„Ihr Semesterticket ist in diesem Format nicht gültig!“ So fauchte mich gestern eine schnepfige „Zugbegleiterin“ zusammen mit ihrem siebengescheiten Kollegen an. Ich saß im Zug Richtung Lüdenscheid. Seitdem ich in NRW studiere wundere ich mich über die Form des Semestertickets: ein pdf-Dokument, das man zugeschickt bekommt und ausdrucken soll. Statt diesem Stück Papier kann man auch das pdf-Dokument auf dem smartphone-Bildschirm vorzeigen – obwohl das dann sehr klein ist – auch mit QR-Code. Sehr logisch.
Das uniformierte Paar im Zug will mir weismachen, daß mein Semesterticket ungültig sei, weil es nicht im Format A4 ausgedruckt ist. Ich sehe die beiden verwundert und auch verärgert an. Sie ließen es noch einmal durchgehen – aber das sollte ich mir merken! ich komme aus dem Staunen und Ärger über soviel Unverschämtheit und mindestens 5 Minuten dauernder Korinthenkackerei nicht mehr heraus. Als die beiden abziehen, denke ich mir meinen Teil: keine schönen Worte sind das. Später auf der Rückfahrt wird mir nur eines der beiden Gscheiderle begegnen, das dann plötzlich gaaanz ruhig ist. Nicht mal nach der Fahrkarte wird mehr gefragt.
Ich habe Verständnis dafür, daß man als Studierende nicht nur das Semesterticket, sondern auch den Personalausweis vorzeigen soll. Das mache ich auch. Aber eine Fahrkarte im Format DIN A4 ausgedruckt mit sich herumtragen??? Geht´s noch???
Sehr entehrte Zugbegleiter dieses Zuges, der gestern am Dienstag den 15.11.2016 um 16.34 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof Richtung Lüdenscheid abfuhr. Hallo an den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr = VRR und an die DB Regio NRW.
Ich will nur weißfahren, deshalb habe ich meine Fahrkarte dabei. Allerdings, wenn man mir so kommt wie gestern ein Hinweis: ich bin nicht Ihr Mülleimer für Ihre schlechte Laune, weil Ihre Arbeitsbedingungen immer schlechter werden oder weil man Streit mit anderen Zugfahrgästen, Familie oder Kollegen oder dem Ehemann oder blabla… hatte. Dafür bin ich nicht verantwortlich, ich kann das höchstens bedauern. Denn was anderes kann nicht der Grund dafür gewesen sein, so angefaucht zu werden. Ich verlange auch keine großartige Freundlichkeit von Zugbegleitern. Aber so wie ich gestern angemotzt und beschuldigt wurde: DAS GEHT SO NICHT!
Ich kann mit der Hilfe von der DB Regio und dem VRR in Zukunft natürlich gern Ihrem Wunsch nachkommen, mein Semesterticket im Format DIN A4 mit mir herumzuschleppen. Dann im von Ihnen finanzierten Goldrahmen – oder besser grün-metallicfarbenem Rahmen – das paß zum VRR – und immer mit Butler, der mir dann das schwere Ding von Zeit zu Zeit abnimmt. Auch der Butler: bezahlt vom VRR. Soll laut DIE PARTEI Dortmund ohnehin der Verkehrsverbund mit den teuersten Fahrkarten in Deutschland sein. Aber wehe, wenn dann mal im Bahnhof ein Lastenaufzug für mein schwergewichtiges Semesterticket nicht funktioniert.
In Thüringen ist der Sachverhalt Semesterticket (=Fahrkarte) – Studierendenausweis – Kopierkarte – Bezahlfunktion wesentlich besser geregelt. Dort hat man eine Karte für alles, auf der Karte ist der Name, das Geburtsdatum und ein Paßbild vermerkt. Außerdem ist die „Thüringer Hochschul- und Studentenwerkskarte“, kurz thoska auch der Bibliotheksausweis. Gelegentlich wünschen die Zugbegleiter auch das Vorzeigen des Personalsausweises.
Die thoska, das bedeutet: 1 Format, 1 Karte – und keine ewige Debatte darum, ob groß oder klein, dünn oder dick, gerahmt oder lose.Die Gültigkeit wird durch einen zu Semesteranfang erfolgenden Stempel angezeigt.
Das Land Nordrhein-Westfalen und alle Universitäten sollten dringend über diese Art der Studierendenkarte nachdenken.
Protestaktion von DIE PARTEI DORTMUND zu den hohen Fahrkarten-Preisen des VRR:
Es gibt einiges, daß an der Technischen Universität nicht gut läuft. Das „Technische“ funktioniert oft nicht richtig oder gar nicht. Die Häufigkeit dieser Fälle läßt mich die Serie „Jenseits der Lobhudelei. Was an der TU Dortmund nicht funktioniert“ ins Leben rufen. Zu einigen Dingen habe ich die zuständigen Stellen bereits angeschrieben gehabt, oft kam eine Antwort zurück, daß man nichts ändern könne.
Es ist klar: auf der eigenen Website und in den Newslettern will sich jede und jeder von ihrer oder seiner besten Seite zeigen. Allerdings empfinde ich bei all den nicht funktionierenden Dingen die Nachrichten im Newsletter und auf der TU-Website als irritierend und nervend. Erst recht auch deshalb, weil es immer lange dauert, bis sich was ändert – wenn sich überhaupt was zum Guten ändert.
Der andere Blick vom Berg ins Tal
Blick von der Otto-Hahn-Straße 12 auf den Campus Nord
Im Gebäude Otto-Hahn-Straße 12 befindet sich der Fachbereich Informatik und das itmc-Service-Zentrum. Ich wollte dort mich wegen des WLANs für Smartphone und Laptop beraten lassen.
Ganze 15-20 Minuten dauert es, bis man vom Mensagebäude in die Otto-Hahn-Straße hinauf gelaufen ist.Im Tal, wo das Mensagebäude, die Emil-Figge-Straße 50, (dort sind u.a. der Musikjournalismusstudiengang und einige sozialwissenschaftliche Fächer beheimatet) dauert der Weg mindestens noch 5 Minuten länger. Der Blick der „Talbewohner-/innen“ reicht meist nur bis zur Otto-Hahn-Straße 3, wo der Hochschulsport zu finden ist.
Nicht viel Zeit die man dafür braucht, mag man denken. Zwischen den Vorlesungen mal Luft schnappen und etwas Bewegung haben…
Doch der Eindruck täuscht. Wenn man auf dem Berg nur 30 Minuten Zeit zwischen Lehrveranstaltungen hat, bleibt keine Zeit, 15 Minuten hin und zurück zum Mensagebäude zu laufen, um sich Essen zu besorgen. Nicht jeder Dozent/jede Dozentin duldet es, wenn man im Seminar ißt und es macht auf Dauer auch keinen Spaß, in Unruhe zu essen. Ganz abgesehen davon, daß FastFood auf Dauer ungesund ist. Besser wäre, in Ruhe außerhalb von Lehrveranstaltungen essen – und auch genießen (!) zu können (auch wenn die Mensa kein Feinkostladen ist. Das Essen hier an der TU Dortmund bzw. vom Studierendenwerk Dortmund hat aber eine bessere Qualität als in Jena).
Nachdem ich heute in der Otto-Hahn-Straße 12 beim itmc-Center war wurde auch klar, warum „Die Liste“ (Studentengruppe von „Die Partei“) einen Transrapid zur OH12 fordert.
Und was macht man dann als Informatiker-/in?
Der Fachschaftsrat Informatik hat seit 2007 einen eigenen Kiosk, um seine Studierenden zu versorgen. Tolle Sache, die Lob und Anerkennung verdient.(Link am Textende). Aber das kann nicht die alleinige Lösung für die Versorgung der Studierenden in der Otto-Hahn-Straße sein. Schließlich benötigt auch ein Kiosk Leute, die ihre Studienzeit für die notwendige Arbeit am Kiosk opfern. Das Studierendenwerk Dortmund sollte an diesem Platz zumindest eine kleine Cafeteria eröffnen. Als Studentin oder Student hat man wirklich andere Sorgen, als sich auch noch selbst Lebensmittel an den Ort zu bringen, wo man studiert und zu lagern, um während des Studiums versorgt zu sein.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Neueröffnung einer Cafeteria ist jedoch sehr gering, wenn man sieht, daß manche Schalter z. B. in der FoodFakultät zeitweise geschlossen bleiben (z. B. der Schalter für Milchkaffee und verschiedene Tees und Kakao). Auf Nachfrage ist zu erfahren, daß nicht genug Personal da sei.
Die Leitung des Studierendenwerks Dortmund ist aufgerufen, mehr Leute einzustellen und Geld bereitzustellen, damit in der versorgungstechnischen Diaspora Otto-Hahn-Straße 12 und Umgebung eine Cafeteria eröffnet werden kann. Auch um den Preis, daß in der FoodFakultät nicht immer alles verfügbar ist; zumindest ist dieser Laden für Studierende und Lehrende gut erreichbar.
Am letzten Freitag im Monat findet nicht nur in Nürnberg, Bochum und sonstwo eine Critical Mass statt: auch in Duisburg hatten sich diesen Freitag 11 Radlerinnen und Radler eingefunden, um zu zeigen, dass sie auch zum Straßenverkehr gehören. Rennräder, Trekkingräder und ein Faltrad waren dabei. Zum 2. Mal bin ich mit dem Zug nach Duisburg gefahren, um deren CM = Critial Mass zu besuchen; „CM-Tourismus“ nennt man das.Bochum wäre näher gewesen, aber weil es schon beim 1. Mal eine freundliche sympathische Runde gewesen war, bin ich wieder nach Duisburg gefahren.
Dieser Bericht schildert meinen persönlichen Eindruck von der CM Duisburg. Es geht in keinster Weise darum, verschiedene CMs zu bewerten und gegenüber zu stellen oder abzuwerten. Jede CM ist wichtig, um zu zeigen: WIR RADFAHRER SIND AUCH TEIL DES STRAßENVERKEHRS. Leider hat der Monat aber zuwenig Freitage, als daß man an jeder CM in NRW teilnehmen könnte….
Das Gute am Duisburger Hauptbahnhof ist, dass der Zugang zu den Gleisen geradlinig verläuft; in Essen hingegen muß man einmal um die Ecke laufen und, wenn man am „falschen“ Ende den Bahnhof betritt, auch noch eine Treppe hoch, was als Radfahrerin nervt. In Duisburg erscheint jedoch der Gang vom Gleis bis auf den Bahnhofsvorplatz eine Ewigkeit zu dauern. Vielleicht kommt das davon, daß der Durchgang zu den Gleisen so breit und dicht mit Geschäften gesäumt ist.
Der Empfang war dieses Mal nicht nur freundlich, sondern auch lecker: ein Essener Radler bot mir Brownies an. Die probiere ich doch gerne…. die waren besser als meine, die ich vor ca. 1,5 Jahren gebacken hatte. Lockerer und nicht so süß und schwer. Dankeschön. Wenn ich es zeitlich schaffe zu backen, wird es von mir am 11.11.2016 bei der CM Essen Martinsbrezeln geben.
Ah und da war der Button der Critical Mass Essen zum 6jährigen Jubiläum an der Lenkertasche des Brownies-Bäckers… ich konnte mit einem Fahrrad-Schlüsselanhänger, der nun an einem Lederband hängt, punkten. Und, falls wir uns in Essen treffen: ich hab noch welche und bring Dir einen mit.
Daß es Herbst ist, merkte man an diesem Abend wieder deutlich: es gab Nieselregen. Der guten Stimmung tat das Wetter aber keinen Abbruch. Schade nur, daß wir keine Musik dabei hatten; erst recht beim Kreisel-Fahren macht Radfahren mit Musik großen Spaß. Im Laufe der Tour verließen uns immer wieder Fahrer, einer kehrte am Ende wieder zur Gruppe zurück, er hatte nur Arbeitskollegen „hallo“ sagen wollen.
Duisburg ist ein Radverkehrs-Entwicklungsland, so scheint es. Die 3 Duisburger Radfahrer, die dabei waren führten uns durch die Fußgängerzone von DU-Meiderich, die auch nach 19 Uhr nciht für den Radverkehr freigegeben ist. Autos dürfen aber dort fahren. Autos in der Fußgängerzone?
Was soll das für ein Quatsch sein? Sind Fußgänger sicher unterwegs, wenn sie auf Autos treffen, die viel Platz im fließenden wie im ruhenden Verkehr benötigen, also während der Fahrt genauso wie auf Parkflächen?
Mit dieser strengen Regelung, die den Radverkehr komplett ausschließt, werden Radfahrer-/innen einseitig als „Rowdies“ und „rücksichtslos“ gebrandmarkt; es wird suggeriert, dass jede und jeder Radler-/in alle Fußgänger auf dieser Einkaufsstraße verletzen will. Es gibt zweifelsohne diese Sorte von Radlern. Aber es ist schlichtweg falsch und eine Unverschämtheit, Fahrradfahrer-/innen generell als Rowdies zu verurteilen! Soll eine Radlerin mit Lenkerkorb, die zum Einkauf mit dem Rad in die Stadt fährt und durch eine Fußgängerzone mit dem Rad Schrittgeschwindigkeit fährt, auch ein Rowdie sein? Was sagen die Geschäftsleute in dieser Straße eigentlich dazu? Fakt ist, daß der Radverkehr auch den Umsatz vom Einzelhandelt fördert, weil Radler-/innen besser und schneller kleinere Geschäfte erreichen können und dort Lebensmittel einkaufen oder Dienstleistungen z. B. Friseur in Anspruch nehmen. Ein Rad ist schnell geparkt und braucht wesentlich weniger Platz als ein Auto.
Die Fußgängerzone DU-Meiderich ist breit genug, als daß Radfahrer-/innen und Fußgänger-/innen alle genug Platz haben. Man kann den Radverkehr zu bestimmten Zeiten erlauben und Schrittgeschwindigkeit vorschreiben; ein Großteil der Radler-/innen wird sich daran halten. In Dortmund gelten für den Radverkehr die Ausschlußzeiten von 9 oder 8 Uhr bis 19 oder 18 Uhr. Nervt zwar manchmal, aber grundsätzlich kann ich als Radlerin mit diesen Ausschlußzeiten leben.
Schade, daß es in Duisburg der Radverkehr so schwer hat. Ist das Bewußtsein für das Rad als Alltagsverkehrsmittel noch weniger bei den Verantwortlichen der Stadtverwaltung angekommen als z. B. in Dortmund? Das Bewußtsein für das Fahrrad als Alltags-Fahrzeug fehlt dort wohl ganz; und Interessenverbände haben es noch schwerer.
Deshalb: UNTERSTÜTZT DIE CRITICAL MASS in DUISBURG. Auch wenn es mühsam ist und man sich oft ärgert, daß nichts voran geht: man darf niemals nachlassen, für den Radverkehr zu kämpfen.Dazu gehört auch die Teilnahme an der CM.
Wer ein Semesterticket hat, braucht nicht zusätzlich für die Fahrt nach Duisburg zu zahlen. Also auf zur nächsten CM am 25. November! Vielleicht werden es dann doch mehr als 15 Radfahrer-/innen… ich komme gerne wieder, um freundliche Radler und Gleichgesinnte zu treffen.
Und wer noch nie etwas von oder über die „kritische Masse“ gehört hat, dem sei dieser Link empfohlen:
Es gibt Momente im Alltag, da denkt man, dass man träume, daß das nicht jetzt im Moment echt sein kann, was man da sieht. Bei einer Radtour in Thüringen war das ein Pfau – ja ein echter, lebendiger! – der plötzlich auf der Landstraße stand und mir den Weg versperrte. Ein Pfau in der Thüringer Pampa… das ist grade so, als ob der Metzger um die Ecke plötzlich zwischen Wurst und Steaks lauter dicke Salatköpfe in der Auslage liegen hat. Kann eigentlich nicht sein.
Am Montag abend vor 2 Wochen ging es mir wieder so. Auch wenn die „Erscheinung“ nicht ganz so exotisch und außergewöhnlich war.
Diese Woche war ich am Montag abend beim Fitnesstraining gewesen. Geschafft aber zufrieden stand ich mit dem Rad am Bahnsteig der Haltestelle Dortmund-Universität. Plötzlich sehe ich eine zweite Radfahrerin am Bahnsteig, eher ungewöhnlich für die Zeit zwischen 21 und 23 Uhr. Ein sehr junges Mädel mit unfaßbar dünnen Beinen und Stiefeletten mit Pfennigabsatz. Dazu trug sie einen schwarzen Minirock, ein schwarzes offenes Lederjäckchen, hatte blonde lange glatte Haare,große Augen und stark geschminkte rote Lippen. Bei diesem Anblick kann es dem Betrachter (der Betracherin auch) die Sprache verschlagen. (Für die männlichen Leser, die jetzt die Luft anhalten müssen: nein, ich habe ihre Nummer nicht notiert. Und selbst wenn, würde ich sie nicht rausrücken). Es war so angenehm: keine schaute auf die andere herab. Es stand nicht zur Debatte, warum die eine schick , und die andere praktisch angezogen war. Gleichheit. Endlich mal kein Konkurrenzdenken – wenigstens für die Warte- und Fahrtzeit der S-Bahn.
Das Fahrrad, das sie dabei hatte, war ein uraltes „Oma-„Rad, hatte aber funktionierendes Licht. Ich schmunzelte innerlich, wie man mit Schuhen, die Pfennigabsätze haben, noch radfahren können will. Flache Absätze, wenn überhaupt, sind wesentlich praktischer (und genauso elegant und fußfreundlicher) für´s Radfahren.
Das Mädel kommt auf mich zu und fragt mich, wie das mit der Fahrradmitnahme wäre, sie hätte das noch nie gemacht. Sie wolle zu einer Party fahren und nachts müsse man irgendwie heimkommen, weshalb sie das Rad dabei habe (richtige Entscheidung!). Gerne antworte ich ihr und bin ihr behilflich, Rad und Bahn ist schließlich auch mein Thema. Irgendwie fühle ich mich ihr auch verantwortlich, wie eine ältere Schwester. Mehrere Gedanken schießen mir durch den Kopf, doch mein Mund bleibt freundlich bei der Sache: Fahrradmitnahme in der S1 in NRW.
Ich will sie nicht ständig anstarren und krame in meiner Tasche herum. Mancher Studienkollege würde jetzt wohl austicken. Auch mein Hirn rattert. Aber aus anderen Gründen.
Noch vor 10 und mehr Jahren hätte ich mir gedacht: oh Gott Mädel, wie ziehst du dich an! Kein Wunder, wenn du angegriffen wirst! Das wird vielen Mädels anerzogen. Seit einigen Jahren weiß ich, wie ungerecht und dumm diese Einstellung ist: es ist das totale victim blaming. Es gibt der Frau die Schuld an möglichen Gewaltverbrechen, die sie – meist durch Männerhand – erleiden muß. Aber keine Frau verletzt sich selbst oder bringt sich durch ihre Kleiderwahl in Gefahr! Das Umkehren der Schuld funktioniert leider immer noch – und das ist ein riesen Skandal. Jede und jeder muß das Recht haben in unserer Gesellschaft, sich nach eigenem Geschmack/Befinden zu kleiden. Daß man sich keine verfassungsfeindlichen Dinger ans Revers hängt, versteht sich von selbst.
Auf den ersten Blick wirkt so ein junges Mädel als „leichte Beute.“ Schon allein dieser Ausdruck „Beute“ macht deutlich, wie manche Menschen immer noch denken. Wie Tiere, die sich das erhaschen, rauben, fangen, also mit Gewalt holen müssen, was sie zum Leben brauchen. Tiere können nicht anders, deshalb trifft sie keine Schuld. Menschen aber können denken! Sicher kann man es auch witzig meinen; eine damalige Freundin in der alten Heimat sprach davon, daß ein Mann, der ihr gefiele in ihr „Beuteschema“ passe. Bei allem Witz: Frauen sind keine „Beute“, die man sich einfach so gewaltsam holen kann. Auch Männer nicht. In einer freien und gerechten Gesellschaft hat sich JEDE und JEDER FREI BEWEGEN ZU KÖNNEN, ohne Schaden zu nehmen! Das muß möglich sein, sich unbeschadet in jeder Art von Kleidung in der Öffentlichkeit zu bewegen. Ob dem anderen Menschen die eigenen Klamotten gefallen oder nicht oder die Frisur, das Gesicht, die Figur…spielt keine Rolle. Man hat es zu akzeptieren.
Als wir am Dortmunder Hauptbahnhof ankamen, verabschiedete ich mich am Vorplatz von ihr und sah ihr noch nach. Was sie wohl in dieser Nacht noch erleben würde? Hoffentlich passiert ihr nichts… aber sie muß ihren eigenen Weg gehen, wird sich bewußt sein, wie sie aussieht und wirkt (denn beeindruckend kann man es schon nennen, im positiven Sinne wohlgemerkt). Warum auch im Jutesack herumlaufen? Das Leben ist zu kurz für schlechte oder häßliche Klamotten. Wenn es schon eine Party gibt, dann kann man auch was schönes anziehen, womit man sich wohlfühlt. Ganz gleich, wie jung oder alt man ist, ganz gleich, welche Figur man hat.
Jeder Stadtbewohner-/in kennt sie: unleserliche Schriftzüge und Namenskürzel auf Häuserwänden, Pfeilern von Autobahnbrücken oder auf Zügen. Manchmal mit politischer oder gesellschaftlicher Botschaft versehen. Manchmal bunt, mit dicken Buchstaben, was manchen langweilig-einfarbigen Waggon eines Zuges richtig schön macht. Für die Besitzer-/innen von Häusern oder die DB AG ist das nur Sachbeschädigung, eine Straftat, die geahndet werden muß. Doch wie der Löwenzahn trotz aller Unkrautvernichtungsmittel immer wieder aus allen Ritzen sprießt wie es ihm beliebt, gibt es immer wieder. Graffiti als persönliche Ausdrucksform, frecher Protest und Beweis dafür, dass man zur Szene gehört. Denn was die Passantin/der Passant als unschönes Gekritzel wahrnimmt, sind Namenskürzel.
Am Dienstag den 6. September 2016 gab es mit der StreetArtGallery44309 einen Kunstspaziergang durch Teile des Unionviertels. Start war an der Galerie und Büro in der Rheinischen Straße 16, dort wurden die Besucher-/innen begrüßt und die StreetArtGallery vorgestellt.Anders als bei den gewöhnlichen Museen kann man hier selbst ausprobieren, was z. B. Siebdruck ist. ziel dabei ist es, die Bildende Kunst, die „fine art“ mit der Studio- und StreetArt-Kunst zusammenzubringen. Diese praktische Variante werde ich einmal nutzen – auch selbst Kunst machen, anstatt nur Kunst anzusehen, zu konsumieren. Das Durchschnittsalter der Spaziergänger-/innen dürfte jedoch weit über dem der meisten Sprayer/Graffiti-Künstler gelegen haben…
Nach der Einführung ging es dann aber hinaus: die Straße als Ort der Kunst.
links die legale StreetArt mit Zustimmung des Hausbesitzers, rechts das tagging: offensichtlich ist der Respekt da, nicht in das bestehende Bild hinein seinen eigenen Namen zu „taggen“.
Landesteile werden durch Grenzen markiert, die Zugehörigkeit zu einem Land z.B. durch eine Flagge. Der eigene Stadtteil, der eigene Kiez wird durch das Namenskürzel an der Häuserwand, durch einen „Tag“ markiert. Tagging ist wichtig für das Abstecken von Grenzen. Hunde heben ihr Beinchen, um zu sagen: hey hier ist mein Revier, komm mir nicht zu nahe. StreetArt ist eine männlich dominierte Form. Es gibt viel mehr männliche als weibliche Künstler wie im HipHop als Musikrichtung.
Jedoch gibt es auch weibliche Kunst in der StreetArt: Alice Pasquini aus Rom mit einem Motiv nahe der StreetArtGallery selbst. Monia Labidi von der StreetArtGallery sagt dazu, dass dieses Motiv ein weiblicher Bilck auf den Frauenkörper sei. Wie Frauen sonst oft dargestellt werden, braucht an dieser Stelle nicht erwähnt zu werden. Sehr angenehm, mal eine andere Sichtweise auf Weiblichkeit in der Kunst zu erleben. Eigentlich hatte sich der Hausbesitzer als Motiv ein Trike gewünscht, weil im Haus eine Autowerkstatt gewesen war. Das war Alice Pasquini aber zu männlich dominiert. Bilder von Trikes gibt es aber schon viele.
Ob es in dem Laden daneben nur Kraut und Rüben gab, konnten wir beim Kunstspaziergang nicht testen 😉
Auffällig war bei der gesamten Führung, dass es kaum Deutungen der Bilder durch die Künstler-/innen selbst gibt. Man sei frei in der Interpretation, sagte Monia Labidi.
Den Anfang für die StreetArt als Kunstform machte tatsächlich das tagging, bevor später Buchstaben im „bubble“-Stil ( dicke Buchstaben aneinander als Wort) daraus wurden. Bei den Bildern gibt es überraschendes bei der Gestaltung. Nicht einfach hingesprüht ist das; jede-/r hat seine oder ihre bestimmten Motive und Techniken.
Der brasilianische Künstler Rodrigo Branco malt mit Schablonentechnik sein Thema: Technik und Mensch, ohne daß er eine genaue Definition vorgibt. Ähnlich arbeitet auch Blek le Rat aus Frankreich.
TITEL: Sacri loves You Mai/Juni 2014 . Am Telefon war wohl jeder schon mal genervt….
Im Gegensatz zur sogenannten Hochkultur steht die StreetArt im starken Widerspruch: sie ist öffentlich zugänglich und temporär. Ein Museum, das Bilder ausstellt ist immer bestrebt, diese zu erhalten. StreetArt-Bilder auf „mirrals“ = großen Wänden werden von Zeit zu Zeit übermalt. Das wird nicht als Zerstörung des eigenen Werkes mit den entsprechenden Rechtsfolgen angesehen, nein: das ist eben in der Szene so.
…man beachte die Augen der gemalten Figur….
Spannend war auch zu hören, was die Kunsthistorikerin Monia Labidi zu den Künstlerpersönlichkeiten sagen konnte. Manche seien zuverlässig und bringen ihre Arbeit wie vereinbart zu Ende. Andere wiederum vergessen, ihr Visa zu verlängern oder zeigen sich pikiert, wenn sie nicht wie erhofft die große Wand bemalen dürfen. Der Künstler L7M malt als sein Motiv Vögel, meist Kolibris. Möglicherweise war er pikiert, nicht auf die große Wand, auf der es kein Fenster gab, seine Kolibris malen zu dürfen – deshalb nun der Adler. Auf der großen Hauswand, einem großen „mirral“ nun ein Portrait.
So gerade wie das Gesicht geschnitten ist, könnte man an ein künstlich geschaffenes Gesicht wie das von Pinocchio denken.
Den Adler übersieht man fast, wenn man auf den Parkplatz des angrenzenden Supermarktes kommt; schon allein deshalb, weil man auf den Verkehr achten muß. Es schien, als ob die einkaufenden Menschen uns verwundert ansehen würden und erst nach und nach begreifen würden, warum wir hier sind – nicht zum Einkaufen eben.
An der Rheinischen Straße 62 gibt es ein überdachtes Bild, weil dort eine Arcade an den Geschäften verläuft. Die polnischen Künstler PROEMBRION und Pener sollen sogar bei winterlichen Temperaturen und Flutlicht im Januar 2014 gemalt haben. Der Hausbesitzer war nicht so begeistert, wollte er doch die Metzgerei seiner Eltern auf der Wand vermerkt haben. Mit der Unterschrift „Metzgerei Ludwig Lumper“ am Bild war er dann zufrieden.
….doch irgendwie erinnern die Linien an Nervenstränge, Blutbahnen im Fleisch… .hmm...
Zwei Künstler mit gegensätzlichen Malweisen machen ein Bild. Unmöglich, möchte man denken. Doch es funktioniert: Sepe malt figurativ, Chazme abstrakte Formen. Geschickt bauen sie die baulichen Gegebenheiten der Hauswand in ihr Bild ein, damit öffnet sich das Haus – so scheint es – noch einmal.
Man kann das Bild laut Monia Labidi so deuten: Es sind anonyme Menschenmassen in der Stadt, die nach Haus gehen. Die Atmosphäre ist bedrückend, schon allein durch die Hochhäuser.Helden sind sie nicht, sondern müde und geschafft. Wie nimmt der Mensch sein urbanes Umfeld wahr?
Ich mußte aufgrund der kantigen Gesichtsformen und einer Mützenform an die Kunstwerke des DDR-Künstlers denken, der im Auftrag des DDR-Staates bei der Bergbaugesellschaft Wismut in Ronneburg/Thüringen gelebt hat und die Arbeiter portraitiert hat. Auf seinen riesigen Bildern, die heute auf dem inzwischen stillgelegten Bergbaugelände (Uran-Bergbau für die Sowjetunion) ausgestellt sind, werden die Bergleute muskelbepackt als die Helden und in Siegerpose dargestellt, zusammen mit ihren blitzenden Werkzeugen. Frauen sind auch zu sehen, wie die Männer fast ganz nackt, aber sie sind nur Beiwerk als Gebährmaschine, Kinder quellen aus ihren Unterleibern, um neue Arbeiter hervorzubringen. Diese Bilder empfand ich als abstoßend, übertrieben. Nicht, weil die Arbeit von Bergleuten nicht zu würdigen wäre. Es ist diese maßlose Übertreibung, die nur das verdecken soll, was die DDR-Führung konsequent verschwieg: daß hier nicht „Wismut“ , sondern das gesundheitsgefährdende Uran abgebaut wurde, das nicht wenige Menschen an Krebs erkranken und sterben ließ. Gleichzeitig war die Belegschaft der Wismut-Bergbau eine eigene, verschwiegene Gesellschaft: wenn man wirtschaftliche Vorteile bekommt, schweigt man eben über das, was die Wahrheit ist.
Und der Künstler selbst? Möglicherweise war er überzeugt vom Sozialismus, wie ihn die DDR propagierte. In den ersten Jahren nach 1945 mag sich die Alternative, das Neue nach all den Grausamkeiten des NS-Regimes gut und rettend angehört haben. Was daraus geworde ist, ist bekannt. Eine ehemalige Kollegin der Unibibliothek Jena erzählte mir, wie ihr Vater zu ihr gesagt hatte: „Für das habe ich bei Hitler nicht im Zuchthaus gesessen.“ Gemeit war, wie die DDR-Führung sich zeigte: z.B. in schicken West-Autos statt Trabant und Wartburg.
StreetArt ist schon allein deshalb wilder, weil sie sich im öffentlichen Raum Platz suchen muß. Keine freie Leinwand, kein Blatt Papier wartet darauf, bespielt zu werden. Hindernisse sind da und können nciht beseitigt werden, sondern müssen ins Bild eingebaut werden. Das ist Herausforderung und Chance für zusätzliche Effekte zugleich.
Die Menschen die gern behaupten, Flüchtlinge würden bei uns komfortabel leben, sollen sich dieses Gebäude ansehen. Die ehemalige Schule ist ein graues, tristes Gebäude aus den 1950er Jahren. Nur die StreetArt verleiht dem Ort etwas Leben und Freude.
Auf ein gutes Miteinander un Ankommen mit den geflüchteten Menschen!
Das letzte Kunstwerk des Spaziergangs mit der StreetArtGallery ist von Alice Pasquini. Bei Hausbesitzern und -bewohnern hat es Kontroversen ausgelöst. So ein bedrückendes Bild, das wolle man nicht auf der Hauswand haben. Und ja, es macht betroffen, macht traurig. Zwei Kinder auf der Flucht… aber ist das nicht das, was man fast täglich in den Nachrichtenmeldungen hört und sieht?
Kunst muß nicht immer schön oder lustig sein. Sie kann auch ernst, politisch oder ‚häßlich‘ sein.
Dank geht an Frau Dr. Pahlke von der Stabstelle kunst im öffentlichen Raum die StreetArtGallery und vor allem Monia Labidi, die uns die StreetArt so lebendig und anschaulich näher gebracht hat. Man muß das tagging nicht toll finden – aber man weiß nach dem Kunstspaziergang mehr über die Hintergründe Bescheid.
Tagtäglich fährt oder läuft man daran vorbei. In der Eile oder aus Unachtsamkeit bemerkt man gar nicht, was hier eigentlich ist: Kunst im öffentlichen Raum, Kunst im Alltag. Bei den Dortmunder Spaziergängen und Radtouren kann man Kunst leibhaftig und lebendig erleben.
„Nordwärts“ ist das auf 10 Jahre angelegte Projekt der Radtour-Serie, die am Donnerstag den 1. September zum 2. Mal stattfand.Die meisten besuchten Kunstobjekte sind Teil der „EmscherKunst.“Zumindest 8 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen.
KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA
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In lockerer Atmosphäre fuhr man auf einer Strecke von 8 km durch die Stadt, lauschte dem Vortrag von Astrid Wendelstigh und konnte die Kunstwerke ansehen, manchmal sogar ausprobieren – und wurde dann auch überrascht.
Station am Dortmunder U: Ah, wie gut dass wir uns vor dem Regenschauer in die Trinkhalle flüchten können!
Die Trinkhalle.Einst errichtet nahe der Zechen, um die Arbeiterinnen und Arbeiter mit alkoholfreien Getränken zu versorgen, entwickelten sich die „Büdchen“, die „Kioske“ oder „Spätis“ zu soziokulturellen Zentren der Gesellschaft.
Doch die Künstlerin Lena Dues spielt uns einen Streich: hier ist gar keine Trinkhalle 😉 Sie hat die Fähnchen selbst als Kunstobjekte gestaltet. Die Fähnchen sind nur Schmuck, kein Kiosk ist hinter den Fähnchen, sondern ein Büro. Auf dem Platz vor der „Trinkhalle“ stehen die orangen Container, die Informationspunkte für die Emscher-Kunst (bis 18 Uhr geöffnet) sind.
Container im Regen
Die Radtour zur Kunst im öffentlichen Raum geht weiter um das Dortmunder U herum. Zwei Feuerwehrautos stehen davor, doch die Atmosphäre ist entspannt (wohl nur eine Bereitschaftstätigkeit heute, noch kein Einsatz). Bei der Tour und anhand der alten Wegeweiser wird klar, wie groß das Gelände der ehemaligen Union-Brauerei Dortmund überhaupt ist… wir biegen ein in eine Nebengasse, die sehr heruntergekommen wirkt, ihr Name „Übelgönne.“ Woher wohl dieser Name kommt… Wildes Grün sprießt am Wegesrand und aus Mauerritzen , Autos parken auf einer Seite. Fast unscheinbar wirkt das 2. öffentliche Kunstobjekt, das man im Vorbeifahren fast übersieht: die „Knutschecke“ von Holger Küper.
Großformatige Bilder von küssenden Paaren sind auf der Backsteinmauer zu sehen, allesamt mit Personen aus Dortmund (wer mag, kann sich auch von vom Künstler fotografieren lassen). Der Künstler will diesen häßlichen Ort in einen Liebes-Ort verwandeln, Licht und Sorglosigkeit hineinbringen, wenigstens für wenige Augenblicke den Geist in eine Traumwelt versetzen.Den Alltag eine Zeitlang vergessen – und ein Lächeln im Gesicht haben, das soll die Betrachterin oder der Betrachter der „Knutschecke“ empfinden.Eine schöne Sache und in seiner Art der Gestaltung paßt das Werk gut in diese Gasse namens „Übelgönne.“ Jede(r) sollte jemanden zum Küssen haben, meint Holger Küper – ein schöner Plan.
Leider gibt es auch Leute, die unnötige Symbole auf die Kunstwerke schmieren müssen. Sie sind nicht Teil des Werks von Holger Küper. http://www.emscherkunst.de/knutschecke/
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Die Fahrradhäuschen sind Bestandteil in vielen Stadtteilen Dortmunds (http://www.vcd-dortmund.de/cms/front_content.php?idcat=23 ). Wenn sich genug Interessierte finden, kann ein neues Haus aufgebaut werden, wo man sein Fahrrad sicher lagern kann. Dafür fällt eine geringe Jahresgebühr an. Nicht in jedem Wohnhaus gibt es sichere und gute Abstellmöglichkeiten für das Rad.
Die Studentin der Kunstakademie Münster, Lioba Knape hat so ein Fahrradhäuschen mit Kupferplatten eingekleidet, Arbeitstitel ihres Werks „CU“ („see you“ oder auch die englische Aussprache des chemischen Elements Kupfer). Ohne den Vortrag von Astrid Wendelstigh wäre man wohl an dem Kunstwerk vorbeigefahren, weil die Kupfereinkleidung die selbe Farbe hat (wohl auch durch Umwelteinwirkung entstanden) wie alle Fahrradhäuschen auch. Ein Schild erinnert daran, dass es sich bei der Einkleidung des Fahrradhäuschens im Unionviertel nahe der S-Bahnstation Dortmund West (Lange Straße/Sternstraße) um ein Kunstobjekt der „EmscherKunst“ handelt.
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Laut der Künstlerin sollen alle Spuren des Alltags auf dem Kupfer festgehalten und später auf Papier übertragen in eine Ausstellung gebracht werden; das Kunstwerk ist ein Experiment zwischen Alltagsgebrauch, Architektur und Kunst. Wer hier drauf sprüht oder malt wird wohl nicht damit rechnen müssen, dass der städtische Reinigungstrupp kommt und die „Fettecke“ wegputzt…….
Das 4. öffentlich zugängliche Kunstwerk würde man auch übersehen, weil es zum einen unscheinbar ist, zum anderen an der stark befahrenen Rheinischen Straße liegt.Der Künstler und Produktdesigner von z. B. Lampen, Samuel Treindl hat zwei übrig gebliebene Buchstaben einer Leuchtreklame genutzt, „ö“ und „l.“ Früher wurden hier wohl einmal Möbel verkauft.Samuel Treindl ergänzt diese Buchstaben zu Vögel. Für nichts wird hier geworben, nichts wird verkauft, denn das Ladenlokal gibt es längst nicht mehr, das Haus ist heruntergekommen, es gab keine Intervention, keine Erneuerung, Das neue Wort liefert keine Information. „Ich schaue in den Himmel und sehe Vögel.“ So einfach kann Kunst sein. Wer dieses Werk nicht kennt, wird sich über das Wort „Vögel“ wundern, im Vorbeifahren wird man es aber nicht als Kunstwerk wahrnehmen.
Haus Rheinische Straße 131: „Vögel“
Irgendwie zum Schmunzeln, andererseits kommt man nciht umhin sich zu fragen, warum nicht wenigstens ein paar Sachen an der Fassade neu gemacht wurden. Die Sinnlosigkeit des Wortes „Vögel“ ist Programm, fast eine Art von Dada.
Die nächste Station gleich einem monströsen antiken Tempel, der im Laufe der Zeit dunkel und unbegehbar geworden ist: das alte Hoesch-Verwaltungsgebäude (ehemaliger Firmensitz der Union AG für Berbau, Eisen- und Stahl-Industrie in Dortmund). Über dem Eingangsportal steht in grünspan-gefärbten Kupferbuchstaben:
„Es lobt den Mann die Arbeit und die Tat.“
Die koreanischen Künstlerinnen Eu Sun Ko, Hyuna Kang und Shinah Lee wollten diese altmodische pathetische Sprache, die nur an die Leistung von Männern denkt, so nicht hinnehmen. Kurzerhand entwarfen Sie eine Postkarte, bei der man durch leichte Verwacklung den Satz lesen kann:
Es lobt die Frau die Arbeit und die Tat.
Die Arbeit der Frauen ist auch zu würdigen, nicht nur die der Männer.
Was mit dem Gebäude nun geschehen soll, nachdem es ein Schweizer Investor gekauft hat, ist noch nicht sicher.
Stadtauswärts fahren wir weiter, die Dorstfelder Allee entlang. Im Hintergrund sieht man zwei Brücken für die Autobahn sowie die Stadtbahn. Beide sind aber nur das Hintergrundrauschen für die Kunstwerke.
Was soll das denn sein? Ein Hinkelstein von Obelix auf 4 Füßen?
..ob darin goldene Schätze zu finden sind? „Zur kleinen Weile“ vom Künstler*kollektiv raumlabor
Ein rätselhaftes Kunstwerk.So wie es mitten in der Landschaft am Wegesrand von der Straße und Radweg steht, fällt der große Stein auf. Die Neugierde treibt die Besucherinnen und Besucher dann doch hinein in den goldenen Innenraum. Es ist überraschend und angenehm hell da drin. Licht, Wärme und Schutz soll den Leuten in der „kleinen Weile“, wie das Kunstwerk heißt, vermittelt werden. Durch die goldene Farbe und die Öffnung oben ist es erstaunlich hell da drin.Aber Wärme und Schutz habe ich da drin nicht empfunden. Es ist eher ein eher banges Gefühl, weil man nicht weiß, wo die Wand beginnt und der Boden und Grund aufhört. Ein jüngerer Besucher konnte einem Bahnradfahrer gleich im Kreis herumrennen. Die eigene Stimme klingen wie… im Weltraum, wie in einem Popsong, bei dem die menschliche Stimme elektronisch verzerrt klingt. Heimelig klingt das nciht. Kein Gefühl der Bedrohung oder Angst, ber auch kein heimeliges Gefühl. So bleibt man auch nur eine „kleine Weile“ in diesem Kunstwerk, bevor man wieder herausklettert.
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Das letzte Kunstobjekt der Tour würde man als Radler-/in übersehen, wenn man nicht gerade auf Kunst-Tour ist. Einem Steg am Fluß oder See gleich führt das Werk „Kunstpause“ durch einen Haselnußhain, den sonst nur überzeugte Haselnußfans kennen. Tatsächlich befindet sich unter der Stadtbahn- und Autobahnbrücke eine Art kleines Haselnußstrauch-Wäldchen. Und tatsächlich: nachdem man durch den Haselnußhain gestreift ist, kann man sich wie an einem Flußufer auf Holzstufen niederlassen. Pause von der Kunst oder Kunstpause, also mal keine Skulptur, kein Bild ansehen?
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Mit der „Kunstpause“ endete die Radtour „Nordwärts“ im Rahmen der EmscherKunst 2016 in Dortmund. Es hat Spaß gemacht, mitzufahren und neue Ecken der Stadt sowie Kunstwerke zu entdecken, die man sonst übersehen hätte. Es muß nicht immer alles gefallen, wichtig ist, dass man sich immer wieder aufmacht und neugeirig bleibt, was es in der eigenen Stadt so gibt und was passiert. Offenheit und Neugierde machen eine Stadt und die darin lebenden Menschen lebendig und können positiv auf die Zukunftsgestaltung wirken.
Kunst im öffentlichen Raum:Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund bietet mit Frau Dr. Rosemarie E. Pahlke regelmäßig geführte Spaziergänge und Radtouren an. Heute hat Astrid Wendelstigh von der Initiative „VeloKitchenDortmund“ die Tour geführt. Herzlichen Dank dafür!
Wie lernt man die Stadt kennen, in der man nun wohnt? Indem man mit dem Rad durch die Stadt fährt. in Dortmund gibt es mehrere Stadtteil-Routen, die gern mal in noch nicht bekannte Ecken führen. Und wer meint, die Stadt schon zu kennen, wird möglicherweise was neues entdecken.
Start ist beim Hoesch-Park, man verläßt die Nordstadt auf der Lünener Straße und Brackeler Straße stadtauswärts, zunächst Richtung Scharnhorst. der Radweg ist auf der linken Seite für den Radverkehr aus Richtung Borsigplatz freigegeben (in Fahrtrichtung gibt es nur eine Autostraße).
Wer vom Hauptbahnhof kommt, fährt über die Wälle in die Weißenburger Straße zum Borsigplatz (Wegweisung Nordtour), der Geburtstätte des Ballspielvereins Borussia Dortmunds. Dann in die Wambeler Straße (rechts neben der Straße, in die die Straßenbahn einbiegt) und geradeaus bis zum Ende. Der Hoesch-Park liegt linker Hand, die Querstraße, auf die man stößt ist bereits schon die Lünener Straße.
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Am Freibad Stockheide vorbei gelangt man auf eine Brücke über die Bundesstraße, dann noch mal auf eine Brücke mit dieser Aussicht:
Blick auf das Bahnbetriebswerk an „Im Spähenfelde“ und die Skyline von Dortmund
Durch die Wildnis, eine Art „Niemandsland“ zwischen dem Gewerbegebiet Wambel West und Körne geht es zur Hannöverschen Straße.
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Der Weg endet abrupt auf der stark befahrenen Hannöverschen Straße und es kann auch mal stinken… man ist in einem Industriegebiet, auch dort, wo die Stadtverwaltung den Müll hinbringt. Irgendwo muß auch dieser hingebracht und verarbeitet werden, keine Stadt hat nur schöne Ecken.
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In der Alten Straße hat übrigens auch das Theater Dortmund seine Probebühne 🙂 Hier entstehen also die schönen Sachen, die man sich dann im Opernhaus ansehen kann.
Über den Körner Hellweg geht es an einer der vielen Kirchen vorbei, die der Straße auch ihren Namen geben.Es geht bergauf in der Liborisstraße… aber jemanden, die oder der im Mittelgebirge mit Höhen von 500 un mehr Höhenmetern über N.N. aufgewachsen ist, kann diese Steigung nicht schockieren. Am Bahnhof der S-Bahnstation Körne kommt man auch vorbei und passiert den Tunnel: leider mit lästigen Sperrgittern.
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rechtes Bild: an einer Kleingartenanlage kommt man öfter vorbei bei der Nordtour.
Bei der Kleingartenanlage Winkelried.
Am Rande der Nordtour durch Dortmund.
OBEN angekommen!
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Zufahrt zur Brücke über..…den Westfalendamm.
Über einen „Schneckerlessteg“ geht es weiter Richtung Europaplatz ins – nun ganz andersartige – Gewerbegebiet Stadtkrone Ost. Keine rauchenden Schornsteine von Verbrennungsanlagen oder Fertigungshallen, sondern Dienstleistungsfirmen prägen hier das Bild.
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Und woow, es wird ganz europäisch: Stockholmer Allee, Amsterdamer Weg, Tiranaweg…. ob die Größe, Länge und Beschaffenheit der einzelnen Wege und Straßen Ausschlag für die Namensgebung gegeben haben? Wie groß ist Stockholm im Vergleich mit Tirana? Erstere wird vielen bekannter sein als Tirana.
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Helsinkistraße.Begrünung am Hausrand durch Steingarten mit Bambus (sehr gut gegen Unkraut). Unten: Vorbildliche Fahrradabstellanlagen = Parkplätze für Radfahrer-/innen, die mit dem Rad zu ihrer Arbeitsstätte fahren.
Weiter an einem Wohngebiet vorbei….
…wer hier wohl wohnt da oben? 😉
Hinter dem Wohngebiet angekommen. Schade nur, dass man nicht ganz hinuntersausen darf, wie es eine Radfahrerin vor mir tat…
Geradeaus geht es nach Schüren, das auch zu Dortmund gehört.
Rechts abgebogen läuft die Nordtour weiter.
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Aufgepaßt! Das kleine Schild für die Wegweisung der Nordtour kann man gern mal übersehen… (rechtes Bild).ich bin zuerst fälschlicherweise rechts abgebogen, weil der Radweg dort so schön verläuft… es geht aber GERADEAUS weiter. Der „Europaplatz“ ist mehr eine Straße als ein Platz.
Schmucklose, fast gleich aussehende Bürogebäude im Gewerbegebiet Stadtkrone Ost.
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Schon irgendwie lustig, dass zwischen den nüchternen glatten Hochhäusern wildes Grün sprießt… so wie zwischen Bahnbetriebswerk an „Im Spähenfelde“ und Wambel-West.
Über die Freie-Vogel-Straße (woher kommt dieser Name?) geht es nach wenigen hundert Metern rechts in die Stadtrat-Cremer-Allee in die Gartenstadt. Nicht die Abbiegung versäumen!
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Stadtteil Gartenstadt:
Das Pflastersteingehopser macht wenig Spaß, auch wenn es noch schlimmere Pflasterwege gibt (bei manchen Altstadtfreunden zum Bleistift). Sehr schön sind jedoch die Häuser und Gärten anzusehen. Man macht sich dem Namen seines Stadtteils alle Ehre 😉
Unfreiwillig muß man dabei leider auch viele Blechkisten fotografieren. Sind die wirklich alle notwendig???
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…na das wär doch mal ein schickes Zuhause… fast ein kleines Schloß 😀
Ade du schöne (woh auch teure) Gartenstadt...
Die Nordtour läuft weiter Richtung Hörde, entlang der Semerteichstraße, vorbei an der U-Bahn-Haltestelle Willem-van-Vloten-Straße.
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Jetzt befand ich mich in bekanntem Gebiet. Die Nordtour läuft aber anders weiter, als ich sonst fahren würde… es erschien mir erst umständlich, nach der Nordtour-Route zu fahren, doch: ich hatte mir vorgenommen, Neues zu er-fahren.
Wegweisung kurz vor Dortmund-Hörde.
Am Straßenrand ein Künstlerinnenatelier.
Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin.
Im Bereich Seydlitzstraße und Dessauerstraße am Straßenrand: ungeahnte Blütenpracht. Wohl von Privatleuten angepflanzt und gepflegt, mal wilder und mal weniger wild.
Lampionblumen und Solidago (und andere Blumen).Hibiskus, ungefüllte Blüten.
In der Sckellstraße trifft man auf das Kinder- und Jugendtheater Dortmund und das Robert-Schumann-Berufskolleg.
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Wieder ein mir bekannter Bereich… doch die Route sollte nach der Oberschlesierstraße und der Baurat-Marx-Allee anders weiter verlaufen.
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An manchen Häusern läßt sich ablesen: hier wohnt offensichtlich das Geld.
Hinauf entlang der Tewaagstraße…
Ab hier laufen Nordtour und Nordosttour teilweise parallel.
…und dann doch mal ein Stück auf dem „Hundeweg“ fahren, der das Gebiet „Im Spähenfelde“ mit Hörde verbindet… Auf dem Bild eine Zufahrt, die man bei der Nordtour hinunter fährt. Fast ein Miniatur-RS1… wobei der Weg unbefestigt ist. Hundespaziergänger-/innen trifft man auch.
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Ach Leute. Warum müßt Ihr Eure Aufkleber gerade immer auf die Wegweiser kleben??? Gibt es keinen anderen Platz dafür?
Die Kreuzung „Im Defdahl und Voßkuhle.“ Am besten ist bei diesen stark befahrenen Straßen, die Ampel zu nehmen.
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Auf der Von-der-Goltz-Straße und Robert-Koch-Straße kommt man zum Ostfriedhof. Viele Dortmunder Persönlichkeiten sind dort begraben, außerdem ist es eine städtische Grünanlage – sonst würde man dort keine Hundespaziergänger-/innen treffen.
Eingangstor zum Ostfriedhof.
Berswordtplatz an einer Grundschule. Schade, dass der Brunnen so gebaut ist, dass man seine Füße oder Arme nicht hineinhalten kann… irritiert hat mich die Fahne „Gut Einkaufen im Kaiserviertel.“ Kaiserviertel hier?
Links geht es die Walderseestraße, die Von-der-Tann-Straße und Manteuffelstraße hinunter, der Körner Hellweg wird gequert.
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An der U-Bahn-Haltestelle Funkenburg vorbei kommt man wieder zur Straße „Im Spähenfelde“ und damit zurück zur Lünener Straße und dem Hoesch-Park.
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Eine schöne und abwechslungsreiche Tour ist die Nord-Tour! Eine gute Ergänzung wäre noch ein Heft (aus Papier oder elektronisch), das mehr Hintergründe zu den Plätzen und Häusern oder Menschen erzählt, die hier wohnten und arbeiteten (oder dies noch tin). Falls die Stadt Dortmund solch ein Projekt plant, wäre ich gerne mit dabei.
Radtour Nord Dortmund: violette Kennzeichnung.
. Die Touren in Dortmund nach den Himmelsrichtungen Nord, Ost, Süd und West wurden 1991 zur damaligen Bundesgartenschau ausgearbeitet und ausgeschildert. Jede Tour hatte ein eigenes Thema, die Nordtour das Thema „Architektur und Industrie“. Die Touren sind heute nach 25 Jahren immer noch beschildert, teils mit Aktualisierungen; so wurde die Nordtour durch das neue Wohn- und Bürogebiet Stadtkrone Ost erweitert.
Die schnöde altmodische Wegweisung findet sich im neuen Fahrradstadtplan der Stadt Dortmund, erhältlich bei der Stadtverwaltung sowie im Buchhandel und beim ADFC Dortmund in der Graudenzer Straße in Do-Hörde.
Kommentar zur Teilnahme von Student-/innen der TU , die als Sportler-/innen bei den Olympischen Spielen 2016 antreten
Alle 4 Jahre ist es soweit: ein weltweites Sportereignis bietet Sportler-/innen, Sponsoren und einem Land die Möglichkeit für viel Aufmerksamkeit, Ruhm und Medallien. Nicht zuletzt geht es auch um viel Geld. Wer sich mit siegreichen Athlet-/innen schmücken kann, hat ein gutes Prestige.
An den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro nehmen auch Studenten und Studentinnen der Technischen Universität teil: z. B. die Hürdenläuferin Pamela Dutkiewicz oder die Ruderer Richard Schmidt und Maximilian Reinelt. Für letztere glänzte schon das Edelmetall. Glückwunsch an alle Medalliengewinner/innen – und gute Wünsche für diejenigen, die noch um Gold, Silber oder Bronze kämpfen.
Die TU Dortmund schmückt sich gern mit ‚ihren‘ erfolgreichen Athleten. Erfolg macht gutes Image, Erfolg will jeder sehen, dient dem Prestige. Schön und gut – aber: dieses Selbstlob der TU hat einen Schmutzfleck.
Um Erfolg haben zu können, muß man ordentlich trainieren können. Die Sportanlagen müssen in Ordnung sein, die Trainerinnen und Trainer müssen fachliche und pädagogische Kompetenzen haben. Der Gewinn von Medallien kann dies bestätigen und hat dies bestätigt. Die Vereine, in denen die Sportler-/innen Mitglied sind, haben gute Arbeit geleistet.
Nur ein Nebenaspekt dabei sind die Sportanlagen der TU Dortmund selbst – auch wenn die Sportlerinnen dort meist nicht trainieren. Die 40 Jahre, die es die Technische Universität Dortmund schon gibt, haben allen Gebäuden und Anlagen zugesetzt.Erst kürzlich berichtete die pflichtlektüre über die Baufälligkeit der alten und neuen, im Bau befindlichen Chemie- und Physikgebäude ( http://www.pflichtlektuere.com/05/08/2016/der-berliner-flughafen-der-tu-dortmund/ ) Ein Rasenplatz ist überhaupt nicht bespielbar, Spielgeräte fehlen bei Kursen, so dass z. B. der Floorball-Trainer lieber seine eigenen Tore mitbringt anstatt die klapprigen Teile der TU-Ausrüstung zu nehmen.Dabei ist der Hockeykurs nicht seine Privatveranstaltung. Bei den Schließfächern hat man plötzlich das Gegenstück des Schlosses in der Hand, so dass man das Fach nicht sicher abschließen kann. Teilweise sind die Toiletten oder Duschen über Wochen geschlossen. Ist ja „nur“ der Hochschulsport, der zum Breitensport gehört, den Amateure betreiben.
Im Glanz von Olympia wird das vergessen. Denn auch wenn die Athlet-/innen der TU Dortmund nicht unbedingt oder nicht immer auf den Anlagen des Hochschulsports trainieren, so repräsentieren sie doch die Technische Universität Dortmund.Der Glanz von Olympia hat durch den schlechten Zustand der Anlagen einen faden Beigeschmack. Überspitzt ausgedrückt: außen hui (erfolgreiche Sportler) und innen pfui (kaputte Sportanlagen und marode Lehrgebäude). Nicht jeder Sportler und nicht jede Sportlerin wird gleich zum Profi. Sport kann auch „nur“ Freude an der Bewegung sein und der Gesundheit dienen.Dennoch ist der Amateursport wichtig. Wird nicht aus einem Breitensportler oft genug auch ein Profisportler? Und wäre es demnach nicht dringend geboten, die Anlagen und die Ausstattung für die Sportkurse des Hochschulsports an der TU Dortmund zu erneuern?
Die Ruderer-/innen werden davon nicht viel mitbekommen, weil sie nicht direkt beim Hochschulsport trainieren.Sie gelten aber als Athlet-/innen der TU. Die TU Dortmund ist dennoch aufgerufen, im Interesse des Profisports und Breitensports ihre Anlagen und ihre Ausstattung zu erneuern. Wer sich im Glanz von Medallien ’seiner‘ Athleten sonnt, sollte auch gute Sportanlagen vorzuweisen haben. In einem maroden Gebäude will niemand studieren, lernen und lehren. Und mit einem einfachen Holzboot läßt sich schließlich auch keine Medallie gewinnen.
Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016/17 lädt das Bundesbildungsministerium zur Ausstellung über Meere und Ozeane auf der MS Wissenschaft ein.Vergangene Woche ( 9.August – 12. August 2016) ging das Schiff im Dortmunder Hafen vor Anker. Der Eintritt ist frei, die Preise für den Imbiß moderat gehalten.
Die „MS Wissenschaft“ mit der Ausstellung zu Meeren und Ozeanen.Der Titel der Ausstellung. Daneben prangt lebensgroß ein Bild der Ministerin.
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Der Eingangsbereich. Rechts am Empfang kann man sich Audioguides ausleihen, links ist die Imbißtheke.
Recht dunkel ist es, wie man es IN einem Schiff erwartet.
Das Meer rief und ruft nicht nur die Wissenschaft auf den Plan. Auch die Kunst besingt und beschreibt das Meer.
Das Meer, besungen und gedichtet in Tönen und Worten von Charles Trenet.
Schwärmerisch, geheimnisvoll und voll von unbekannten Dingen ist das Meer: „La mer“ , eine sinfonische Dichtung des Komponisten Claude Debussy:
Arbeitsgeräte der Seefahrt aus früheren Jahrhunderten
Mit den poetischen und schwärmerischen Vorstellung des Meeres, wie sie in Gedichten und Liedern beschrieben wird, hat diese Ausstellung wenig zu tun; auch wenn die beteiligten Wissenschaftler-/innen mit ihren Aussagen ihre Begeisterung für das Meer deutlich machen. Und doch, es wird nicht langweilig in diesem Schiff…. das zeigt die Art und Weise, wie die Ausstellung gestaltet ist. Der Biologie- und Physikunterricht in der Schule ist meist langweiliger und für den gibt es leider auch Noten. Die Ausstellung hingegen kann man sich locker und ohne Druck ansehen.
Am Anfang werden verschiedene Forschungsbereiche aufgezeigt. Mir war vorher nicht klar, womit und wie genau im Einzelnen sich Forscherinnen und Forscher befassen.
Ein Forschungsgebiet: die Küste.
Diese beleuchteten Tafeln haben immer eine touch-screen-Funktion mit weiteren Informationen: so kann man z.B. genauere Informationen zu einem Teilaspekt des Textes aufrufen oder sich ein Interview oder kurzen Vortrag eines/einer Wissenschaftlerin anhören.
Sogar der unscheinbare Sand ist für Forscher-/innen interessant, nein sogar verschiedene Sand-Arten. Körnung und Beschaffenheit können so verschieden sein……
Klappe auf: Sand unter dem Mikroskop.
Das Meer hat verschiedenste Bewohner, die dem Menschen immer noch nicht bekannt sind. Auf den folgenden Bildern sind sie ein ständiger und unerwünschter Begleiter von Schiffen.An Wrackteilen am Meeresgrund stören sie nicht, sehr wohl aber an Schiffen im Betrieb.
Unten im Bild: Seepocken.
Das Meer im ständigen Wechselspiel mit dem Mensch. Schon seit Jahrhunderten betreibt der Mensch Schiffahrt, nutzt und belastet das Meer und die Ozeane. Eine Infotafel zeigt, wie sich Handelsschiffe entwickelt haben.
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Ganz schön klein so eine Kogge… im Vergleich zum Containerschiff heute.
Eine große Stärke der Ausstellung ist, dass viele Infotafeln auch Mitmach-Stationen haben: das gefällt vor allem, Kindern – aber nicht nur denen. An einem großen Tisch in der Mitte wird aufgezeigt, wie und warum es zur Überfischung der Meere kommt und wie man das verhindern könnte: indem man die Fische länger wachsen und sich vermehren läßt. Das steht im Widerspruch zu den Fischereien, die aufgrund des Konkurrenzdrucks und Gewinnstreben möglichst viel Fisch in kürzerer zeit verkaufen wollen – oder schlicht und einfach wirtschaftlich überleben wollen (bei kleineren Betrieben). Das Meer ist eines der vielen Konfliktfelder zwischen Natur und Mensch.
Das SPIEL zum Thema Überfischung:
Einen Fisch angeln und an das Lineal halten: wäre der Fisch groß genug, damit er gefangen werden könnte? Oder sollte man ihn noch im Meer lassen?
Ergebnis: der Fisch wurde zu bald gefangen.
Das ganze war auch noch eine Art Videospiel: durch Tastendruck schippert man über das Meer und fängt Fische. Die dunkelblau gefärbten Bereiche sind am fischreichsten, die hellen am fischärmsten. Je nachdem, wo man fischt gibt es entsprechend Punkte, der Kraftstoffverbrauch des Schiffes wird ebenfalls berechnet.
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Blick in die Ausstellung:
Was ich auch nicht wußte: in der Ostsee gibt es Wale, die kleinste Art dieser Gattung.
Fliegende Schweinswale 😉Kommunikation unter Wasser.
Bisher unbekannt war mir der Zusammenhang von Nord- und Ostsee: nicht nur in Sachen Wind gibt es einen Austausch. Das Wasser der Nordsee ist salzhaltiger und schwerer als das der Ostsee. Ein Austausch der beiden Meere ist für das ganze System wichtig.
Die Nordsee.
1 Sechseck antippen -und weitere Infos erhalten.
Ein großes Problem: der Plastikmüll in den Meeren. Erst langsam rückt das Bewußtsein für dieses Problem in den Fokus vieler Menschen, nachdem viele Medien darüber berichteten:
Mit dem Lesegerät auf dem scancode erfährt man die Lebens-/Verweildauer des Abfalls.
Es ist erschreckend, wo überall Plastik drin ist, wo man es nicht vermutet. Dass auch erst im Jahr 2016 Plastiktüten im Supermarkt oder Klamottenladen was kosten, ist auch sehr schwach: schon längst hätte man einen Preis in € dafür verlangen sollen! Die ganze Aufregung, warum jetzt Plastiktüten nicht mehr so frei verfügbar sind, konnte ich nicht nachvollziehen. Schon seit über 10 Jahren werden von mir und meinen Freunden Stofftaschen benutzt. Für den Kleidungskauf muß man sich eben eine frisch gewaschene Stofftasche einpacken.
450 Jahre (!) braucht es, bis eine Plastikverpackung verwest ist. Eine Zeitung hingegen braucht 6 Wochen (wobei ich mich gefragt habe, was mit der Druckerschwärze ist).
..wie gut , dass diese Quallen der Besucherin nichts anhaben können 😉
Neben, auf und nun: IM WASSER.
Bis zu 3000 Meter Tiefe… und vielleicht noch mehr…
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Faszinierend aber auch leicht unheimlich, was da in der Tiefsee lebt. Wohl auch davon haben manche Science-Fiction-Autoren ihre Phantasie für Filme , Bücher u.a. beflügeln lassen…
Die Forscherinnen betonen immer wieder, wie sie die See fasziniert, aber wie wenig die Wissenschaft bisher über das Meer weiß.
An das kann ich mich noch vom Erdkunde-Unterricht erinnern: die Meeresströmungenund ihre Bedeutungen für das Klima in allen Teilen der Welt. FunFact: ein Frachter verlor an die 60 Quietschenten auf See. Nein, nicht schon wieder Plastikmüll! Kuriosum dabei : die Entchen wurden an verschiedenen Küsten angespült und lieferten der Wissenschaft damit Erkenntnisse über die Strömungen der Meere.
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Die Infotafel ist auf einem Tisch angebracht und man kann Teile (Felder mit Dreiecken) davon anklicken, so dass sich ein neues Fenster öffnet (z.B. Informationen zum Golfstrom) bis zur animierten Landkarte, auf der die Strömungen „laufen.“ Manchmal ist es aber etwas viel Information auf einmal, die Tafel wird bald unübersichtlich.
ICE ICE BABY.
Ein besonderer Lebensraum: dasEISMEER.
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An einer „Eiswand“ kann man Röhren mit Eisstücken gefüllt herausziehen: so verschieden kann Eis sein!
Fazit:„Meere und Ozeane“ ist eine sehenswerte Ausstellung auf der MS Wissenschaft. Man kann nicht nur Tafeln lesen oder Töne hören, man kann als Besucherin auch etwas tun, manchmal spielerisch und mit Spaß. Was der Ausstellung allerdings fehlt ist der kritische Aspekt: es ist zwar schön zu lesen und zu hören, wie sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeit gern machen. Es wäre jedoch auch wichtig gewesen zu erfahren, ob und wann sie auch gezweifelt haben, wann sie einen kritischen Moment während ihrer Arbeit hatten, weil ein Projekt nicht geklappt hat oder wenn sie trotz ihrer Mahnungen für einen besseren Schutz der Meere an Behörden, oder anderen Institutionen scheiterten.So ist die Ausstellung „Meere und Ozeane“ auch eine große Werbeveranstaltung für das Bundesbildungsministerium. Positiv ist, dass der Eintritt frei war, was manchem auch den Besuch ermöglichte und vielleicht auch erleichterte. In Anbetracht des Ausmaßes der Verschmutzung der Meere kann man schon frustriert sein und erschrocken – so erging es mir zumindest am Ende der Ausstellung. Und dabei ist das Meer so wichtig für – nicht nur das menschliche – (Über-)leben.
Es bleibt zu hoffen dass es u.a. durch solche Ausstellungen gelingt, sowohl die Regierenden wie auch die Menschen aufzurütteln, damit es mit der Gesundheit der Meeresbewohner wieder aufwärts geht.
Am vergangenen Freitag war ich erstmals bei der Critical Mass Wuppertal dabei gewesen (http://www.talradler.de/ und https://www.facebook.com/CriticalMassWuppertal/?fref=ts). Auf ihren Seiten hatte die CM Wuppertal auch immer wieder von Aktionen zum Fahrradschrauben und -basteln am Mirker Bahnhof, der an der Nordbahntrasse liegt, berichtet. Doch wo lag der „Mirker Bahnhof“ in Wuppertal? Nordbahntrasse, hm? Es galt ein Stück mehr von NRW zu erkunden. Aufhttp://www.nordbahntrasse.de erfährt man die Theorie zur (nicht nur Mirker) Praxis.
Die Nordbahntrasseist heute ein Rad-/Fuß- und Skaterweg auf einer ehemaligen Bahnlinie, die Wuppertal-Elberfeld mit den nördlichen Stadtteilen verbindet und Teilstück der ehemaligen Bahnstrecke Düsseldorf-Dehrendorf – Dortmund Süd ist. Als ich am Sonntag den 7. August 2016 dort unterwegs war konnte ich gar nicht so recht glauben, dass die Stadt Wuppertal (so beschreibt es die Wuppertalbewegung e.V. auf ihrer website) sich dem Projekt Nordbahntrasse zuerst verweigerte und dann nur zögernd mitmachte. Viele Menschen waren dort unterwegs, saßen am Wegrand auf Bänken und plauderten; ein friedliches Miteinander und ein Ausflugsziel vor der Haustür, das nicht viel kostet: das ist die Nordbahntrasse Wuppertal. Klar war (und ist) der Ausbau als Ausflugsziel nicht kostengünstig: die Bahnstrecke der Rheinischen Bahn war 1991 stillgelegt worden. Bis 2006 passierte dort nichts – was bedeutet, dass die Natur sich ungestört ausbreiten konnte. Der Weg war überwuchert gewesen von Pflanzen, in den Tunneln zogen manche Tierchen ein. Beim Bau des Rad- / Fuß- und Skaterweges mußten Kompromisse zugunsten der Fauna getroffen werden: so bleibt der Tunnel Tesche für Menschen geschlossen und ist Fledermaus-Revier, ebenso eine Röhre des Tunnels Schee. An anderer Stelle komme ich noch mal auf die geflügelten Freunde der Nacht zurück.
Als Nicht-Kennerin des Wuppertaler Stadtgebiets (und weil ich während der Fahrt für die Navigation nicht ständig online sein will, v.a. wegen der Kosten) war ich zunächst verwirrt, wo ich starten sollte: waren doch die meisten Bahnhöfe entlang der Rheinischen Bahn ehemalige Bahnhöfe. Wo also losfahren?
Ein freundlicher Radfahrer (oder Radfahrerin) der CM gab mir per chat im Gesichtsbuch ein paar Tips. An dieser Stelle noch mal mein Dankeschön dafür! 🙂
Es ging in Wuppertal-Vohwinkel los.Erste Disziplin: Gewicht heben. Wozu sollte die DB AG an der Unterführung zu den Gleisen auch eine Rampe bauen oder gar einen Aufzug, wenn am Ausgang (wo auch der P+R-Parkplatz ist) ein das Stadtgebiet komplett durchlaufender Radweg losgeht, bzw. durch geht? Haha.
Rechts geht der Weg Richtung Solingen, links Richtung Wuppertal-Barmen, aus dieser Richtung war auch mein Zug gekommen gewesen. Ich hatte zuerst einen Schwenk nach rechts gemacht gehabt.Auf dem leeren Parkplatz eines Supermarkts spielte ein einzelner Hockeyspieler auf Rollerskates einen Tennisball gegen das Häuschen der Einkaufswägen. Ein seltsamer Anblick, denn Hockey ist ein Mannschaftssport. Wir kamen ins Gespräch. Er meinte, dass er keinen seiner Freunde/Bekannten dazu bewegen hätte können, hierher zu kommen.Interessant, dass es dieses Problem öfter gibt! Heute gibt es soviele Angebote an Veranstaltungen, Möglichkeiten zum Ausgehen, dass man gar nicht mehr weiß, wie und für was man sich entscheiden soll. Die wesentlich vielfältigeren Kommunikations-möglichkeiten machen es dem/der einzelnen nicht leichter: man sagt eben kurzfristig ab, ohne eine echte Begründung zu haben (wäre es oft nicht ehrlicher zu sagen: „ich hab keine Lust“ anstatt zu sagen „ich kann nicht“ oder : „ich hab keine Zeit“ ?) Und wäre es für den/die Befragte nicht selbst besser sich selbst zu fragen, warum man nicht kommen wolle? Es scheint gerade so zu sein, als ob die Anzahl der tatsächlichen persönlichen Kontakte (face-to-face) weniger wird, je mehr Kommunikationsmittel es gibt. Schade eigentlich. Selbst die noch so gut funktionierende Kommunikationstechnik (skype, chat und anderes, was über das Internet läuft) kann niemals den persönlichen Kontakt ersetzen, bestenfalls ergänzen oder, wenn es sich um geographisch weite Distanzen handelt, den Kontakt aufrecht erhalten.
So geht man eben alleine raus: zum Feldhockey-Spielen oder zum Radfahren. Ich verabschiedete mich und radelte los.
„Die Radfahrer werden sich heute auf der Nordbahntrasse stapeln. Ich habe mir vorgenommen, mal mit den Rollerskates die Trasse abzufahren. Aber ohne Schläger komme ich mir so nackt vor.“ (Zitat des Hockey-Spielers). Ich mußte grinsen. so geht es mir mit dem Rad, bzw. ohne mein Stahlroß.
Ja, auch manch andere(r) hatte die Idee, heute an diesem sonnigen Sonntag den 7. August 2016 rauszugehen… nach Tagen der Trübnis endlich wieder: Licht!
..und an den Bahnhöfen mit Gastwirtschaften wurden es noch viel mehr Menschen…
Infotafeln säumen den Weg und informieren über die Geschichte der ehemaligen Bahn und die Bevölkerung, die direkt an der Strecke lebte (und lebt)..
So wichtig war die Bahnstrecke einmal, dass die Bürgerinnen und Bürger schon 1953 einen zusätzlichen Haltepunkt Lüntenbeck forderten – und bekamen, indem sie ihn selbst errichteten.Nicht nur Güter wie Kohle oder anderes Material für die anliegenden Zechen wurden auf den Schienen dieser Bahnstrecke transportiert, auch Personenverkehr gab es.
Heute rollt dort zwar kein Zug mehr, aber die Vielzahl der Menschen, die hier mit Rad, zu Fuß oder auf Rollerskates unterwegs sind zeigt, wie gut die Nordbahntrasse angenommen wird. Das Stadtgebiet Wuppertal ist bergig, radfahren macht nicht wirklich Spaß, ist nicht komfortabel (für Leute, die nicht ganz so fit sind) und auch nicht unbedingt für Kinder geeignet. Die Nordbahntrasse ist dagegen eine ebene Strecke, die streßfreie Sonntagsausflüge ermöglichen kann.
An dieser Stelle ist der Charakter der damaligen Bahnstrecke noch zu erkennen (ehemaliger Bahnsteig).Bauzäune sind immer wieder zu sehen. Auch wenn die gesamte Nordbahntrasse auf einer Streckenlänge von 23 Kilometern komplett befahrbar ist, sind noch Arbeiten nötig. Darauf weist die WuppertalBewegung auf ihrer website hin.
Unübersehbar, auch heute, nach dem Rückgang der Industriellen Produktion: die Bahn im Dienste der Industrie und des Bergbaus. Ehemalige Bahngleise, die früher als Zubringer zu anliegenden Fabriken oer Zechen dienten, sind nun Wege und Zufahrtswege für die Nordbahntrassen-Besucher-/innen.
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Auch aufgrund der Zufahrtswege zur Nordbahntrasse fühlte ich mich beim Radeln an den Radschnellweg 1 (RS1 Ruhr, Bericht hier: https://fahrrad3gruen.wordpress.com/2016/05/17/ruhrgebietserkundung-heute-der-ruhrtalradweg-hattingen-essen/ )erinnert. Ein Weg frei von Autos, mit Zufahrten-/Ausfahrten wie bei einer Autobahn. Und meist ist es ein entspanntes Miteinander von Fahrradfahrer-/innen, Fußgänger-/innen, Laufsportler-/innen und Skater-/innen. Nur breiter könnte der Weg sein… doch dann wäre die Nordbahntrasse wohl noch teurer geworden bzw. hätte die Stadt Wuppertal erst recht nicht mitgemacht. Auf ihrer Seite kritisiert die Wuppertalbewegung die Stadt Wuppertal für ihre Verhalten gegenüber dem Projekt Nordbahntrasse (alle Website-Adressen am Ende dieses Blogbeitrags). Die Sichtweise der Stadt findet sich ebenfalls auf einer unten genannten Adresse.
Das ist das verrückte am Ruhrgebiet. Dichte Besiedlung, oft geht eine Stadt in die nächste über, nur die Ortsschilder lassen erkennen, dass man nun in einer anderen Stadt ist. Entlang der Nordbahntrasse könnte man denken, man ist am Stadtrand Richtung Land unterwegs: Industriebrachen und viele Pflanzen säumen den Weg.
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(…oder bin ich nun doch im Wald? Auch das hier sieht man am Wegesrand der Nordbahntrasse)
Und dennoch: die Nordbahntrasse geht durch das Wuppertaler Stadtgebiet, von W-Elberfeld bis W-Barmen.
..und wieder eine Ausfahrt auf der Nordbahntrasse.
Die Symbole der einzelnen (Fern-)Radwege sind: gelbes Symbol bedeutet „deutsche Fußballroute“, das grüne Viadukt-Symbol ist das Zeichen für die Nordbahntrasse. Das orange Schild bezeichnet den Bergischen Panorama-Weg.
Pflanzen und Industriebrachen am Wegesrand.
Die HALTESTELLEN der Rheinischen Bahn:
in diesem Zusammenhang wirkt das Wartehäuschen kurios.
Na wenn kein Zug fährt, fahre ich eben selbst! Oder doch, einen Zug gibt es, zumindest einen stilisierten 😉
aber… hey, da stehen doch zwei Fahrgäste!
Oooh, ein Radweg, wildes Grün und Industriebrachen am Wegesrand…langweilig, denkt Ihr? Aber nein!
Die Nordbahntrasse bietet auch Action an… naja zumindest etwas (in der Hauptsache ist man doch hier, um sich zu erholen).
Wooow, ich bin noch nie auf einem Radweg durch einenTunnelgefahren!
Nur mit dem Auto…
Auch hier heißt es selbstverständlich: LICHT AN.
Bilder sind das eine, aber Videos können noch viel mehr die Atmosphäre fühlbar machen. Unter diesem Link kann man sich ein Video meiner Fahrt durch den ersten Tunnel (ab W-Vohwinkel gerechnet) ansehen:
Eine wildere Haltestelle. Auch eine Art von Design.
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Oh, an der Unterführung „Klausen“ gibt es sogar noch ein Gleis!
Unterführung Klausen
Und genau darunter finden sich Bilder von Martin Heuwold (und anderen).
Veröffentlichung aller Bilder an der Unterführung Klausen mit freundlicher Genehmigung des Künstlerischen Leiters Martin Heuwold.
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Bilder: Martin Heuwold (und andere). Fotografien: die Autorin
Bild: Martin Heuwold.
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Bild: Martin Heuwold (und andere).
Bild: Martin Heuwold.
Künstler(in) unbekannt.
Und dann war ich endlich angekommen am Draisinenbahnhof Wuppertal- LOH.
Fahrradfreundlicher Fahrradständer (Parkplatz)
Dort gibt es noch einen richtigen Bahnsteig. Auf Gleis 3 kann man kostenlos mit der Draisine eine Rundtour fahren.
Auf dem Bahnsteig hat die WuppertalBewegung außerdem ihren Infostand. Ich kam bald mit einer Dame und einem Herrn in ein nettes Gespräch. Nebendran im ehemaligen Bahnhofsgebäude gibt es das Café „Tacheles“, betrieben von ehrenamtlichen Mitarbeiter-/innen. Eine freundliche Atmosphäre und faire Preise erwarteten mich dort. An dieser Stelle ein herzliches Danke für die ehrenamtliche Arbeit !
Zugang zum Café Tacheles vom Stadtgebiet aus.
Eine Draisine unbesetzt im Bahnhof und einmal im Betrieb….
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…mit fränkischer Firmenwerbung.
Wenn man sich eine Zeitlang am Wegesrand hinsetzt und lauscht, hört man verschiedene Sprachen. Die Nordbahntrasse wirkt als ein friedlicher Ort, an, dem verschiedene Menschen gut miteinander auskommen können. Das sei auch das Ziel des Projekts, so schreibt es die WuppertalBewegung auf ihrer website.
Gut gestärkt und erleichtert, weil die Sonne gerade nicht runterbrannte fuhr ich weiter Richtung Wuppertal-Nächstebreck (und Sprockhövel).
Die Signale stehn auf GRÜN!
Noch einige TUNNEL sollten kommen.
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Die letzten Ausläufer des Stadtgebiets Wuppertal. Es muß der Stadtteil Barmen gewesen sein.
Der ADFCist auch regelmäßig an der Nordbahntrasse vertreten.
Rechts im Bild (Ausschnitt): Skaterhalle und angrenzend das Café Nordbahntrasse.
An der Haltestelle W-Wichlinghausen ist erstmals auch eine Wiese, auf der man sitzen, plaudern, spielen oder toben kann.
Ob des schee is in Schee? Mal schauer…
(Ob das schön ist in Schee? Mal nachschauen…)
Bisher fuhr man an Freiflächen vorbei, eben, manchmal bebaut mit ehemaligen Industriegebäuden oder Bahnhofshäusern, die inzwischen umgenutzt werden.
Jetzt: Szenenwechsel. Einen Zug, der hier durchfährt, kann man sich gut vorstellen. Die große Bauart einer Lok mit Waggons paßt zu diesen hohen, steilen Wänden. Als Radfahrer-/in ist man beim Durchfahren der Strecke doch beeindruckt, so klein kommt man sich vor… . Solange nichts herunterkommt und die Wände halten, kann man beruhigt vorbei radeln.
Felsabschnitt Bramdelle
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Nach Wuppertal (wenn das Stadtgebiet dann mal zu Ende ist) öffnet sich die Landschaft und neben der Trasse sind nicht nur mehr Häuser, sondern auch grüne Hügel und Bäume zu sehen: Landkreis Ennepe-Ruhr (Autokennzeichen: EN). 23 km lang habe ich nun das Stadtgebiet Wuppertal durchquert.
Dieser Wegabschnitt liegt im „Dolinengelände am Hölken.“ Für die geologisch Interessierten hier die Infotafel dazu:
Endlich freie Sicht…
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Doch die Klauen der Stadt reichen weit… noch ist man nicht ganz draußen. Der Haltepunkt Bracken ist gleichzeitig der Bahnhof Wuppertal-Nächstebreck…..
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…..der einmal sehr bedeutend für die Bevölkerung gewesen war:
Noch ein Relikt aus der aktiven Bahn-Zeit der Strecke:
Und weiter geht´s….
Bin ich plötzlich……im Wald?? 😉
Uuuuaah, da soll ich reinfahren? Das sieht aus wie ein Gefängnis…. Die zwei Damen, die vor mir fuhren, waren ebenfalls nicht begeistert: es ist doch einige Grad kühler da drin. Ist aber ganz angenehm, wenn es sommerliche Temperaturen hat.
Der Schee-Tunnel.
Neben dem Tunnel-Eingang: KEIN ZUGANG FÜR MENSCHEN.
..ob die Fledermäuse Fans der Operetten von Johann Strauß sind?
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In Schee endet die Nordbahntrasse. Danach kann man auf der Kohlebahntrasse weiter Richtung Hattingen fahren.
STRECKENÜBERSICHT der Bahnlinien Rheinische Bahngesellschaft
Die Zeichen ganz oben auf dieser Tafel werden mich ab jetzt begleiten (das müssen alles Bergmanns-Werkzeuge sein… wird Zeit für einen Besuch im Bergbaumuseum Bochum…)
Das Bahnhofsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Schee. Schee sieht´s aus… Es ist in Privatbesitz, daher ist Betreten nicht erlaubt. Wer möchte schon, dass fremde Leute ins eigene Wohnzimmer reinlaufen…
eine Uhr am eigenen Haus…ist nicht verkehrt, finde ich. 🙂
Nach dem Bahnhof Schee geht es hier runter Richtung Hattingen. Die ganze Zeit hatte ich auch das Gefühl, an einem Fluß entlang zu fahren… doch hier war kein Fluß, sondern entweder pflanzliche Wildnis, Häuser oder Felsen oder – Autostraße.
Es macht hier noch mehr Spaß, zu fahren… weil immer weniger Leute unterwegs sind. Richtig sausen ist nun möglich… (bei trüben Wetter ist die Nordbahntrasse wohl auch leerer als an diesem sonnigen Sonntag).
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Freie Sicht…
Dieser Wegweiser (folgendes Bild) hat mich zuerst in die Irre geführt. Vor meinem Ziel Hattingen wollte ich Sprockhövel erreichen. Die Kohlebahntrasse wird von einer Landstraße (in Sprockhövel: Wuppertaler Straße) unterbrochen, gegenüber läuft sie weiter – doch nebenan geht die Straße in den Ort rein. Ich irrte fast 30 Minuten in Sprockhövel (es gab auch Ober-Sprockhövel, die Großstadt auf dem Land! 😀 herum, beobachtete eine Fußballmannschaft, die auf dem Sportplatz ihr Spiel beendet hatte und grade den Platz verließ, fragte zwei Passanten nach dem Weg… um dann doch wieder die Trasse zu finden. Schnauf. Es war schon später gewesen… Kurios in Sprockhövel: es gibt eine ehemalige Kirche, die nun ein Wohnhaus ist. Sie diente mir als Orientierungspunkt zusammen mit der Straße namens „Im kühlen Grunde.“ (es gibt ein furchtbares Volkslied mit ähnlichem Namen, dass mal ein Chor, in dem ich Mitglied gewesen war, gesungen hatte. Nun, diese schreckliche Erinnerung hatte auch ein Gutes: Der Liedtitel half mir, mir den Weg zu merken).
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Ach ja und Bossel ist ein Stadtteil der Großstadt Sprockhövel. Der Name dieses Ortes wird mir erst mal in Erinnerung bleiben 😉
Das ist das Schöne am Ruhrgebiet: der Nahverkehr ist gut vernetzt. Der Zug, bzw. S-Bahn fährt nach Essen, die Straßenbahn 308 (beide Haltestellen sind nur wenige hundert Meter voneinander entfernt) nach Bochum. Wieder konnte ich während der Fahrt die Orte Hattingen und Bochum nicht auseinanderhalten, weil die Besiedelung so eng ist.
Schön war es…und ein paar nette Menschen habe ich auch getroffen. Beim nächsten Mal möchte ich noch weiter fahren… dann hält mich auch das Fotografieren nicht mehr so lang auf 😉
Die Bürgerinitiative, die den Radweg auf der Nordbahntrasse Wuppertal erst möglich gemacht hat (zusammen mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern): https://de.wikipedia.org/wiki/Wuppertalbewegung