühl, dass alles zu leicht ginge und doch was fehle… klar, ein Lastenrad lenkt sich immer schwerer, weil es im Gesamten schwerer ist.
Nach Rückgabe von ULF muss man irgendwie nach Hause kommen. Mit dem Faltrad.