Das neue Ende der Banane

Sicher von A nach B zu kommen, ist für Autofahrende und Stadtverwaltungen eine Selbstverständlichkeit, handelt es sich doch um den „richtigen“ Verkehr. Radverkehr spielt schon immer in Deutschland nur eine geringe oder keine Rolle, deshalb muss für diesen auch keine Infrastruktur gebaut werden. Oft darf man sich als Radler*in anhören: „jetzt wurde doch dieses und jenes vor 10 Jahren gemacht, das reicht doch.“ NEIN, EBEN NICHT! Radverkehr muss kontinuierlich gefördert werden, der Umbau und Ausbau für den Radverkehr ist eine ständige Aufgabe. Der Klimawandel macht ein Umdenken bei der Mobilität nötig. Nur wer sich sicher fühlen kann, fährt auch Rad – oder muss viel Mut auf deutschen Straßen haben – leider. Politisch ist es nicht anders gewollt, die Verkehrstoten werden fast klanglos hingenommen.

Es gibt tatsächlich wenige sichere Wege für Radfahrende in Dortmund. Einer davon ist der Bananenradweg, eine ehemalige Bahntrasse vom Stahlwerk Hoesch in Hörde (Hörde war bis ins 20. Jahrhundert hinein eine eigene Stadt). Als ich noch in der Nordstadt wohnte, war ich öfter auf dieser Bahntrasse unterwegs, zuerst noch mühsam über einen Sand-/Schotterweg, was sich dann „wassergebundene Decke“ nennt. Ein Weg, womit man den Menschen das Radfahren abgewöhnen kann: bei Regen werden Rad und Fahrer*in mit Schlamm verdreckt, bei trockener Witterung ist man voll von Staub. So will niemand an seiner Arbeitsstelle ankommen! Seit Mai 2019 ist der Bananenradweg endlich komplett asphaltiert.

Inzwischen wohne ich nicht mehr in der Nordstadt, gestern und heute (24. und 25.02.24) aber war ich wieder im Bezirk Innenstadt-Ost, Grenze zur Nordstadt, unterwegs. Am Samstag, den 24. Februar 2024 hatte es immer wieder stärkere Schauer am Nachmittag gegeben, also sah man besser zu, nach Hause zu kommen. Heute am Sonntag, den 25. Februar, scheint nachmittags die Sonne. Schon vor einiger Zeit hatte ich von der Fortsetzung der „Banane“ gehört, das wollte ich mir doch jetzt mal ansehen! Zeit hatte ich und das Wetter passte auch. Und tatsächlich: wo erst verwilderte Botanik und ein Brachfeld gewesen war, gibt es nun einen aspahltierten Weg in Richtung Norden.

Ankündigungstafel der Stadt Dortmund zum Bau des Bananenradwegs – Fortsetzung.

Die Wegweisung ist aber noch die alte, was für Ortsunkundige verwirrend und schlichtweg falsch ist.

Als ich den Weg entlang fuhr, wußte ich noch nicht, WO dieser enden würde…. ein Gebäude mit dem Logo der Stadtwerke in der Ferne wirkte fremd, kannte ich das wirklich nicht? An der Rückseite von Häusern mit Gärten vorbei, am vergitterten Amtsgerichts-Gelände… dann Serpentinen als Abfahrt vom Bananenradweg, noch unvollständig. Am aktuellen Wegesrand wird auch noch gebaut. Ein separater Fußweg dazu bitte! Denn der Weg jetzt ist zu schmal für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen.

Und dann landete ich in der Güntherstraße, ca. 100 Meter von der Weißenburger Straße entfernt. Dafür waren also die Bauarbeiten an dieser Stelle der Güntherstraße gewesen, inklusive der Absperrung! Es macht Spaß, auf diesem Weg zu fahren. Komplett fertig ist das Ende der Banane noch nicht.

Stolperfalle, vor allem im Dunkeln (wenn die Straßenlampen nicht alles ausleuchten sollten): am Eingang zum Serpentinenweg, hinab zur Güntherstraße fehlen die Pflastersteine.
Die Abfahrt vom Bananenradweg zur Güntherstraße über Serpentinen: noch im Bau. (Stand Februar 2024).

Hach, das im Hintergrund war das Heizkraftwerk der Stadtwerke! Natürlich kannte ich das. Vor einigen Jahren bin ich dort regelmäßig vorbei geradelt.

Allerdings: wer in Richtung Südstadt will, für die oder den ist die Fortsetzung der Banane ein Umweg. Man muss die Weißenburger Straße wieder ein Stück zurück fahren, um dann wieder auf den Radwall am Ostwall und damit weiter Richtung Südstadt/Saarlandstraßenviertel zu kommen. Deshalb wäre nach dem Amtsgericht eine Abzweigung sinnvoll gewesen. So schön jetzt der Bananenradweg und die Teilstücke des Radwalls auch sind: es ist immer nur hier und da ein Stückchen für den Radverkehr, das die Stadtverwaltung als Infastruktur gestaltet. Möglichst dem Autoverkehr nichts wegnehmen, das eigene Wähler*innenklientel nicht verärgern. Ein großer Wurf, eine echte Maßnahme, um Radfahren in der Stadt Dortmund wirklich flächendeckend sicher für alle Radfahrenden – also nicht nur den ohnehin immer radelnden mittelalten weißen Mann – zu machen, sind diese Wege NICHT.

Das ist das Ende des Radwalls, dem Zweirichtungsradweges auf Höhe der Löwenstraße/Adlerturm. Wer jetzt Richtung Südstadt/Saarlandstraßenviertel fahren möchte, ist gut beraten, links in die Töllnerstraße zur S-Bahnstation Stadthaus zu fahren. Von dort aus kommt man in einem Pingpong-Spiel über mehrere Fußgängerampel-Überwege in die Sonnenstraße. Es soll ja nicht langweilig werden beim Radeln! Da kann man an der Ampel auch schon mal warten und philosophieren, was sich die Stadtverwaltung als nächstes ausdenken könnte.

So SEIEN SIE GESPANNT und lesen bald wieder ein Kapitel aus dem Roman:“Die unendliche Geschichte der Radinfrastruktur in Dortmund.“ Veröffentlicht in Ihrer Lokalpresse und diversen Blogs zum Thema Radfahren. Stay tuned!

Hinterlasse einen Kommentar